Alltagsdemenz

Heute wurde ich mal wieder ein Opfer der gemeinen Alltagsdemenz. Damit meine ich diesen Zustand, der verursacht, dass man sich hinterher völlig verwirrt mit der Hand vor die Stirn klatscht und sich fragt, ob man eigentlich völlig durch den Wind ist.

Gurken

Gurken – Bild zur Verfügung gestellt von Q.pictures / http://www.pixelio.de

Zum Glück bin ich mit diesem Zustand nicht allein. Alltagsdemenz bewirkt, dass Leute am Mittwoch nicht zur Arbeit kommen, weil sie denken, dass Sonntag ist – oder am Abend zur Arbeit fahren, weil sie denken, dass Morgen ist. Sie macht, dass eine Kollegin sinnlos im Gang herumsteht und fragt: „Warum stehe ich hier? Irgendwas wollte ich doch, sonst hätte ich mich hier doch nicht hingestellt.“ Und sie bewirkt, dass mich ein Kollege versetzt, mit dem ich zum Mittagessen verabredet bin – um sich wenig später bei meinem Anblick daran zu erinnern und sich fürchterlich zu grämen (zurecht, mein Lieber, zurecht!).

Mich verließ mein Verstand heute auf dem Wochenmarkt: Schon heute Morgen hatte ich beschlossen, früh genug Feierabend zu machen, um auf dem Wochenmarkt am Südbahnhof noch einkaufen zu können. Ich wollte Kartoffeln kaufen, außerdem hatte ich Gelüste auf Senfgurken. Das habe ich etwa einmal im Jahr, und dann kaufe ich gerne bei dem Gurkenmann am Südbahnhof.

Ich eilte also gegen fünf im Büro los und fuhr mit dem Bus zum Südbahnhof. Gerade zur rechten Zeit: Das erste Obst gab es schon günstiger, wie immer kurz vor Feierabend. Ich kaufte eine sehr großzügig gefüllte Schale Erdbeeren – gewiss die letzten der Saison. Der Fischstand hatte noch Brötchen – schnell das letzte Matjesbrötchen fürs Abendessen sichern. Das würde prima zu meiner Senfgurke passen! Außerdem kaufte ich ein Sonnenblumenbrot, etwas Aufschnitt für obendrauf und was von der guten Schafskäsecreme. Oliven brauchte ich auch noch, mit Knoblauch und Mandeln. Und zu guter Letzt einen schönen Strauß Gladiolen – wahrscheinlich auch die letzten der Saison. Dann ab in die Straßenbahn und ab nach Hause. Was ich vergaß, waren die Kartoffeln und die Senfgurke.

Natürlich habe ich mir beim Auspacken des Rucksacks die Hand vor die Stirn geklatscht und mich gegrämt. Wie schusselig kann man denn eigentlich sein? Jetzt muss ich eine volle Woche warten, bis ich wieder die Chance auf diese besondere Gurke habe. Wer weiß, vielleicht habe ich dann gar keinen Appetit mehr darauf. Dann hätte ich die Chance auf meine Jahresgurke verpasst – und das wäre doch schade.

8 Kommentare zu “Alltagsdemenz

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