In der Hängematte

Noch einmal gab es im Schreibworkshop das Thema „Innerer Monolog“. Dieses Mal gab es das Bild „In der Hängematte“ von Hans Thoma, entstanden 1876. Ich entschied mich für einen inneren Monolog des Kindes – was mochte der kleine Knopf wohl denken?

Frau mit Kind in der Hängematte, Hans Thoma

Frau mit Kind in der Hängematte, Hans Thoma, 1876, gemeinfrei

In der Hängematte

Sie sieht aus wie Oma. Die lag zwar nicht in der Hängematte, sondern im Bett, sah aber genau so ruhig aus. Nur dass sie kalt war, als ich sie angefasst habe – so kalt wie der Käse im Keller. Mama hat gesagt, dass es normal ist, dass die Hände kalt werden, wenn jemand tot ist. Ob man dann friert? Heute ist es nicht kalt, und trotzdem muss ich meine langen Ringelstrümpfe tragen. Vielleicht, damit ich nicht sterbe? Aber kann man sterben, wenn man fünf Jahre alt ist und immer sein Gemüse aufisst? Vielleicht an den Pocken. Die sind schlimm, sagt Mama. Oder an der Schwindsucht. Das ist die Krankheit, bei der die Leute immer kleiner werden, bis sie verschwunden sind.

„Mama, bist du wach?“ Ich möchte gerne runtersteigen, traue mich aber nicht. Diese Schaukel ist zu schmal und wenn ich mich bewege, kippen wir um. Das ist uns schon zwei Mal passiert und war nicht schön: Ich lag unten und Mamas Röcke waren auf meinem Gesicht und ihre Beine auch. Und alle Blumen waren platt gedrückt, so dass der Gärtner mit mir geschimpft hat. Das darf nicht wieder passieren, sonst pflanzt er da Brennnesseln hin, hat er gesagt.

Bloß nicht wackeln! „Bist du wach, Mama? Ich muss mal!“

2 Kommentare zu “In der Hängematte

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