Muttertag

Hornveilchen und MännertreuDieses Jahr ist für mich das erste ohne einen einzigen verbliebenen Mutter-Tag. Vielleicht reagiere ich deshalb so empfindlich auf dieses ganze Feiertags-Gedöns. Doch schon immer stehe ich dem „Muttertag“ recht skeptisch gegenüber. Nicht etwa, weil ich meine Mutter nicht geschätzt hätte, sondern weil ich es befremdlich finde, einen so wichtigen Menschen an einem einzigen Tag ritualisiert zu verehren. Eine Freundin sagte einmal: „Meine Mutter sollte an jedem Tag gefeiert werden.“ Ganz so würde ich das auch nicht sehen, denn für eine Dauerparty sind die meisten Mütter nicht geeignet. Aber ein von irgendwem festgelegter Feiertag gefällt mir nicht.

Bestätigt darin wurde ich am Freitag, als ich durch die Stadt bummelte und überall von Angeboten zu Ehren der Mutter und des Geldsäckels der Händler angesprungen wurde: Blumen, Parfum, Pralinen oder Handtaschen, alles wurde für die liebe Mutter angepriesen. Natürlich will ich niemandem vorwerfen, dass er versucht, so viel Profit wie möglich aus diesem Tag herauszuschlagen, aber für mich führt das den ursprünglichen Gedanken des Muttertages ad absurdum. Es sind keinerlei Spuren der Frauenbewegung oder sonstiger politischer Ideale mehr zu entdecken, im Gegenteil. Es wird an das Gewissen der Familien appelliert und die Mutter als bloße Konsumentin gesehen, die mit Geschenken befriedigt werden kann.

Durch den festgelegten Feiertag geraten manche Familien sogar unnötig in Stress: Denn viele Mütter haben selber eine Mutter und eine Schwiegermutter. Wen feiert man zuerst und wen darf man am nächsten Wochenende besuchen, ohne eine familiäre Krise auszulösen? Was macht man mit Müttern, die weit weg sind, reicht es, sie anzurufen oder ist das schon Missachtung? Und sind Kinder undankbar, die vergessen, ihrer Mutter am 2. Sonntag im Mai das Frühstück zu servieren? Dieser festgelegte Tag ist in der Lage, Unfrieden in ansonsten harmonische Familien zu bringen.

Mein Vater nannte den Muttertag einen „Feiertag zu Gunsten der Erwerbsgärtnerei“ und hatte damit nicht ganz unrecht. Bei uns war es in vielen Jahren Usus, am Muttertag eben keine Blumen zu kaufen. Dafür aber zwischendurch, immer dann, wenn es einem von uns einfiel. Es ist uns oft eingefallen, sowohl meinem Vater als auch uns Töchtern, sobald wir alt genug waren, Blumen kaufen zu können. Denn meine Mutter liebte es, ein Sträußchen oder ein paar Veilchen auf dem Tisch zu haben. Die Erwerbsgärtnerei kam bei uns also nicht zu kurz, auch wenn wir vom Muttertag nicht zu begeistern waren.

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