Die Geheimwaffe gegen Hitze: Ostfriesentee

„Ist das Tee da in der Kanne?“, fragte vor Jahren mein Vermieter, mit dem ich mich gerade über die Balkonabtrennung unterhielt. „Ja“, sagte ich wahrheitsgemäß und nickte wenig später auch zu der Frage, ob es tatsächlich heißer Tee sei. Ich trinke meinen geliebten Ostfriesentee zwar auch kalt, aber heiß ist er mir deutlich lieber – auch im Sommer. Denn die Weisheit: „Was gegen Kälte hilft, hilft auch gegen Wärme“ trifft darauf ganz besonders zu.

Ostfriesentee ist etwas Feines: Gemischt aus diversen kräftigen (Assam-)Teesorten, schmeckt er kräftig und hat je nach Ziehzeit eine unterschiedliche Wirkung: Lässt man ihn nur kurz ziehen, hat er durch das enthaltene Koffein (früher sagte man auch Teein) eine anregende Wirkung. Lässt man ihn länger ziehen, löst sich die enthaltene Gerbsäure, der Tee wird etwas bitterer, bekommt dafür aber eine beruhigende Wirkung auf Magen und Gemüt.

Ostfriesentee

Mein Abendtee in doppelwandiger Kanne. Der Teebecher stammt von der Inseltöpferei auf Juist

Vor einigen Jahren dachte ich mal, ich müsste mit Tee experimentieren: Ich kaufte Ceylon- und Darjeeling-Tees, obwohl ich es hätte besser wissen müssen: Denn diese milderen Sorten sind einfach nichts für meine Zunge, da schmeckt mir Kamillentee spannender. Nach kurzer Lernphase kam ich zu meinem Ostfriesentee zurück. Manchmal gehe ich noch mit aromatisierten Sorten fremd: Vanille und Kirsche sind dann meine Favoriten. Auch das ist wahrscheinlich meiner Jugenderfahrung geschuldet: Diese beiden Sorten waren nämlich in den 80er Jahren furchtbar „IN“, als ich mit meiner Freundin Birgit literweise Tee trank und wir dabei erste Frauengespräche führten.

Derzeit gibt es bei mir einen grob geschnittenen „Sonntagstee“ der Firma Onno Behrends. Ich bin nicht auf eine Teemarke festgelegt, kaufe aber immer einen guten Ostfriesentee. In meiner Zeit in München war der gar nicht so leicht zu bekommen: Im normalen Supermarkt gab es lediglich eine „Kräftige Schwarzteemischung“, die zwar trinkbar, aber doch eine Notlösung war. Meine Lieblingssorten, den Thiele Silber, das Bünting Grünpack oder den Sonntagstee von Onno Behrends, gab es mit etwas Glück für einen Fantasiepreis in den Feinkostabteilungen der Kaufhäuser. Dabei ist doch klar, dass Ostfriesentee keine Feinkost ist, sondern ein Grundnahrungsmittel. Ich begann, meinen Tee aus Norddeutschland zu importieren. Inzwischen hilft Amazon mir aus dieser Malaise.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich meinen Tee inzwischen nicht mehr auf die traditionelle Art trinke, sondern etwas barbarischer: vermixt mit einem kleinen Schuss H-Milch, aber ohne Zucker und aus einem soliden Becher. Aufgewachsen bin ich noch mit zierlichen kleinen Tassen und einer gemusterten metallenen Ostfriesenkanne (die ich in meinen Besitz gerettet habe). Mindestens drei Tassen Tee werden getrunken, weniger sollte auch in einem Café nicht in der Kanne sein, in der der Ostfriesentee serviert wird. Die Touristen lieben das: Loser Tee (inzwischen zumeist im Beutel oder Säckchen) in einer Kanne auf einem Stövchen, dazu Kluntjes und Sahne für das Wulkje. Mir ist das zuhause zu viel Gedöns, obwohl ich natürlich alles für eine ostfriesische Teezeremonie zuhause habe – einschließlich Rumkandis für kalte Tage. Die soll es ja auch geben.

Nachtrag: Ich bin übrigens keine Ostfriesin, sondern komme aus dem Ammerland. Das macht nicht viel Unterschied, ich wollte es nur der guten Ordnung halber erwähnt haben.

12 Kommentare zu “Die Geheimwaffe gegen Hitze: Ostfriesentee

  1. Moin moin,
    dem kann ich nur zustimmen, aber durch einen guten Ostfriesentee wird man auch immer, wenn man es möchte, aus dem hektischen Alltag entzogen und schlagartig in die Heimat gezogen. Ich selbst komme aus Oldenburg(dat kennste ja), wohne mittlerweile in Dortmund, aber bei mit gibt es immer noch jeden Tag meinen Ostfriesentee, im Winter wie im Sommer. Wo bei ich gestehen muss, dass ich an normalen Tagen, den Tee auch nicht nach ostfriesischem Vorbild zu bereite, sondern einfach eine stinknormale Kaffeemaschine zu meiner Teemaschine gemacht habe. Wasser rein, Filtertüte, losen Tee und los geht´s. Aber wenn ich einfach mal entspannen möchte und den Tee genießen möchte oder es mir mal schlecht geht und man ein Stück Vergangenheit oder Heimat braucht, dann mache ich das ganz ordnungsgemäß, mit Wasser im Wasserkocher kochen, aufgießen und ziehen lassen. Am schönsten ist es immer noch gemütlich mit meiner Schwester zusammen zu sitzen, Tee zu trinken und zu schnacken. Meine bevorzugte und einzige Teemarke die ich mir kaufe ist Teekanne Ostfriesen Gold, natürlich der lose Tee und die gibt es Gott sei dank in jedem guten großen Supermarkt.
    Wir sind und bleiben einfach immer heimatverbundende Nordlichter, mit dem Herz am richtigen Fleck 🙂
    Hol di munter

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  2. Eine Tasse ist was richtig gutes für Körper und Seele, aber unser sehr gutes Trinkwasser(kein Kalk oder ähnliches im Trinkwasser) hier in der Wesermarsch macht den Tee erst so richtig zum geniessen.

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