Flusskreuzfahrt 2015 – da ging’s lang

Das optisch Beeindruckendste am Abschlussdeich war für mich das Denkmal für die Deicharbeiter.

Vor lauter Drumherum will ich nicht vergessen, auch ein paar Worte über die Route zu sagen. Unsere Tour hieß „Metropolen am Rhein“, wir juckelten aber auch über diverse Kanäle, das Markermeer und das Ijsselmeer. Erste Anlegestelle nach dem Start in Köln war das kleine Städtchen Hoorn in den Niederlanden. Hier hatten wir einen Ausflug gebucht, der uns zum „Abschlussdeich“ brachte. Weitaus spannender als der Deich, der die Nordsee vom Ijsselmeer trennt, war für mich die Fahrt durch die kleinen Ortschaften auf dem Weg dorthin: Unser Reiseführer hatte ein Faible für schöne Häuser und Gärten und kannte sich gut mit Baustilen und der Restauration von alten Bauernhöfen aus. Auch die Geschichte dieses Landstrichs kam nicht zu kurz – das alles war für mich viel interessanter als der an sich eher öde Deich, auf dem es nicht viel zu sehen gab. Hier war es ebenfalls der Reiseführer, der die Sache durch interessante historische Berichte aufpeppte.

Der zweite Teil des Ausflugs bestand aus einer Fahrt mit einer historischen Eisenbahn. Sehr schön eigentlich, aber doch recht lang, zumal es in dem Wagen warm und stickig war. Allerdings würde sich diese Unbequemlichkeit in den folgenden kühlen Tagen als Luxusproblem erweisen.

Die historische Eisenbahn transportierte einiges an Fracht: Tabakskisten, Schokolade, Milchkannen …

Weiter ging es nach Harlingen. An diesen kleinen Ort hatte ich jede Menge Erinnerungen, denn von hier aus bin ich als Jugendliche immer zum Segeln im holländischen Wattenmeer gestartet. Auch dieses Mal waren wieder Jugendgruppen damit beschäftigt, ihre Plattbodenschiffe mit Dosenravioli und Bierkästen zu beladen. Ich musste gerührt lächeln, war aber doch sehr froh, dass ich jetzt nicht mehr auf so einem unbequemen Bötchen reisen muss. Die kleine Stadt Harlingen hatte ich bislang nie bei Tageslicht gesehen. Besonders aufregend ist sie auch nicht, aber hübsch. Und der dortige Supermarkt hielt für mich die Erfüllung eines Kindertraumes bereit: drei Packungen Hagelslag – das sind die knackigen Schokokrümel, die man in Holland aufs Brot streut – ganz für mich alleine! Was für eine Shopping-Ausbeute!

Diese schmalen Häuser wie hier in Harlingen erstaunen ich immer wieder. Und es geht noch viel schmaler!

Von Harlingen aus sollte es eigentlich nach Lelystadt gehen, von wo aus wir zu einem Ausflug starten und danach mit dem Bus nach Amsterdam gebracht werden sollten.

Schirme

Nachwehen – überall in Amsterdam. Umgefallene Bäume gab es auch …

Wegen einer Sturmwarnung, die Antje und ich natürlich nicht ernst nahmen, wurde die Route geändert und wir schipperten sofort durch nach Amsterdam. Und ja, der Wind blies dort tüchtig, als wir ankamen. Trotzdem stand der gelbe Bus pünktlich bereit, um uns zu einem Freilichtmuseum mit verschiedenen Windmühlen und anderen Highlights zu bringen. Dieser Programmpunkt entfiel allerdings, denn der Sturm nahm zu, es goss wie aus Kübeln und Äste sausten durch die Luft. Die Entscheidung, den Ausflug zu verkürzen, war goldrichtig, denn niemand von uns wollte in dem Unwetter draußen rumlaufen, und einen Baum auffangen wollten wir erst recht nicht.

Abendliches Amsterdam

Statt dessen gingen wir gleich über zum zweiten Ausflugsteil: Besuch einer Käserei mit Käseverkostung. Dieser Teil hatte leider das Niveau einer Kaffeefahrt: Ein Meisje erklärte kurz, wie Käse hergestellt wird, und hielt dabei immer die tollen Dinge hoch, die wir bitte kaufen sollten. Dann scheuchte man zwei Busgruppen in den Verkaufsraum. Fazit: Das war nix. Aber so gar nix. Wir verweigerten uns dem Käsekauf komplett und entschieden uns dafür, stattdessen beleidigt zu gucken. Andererseits wäre uns wohl für diesen verregneten Nachmittag auch nichts Besseres eingefallen. Denn diejenigen, die keinen Ausflug gebucht hatten, ertranken fast bei dem Versuch, Amsterdam zu erkunden. Die Hamburger landeten tropfnass im Steakhouse und die zuvor groß angekündigte Shoppingausbeute der beiden Damen aus Berlin beschränkte sich auf zwei Regenjacken im Partnerlook.

