Schön ausgedrückt – der Lustmolch

Meine Lieblingskollegin hatte aus beruflichen Gründen des öfteren ein Video durchzusehen. Der männliche Hauptdarsteller war ihr unsympathisch, denn er sah seine Partnerin auf eine Weise an, die anzüglich wirkte. „Das ist vielleicht ein Lustmolch“, fand Claudia, und ich verliebte mich spontan in diesen Ausdruck. Denn irgendwie ist er ein Paradox: Es hat doch wohl kaum etwas so wenig mit Lust zu tun wie der putzige kleine Molch.

Axolotl, Lustmolch

Sicher kein Lustmolch, aber einer meiner kleinen Lieblinge – wegen des schönen Lächelns: ein Axolotl. Bild zur Verfügung gestellt von S.Perkiewicz / http://www.pixelio.de

Der Duden gibt nicht viel her: Er beschreibt den Lustmolch als maskulin, oft werde der Begriff scherzhaft gebraucht. Als Synonym wird der „Schürzenjäger“ genannt, also „ein Mann, der ständig Frauen umwirbt, für erotische, sexuelle Beziehungen zu gewinnen sucht“. Auch in der Wikipedia ist der Lustmolch leider unterrepräsentiert, hier wird lediglich auf den gleichnamigen Roman von Christopher Moore verwiesen.

Lediglich im Wiktionary, dem Wörterbuch-Ableger der Wikipedia, wird es etwas interessanter: Denn hier wird als Oberbegriff zum Lustmolch kurzerhand „Mann“ genannt. Das finde ich gewagt und heutzutage auch ein wenig unangemessen: Es ist uns nämlich kürzlich bei einem ausgelassenen Kantinenessen aufgefallen, dass eine Gruppe von Frauen sich gegenüber dem anderen Geschlecht manchmal genau so unangemessen aufführt, wie es früher Männergruppen Frauen gegenüber vorbehalten war. Da wurde gegafft und kommentiert, es fehlte gerade noch, dass eine von uns einem gut gebauten Praktikanten auf den Hintern geklatscht hätte. Hätte sich eine Herrenrunde gegenüber einer Frau so aufgeführt, hätten wir das unmöglich gefunden. Folglich gibt es inzwischen wohl auch Lustmolchinnen – wenngleich dieses Wort nirgends auftaucht.

Wieso es gerade der arme Molch ist, der für dieses abfällige Wort herhalten muss, bleibt größtenteils ungeklärt. Vielleicht ist es gerade das Absurde, das dazu führt, dass dieses drollige Tierchen mit übersteigerten menschlichen Gelüsten in Verbindung gebracht wird – einen Lustmolch stellt man sich gierig sabbernd seine Beute verfolgend vor. Auch gilt der Molch als schleimig, und galt in früheren Zeiten sogar als giftig. Mir hingegen sind Molche ausgesprochen sympathisch, ich freue mich immer, wenn ich mal einen sehe. Und über den „Lustmolch“ habe ich mich auch gefreut, gerade weil ich Claudia zustimmen musste: Der Kerl im Video war wirklich kein Sympathieträger.

4 Kommentare zu “Schön ausgedrückt – der Lustmolch

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