Parkverbot

Mal wieder eine Miniatur aus dem Workshop. Gegeben waren ein Strand, ein Polizist und ein Motorradfahrer. Und der stand bei mir im …

Parkverbot

Kein Beerdigungsparken – Bild zur Verfügung gestellt von Franziska Abeßer / http://www.pixelio.de

„Sie dürfen hier nicht parken!“ Der Polizist wedelte energisch mit den Armen, so als wolle er Thomas aus dem Weg wischen.

„Wie bitte?“ fragte Thomas, der gerade sein Motorrad abgestellt hatte.

„Ja, bitte, Sie dürfen hier nicht parken. Hier ist kein Parkplatz!“

Thomas sah sich erstaunt um. Über 5.000 Kilometer war er mit dem Moped gefahren, einmal quer durch Europa, mit der Fähre nach Sizilien, von dort nach Afrika und dann auf verschiedenen Frachtern weiter in die Karibik. Auf menschenleeren Straßen war er unterwegs gewesen, hatte viel gezeltet oder in kleinen Dörfern in Hütten übernachtet, um hierher zu kommen: nach Golden Palm Beach, dem angeblichen Geburtsort seiner Großmutter. Und nun war er endlich angekommen, mit wundem Hintern und schmerzendem Rücken, um Großmutter Marias Asche hier zu verstreuen, an diesem leeren Strand. Das war ihr letzter Wunsch gewesen, den er ihr gerne erfüllen wollte. Und nun sollte er sein Moped hier nicht abstellen dürfen? Er fragte nach:

„Warum darf ich denn mein Moped hier nicht kurz abstellen? Ich brauche nicht lange, ich bin gleich wieder weg!“

„Nein!“, giftete der Polizist. „Da kann ja jeder kommen. Sehen Sie hier einen Parkplatz? Weiße Linien, Schilder, eine Schranke? Einen Parkscheinautomaten? Nein? Ja, warum wohl nicht, junger Mann? Hä?“

Thomas sah sich um. Formaljuristisch hatte der Mann vielleicht recht, es gab keine offiziell gekennzeichneten Parkflächen. Genau genommen gab es hier nur die holprige Straße, Steine, Sand, Palmen und Wasser. Naja, und ein paar Blumen und bunte Vögel und was es sonst noch so für Zutaten gab, die ein Paradies eben ausmachten. Er seufzte.

„Wo kann ich denn dann mein Motorrad abstellen?“ fragte er den Polizisten. Der nahm Haltung an und gab Auskunft.

„Der nächste offizielle Parkplatz mit Schranke und Parkscheinautomat ist in Kakadu-Bay, 87 Kilometer nach Nordwesten, die Küstenstraße runter, an der Kirche gleich links.“

Thomas erstarrte. 87 Kilometer? Das war ein schlechter Scherz! „Ich will doch nur meine Großmutter beisetzen“, stammelte er und der Polizist nickte verständnisvoll.

„Können Sie, junger Mann, können Sie. Kommen Sie einfach zu Fuß wieder.“

Thomas schüttelte verwirrt den Kopf. „Das geht nicht, ich habe nicht mehr so viel Urlaub. Ich habe schon einmal verlängert.“

„Tja, junger Mann, das kann ich Ihnen nicht helfen. Es sei denn …“

„Was?“, fragte Thomas.

„Es sei den, Sie buchen eine Dienstleistung beim örtlichen Bestatter. 500 amerikanische Dollar und die Sache geht klar. Ganz offiziell und legal.“

„500 Dollar? An wen? Für was?“

„An mich natürlich, für’s Ausstreuen. Denn ich bin hier der einzige Offizielle: Polizist, Richter, Henker, Bestatter. Noch Fragen?“

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