Komische Gewohnheiten – fremde Facebook-Freunde sammeln

echte Freundschaft

Wie die meisten meiner Bekannten nutze ich Facebook, moderat zwar, aber manchmal mit viel Spaß. Ich habe da auch Freunde – klar, ohne funktioniert es ja nicht. Natürlich ist mir bewusst, dass der Begriff „Facebook-Freund“ etwas anderes beinhaltet als das, was mich mit wahrer Freundschaft verbindet. Dessen muss man sich bewusst sein, besonders, wenn man einige seiner Facebook-Freunde vielleicht nur virtuell kennt, sie in Foren oder direkt über Facebook kennen gelernt hat.

Auch ich habe neben lieben Freunden, Bekannten und Kollegen etliche Leute in meiner Freundesliste, die ich noch nie zuvor im realen Leben gesehen habe. Das finde ich auch völlig in Ordnung und bereichernd: Zum Beispiel möchte ich das drollige Gequassel mit der doppelt vorhandenen grafisch begabten Fantasieautorin aus Ostdeutschland nicht missen, die ich in einem Schreibforum kennenlernte. Oder die Mutter von Arpüün und den knörrigen Verleger, die ich vor Jahren im technisch schrottigen, aber damals so lustig besetzten KDP-Forum aufgegabelt hatte. Auch aus so manchem Geplänkel in irgendwelchen Gruppen entwickelten sich Freundschaftsanfragen, die ich immer gerne bestätige. Ganz zu schweigen natürlich von den Mitgliedern des ARS – Autoren RheinMain Stammtisch, bei denen ich immer hoffe, dass ich sie bald mal persönlich kennenlerne – wenn das noch nicht passiert ist.

Es gibt also viele Gründe für rein virtuelle Facebook-Freundschaften – Sympathie ist gewiss einer der wichtigsten. Aber in letzter Zeit frage ich mich immer öfter, was jemanden dazu bringt, einen anderen als Freund anzufragen, den er gar nicht kennt. Immer wieder habe ich Anfragen von Leuten, von denen ich noch nie gehört habe. Ich recherchiere dann immer nach: Ist derjenige mit mir in einer Gruppe? Haben wir mal in einer Autorengruppe miteinander geschwatzt, vielleicht irgendwo den gleichen Standpunkt vertreten? Kann das ein Pseudonym sein – ist vielleicht diese Annelise Fusslinger in einer Gruppe unter dem Namen Jolanda P. Drinkwater unterwegs? Hat da mal jemand in einer Handarbeitsgruppe ein mitleiderregend schiefes Häkelschaf gepostet, das ich geliked habe? Zustimmung verbindet, doch das wäre für mich schon ein recht dünnes Bändchen, selbst für eine Facebook-Freundschaft. Und oft finde ich nicht mal sowas bei den Leuten, die bei mir plötzlich auftauchen.

Anfangs hatte ich Hemmungen, jemanden als Freund abzulehnen – eine Ablehnung ist schließlich eine Zurückweisung, dachte der Engel in mir und stapelte die unbeantworteten Freundschaftsanfragen in einer Ecke meines Facebookprofils. Irgendwann erwachte jedoch das Teufelchen, dachte „Ist doch nicht mein Problem“ und lehnte an einem Nachmittag einen ganzen Sack voller fremder Freunde einfach ab. Danach beobachtete ich Facebook scharf: Alles blieb ruhig. Keine Tränen, keine Suizide, keine öffentliche Anklage. Kein Wunder, denn so wie ich heute weiß, kriegt man diese Ablehnungen gar nicht mit. Folglich lehne ich inzwischen Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, von denen ich noch nie zuvor gelesen habe oder die mir nicht sympathisch sind, einfach ab – schwupps. Das belastet mich nicht mehr, es wundert mich nur. Warum nur macht man das? Warum will man 2000 Leute in der Freundesliste haben, von denen man 1800 nicht kennt? Das wird doch total unübersichtlich. Und wie läuft die Auswahl bei einem solchen Anfrageverfahren? Ich gebe zu, ich verstehe das nicht …

Ein besonderer Fall in dieser Sache ist übrigens mein lieber Freund aus Bonn. Der ist eigentlich ganz vernünftig, macht auf Facebook aber komische Sachen: Er gab sich einen merkwürdigen Namen und begann eifrig damit, fremde Freunde zu sammeln. Sein Ehrgeiz war es eine Zeit lang, ausschließlich mit Unbekannten befreundet zu sein. Anfragen von wirklichen Bekannten wurden abgelehnt oder – wie in meinem Fall – man wurde gar wieder ent-freundet. Das bekam irgendwann eine ganz eigene Dynamik, er knüpfte erste Kontakte nach Übersee, „befreundete“ sich mit Freunden von Freunden, wurde ob seiner gar zu emsigen Bemühungen mehrfach von Facebook gesperrt und ist inzwischen gut vernetzt. Seine über 200 Freunde wohnen fast ausschließlich in Kanada, was nicht so praktisch ist, wenn man sich mal besuchen will. Aber einige gratulierten ihm im Mai zum Geburtstag. Ob er sich darüber gefreut hat, weiß ich leider nicht.

2 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten – fremde Facebook-Freunde sammeln

  1. Das kenne ich auch alles. Früher hatte ich zwei Accounts, einen mit realen Bekannten und einen für Hobby, Spielen und verrückten Kram. Inzwischen tummele ich mich nur noch real bei fb, dafür moderater. Ein paar wenige lediglich virtuelle „Freunde“ habe ich da allerdings auch. Ist wie die früheren Brieffreundschaften, die Personen kannte man ja auch nicht real.

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