Cocktails in Amsterdam

Cocktails in Amsterdam

Der Abend hielt Überraschendes für uns bereit: gutes Wetter. Wir schlenderten etwas herum und fanden eine Bar, in der es pappsüße Cocktails gab. Ohne es zu wollen, landeten wir auf dem Weg dorthin im Rotlichtviertel, wo ich erstmals die Damen in der Vitrine sah.

Der nächste Tag war komplett für Amsterdam reserviert und wir hatten erst am Abend Programm. Folglich schlenderten wir irgendwann los und eroberten die Stadt auf eigene Faust. Das war schön, wenngleich es überall voll und hektisch war. Zu unserer Überraschung haben die Läden in Amsterdam am Sonntag geöffnet, sodass ich mir ein Sonderangebots-Markenhandtäschchen gönnen konnte.

Cannabis-Starterset

Cannabis-Starterset

Auch den legendären Blumenmarkt fanden wir – auf dem es keine Blumen, sondern nur Blumenzwiebeln gibt. Das hatte ich mir anders vorgestellt, aber die Vielfalt der Zwiebelei war interessant, und die offen herumstehenden Cannabis-Starter-Sets ebenfalls. Und wie immer stellte ich in Amsterdam fest, dass ich den Geruch von Cannabis nicht wirklich mag. Und den Regen, der auf dem Rückweg zum Schiff auf uns niederprasselte, mochte ich auch nicht.

Den Abend hatten wir für eine Führung durch das Rotlicht-Viertel reserviert. Es regnete – mal wieder – und wir platschten unter unseren Schirmen hinter Reiseführer Claas her. Dieser war ein großer, charismatischer Mann, der wirklich viel Interessantes zu erzählen hatte. Ein toller Ausflug selbst bei Regen, der mich begeistert hat, weil man wirklich mal in Winkel kam, in die man alleine wahrscheinlich nicht reingelaufen wäre. Leider legte unser Schiff am späten Abend noch ab, sodass wir keine Zeit mehr hatten, mit Claas einen trinken zu gehen. Schade – das wäre bestimmt genau so interessant gewesen.

Irgendwo in Amsterdam

Weiter ging es nach Rotterdam. Hier hatten wir eine Dreistädtetour gebucht: Rotterdam, Den Haag und Delft. Das klang viel, das war es auch, aber auch sehr informativ und gut organisiert. Und wir hatten Glück: Es regnete nur einmal ganz kurz. Der Konkurrenzausflug hingegen versank dem Vernehmen nach in einem unglaublichen Wolkenbruch – wir hatten also eindeutig das bessere Los gezogen.

Europäischer Gerichtshof in Den Haag – Weltuntergangsstimmung, aber trocken

Der Reiseleiter war wieder sehr engagiert und füllte die knapp fünf Stunden mit kurzweiligen Geschichten und Informationen. Auch ein wenig Zeit zum Herumbummeln und zum Stöbern in den vielen Porzellangeschäften gab es. Uns fielen Unterschiede auf: Auf der einen Seite des Ladens kostete eine dieser merkwürdigen Ein-Stengel-Tulpenvase 199 Euro, auf der anderen Seite nur 9,90. Ich vermutete, dass unter dem günstigeren Stück etwas wie „Made in Taiwan“ stand, verzichtete aber darauf, das zu überprüfen. Sonst hätte ich mit meinen groben Fingern noch etwas kaputttgemacht und hätte das hässliche Ding kaufen müssen …

Schaufenster in „Delfter blau“

Und nach Amsterdam fand ich besonders die moderne, ungewöhnliche Architektur in Rotterdam sehr interessant. Fotos gibt es davon leider nicht – es regnete, wir verzichteten auf einen Ausstieg. Viele der ungewöhnlichen, modernen Gebäude konnte man bei der anschließenden Hafenrundfahrt noch bewundern, die wir nur auf Deck unseres Schiffes aushielten, weil wir sämtliche Jacken trugen und uns in Wolldecken eingemummelt hatten. Beinahe hätte es uns komplett verblasen – was für ein stürmisches Land dieses kleine Holland doch ist!

