Flummis, Bücherschrank und keine Sonnenfinsternis

Den heutigen Vormittag habe ich äußerst angenehm verdaddelt: Ich habe frei und genieße so einen freien Tag unter der Woche immer sehr. Früh aufstehen und die Waschmaschine vollstopfen, während die arbeitet ganz in Ruhe Kaffee trinken und irgendwann gemächlich in die Hufe kommen, das mag ich. Gegen zehn bin ich losgestiefelt, zur Post, zur Apotheke, zur Bank und zum REWE: Mittagessen kaufen. Und nebenbei wollte ich die Sonnenfinsternis angucken, die um 10:38 in Frankfurt ihren Höhepunkt erreichen sollte.

Dummerweise habe ich in einem Anfall von Entrümpelungswahn irgendwann meine Sonnenfinsternis-Schutzbrille von 1999 entsorgt. Damals wohnte ich in München und hatte das Glück, dort die volle Sonnenfinsternis beobachten zu können. Natürlich wollte ich heute nicht ohne Brille in die Sonne starren, aber mein Handy sollte ein paar Fotos machen. Auch davor wurde im Internet gewarnt, man solle dafür Zusatzausrüstung erwerben, da ansonsten die Kamera kaputt gegen würde, aber so oft, wie mein armes Handy schon in die Sonne gucken musste, müsste es schon lange pulverisiert sein. Ich sah daher von Filtern ab.

Buch BücherschrankLeider sah auch die Sonne davon ab, sich über Oberrad nennenswert zu verdunkeln. Vielleicht war ich zu ungeduldig oder hatte die Zeiten durcheinander gebracht, aber ich saß eine ganze Weile auf dem unverdunkelten Buchrainplatz herum, sonnte mich und ließ gelangweilt die Blicke schweifen – die unvermeidlich auf dem Bücherschrank landeten. Ob da vielleicht etwas drin sein könnte? Ich fand eine Doppelband Krimis von Val McDermid, von der ich schon immer mal was lesen wollte. Das Buch sah sogar ziemlich neu aus. Also wurde es eingepackt und ich schlenderte wieder zu einem Bänkchen.

Dort saß ich nicht lange, denn ich beschloss, mal in die Schaufenster gegenüber zu gucken. Portugiesische Feinkost, das elftausendste Frankfurter Nagelstudio und eine Eisdiele – alles unspektakulär. Aber da, vor der Eisdiele, etwas richtig Schönes: ein Flummiautomat! Einer dieser Wunderdinger meiner Kindheit, in Eistütenform! Eines dieser Dinger, in die man als Kind immer sehnsüchtig hineingeguckt und viel zu selten was daraus bekommen hat!

Ich erinnere mich daran, dass früher öfter ein Groschen investiert wurde, damit wir Kaugummi oder gebrannte Nüsse aus dem Automaten bekamen. Mit den Nüssen hörten wir auf, nachdem sich eine Ameisenarmee des Automatens bemächtigt hatte. Und an den Spielzeugautomaten, in die man damals 50 Pfennig stecken mussten, wurden wir fast immer vorbeigezogen. Ich erinnere mich allerdings an einen Fingerringautomaten, der ein größenverstellbares Ringlein mit lila Glitzersteinchen für mich ausspuckte – wahrscheinlich war ich da mit Opa unterwegs gewesen, der hatte auch Spaß an solchen Spielereien. Den Ring verlor ich irgendwann ausgerechnet in der Kirche. Aber einen Flummi aus dem Automaten habe ich noch nie bekommen.

Flummi

Heute wollte ich also einen Euro investieren. Vorher sah ich neugierig in die Kugel mit den vielen Flummis – welchen würde ich bekommen? Am liebsten hätte ich so eine transparente Kiwi gehabt, oder einen Basketball. Oder einen mit Glitzer innen drin? Egal.

Kurz meldete sich die Vernunft – spar‘ dir diesen Euro, oder kaufe dir ein Eis dafür‘, sagte sie. Ich ignorierte sie, das tue ich ohnehin viel zu selten. Also einen Euro reingesteckt und den Hebel gedreht. Einmal, zweimal – das ging noch genau so schwer wie früher bei den Ameisennüssen. Und dann klapperte es und mein Flummi kam heraus: ein Basketball.

Ich verzichtete darauf, mit der Straßenbahn nach Hause zu fahren, ging zu Fuß und ließ dabei den Flummi hüpfen. Er springt gut – ein schönes Spielzeug. Dass es so etwas Einfaches noch gibt, und sei es nur zur Unterhaltung nostalgisch gestimmter Mittvierziger, stimmt mich irgendwie froh.

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