Aus dem Poesiealbum – from und wohlgemuht

RechtschreibfehlerDieser Eintrag im Album meiner Mutter ließ mich lächeln. „Sei from und wohlgemuht“, das ist einfach niedlich und lässt mich an die Schule denken:

Zum einen deshalb, weil auch damals wohl nicht alle Kinder und Jugendlichen perfekt waren in Sachen Rechtschreibung. Oftmals hört man in den Medien oder auch von irgendwelchen Eltern oder Kollegen Sprüche wie: „Die können ja heute alle nicht mehr richtig schreiben“ – gerade so, als wären früher alle Menschen begnadete Rechtschreiber gewesen. Sehr oft liegt das dann in der Meinung des Klagenden daran, dass angeblich keiner mehr liest, und schon gar keiner schreibt. Das ist nicht richtig, natürlich lesen die Schüler noch – und wenn es auf dem Smartphone ist. Die so genannte Rechtschreibreform, die zumindest meiner Meinung nach in Teilen eher eine Deformierung als eine Reformierung war, mag zwar für allgemeine Verwirrung gesorgt haben, aber auch das hat sich nach dem Ausbügeln der gröbsten Fehler inzwischen eingependelt. Es ist ja nicht so, dass unsere Rechtschreibung früher völlig logisch gewesen wäre.

Mutters Mitschülerin Erika war auf jeden Fall nicht perfekt in Rechtschreibung, trotzdem ist aus ihr etwas geworden. Ihre Kinder machten kurz vor mir das Abitur, ob die gut in Rechtschreibung waren, ist mir nicht bekannt. Sie hatten aber schon das Privileg, dass ihre Mutter gut hätte gebrauchen können: Sie gehörten wie ich zur „Generation Tintenkiller“.

Die Tintenkiller waren in meiner Schulzeit groß in Mode, vielen galten sie aber als Teufelszeug. Es gab Lehrer, die nicht wollten, dass man so ein widernatürliches Ding benutzt, wir sollten statt dessen „sauber ausstreichen“. Mit dem „sauber Ausstreichen“ hatte ich es nicht so, Schrift und Form war nie meine Sache und ich habe auch damals schon keine Anweisungen befolgt, die ich blöd fand – ich hatte also wie die meisten Mitschüler immer mindestens einen Tintenkiller im Gepäck. Genauso hatten wir schließlich auch ein Radiergummi. Es gab auch Lehrer, die befanden, dass die Spitzen der Tintenkiller unserer Schrift schaden würden – für diese krause Theorie ließen sich allerdings keinerlei Beweise feststellen (auch meine Schrift wurde nicht noch schlechter J ). Das waren aber die gleichen Lehrer, die gegen Kugelschreiber wetterten und nicht wollten, dass man etwas anderes als königsblaue Tinte verwendet – die wurden irgendwann von der Türkiswelle überrollt und mussten kapitulieren.

Meine Mutter hat sich den Spruch der Mitschülerin trotz Rechtschreibfehler zu Herzen genommen: Sie war meistens wohlgemut, was bei ihren häufigen Erkrankungen keine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht dachte sie ab und zu mal mit einem Lächeln an das Wörtchen „wohlgemuht“, und dann war es gut, dass Erika keinen Tintenkiller hatte.

3 Kommentare zu “Aus dem Poesiealbum – from und wohlgemuht

  1. Süß!
    Königsblau … Tintenkiller … da werden Erinnerungen wach. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich jemals in türkis oder lila geschrieben habe – aber ich habe immer gern geschrieben.

    halbwegs fromme und wohlgemute Grüße aus dem Schwabenland!
    Marlies

    Gefällt 1 Person

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