Frau ohne Alter

Wandbild

Und – wie alt?

Ich bin eine Frau in den mittleren Jahren – so sagt man das wohl. Immer mal wieder denke ich darüber nach, wie andere mich sehen. Nicht, weil ich denke, dass ich besonders jung oder alt aussehe, sondern weil ich es selber immer so schwer finde, Leute „in den mittleren Jahren“ einzuschätzen.

Ich habe ja in der 3. Klasse für meine Eltern eine Lehrerin schätzen müssen. Mein damals völlig unbefangenes Urteil lautete „Aus den besten Jahren ist sie raus!“, was auch immer ich damit gemeint habe. Heute denke ich, dass die Lehrerin damals jünger war als ich heute. Aber für ein neunjähriges Kind ist das natürlich uralt. Wer weiß, vielleicht denken Kinder ja heute auch „die ältere Frau dahinten“, wenn sie mich sehen. Ist zwar eine komische Vorstellung, aber wohl normal.

„Wie alt schätzt du mich denn?“, diese oftmals kokett vorgetragene Frage bringt mich jedes Mal echt ins Schwitzen. Früher war das einfach, man selber war jung, der andere war älter oder in etwa gleichaltrig, das bekam man irgendwie hin. Inzwischen ist das gar Verhältnis oft nicht mehr so eindeutig. Da dachte ich doch, dass ein Kollege ein sehr alter Vater sei, und bekam zufällig mit, dass der viel jünger ist als ich und dass das mit den Kindern gar nicht außergewöhnlich ist. Gut, dass ich den nicht schätzen musste. Ein anderer Kollege, den ich immer auf „kurz vor der Rente“ geschätzt hatte, ist vor zwei Jahren erst 50 geworden. Folglich halte ich inzwischen immer meinen Mund, wenn es ums Alter geht.

„Noch sind wir die aufstehende Partei!“, beharrte kürzlich Freundin Antje, als wir in der Straßenbahn unsere Plätze für zwei ältere Leutchen räumten. Die wollten sich erst nicht so recht hinsetzen und fanden, das sei nicht nötig, aber die beiden waren deutlich klappriger als wir beiden. Und Antje hat recht, noch sind wir fit genug zum Aufstehen. Ich frage mich allerdings immer, wie ich mich fühlen werde, wenn irgendwann zum ersten Mal jemand für mich aufsteht. Hoffentlich ist das noch 20 Jahre hin.

Und eine Freundin in meinem Alter – von Beruf Lehrerin – erzählte kürzlich, dass selbst ihr Sohn nicht wüsste, ob sie jung oder alt sei – auch sie ist so eine „Frau ohne Alter“. Sie fragte ihren Sohn nach seiner neuen Lehrerin: Die sei noch recht jung, antwortete er, „In etwa so wie du“. Eine Woche später beschrieb er eine andere Frau: „Die ist schon älter. In etwa so wie du.“

Aha …

4 Kommentare zu “Frau ohne Alter

    • Ja – wenn mir das das erste Mal passiert, gucke ich bestimmt auch dumm. Einer Freundin wollte einmal ein netter junger Mann den Koffer die Treppe hochtragen. Das war bestimmt auch nett gemeint, aber angesichts der Tatsache, dass das ein winziges Köfferchen war, mussten wir darüber lachen 🙂

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  1. Für dieses zeitlose Alter habe ich mal (damals, als ich noch jünger war!) den interessanten Ausdruck gehört: „Frau im besten Mannesalter“. Was dann wohl alles zwischen knapp 40 und Mitte/Ende 50 sein kann.

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