Der größte See der Welt

Schon oft habe ich bemerkt, dass das, was mir als Kind unglaublich groß erschien, in Wahrheit doch recht überschaubar ist. Dieses Phänomen ist bekannt, zahlreiche Museen und sogar Freizeitparks bieten inzwischen Räume an, in denen man die Welt aus Kinderperspektive sehen kann. Insofern sollte es mich also nicht mehr überraschen, wenn ich feststelle, dass Dinge, die für mich als Kind wichtig und riesengroß waren, inzwischen irgendwie geschrumpft sind.

Doch nirgendwo fällt mir dieser Unterschied zwischen klein und groß so gravierend auf wie beim Zwischenahner Meer. Hier waren wir früher oft: zum Spazieren gehen und Kaffee trinken, baden oder Tretboot fahren. Sogar Ausflugsschiffe gibt es dort, die „weiße Flotte“, mit der an von einem Ufer zum anderen oder sogar drumherum schippern kann. Klassenausflüge gingen ans Zwischenahner Meer: Dann fuhren wir Boot und suchten nach dem legendären Wels, bestiegen die drei komischen Sandhaufen im Ort „Dreibergen“ oder sahen Aalräuchereien an. Das erste, von mir heiß geliebte Wellenbad in unserer Nähe stand am Zwischenahner Meer. Für mich war dieses Meer der größte See der Welt.

Zwischenahner Meer, Dreibergen

Zwischenahner Meer bei Dreibergen

Kürzlich war ich mal wieder am Zwischenahner Meer und wunderte mich über dessen deutlich verkleinerte Fläche: Man konnte das gegenüberliegende Ufer sehen, und auch die seitlichen. Das Schiff der weißen Flotte, das gerade anlegte, hatte nicht mehr die Maße der MS Europa, sondern war ein kleiner Ausflugsdampfer. Noch immer war es schön und idyllisch am Ufer, doch mir kam der Verdacht, dass es doch den einen oder anderen größeren See geben könnte – vielleicht sogar in Deutschland.

Am Beispiel des Zwischenahner Meeres sieht man auch, wie sich die Zeiten geändert haben: Wir sahen in Dreibergen eine kleine, abgegrenzte Badestelle. Wir waren früher auch dort baden, allerdings eher an der anderen Seite. In einem Jahr war es sehr heiß und es gab eine heftige Algenblüte: Das Wasser war mit grünem Schleim bedeckt und, wenn ich mich richtig erinnere, roch es auch eigenartig. Das hielt zumindest uns Kinder nicht davon ab, uns todesmutig in die grüne Suppe zu stürzen, mit dem grünen Zeug zu werfen und einen Mordsspaß zu haben. Grün wie die Wassermänner stiegen wir wieder heraus und unsere Mutter versuchte, uns unter den Duschen im Umkleideraum zumindest notdürftig wieder sauber zu kriegen. Ich weiß noch genau, dass wir zuhause nochmal baden mussten, was mich irritierte – irgendwann muss es doch genug sein mit der Wasserplanscherei, oder nicht? Heutzutage wäre das auch so nicht mehr passiert: Wenn sich Algen an den Badestellen zeigen, wird der See inzwischen sofort gesperrt. Auch wird versucht, die Einleitungen in den See und die dadurch bedingte Überdüngung soweit es geht zu verhindern, so dass es nicht mehr zu so dicken Algenteppichen kommt.

Nach wie vor ist das Zwischenahner Meer einen Ausflug wert – auch wenn seine Größe für mich auf das Normalmaß geschrumpft ist. Fachwerkhäuser, Rhododendron und eine wirklich gute Gastronomie werten den See optisch und kulinarisch auf. Es gibt einiges zu gucken, nicht zuletzt den „Park der Gärten“, der ganz in der Nähe ist Park der Gärten.

2 Kommentare zu “Der größte See der Welt

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