Kein rosa Hasenkostüm

Am letzten Wochenende nahm ich an einem Junggesellenabschied teil. Besser gesagt, ich musste einen Junggesellenabschied organisieren. Ich bin nämlich zum ersten Mal in meinem Leben Trauzeugin, was bewirkt, dass ich mich hinlänglich wichtig fühle und mir zeitgleich bewusst wurde, dass ich keine Ahnung habe, was eine Trauzeugin eigentlich macht. Nun, auf jeden Fall wurde ich darauf hingewiesen, dass ich diese Junggesellenveranstaltung mal angreifen sollte, und ich habe mich bemüht.

Traditionell ist es ja so, dass Männlein und Weiblein getrennt loslaufen. Das sollte bei uns auch so sein, allerdings bin ich die Trauzeugin des Bräutigams, während die Braut sich einen Tobias als Helfer auswählte. Meine Idee, die Jungs einfach laufen zu lassen und es mir derweil gemütlich zu machen, wurde kategorisch abgelehnt – ich musste also mit den Herren mit.

Verblüfft war ich über die Erwartungshaltung, die heutzutage existiert, wenn man sagt, man geht auf einen Junggesellenabschied: nicht etwa bei meinem Freund, dem Bräutigam, und auch nicht bei den anderen Teilnehmern. Aber bei meinen Kollegen kam schon die Frage auf, was wir denn Tolles machen: „Geht ihr ins Kasino? Fliegt ihr irgendwo hin? Hast du eine Limousine gemietet?“ Äääähhh… ne? Ich bin ja immer etwas schlichter strukturiert, ich hatte mir gedacht, wir treffen uns, gehen irgendwo was essen, ziehen danach von Kneipe zu Kneipe und schwatzen dabei. Wir wohnen ja alle in ganz Deutschland verstreut und sehen uns selten, da sollte es doch was zu erzählen geben? Auf vorsichtige Nachfrage bei den Teilnehmern kam der einfache Gedanke durchaus gut an, was mich beruhigte.

Auch plante ich nicht ein, meinem besten Freund ein rosa Hasenkostüm anzuziehen und ihm einen Bauchladen mit Kondomen drin um den Hals zu hängen – ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass ihn so was furchtbar nerven würde. Schließlich haben wir immer wieder über diese Gruppen gelästert, die dergestalt durch die Innenstädte ziehen und mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit allen anderen Leuten auf den Keks gehen. Um uns als Gruppe zu kennzeichnen, hatte ich allerdings für jeden ein goldglitzerndes Herzchen gebastelt, mit Blümchen beklebt und beschriftet – irgendeinen Effekt muss es ja haben, wenn eine Frau organisiert. Die Jungs sahen auch sehr hübsch damit aus – auch, wenn sie das zunächst nicht so recht wahr haben wollten.

Die Stadt Bonn zeigte sich an unserem Abend allerdings nur teilweise von ihrer besten Seite: Der als Treffpunkt ausgewählte Irish Pub hatte einfach mal geschlossen, obwohl wir dort einen Tisch reserviert hatten. Die angedachte Ersatzkneipe hatte geschlossene Gesellschaft und auch sonst war ich sehr froh, dass ich die Führung der Gruppe an den kneipenerfahrenen Bonn-Kenner Sebastian abgeben konnte. Der führte uns sicher von einem Bier zum nächsten Schnaps und es wurde ein sehr entspannter Abend bei warmem Sommerwetter. Es war schön, mit alten Jugendfreunden und neuen Bekannten aus Bonn so einen Abend zu erleben.

Und gelernt habe ich auch etwas an diesem Wochenende – und das hat mich beruhigt: Man hat ja manchmal das Gefühl, dass nur man selber älter wird und die Jahre an anderen spurlos vorbeiziehen. Doch die beiden Schulfreunde, mit denen ich im gleichen Hotel wohnte, hatten beide Rücken – und dabei waren doch gerade diese beiden sonst immer so unverwüstlich gewesen – sportlich und jugendlich. Als einer von beiden gleich zu Beginn der Tour über seine eigenen Rumpelfüße polterte und eine Treppe hinauffiel, haderte ich kurzfristig mit der Entscheidung, keine Limousine gemietet zu haben. Und einen Teilnehmer, den ich bestimmt zehn Jahre nicht gesehen hatte, habe ich (hoffentlich unauffällig) verwirrt angesehen: Der hat in der Zwischenzeit einfach fast alle seine Haare von sich geworfen – faszinierend! Andere Leute altern also auch – was für eine Erkenntnis!

Auch habe ich gelernt, dass wir mit steigendem Alter doch ein wenig vernünftiger sind als früher: Es war mächtig warm und der eine oder andere entschloss sich zwischendurch dafür, ein Wasser oder einen Saft zu ordern. Das wäre früher anders gewesen und wir hätten nach Hause kriechen müssen. So waren wir zwar wahrlich nicht nüchtern, konnten aber noch ohne Hände laufen und am anderen Morgen das Frühstück in unserem urigen, etwas abgeranzten Hotel genießen.

5 Kommentare zu “Kein rosa Hasenkostüm

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