Obstmus

Äpfel und PflaumenDen ganzen Monat über habe ich Äpfel gesammelt. Es gab nämlich bei uns in der Kantine die Aktion „An Apple a day keeps the doctor away“, und ich habe ganz brav jeden Tag einen mitgenommen. Nun kann ich rote Äpfel gar nicht gut vertragen und so esse ich die nie roh, sondern koche Apfelmus daraus. „Aus diesen Äpfeln kann man doch keinen Apfelmus kochen!“, protestierten die küchenbewanderten Kolleginnen und ich widersprach. Aus Prinzip, und weil man aus jedem Apfel Apfelmus kochen kann. Irgendein Brei wird das schon. Ist halt nur die Frage, wie der schmeckt.

Ich sammelte also emsig Äpfel und war wohl so putzig in meinem Eifer, dass mir der eine oder andere Kollege seine tägliche Obstzufuhr schenkte. Die Ausbeute meiner Bemühungen lagerte ich auf meinem Schreibtisch – so lange, bis der Leidensdruck bei meiner ordnungsliebenden Kollegin Claudia so groß wurde, dass sie meine Apfelbestände in ihrem Schreibtisch einschloss, wohl um sie vor den zu erwartenden Schwärmen von Fruchtfliegen zu verstecken. Ich verlagerte also mein Apfellager in meine Küche und trug alle paar Tage die Neuankömmlinge mit heim.

Gestern war es dann so weit: Ich wollte Apfelmus kochen. Und weil die Äpfelchen wirklich recht klein waren, beschloss ich, bei Rewe noch einen Sack dicke säuerliche Äpfel dazu zu kaufen. Im Supermarkt dachte ich dann jedoch an Mutterns legendäres Dreimus mit Apfel, Birne und Pflaume und entschied mich, ein Zweimus aus Äpfeln und Pflaumen zu machen. Rund anderthalb Kilo dicke Pflaumen wanderten in meinen Einkaufskorb. Zwetschen wären sicherlich besser gewesen, aber die gab es gerade nicht.

Zuhause angekommen, schälte und schnippelte ich los. Die Äpfel waren wirklich verdammt klein – wenn man sie geschält und das Gehäuse entfernt hatte, blieb nicht mehr viel übrig. Aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, und als ich alle Äpfel niedergemacht hatte, war doch schon eine schöne Menge im Topf. Die Pflaumen waren noch ergiebiger, aber leider sehr süß – in Kombination mit den ebenfalls süßen Äpfeln würde das nicht dolle schmecken. Also schütte ich zum Kochen eine ordentliche Portion Orangensaft mit in den Topf – man muss sich zu helfen wissen. Außerdem muss der Amaretto mal weg – es landete also auch ein ordentliches Quantum Prost im Obst.

Und dann hieß es kochen. Und natürlich probieren. Weil mir immer noch ein wenig Säure fehlte und die Farbe usselig aussah, kramte ich in meinem Schrank herum auf der Suche nach Preiselbeeren. Ich fand statt dessen ein Glas Sauerkirschen – auch gut. Die Kirschen wurden im Mus versenkt und machten das Ganze schön rot.

Mein Obstmus wurde richtig gut. Ich habe etliche Boxen im Tiefkühler verstaut und heute gleich mal Pfannkuchen mit rotem Mus gegessen. Lecker war‘s. Nur der Amaretto, der war nicht mehr so recht zu merken. Irgendwie hat der sich unter der Übermacht der Vitamine wohl schamhaft zurückgezogen.

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