Früher war Hitze viel schöner

Es ist heiß draußen – für meinen Geschmack schon viel zu heiß. Und es soll am Wochenende noch wärmer werden. Puh, für mich würde es ja reichen, wenn es von Mitte Mai bis Mitte September immer so um die 25 Grad war wäre. In der Nacht natürlich kühler, versteht sich. Leider kann ich das so nicht verbindlich buchen.

Sommer an der Ostsee

Sommer an der Ostsee, mit meiner Schwester (mit Blumenkappe)

Ich weiß gar nicht genau, wann das angefangen hat mit der Abneigung gegen große Wärme. Früher war es anders, ich freute mich wie toll, wenn der Wetterbericht „hochsommerliche Temperaturen“ ankündigte. Waren Ferien, stieg man morgens gleich in die kurzen Hosen und zog ein T-Shirt darüber – gerne das vom Vortag, dass Mama einem dann wieder abnahm und durch ein sauberes ersetzte. Heute stöhne ich schon nachmittags über meine verschwitzten Kleider und schnüffle immer heimlich nach, ob die sommerliche Transpiration bereits unangenehmen Folgen für meine Umwelt hat.

Ich renne inzwischen auch nicht mehr fröhlich herum, wenn es heiß ist, sondern schleiche behutsam von Schatten zu Schatten. Das mag daran liegen, dass ich in den warmen Nachmittagsstunden nicht mehr einfach alles von mir werfen und im bunten Wochentags-Schlüpfer herumlaufen darf. Oder naja, dürfen dürfte ich vielleicht schon, es hat mir bislang keiner verboten. Aber eigentlich möchte ich das nicht, und sehen will das wahrscheinlich auch niemand.

Früher waren die einzigen Gebrechen, die man von großer Hitze hatte, Sonnenbrand, Durst und Mückenstiche. Heute habe ich morgens Kopfweh und abends geschwollene Knöchel, und das, obwohl ich tagsüber meistens im klimatisierten Büro hocke. Woher wissen meine Füße eigentlich, dass es draußen heiß ist und sie anschwellen müssen? Das hat bestimmt irgendwas mit Druck zu tun: Hochdruck, Luftdruck oder Druckbetankung – schließlich trinkt man bei Hitze mehr.

Leider kann man als berufstätige Erwachsene nicht den ganzen Tag im Schwimmbad verbringen. Das war wirklich schön früher: In diesen endlosen Ferien die Saisonkarte des Schwimmbades richtig ausnutzen, morgens Sommertraining mit dem Schwimmverein (das immer in eine wilde Balgerei ausartete), nach Hause radeln, futtern und wieder los. Dann war man abends auch rechtschaffen müde, sodass einem tropische Nächte nichts mehr ausmachten. Heute wälze ich mich schlaflos herum, und das, obwohl es in meiner Wohnung eigentlich gar nicht so extrem warm wird. Das war in meinen früheren Behausungen unter dem Dach viel schlimmer.

Ich fürchte, was Wärme angeht, bin ich in den letzten Jahren ziemlich zur Memme verkommen. Ich trage sogar einen kleinen Fächer mit mir herum, ohne dass es mir peinlich wäre. Wenn ich jedoch wie früher mal wieder sechs Wochen Sommerferien am Stück haben könnte, würde ich mir das mit der Wärme wohl noch mal überlegen. Ich würde zwar nicht im Schlüpfer herumspringen, aber ein Sommer im Freibad würde mir sicher noch mal gefallen.

7 Kommentare zu “Früher war Hitze viel schöner

  1. Liebe Meike, ich liebe deine Texte. Witz, Humor und dann diese Reife, wie sie von unserer Generation zu erwarten ist. Dein Blick aus dem Hier und Jetzt in die Kindheit und dann wieder ab nach vorne in die Gegenwart. Weiter so. Lieber Gruß Frank

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  2. NEIN! Hitze ist auch heute schön!
    Mittwoch gab es eine riesige Wasserschlacht mit Wasserbomben und -pistolen. Was sich hier möglicherweise militant anhört war ein aufregendes Spiel zwischen Großvater und seibenjähriger Enkeltochter. „Ganz schön kindisch, der Alte“, mag jetzt als Kommentar kommen. Ist mir schnurz, es hat Riesenspaß gemacht bei der Hitze.

    Gefällt 1 Person

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