Gent im Sonnenschein – auch das gab es mal

Dann ging es ab in Richtung Belgien, der nächste Stopp war in Gent. Das besichtigten wir vormittags auf eigene Faust. Das an sich sehr schöne, alte Städtchen krankte an diesem Tag leider an den Nachwehen eines Stadtfestes, das gerade abgebaut wurde: Viele Ecken waren im Grunde nicht zugänglich und es war sehr laut. Wir bummelten zweieinhalb Stunden herum und waren nicht traurig, als der gelbe Bus uns wieder zum Schiff brachte.

Der Nachmittag gehörte der wunderschönen Stadt Brügge, wiederum mit einer Führung. Diesen Ausflug empfand ich als sehr lohnend, liebe ich doch jede Art von altem Gemäuer (solange ich nicht darin wohnen muss). Und davon gibt es in Brügge mehr als reichlich. Endlich einmal habe ich verstanden, was es mit „Beginenhäusern“ eigentlich auf sich hat – wieder was gelernt. Außerdem hatten wir genügend Zeit für etwas belgisches Bier, das mir auch sehr gut schmeckte. Antje trank hell, ich dunkel, und wir probierten gegenseitig. Alles prima!

Beginenhäuser in Brügge

Die vorletzte Station unserer Reise war Antwerpen. Hier hatten wir wieder frei und zogen alleine los: Altstadt, großer Markt, Kathedrale – alles lag nah beieinander und wurde zumindest von außen besichtigt.

Ich habe eine Schwäche für Buntglasfenster – hier gab es reichlich davon

Besonders die mächtige Kathedrale hatte es uns beiden angetan und wir investierten sehr gerne die sechs Euro Eintrittsgeld. Es muss Millionen kosten, ein solches Gebäude Jahr um Jahr so gut in Schuss zu halten. Und zu meiner Überraschung erkannte ich in der umfangreichen Gemäldesammlung in der Kirche sofort die Rubensbilder heraus: Hier ist der Gekreuzigte deutlich dicker als auf allen anderen Bildern und schon das Jesuskindlein zeigt einen deutlichen Hang zur Adipositas – damit kene ich mich aus, sowas sehe ich sofort! Die sogenannte „Rubensfigur“ bezieht sich bei dem großen Meister also nicht nur auf Frauen.

Selbstverständlich aßen wir auch belgische Fritten und kauften ein wenig Schokolade, hatte uns doch unsere Reiseleiterin schon am Vortag darüber aufgeklärt, ab welcher Preisklasse Schokolade wirklich belgische Qualität hat und welche Billigware nur für die Touristen hergestellt wird. Antwerpen erwies sich als freundliche Stadt, in der es nicht regnete und die in einer ulkigen Hafenkneipe etwas Bier für uns bereithielt.

Antwerpen, rund um den großen Markt

Als Letztes hielt unser Schiff in Arnheim. In diesem kurzen Zwischenstopp war im Grunde nur Zeit für eine kurze Stadtführung, die wir wegen eines Wolkenbruchs abbrachen. Allerhand Wichtiges über die legendäre Brücke hatten wir da schon erfahren, und wir hatten nicht mehr den Ehrgeiz, uns für die letzten Informationen dieser Reise komplett aufweichen zu lassen. Wir hatten uns nämlich vom morgendlichen Sonnenschein täuschen lassen und den Schirm in der Kabine gelassen. Ironischerweise hörte es auf zu regnen, als wir die rettende Gangway betraten.

Heiter bis wolkig – über Antwerpen

Und dann ging es zurück nach Köln. Ich fand es angenehm, am letzten Tag noch viel Schiffszeit zu haben, zumal es erstaunlicherweise fast nicht regnete und recht angenehme Temperaturen hatte – ich kam tatsächlich einmal auf einer Sonnenliege zur Ruhe. Das heißt, eigentlich kam ich nicht zur Ruhe, denn inzwischen kannte man ja recht viele Leute an Bord und bekam immer wieder Gesellschaft. So glitten wir langsam und leise wieder unserem Zielhafen entgegen – durch die Industrieanlagen, die ich schon auf der Hinfahrt so schön gefunden hatte. Wir blieben draußen und guckten bis abends spät.

Strommast im Sonnenuntergang – was für Romantiker?

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