Liechtenstein wartet!

Im letzten Jahr habe ich von meinem guten Freund Harry mal wieder ein „Event“ geschenkt bekommen: Er überreichte mir zwei Karten für einen Abend mit Friedrich Liechtenstein, der im Rahmen der lit.Cologne stattfinden sollte. Harry wohnt in Bonn, so dass ich gleich mal das ganze Wochenende bei ihm einplante: Freitags Liechtenstein, Samstag bummeln und Schädliches trinken.

Logo Lit.Cologne

Logo lit.Cologne, offiziell zur Verfügung gestellt auf der Veranstaltungs-Webseite

Amüsiert habe ich mich über die zwei Karten, die ich bekam, schließlich bin ich nur eine. Ich schlug vor, mir jemand Passendes für diesen Abend zu suchen. Harry aber erläuterte mir, dass die zweite Karte schon für ihn selber gedacht sein, er aber dazu neige, so etwas zu verlieren – bei mir sei die Karte gewiss viel besser aufgehoben.

Derartig unter Druck gesetzt, verstaute ich die Karten besonders sorgfältig in der Vordertasche meines Koffers und vergaß zuhause erst einmal, sie auszupacken. Das fiel mir erst ein paar Wochen siedend heiß ein und ich kramte sie hervor: wer sie in der Zwischenzeit derartig zerknüddelt hatte, weiß ich allerdings auch nicht. Das muss der kleine Troll im Kofferschrank gewesen sein. Ich legte sie in meinen Dokumentenkorb, wo sie die nächsten Wochen heil überstanden. Irgendwie kam allerdings noch Schokolade drauf – aber nur auf die Rückseite.

Ein paar Tage vor dem geplanten Wochenende rief Harry bei mir an. Ob ich schon wüsste, wann ich ankäme, wollte er wissen, und ob ich zufällig auch seine Karte hätte? Er könne sie zuhause nicht finden. Ich grinste bei dem Gedanken an seine erfolglose Suche und bestätigte, dass ich die Karten mitbringen würde. Zur Sicherheit legte ich sie gleich auf den Tisch.

Noch drei Tage später schrieben wir uns Kurznachrichten: „Liechtenstein wartet!“ Ja, sicher. Wer dieser Liechtenstein eigentlich ist, war mir übrigens immer noch nicht klar, aber man sollte sich auch mal unvorbereitet in ein kulturelles Abenteuer stürzen.

Am Freitag wackelte ich pünktlich los – schließlich wartete Liechtenstein. Auf dem Weg zur Straßenbahn dachte ich darüber nach, wo ich die Karten eigentlich hineingepackt hatte: in den Rucksack oder doch in den Koffer? Nach kurzem Überlegen beschloss ich, dass ich sie überhaupt nirgends hineingepackt hatte – sie lagen noch immer zerknüllt und schmuddelig auf meinem Esstisch. Und Liechtenstein wartete doch! Auf uns! Also zurückgehetzt. Der kleine Koffer wirkte auf einmal viel schwerer. Die Karten in den Rucksack gestopft und zurück zur Straßenbahn. Viel Puffer war nun nicht mehr drin in meinem sorgfältig ausgeklügelten Zeitplan.

Aber es reichte und wir erreichten den Einlass der Kölner Balloni-Halle rechtzeitig, mit den Karten, einem gepflegten Weißwein in der Hand und einem noch gepflegteren Bildungsbürger-Lächeln im Gesicht. Das erlosch schlagartig, als man uns erklärte, dass mit Wein kein Einlass sei. Wie, was, wo? Aber den Wein hatte man uns doch gerade erst verkauft? Komische Sitten hier! Also das Bildungsbürgergesicht kurzfristig abgenommen, Wein angesetzt und abgekippt – Prost Liechtenstein!

Als wir endlich saßen, leicht angeschickert, hatten wir Gelegenheit, uns über Frisuren auszutauschen. Denn vor uns saßen vier Paare, bei denen sich die Männer irgendwie ähnlich sahen. Das betraf sowohl die Kleidung als auch die Frisuren: Alle waren sie leicht verwuschelt, und das sah gewollt ungewollt aus. Fast waren sie in ihrem gewollt ungewollten Stil ein wenig uniform und wirken so ungewollt gewollt und fast ein wenig verkrampft in ihrer unverkrampften Wuscheligkeit. Einen scharfen Kontrast gegen die Männer bildeten übrigens die dazu gehörigen Frauen: Bis auf eine hatten sie keinerlei Frisur aufzuweisen, sondern hatten einfach nur Haare auf dem Kopf. Harry vermutete, dass die gewollt verwuschelten Herren sie einfach nie ins Bad lassen, und ich denke, da hat er recht. Anders ist das nicht zu erklären. Aber ich schweife mal wieder ab.

Liechtenstein hat an diesem Abend nicht gewartet. Nicht auf uns, und nicht auf andere. Er hat einfach pünktlich angefangen, ohne groß zu fragen, ob eigentlich alle da sind. Der Abend war nett, aber unspektakulär: Liechtenstein hat ein Buch geschrieben, wir erfuhren viel über seine Kindheit, darüber, was ein Schmuckeremit ist und dass sein Leben bislang ziemlich super war. Supergeil, um genau zu sein. Begeistert war ich übrigens von seiner Stimme. Die finde ich tatsächlich … naja, ist klar, oder?

2 Kommentare zu “Liechtenstein wartet!

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