Frankfurter Missverständnis

Eine ganz und gar wahre Geschichte! Diese wurde beobachtet aus einer Straßenbahn der Linie 16, die ich gerade wegen ihres Unterhaltungswertes sehr schätze. Bloggerkollege Rainer Franke sieht das übrigens anders mit dieser Bahn, er will sich mit dieser Linie einfach nicht anfreunden.

Frankfurter Missverständnis

Frankfurter Straßenbahnschienen

An einem Freitag Nachmittag unterlief mir ein Missverständnis. Denn ich sah eine Szene ohne Ton und dachte, sie reden im Guten miteinander, der dicke Mann und die dicke Frau.

Was war passiert? Ich saß in der Straßenbahn und sah hinaus, müßig, schläfrig fast. Neben der Bahn radelte eine Frau so um die 60. Sie war flott unterwegs auf ihrem Rad, mal war sie vorne, dann wieder führte die Bahn. Irgendwann wechselte sie die Spur, fuhr nun auf einem kombinierten Rad- und Fußweg. Und dann traf sie ihn, den dicken Mann.

Der Mann sah aus wie Willi Millowitsch in aufgestumpt und trug ein großes Kuchenpaket. Er ging auf die Frau zu, freudig, wie mir schien, auf jedem Fall aber mit großem Hallo. Auch sie rief ihm etwas zu. Verstehen konnte ich sie nicht, ich saß ja in der Straßenbahn, die vor einer Kreuzung hielt. Und so wahr ich völlig verblüfft, als die beiden Leute plötzlich anfingen, sich zu hauen: Sie patschten mit den Händen aufeinander ein wie die Kinder, jeder mit nur einer Hand. Er, weil er das Kuchenpaket hatte, sie musste ihr Fahrrad festhalten.

Ich gaffte fasziniert aus dem Fenster. Lustig – da schlugen sich zwei, von denen ich eben noch gedacht hatte, dass sie sich freuen würden, einander zu sehen. Ich nahm an, sie würden den Kuchen miteinander teilen. Dieser Gedanke verflüchtigte sich so schnell wie die Keilerei draußen in Schwung kam – und die kam schnell in Schwung. Die beiden Leute schubsten einander und gingen beide zu Boden. Sie strampelte in ihrem Fahrrad verfangen herum, er knallte auf sein rundliches Hinterteil, rollte rücklings ab und schmiss dabei das Kuchenpaket hinter sich. „Ey, Alder, da geht’s ab, was machen die denn da?“, wunderte sich der junge Mann neben mir und glotzte genau so dumm raus wie ich.

Erstaunlich behände rappelten sich die beiden Kontrahenten wieder hoch. ‚Nicht weiterfahren, Straßenbahn!‘, dachte ich aufgeregt, ‚ich muss das sehen! Ich muss doch wissen, wer gewinnt!‘ Der dicke Mann rannte mit erhobenen Fäusten auf die Frau los, welche sich gerade anschickte, ihm ihr Fahrrad ins Gemächt zu rammen. Doch dann kamen Leute dazu, Passanten, die sich von der ersten Überraschung erholt hatten und offenbar nicht so blutgierig waren wie ich. Sogar aus der nahen Fleischerei kamen Helfer gelaufen.

Als die Straßenbahn wieder anfuhr, beruhigte ich mich. Und ich schämte mich auch ein wenig, über meine Sensationsgier und meinen Spaß an dieser unwürdigen Szene. Das Einzige, was mich aufbaute, war die Tatsache, dass ich mit meinem Verhalten nicht alleine gewesen war. Denn dass die Straßenbahn bei all denen, die sich nach rechts zum Fenster begeben hatten, nicht umgekippt ist, ist wirklich ein Wunder.

4 Kommentare zu “Frankfurter Missverständnis

  1. Die Keilerei pasierte nur, weil Du genau in der 16 gesessen hast. Die übt auf die Welt eine negative magische Kraft aus. Mit vernünftigen Argumenten ist das nicht zu erklären. Wärst Du wenigstens mit der 15 gefahren, … Ich habe da so meine einschlägigen Erfahrungen.
    Jedenfalls bestätigt Dein Bericht meine Abneigung gegen die Straßenbahn im Allgemeinen und gegen die 16 im Besonderen 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. hahaha…ich hätte auch fasziniet zugeschaut… das sich Menschen tatsächlich körperlich angreifen, tagsüber…auf offener Straße…evtl. war der Mann sauer weil die Frau mit dem Rad ihn in seiner Freiheit auf dem Fussweg behindert sah…
    ich fahre manchmal mit der 16, aber ehrlich gesagt finde ich es weder besonders anziehend, noch abstoßend…es ist eine Bahn und die bringt mich von A nach B….ohne besondere Vorkommnisse 🙂

    Gefällt 1 Person

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