Zufallsbegegnung

Mal wieder das altbekannte Spiel: ein gegebener Anfangssatz und wenig Zeit, etwas daraus zu machen. Bei mir kam ein Wiedersehen dabei heraus:

Zufallsbegegnung

alte Freunde

Jahre später, sie waren längst erwachsen, traf Maren Gerold per Zufall auf der Straße wieder. Fast hätten sie einander nicht erkannt, ja, tatsächlich war Maren schon an dem alten Spielkameraden vorbei, als Gerold sie ansprach: „Maren?“ Sie drehte sich um, erkannte ihn und doch nicht. Aus Zweifel wurde Gewissheit, auf ihrer beider Gesichter erschien ein breites Lächeln. „Maren! Mensch, bist du aber groß geworden!“ Fast zeitgleich rief sie aus, was ihr gerade durch den Kopf ging: „Gerold! Wo sind denn deine Haare hin?“ Und dann lagen sie sich in den Armen, lachend und verwirrt, denn auch wenn sie sich damals, mit 10 und 12 Jahren, für verlobt erklärt hatten, hatten sie sich doch bald danach aus den Augen verloren und einander über 30 Jahre lang nicht gesehen. Und jetzt hier, in der Innenstadt von Oldenburg– was für ein unglaublicher Zufall.

„Hast du Zeit für eine Tasse Kaffee?“, fragte Maren und Gerold nickte. „Auch für zwei.“ Seinen Termin beim Zahnarzt „vergaß“ er einfach, schließlich war er über 40, das entschuldigte für so manches. Und so ließ er sich von ihr in die Stadtbäckerei ziehen, so wie er sich früher von ihr in die Eisdiele hatte ziehen lassen – zwei Mal zwei Kugeln im Becher, Zitrone und Schokolade. „Was, das weißt du noch?“, fragte Maren verblüfft, als er sie auf das Eis ansprach. „Ja, du ja scheinbar auch.“ Und so bestellten sie sich jeder ein Eis zum Kaffee, um der alten Zeiten willen, und später noch eines, weil sie noch nicht gehen wollten. Erst, als die Läden um sie herum schlossen und die Kellnerin alle freien Stühle um sie herum bereits auf die Tische gestellt hatte, zahlten sie und brachen auf.

Sie verabschiedete sich voneinander in dem Bewusstsein, dass sie sich wiedersehen würden, jeden Tag ab morgen, wenn es nach Maren ginge. Gerold war etwas verhaltener und auch viel verwirrter als sie, seine wiederentdeckte Jugendliebe, die Fee seiner Kindertage. Ja, er würde sie wiedersehen, bald schon und dann auch sehr oft. Aber er brauchte etwas mehr Zeit als sie, denn wie er das seiner Frau und den Kindern beibringen sollte, wusste er heute noch nicht.

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