Zuckerwatte und Liebesapfel

Kürzlich war ich mit der ewigen Antje auf einem Festchen. Wir tranken moderat, aßen ein paar Kleinigkeiten und nahmen was zum Naschen mit nach Hause: Antje kaufte Schokoladenpopcorn, ich eine Tüte gebrannte Mandeln. Außerdem gönnte ich mir einen Obstspieß: Weintrauben mit bitterer Schokolade drumherum – das esse ich schon immer gerne! Und schon immer ist das eigentlich nicht essbar, denn die Schokolade platzt beim Abbeißen ab und fällt irgendwo hin. Ich fand ein Stück, das mir abhanden gekommen war, auf der Heimfahrt wieder: schön verteilt auf Rock und Bluse.

Liebesäpfel

Liebesäpfel und andere Leckereien – zur Verfügung gestellt von kleene-chris85 / http://www.pixelio.de

Während wir den letzten Äppler tranken, saßen wir auf einer Bank direkt gegenüber dem Süßwarenstand. Und es kamen Erinnerungen hoch, hauptsächlich an den Oldenburger Kramermarkt: An die roten Liebesäpfel, die meine Mutter uns immer so gerne kaufte, die so hübsch aussahen und mir aber überhaupt gar nicht schmecken. Schon das knirschende Geräusch, wenn man da reinbeißt – schrecklich – und wenn einem die roten Stückchen dann auch noch zwischen die Backenzähne geraten, quietscht es! Nein, das war nie mein Fall, meine Äpfel standen immer ein paar Tage angelutscht auf einem Tellerchen herum und wanderten dann in den Müll.

Besser waren Lebkuchenherzen. Die ließ ich zwar immer ewig hängen, was sie unter Garantie nicht besser machte, aber wenn sie dann einmal ausgepackt waren, nagte ich gerne daran herum. Ich hätte auch geteilt, aber meine Familie war der Sache zumeist eher abgeneigt, was wohl auch daran lag, dass ich zuerst tagelang die Dekoration abfummelte und so dafür sorgte, dass wirklich jeder Millimeter des Lebkuchens sorgfältig angegrabbelt worden war.

Am Besten aber fand ich auf Jahrmärkten die langen, hohen Zuckerwattehaufen, die damals noch ganz frisch hergestellt wurden und einem kleinen Kind riesig erscheinen musste. Heute werden sie in Tüten verkauft, sind manchmal bunt und viel fester als früher. Zum Essen ist das praktischer und auch sauberer, aber ganz das Original ist das natürlich nicht.

Zuckerwatte

Zuckerwatte in der Entstehung, Bild zur Verfügung gestellt von lichtkunst.73 / http://www.pixelio.de

Ich weiß noch genau, wie ich meine erste Zuckerwatte bekam: Ich wollte eine, weil meine große Schwester eine wollte – essen mochte ich die eigentlich nicht so gerne. Fasziniert sah ich zu, wie die Zuckerwattefrau einen Stängel in die Maschine hielt und sich allmählich ein weißes Gespinst zu der begehrten großen Zuckerwatte formte – wie das geht, habe ich bis heute nicht verstanden. „Machen Sie die mal nicht so groß für die Kleine“, bat mein Vater und ich wollte gerade aufbegehren, als die Dame sagte: „Ach, jetzt ist sie schon groß, wollen Sie die trotzdem?“ Und so trug ich stolz meine gigantisch große, fluffige Zuckerwatte über den Kramermarkt. Eine Seite sabberte ich etwas an, irgendwo in der Mitte, was die Sache instabil machte. Und dann, als wir schon zum Auto gingen, titschte ich mit meiner Süßigkeit an den Wollmantel eines vor mir laufenden Herrn. Meine eifrig herbeigeeilte Mutter konnte nicht verhindern, dass die Hälfte meiner Watte abriss und wie eine Klette an dem Mann hängen blieb. Und da der Mann deutlich schneller lief als meine Mutter das konnte, nahm er meine Watte mit. Damals fand ich das blöd, heute muss ich bei dem Gedanken, dass der arme Mann sich wahrscheinlich mit dem Wattehaufen im Kreuz in sein Auto gesetzt hat, ein bisschen kichern – was für eine Schweinerei! Der Rest der Watte wurde übrigens nie gegessen, sondern landete neben dem Liebesapfel auf einem kleinen Teller.

Nachtrag: Außerdem gab es damals auf Märkten immer noch dieses besondere Softeis, das mit einem Löffel auf die Waffel gestrichen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte, und sie muss an anderer Stelle erzählt werden.

2 Kommentare zu “Zuckerwatte und Liebesapfel

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