Bundesjugendspiele

Während der Schulzeit musste man viele sinnlose Dinge tun: Angefangen von nutzlosen Hausaufgaben über wiederholte Ausflüge mit Wattwanderung bis hin zur Betrachtung des Streckenverlaufs der Baikal-Amur-Magistrale im Vergleich zur Transsibirischen Eisenbahn. Das absolut Bekloppteste, was man für uns während der Schulzeit bereit hielt, waren jedoch die

Bundesjugendspiele

Mit dem Schulsport ist es so eine Sache: Natürlich weiß man, dass Bewegung gesund und elementar wichtig ist. Daher sollten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit und auch den Antrieb haben, sich regelmäßig zu bewegen und Spaß dabei zu haben. Doch so wie das zu unseren Schulzeiten durchgeführt wurde – die Rennpferde und die Ackergäule einmal die Woche alle auf dem gleichen Parcours und dann gab es Noten – ist sinnlos und führte bei einem großen Teil der Schüler zu Frust und Verweigerung. Bei mir auch: Ich bin seit jeher ein Bewegungslegastheniker mit Angst vor dem Kastensprung und der Geschwindigkeit einer Schildkröte. Da ich im Schwimmverein war, konnte ich recht gut schwimmen, aber das nützte mir wenig, weil wir fast nie schwammen. Ab einem bestimmten Alter durfte man Sportkurse wählen. Fast alle Mädchen wählten die Kombination „Jazztanz und Badminton“, 20 durften das machen, die übrigen bekamen einen anderen Kurs zugelost: Bei mir war das „Geräteturnen und Basketball“. Nur „Fußball und Leichtathletik“ wäre noch dööfer gewesen. Ich nahm an diesem Kurs so gut wie gar nicht teil, sondern ging statt dessen nach Hause auf’s Sofa – so viel zum Bewegungsantrieb. Wie ich zu den 7 Punkten in diesem Halbjahr kam, ist mir nicht recht klar, aber das habe ich nicht weiter diskutiert. Ich humpelte durch mein Schulsportleben und habe die grässlichsten Schulerinnerungen an eben diese Stunden, die eigentlich Spaß machen sollten – und es auch könnten, wenn man sich nicht so unglaublich dumm anstellen würde bei deren Ausgestaltung.

Bundesjugendspiele Siegerurkunde

Ein zeitgeschichtliches Dokument: meine Siegerurkunde von den Bundesjugendspielen 1982

Einmal im Jahr gab es die so genannten „Sportfeste“. Leider waren das meistens die „Bundesjugendspiele“, nur einige wenige Male machte man sich die Mühe, sich etwas auszudenken, an dem mehr Leute Spaß haben als nur die Sportskanonen. Bei den Bundesjugendspielen musste man seine Leistung in drei Disziplinen unter Beweis stellen, zumeist in der Leichtathletik. Einmal laufen, dreimal Bällchen werfen und dreimal in den Sand springen, für diese drei Großtaten schlug man sich den ganzen Vormittag auf dem Sportplatz herum und wartete, dass es endlich vorbei ist. Ich muss dazu sagen, dass ich als Kind Glück hatte und meistens gerade irgendwas eingegipst hatte, wenn Bundesjugendspiele waren. Nur wenige Male musste ich aktiv teilnehmen. Einmal durfte ich dabei sogar schwimmen und bekam hinterher eine der begehrten Siegerurkunden. Die anderen Male schob ich Frust und ging leer aus, oder ich schwänzte gleich. Und ein paar Spielefeste gab es, die die Bundesfrustspiele ersetzten: Da gab es Mannschaftsspiele wie Völkerball oder Volleyball, bei denen die Mannschaften ganz gemischt aufgestellt waren und jeder mal Erfolg hatte. Das machte dem Anschein nach allen Spaß – also geht es doch.

Nun ist es rund 25 Jahre her, dass ich zur Schule ging: Zeit genug, diesem Irrsinn ein Ende zu machen. Doch vor einer Weile erzählte ein Kollege, dass seine Tochter weinend nach Hause gekommen war, weil sie bei den Bundesdeppenspielen so schlecht gewesen war: Sie hatte das Bällchen in drei Versuchen nicht so weit werfen können, dass sie dafür auch nur einen Punkt bekommen hätte. Wieder einmal haben die Bundesblödenspiele einem Kind schlechte Erfahrungen mitgegeben – herzlichen Glückwunsch, super gemacht! Bleibt nur zu hoffen, dass das Kind bald erfährt, dass das Leben nicht nur aus Bällchen werfen besteht und dass eine erfolgreiche Teilnahme an den Bundeswartespielen noch niemanden wirklich weiter gebracht hat.

7 Kommentare zu “Bundesjugendspiele

  1. In den letzten Tagen habe ich viel Schwachsinniges über die Bundesjugendspiele gelesen. Auch viel Negatives,wenn auch scheinbar gut Argumentieretes, wie von Dir, liebe Meike.
    Nun habe ich in Erinnerung, dass während meiner Schulzeit (1953-1966) fast alle meine Mitschüler wie auch ich gern diesen Tag erlebt haben. Und gerade vor einigen Tagen hat meine Enkeltochter erstmals an derartigen Spielen teilgenommen. Auch sie war begeistert. Insbesondere einer ihrer Klassenkameraden. Dieser, N., ist ein Chaot, hat so gut wie keine Erfolgserlebnisse in der Schule, fast überall ein Außenseiter, seit Beginn der Schulzeit wird er aus besonderen Gründen psychologisch betreut – was nichts mit seiner Intelligenz zu tun hat. Dieser N., stark und sehr beweglich, hat nun bei den Spielen ein einmaliges Erfolgserlebnis: Er wurde Jahrgangsbester! Ich gönne es ihm, er hat sonst wenig, worüber er sich freuen kann. Auch für N. sind die Bundesjugendspiele und für andere, die sich dadurch mal ein wenig freuen können, weil sie etwas geleistet haben.
    Nicht für die sportlich nicht Interessierten, die sich lieber aufs Sofa verdrücken.
    GÖNNT DOCH ANDEREN DIE SPIELE, die wohlmöglich keine feinen Aufsätze schreiben können und nicht so gern Hanny und Nanny lesen!
    Dieses offensichtlich populistische Geschwätz von der Abschaffung der Bundesjugenspiele habe ich satt, ebenso alle beiträge jener, die auf diesen Zug aufspringen!

    Gefällt 3 Personen

  2. Ich bin zwar eigentlich ziemlich modern , aber in dieser Angelegenheit doch ziemlich altmodisch! Ich finde es ein Witz das die Bundesjugendspiele abgeschafft werden sollen, gerade in der heutigen Zeit! Die Kinder können doch oft nur noch ihre Daumen am Handy bewegen , da schadet etwas Sport ganz bestimmt nicht! Ich find gut und sie sollten erhalten bleiben!
    Liebe Grüsse Anja

    Gefällt 2 Personen

  3. In meiner Erinnerung ist hängen geblieben – zu einer Urkunde hat es nie gereicht – aber irgendwie hätte ich so ein Papier schon gern gehabt. Wenn ich allerdings sehe, mit welcher Bewegungsarmut die Jugendlichen heute auf ihrer eifone Tastatur rumhämmern, als einzige Bewegung überhaupt, kann ich nur hoffen, daß die Sportstunden und die einmal jährlichen BJS erhalten bleiben.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s