Post aus Laos

‚Wo ist denn eigentlich Laos?‘, fragte ich mich vor etwa zwei Wochen. Denn aus Laos kommt mein SOS-Patenkind, ein kleiner Junge von acht Jahren. Noch immer weiß ich nicht viel über dieses arme asiatische Land, doch wie üblich hat Wikipedia schon mal weitergeholfen.

Das mit dem Patenkind war bei mir so eine Sache. Man kennt das ja: Man hat selber genug, wenn nicht sogar zu viel, und denkt, dass man öfter was spenden sollte – regelmäßig, nicht nur, wenn es mal wieder eine Katastrophe gegeben hat. Ich habe das sogar gemacht, immer mal wieder ein paar Euro an die SOS-Kinderdörfer oder sonst wohin, wo es mir gerade sinnvoll erschien. Und ein Patenkind wollte ich haben, einen jungen Menschen, der mit meiner Hilfe vielleicht eine Ausbildung machen kann. ‚Muss ich mal machen‘, dachte ich immer, und vergaß es dann wieder.

Und dann hatte ich eines Morgens einen tierische Kater. So richtig einen vom Saufen. Kommt mal vor, nicht oft, aber ab und zu. Es dauerte bis zum Spätnachmittag, bis ich mich soweit berappelt hatte, dass ich in meinen Geldbeutel gucken konnte, nur um festzustellen, dass der leer war. Also, ganz leer. Und ich rechnete nach, wie viel Geld ich versoffen auf den Kopf gehauen hatte. Das war tatsächlich ernüchternd. Ich finde, der Mensch muss kein Asket sein, dafür bin ich auch wahrlich nicht gemacht. Aber auch mit 50 Euro weniger hätte das ein schöner Abend werden können.

50 Euro weniger – was hätte man damit nicht alles machen können. Einen ganzen Monat Patenschaft, nicht mal zum günstigsten Tarif. Ich zögerte nicht mehr und meldete mich online für eine Patenschaft an. Entscheidungen mussten getroffen werden: Junge oder Mädchen? Hmmm… Mädchen haben immer noch schlechtere Chancen. Aber ist es fair, deshalb kleine Jungs zu diskriminieren? Ich entschied mich für „egal“ – das sollte jemand anders entscheiden. Genau wie die Frage, aus welchem Land das Kind kommen soll: „Da, wo es am nötigsten ist“, schien mir hier die richtige Antwort zu sein.

Und dann hieß es warten – nicht lange, nur einige Tage. Meine Patenunterlagen kamen mit einem Foto von meinem kleinen Patenjungen und einer Beschreibung seiner Situation: Ein Waisenkind ist er, der gemeinsam mit zwei leiblichen Geschwistern ins Kinderdorf gekommen ist. Er guckt recht fröhlich in die Kamera, wirkt irgendwie stolz, wie er da mit seinem Schulrucksack auf den Schultern steht. Und das kann er auch sein, denn lesen und schreiben zu lernen ist in Laos noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Heute kam nun noch einmal Post: direkt aus Laos, von Dr. Choumlivong. Ich erfahre, dass mein kleines Patenkind gesund ist, in die zweite Klasse geht und seine Sache dort gut macht. Er lernt gerade, sein Bett zu machen und liest in seiner Freizeit gerne Comics. Und er spielt gerne mit seinen Kinderdorf-Geschwistern. Das ist für mich eigentlich die beste Nachricht: Denn es ist gut, wenn dieser kleine Junge noch ein paar Jahre spielen kann. Dabei helfe ich gerne.

Ein Kommentar zu “Post aus Laos

  1. Mein Schwager hat ein Gruppenbild aus Vietnam, eine stolze Bubenklasse aus einem katholischen Waisenhaus im Fußballtrikot. Seine Kollegin war nämlich mal in Vietnam, sein Schwiegervater war beim FC Bayern als Jugendtrainer aktiv, und so kam es, dass gut erhaltene Fußballtrikots mitsamt Shorts und Strümpfen die Fernreise antraten.

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