Mein dreibeiniger Hund

Mal wieder ein Kantinengespräch: Dabei waren die üblichen Verdächtigen, und es ging – wie schon öfter – darum, was man einmal machen möchte, wenn man nicht mehr arbeitet. Also entweder nach dem großen Lottogewinn oder, realistischer, im Rentenalter. Für mich ist eines klar: Ich möchte dann gerne einen Hund haben!

Mein dreibeiniger Hund

Schon als Kind hatte ich den Wunsch, einen Hund zu haben. Zwar hatte ich irgendwie auch ein bisschen Angst vor den Viechern, ging aber doch gerne mit Nachbars Asko und später dem Schäferhund Bessie spazieren. Der eigene Hund wurde mir nie bewilligt, mit stets dem gleichen Totschlagsargument: „Wer soll sich um den denn kümmern?“ Nun hätte meine Mutter reichlich Zeit dazu gehabt, aber offensichtlich keine Lust, was aus heutiger Sicht legitim ist – meistens bleiben die Viecher der Kinder zumindest teilweise an den Müttern hängen. Als Kind aber habe ich mich darüber gegrämt und mir fest vorgenommen, mir endlich einen Hund zu kaufen, wenn ich erst groß bin.

Als ich endlich erwachsen war, holte die Realität mich schnell ein: Voll berufstätig, in einem Großraumbüro arbeitend, konnte ich tatsächlich noch immer keinen Hund haben – denn wer sollte sich um den kümmern? Ich sicherlich nicht. Also verschob ich diesen Wunsch noch weiter nach hinten auf das Rentenalter.

Als ich meinen Hund aber im Kantinengespräch als Plan für die Rentnerzeit auspackte, bekam ich richtig Schimpfe: Ich würde mich doch wohl im Alter nicht mehr darauf einlassen, mich von so einem Vieh völlig fremdbestimmen zu lassen! Ein Hund sei doch so ziemlich das Letzte, was man als erwachsener Mensch bräuchte. Dauernd müssten die raus, wer soll sich um den denn kümmern? Und wenn ich mit 67 endlich in Rente wäre, dann könnte ich vielleicht ja schon gar nicht mehr huppen, geschweige denn hinter einem Hund herrennen. Nur meine gute Claudia, die selber zwei Hunde hat, bestärkte mich in meinem Vorhaben. Und das, obwohl einer ihrer Hunde nicht so recht klug ist und bei Regen nur unter einem Schirm laufen mag.

Ich war über den massiven Gegenwind einigermaßen erstaunt und kam mir vor wie Michel aus Lönneberga, der niemals Limonade trinken darf: Habe ich keine Zeit, dann kann ich keinen Hund haben. Und habe ich endlich Zeit, dann darf ich keinen Hund haben. Wann zum Kuckuck soll ich denn dann einen Hund haben?

Bild „Mein Baddy“, zur Verfügung gestellt von Susanne Brinkhoff / http://www.pixelio.de

Mein Entschluss steht fest, ich werde irgendwann ein Hundefrauchen. Natürlich ist das Argument mit dem biblischen Alter, in dem unsereiner endlich in Altersruhe gehen darf, nicht von der Hand zu weisen: Einen jungen, dynamischen Hund mit Jagdtrieb brauche ich mit 67 sicher nicht mehr. Aber wer wie ich ab und zu die Tiervermittlungssendungen im dritten Programm guckt, der weiß, wie viele marode alte Hunde in deutschen Tierheimen einsitzen und genau auf Leute wie mich warten. Die werden immer so schön angepriesen: „Hat nur drei Beine, ist aber voller Lebensfreude und so unglaublich lieb!“ Oder: „Er hat Rheumatismus, aber die Tabletten kosten nur 30 Euro im Monat und machen ihn richtig glücklich.“ Genau so einen Hund will ich haben – einen Rentner. Der kann zur Not auch mal vorne im Korb eines Rollators sitzen und ein Stück mitfahren. Dann werden wir gemeinsam alt, tolerieren gegenseitig unsere Gebrechen und haben eine gute Zeit miteinander. Und wer darüber meckert, fliegt raus.

9 Kommentare zu “Mein dreibeiniger Hund

  1. Nach Meerschweinchen, Wüstenrennmäusen und Wellensittichen hatten wir verloren! Unsere Tochter kaufte sich von ihrem „Konfirmationsgeld“ einen Cocker. Argumente gegen einen Hund hatten wir nicht mehr, schließlich besaß ich mal einen Irish Setter, vom „Konfirmationsgeld“ gekauft. Irgendwann war die Tochter aus dem Haus, studierte an anderen Orten. Der Hund blieb bei uns.Bei meiner Frau – keine begeisterte Hundeliebhaberin. Wir führte derweil eine Wochendehe, ich arbeitete in München und Frankfurt. Frau und Hund lebten im Saarland. Schließlich, die Kinder waren längst aus dem Haus, war der (sehr liebe) Hund tot, das Leben in Freiheit begann!
    Ich liebe Hunde, bin Rentner, aber ohne einen Hund kann ich, obwohl ich Hunde sehr mag, leben! Sehr gut leben!

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  2. Wahrscheinlich kann ich das auch. Aber Hund und Katz waren immer mein Wunsch, wir hatten aber leider nur Hamster und Wasserschildkröten. Nicht schlecht, aber nichts zum Kuscheln oder Spielen. Wir werden sehen, was die Rente mir für einen Gefährten bringen wird.

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  3. Ich bin als Kind, zumindest während der Jugendzeit, mit einem Hund aufgewachsen. Dann wartete der Berufsalltag auf mich und ich hatte keine Zeit für einen Hund. Später kam das Kind, dann Teilzeitarbeit. Jetzt ist das Kind im Teenageralter und ich arbeite noch immer Teilzeit – aus Überzeugung, denn wenn ich erst einmal im Rentenalter bin, wer weiß, was ich dann noch machen kann bzw. was alles nicht mehr. Und obwohl das Geld knapp ist, haben wir uns vor 2 Jahren einen kleinen Hund geholt. Ich habe es bis jetzt keine Minute bereut. Ein Hund ist keine Last, und selbst wenn man sich mal zur Gassirunde zwingen muss, unterwegs ist das schnell wieder vergessen. Nur eines musste ich opfern: 1 Stunde Schlaf am Morgen, denn ich fange jetzt früher an zu arbeiten, damit unser Hund nicht so lange allein ist. Dafür lege ich mich oft nachmittags hin, und dicht an mich gekuschelt schläft dann unser Hund 🙂
    Wenn irgendmöglich, würde ich dir raten, schon jetzt einen Hund zu holen. Wer weiß, was später ist.

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  4. Unsere Meerschweinchen blieben nach zwei Jahren auch an unseren Eltern hängen. Tut mir heute leid, für die Meerschweinchen. Unsere Eltern hatten neben Beruf nicht soviel Zeit und das letzte Meerschwein vegetierte seine letzten zwei Jahre einsam dahin.
    Als Rentnerin will ich eine Katze!

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