Die Teeküche

Mal wieder eine Miniatur aus dem Schreibworkshop. Gegeben war lediglich der Anfang: „Ich hätte mich…“ Die Geschichte um die Teeküche hat sicher einiges Wahres: Es gibt immer Kollegen, die die Gemeinschaftsräume verwüsten. Genau wie es immer Kollegen gibt, die auf die Minute pünktlich nach Hause gehen und sich dann darüber wundern, dass die, die die Nachtschichten geschoben haben, zum Abschluss nicht auch noch geputzt haben. Und auch die Herberte gibt es – die ganzen Kerle, mit allem, was dazu gehört.

Die Teeküche

„Ich hätte mich fast übergeben!“, rief Gertraude Weber, und die Empörung war ihrer Stimme deutlich anzumerken. „So eine Ferkelei!“ Ihr Kollege Herbert grinste. Gertraude stand in dem Ruf, immer ein wenig etepetete zu sein. Sie fand schnell etwas erschütternd oder zumindest unkultiviert. In diesem Moment echauffierte sie sich über die unaufgeräumte Teeküche, in der einige Kollegen, die offensichtlich lange gearbeitet hatten, leere Pizzakartons und einige Bierflaschen hatten stehen lassen. Eigentlich war es gar nicht so schlimm, nur war der Knoblauchgeruch, vermischt mit Bierdunst sowie – wahrscheinlich – auch etwas streng verbotenem Zigarettenrauch – penetrant gewesen.

„Jaja, Traudchen, das ist echt ‘ne Schweinerei und zum Kotzen“, meinte Herbert und brachte die aufgeregte Kollegin durch diese derbe Äußerung noch mehr in Wallung.

„Ich bin nicht Ihr Traudchen, Herr Schulz!“, keifte sie. Sie glauben doch nicht wirklich, dass hier niemand weiß, dass Sie es immer sind, der hier heimlich raucht. Und wenn sie denken, dass ich das hier aufräume …“

„Ach bitte, meine Liebe, ich denke gar nicht, dass wissen Sie doch. Und wenn sie das ohnehin wissen mit den Zigaretten, dann kann ich mir ja auch eine anzünden. Die schmecken mir immer so gut zum ersten Kaffee.“ Er fummelte eine Gauloises aus dem Päckchen. „Unterstehen Sie sich, in meiner Anwesenheit zu rauchen, Sie ungehobelter Klotz!“ Gertraude machte auf dem Absatz kehrt und rauschte zur Tür. Den beherzten Abgang behinderten jedoch zwei junge Kolleginnen, die gerade die Teeküche betraten und dadurch den Laufweg versperrten.

„Nanu, Frau Weber, gibt es Probleme?“, fragte Carola. „Mit mir nicht! Aber fragen Sie doch einmal diesen überdimensionierten Primaten, wer wieder diesen Raum hier verwüstet hat!“ Um die Anklage zu verstärken, wies sie mit dem Finger auf Herbert, beendete dann mit einem zornigen Aufstampfen den Auftritt und verschwand.

„Ach Herbert“, seufzte Carola, „was hast du denn wieder angestellt?” Der Kollege zuckte gleichgültig die massigen Schultern. „Das ganze Wochenende an der Kampagne gearbeitet, zusammen mit Petra und dem Klose. Und ab und zu mal was gegessen. Und eine geraucht, gestern Abend um halb zwölf.“

Die beiden Kolleginnen nickten, so hatten sie sich das gedacht. Die Küche sah wirklich schwer nach einem Wochenendeinsatz aus, aber so was kannte die halbtags arbeitende Gertraude natürlich nicht. „Aber du sollst doch die Weber nicht ärgern, Herbert. Die kriegt sonst Migräne.“ Herbert schmunzelte und zündete seine Zigarette nun doch an. „Aber ich ärgere sie doch gar nicht“, antwortete er nach dem ersten tiefen Zug. „Sie liebt mich. Ich bin ein ganzer Kerl, mit schlechten Manieren und Stinkesocken. Das ist genau das, was sie braucht.“

In unserer Teeküche findet man auch öfter sowas …

Ein Kommentar zu “Die Teeküche

  1. Ja,ja, die lieben Kollegen. Zu meiner Zeit war es Annette, eine wirklich Nette, nur nicht mittags. Da hat sie fast jeden Tag in der Teeküche irgendetwas mit Käse überbacken. Es war zum Davonlaufen.

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