Einer geht noch

„Geht doch noch …“ lautete die Aufgabe im Schreibworkshop. Das war einfach, denn gerade am Wochenende zuvor ging was. Wie so oft kam es unverhofft …

Einer geht noch

Schnapsglas, Schnaps, Korn„Einer geht noch!“, ruft Eric und hält Günther sein leeres Glas hin. Der Wirt nimmt das Gerippte, füllt es an der Zapfanlage mit frischem Apfelwein, reicht es seinem Stammgast über die Theke und macht noch einen Strich auf dessen Deckel.

„Und für die Hasen da noch je einen Schnaps. So einen, wie die eben schon hatten.“

Verblüfft registriere ich, dass ein Korn vor mir platziert wird – noch einer. Ich hatte doch eigentlich nur zwei gewollt: Zwei, weil man auf einem Bein nicht stehen kann. Man muss immer mindestens zwei Schnäpse trinken, sonst fällt man um. Nun also der Dritte, spendiert von einem komischen Zecher, für den meine Freundin und ich „Hasen“ sind – Sachen gibt’s! Aber egal, dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, also weg damit.

Meine Freundin teilt meine Einstellung, wir bedanken uns artig bei dem edlen Spender, prosten uns und ihm zu und kippen den Korn dann dahin, wohin er gehört: ganz tief nach hinten in den Hals. „Nicht lang schnacken, Kopp in’n Nacken“, heißt das in meiner norddeutschen Heimat. Und es ist gut, dass wir so schnell sind, denn Eric hat schon nachbestellt. Was für ein Tempo! Wenn man da zu lange zögert, wird das Zeug warm und schmeckt richtig fies. Wir zögern nicht, einer geht noch.

Mit Eric, dem einsamen Zecher, der auf Deckel säuft, und Günther, dem ruhigen, stoisch wirkenden Wirt, machen wir Konversation. Wir sind erst zum zweiten Mal in dieser Kneipe, aber vergessen wird man uns hier wohl nicht, denn wir sorgen für reichlich Umsatz. Das ist nicht unsere Schuld, sondern die von Eric, der auf uns Hasen fliegt und irgendwann beschließt, dass ich ihn an diesem Abend nach Hause bringen müsse – für mich ein deutliches Zeichen zum Aufbruch. Natürlich in Richtung meines Zuhauses, nicht Erics. Ein kurzer Abschied, nochmal ein Dank für gefühlte 18 Schnäpse und dann der mühsame Abstieg aus der Kneipe die fünf Stufen runter. Kompliziert, aber es geht. Überhaupt geht Vieles an diesem Abend, wer hätte das gedacht.

Am nächsten Morgen geht deutlich weniger. Aber so ist das halt nach diesen besonderen Nächten: Irgendwas an Zeche zahlt man immer, und wenn es mit Kopfschmerzen ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s