Weihnachtsfeier

Ich wollte wirklich nicht lästern!

Theoretisch hätte es aufgehen müssen: 48 Personen waren im Bus gewesen, zwei weniger als geplant, weil Gundula der Ischias plagte und ihr Herbert deshalb auch nicht ausgehen konnte. Es waren tatsächlich zwei Plätze übrig, also so rein rechnerisch. Und doch reichte es hinten und vorne nicht, weil Else nicht am Kopf der Tafel sitzen und Georg nicht aufrücken wollte, so dass die Schneiders hätten getrennt sitzen müssen, was prinzipiell ein Unding und ganz und gar unmöglich war.

Auch problematisch war das Tischbein, dass sich zwischen den Knien von Elvira Povalek befand, denn Elvira trug einen schmalen Rock, und der wurde durch das unbequeme Hindernis in unanständiger Weise nach oben geschoben. Die acht Plätze mit den Tischbeinen blieben also frei, man holte statt dessen noch Tische aus dem Nachbarzimmer und deckte diese neu ein. Das ging jedoch nur, indem man den langen Tisch weiter an die Wand schob, was für Hans und Liese unbequem war, weil hinter ihnen ein großer Kaktus stand. Hans setzte sich also doch an ein Tischbein und Liese quetschte sich neben Elvira Povalek an einen Tisch, der eigentlich schon voll war. Das Personal brachte neues Geschirr und Besteck und auch ein paar Servietten, denn Elvira Povalek hatte bei all dem Aufruhr die Vase mit dem weihnachtlichen Ilex umgestoßen.

Als endlich alle saßen – mehr oder minder bequem – hielt der Vorsitzende des Landvolkverbandes e.V. eine Rede und würdigte diejenigen, die sich im vergangenen Jahr rund um den Verein sowie die Region besonders verdient gemacht hatten. Das war zum einen Schneider, der die jährliche Leistungsschau des Kaninchenzuchtvereins wie immer hervorragend organisiert hatte, dann natürlich wie jedes Jahr die Schwestern Hanni und Uschi für ihre Altenarbeit und Elvira Povalek für ihre 40-jährige Vereinsmitgliedschaft. Auch Ernst Povalek wurde geehrt, postum, denn er war im Januar verstorben.

Nach der Rede wurde es ernst, die Getränke kamen. Die Vereinsälteste brachte einen Toast aus und wünschte frohe Weihnachten. Die Suppe kam und Elvira Povalek hatte keinen Löffel.

2 Kommentare zu “Weihnachtsfeier

  1. Es geht auch anders: Wir – das waren 25 Personen, die Führungskräfte mit ihren Partnern/Partnerinnen in einer wohlbekannten Lokalität in Münchens Prinzregentenstraße – saßen in einem engen, viel zu kleinen Raum. Die letzten Plätze war direkt an der Tür, so dass die Bedienung kaum den Raum betreten konnte, um die ersten Getränkebestellungen aufzunehmen. Dann kam Ferdinand, der Überraschungsgast und – was die meisten von uns nicht wußten – designierter Vorsitzender der Geschäftsführung der Firma, deren Führungskräfte hier versammelt waren. Ferdinands Präsenz brachte den Raum, wenn er (der Raum) denn ein Fass gewesen wäre, zum überlaufen. Ferdinand passte nicht mehr hinein. Eigentlich, denn dann wurde die Tür ausgehängt und Ferdinand in die Türfüllung platziert.

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