Die Kommissar-Stave-Reihe von Cay Rademacher

Die drei historischen Krimis rund um den Kriminalkommissar Frank Stave spielen im zerstören Hamburg der frühen Nachkriegszeit. Der Autor Cay Rademacher ist Historiker, das merkt man den Krimis deutlich an. Fundiert recherchiert und lebendig geschrieben – ich habe alle drei Bände sehr gerne gelesen.

Darum geht es: Die Reihe beginnt mit dem 2011 erschienenen Roman „Der Trümmermörder“, der im Hungerwinter 1946/47 spielt. Das tägliche Leben in Hamburg ist aufgrund der Zerstörung, des allgegenwärtigen Mangels und einer arktischen Kälte nahezu zum Erliegen gekommen. Und doch passieren Morde, und die müssen geklärt werden. Kommissar Frank Stave hat im Krieg fast alles mitgenommen: Er wurde ausgebombt, seine Frau starb, der Sohn ist in Russland verschollen. Und doch rafft Stave sich auf und macht irgendwie weiter. Er sucht: Nach dem Mörder, seinem Sohn und einer neuen Lebensperspektive. Umgeben von Altnazis, britschen Besatzungskräften, Not und Elend findet er seinen Weg durch das unwirtliche Hamburg – zumeist zu Fuß.

Im zweiten Band „Der Schieber“ (2012) ist es warm, Hamburg wird durch eine Hitzewelle niedergedrückt. Stave gerät durch einen Mord ins Schwarzmarkt- und Schiebermilieu. Der Leser begegnet guten alten Bekannten aus dem ersten Band, viele von ihnen trifft man auch im dritten Band „Der Fälscher“ (2013). Dieser spielt unmittelbar vor dem „Tag X“, also der ängstlich und sehnsüchtig erwarteten Währungsreform.

Was ist das Besondere: Die Bücher sind sehr gut geschrieben, die täglichen Unbillen und historischen Fakten werden geschickt eingewoben, ohne dass es lästig wäre. Frank Stave ist sympathisch, ohne die Kriegsfolgen wäre er wohl ein ganz normaler Beamter, der engagiert seinem Job nachgeht und ansonsten nicht besonders auffällt. Nun ist er gezwungen, ab und zu ein Held zu sein, Farbe zu bekennen. Und immer wieder findet er sich auch persönlich im Spannungsfeld zwischen legal und „illegal, aber nötig“ wieder, etwa wenn er selber über den Schwarzmarkt schleicht, um ein dringend benötigtes Paar Schuhe zu ergattern oder wenn er eine nicht ganz rechtmäßig erworbene Schreibmaschine gegen ein sicherlich unrechtmäßig erworbenes Fahrrad eintauscht.

Ich habe diese Bücher als sehr intensiv und nahe gehend empfunden. Besonders das Erste verfolgte mich geradezu: Denn ich las es im Urlaub, oft schon ein Stückchen vor dem Frühstück. Wenn ich dann am üppigen Buffet stand und überlegte, ob eine Waffel mit Kirschen oder doch lieber ein Pfannkuchen mit Obst mein unbescheidenes Frühstück abrunden sollte, dachte ich unwillkürlich immer wieder an den frierenden Stave, der überlegte, ob er den letzten Klecks Magerquark sofort essen oder doch lieber bis zum Abendbrot aufheben sollte.

Was gibt es noch: Ich bin über diese Buchreihe im Grunde gestolpert, weil mich der Name des Autors ansprach. Seit vielen Jahren lese ich Geo Epoche, die schwarzen Geschichtsmagazine der Geo-Reihe. Aus diesen Heften war mir der Name Cay Rademacher bekannt – er schreibt dokumentarisch genau so spannend wie fiktiv. Geschichtlich interessierten Menschen möchte ich die Geo Epoche-Hefte gerne ans Herz legen – auch wenn ich meine nicht immer sofort lese und einen Stapel ungelesener Hefte vor mir her schiebe.

3 Kommentare zu “Die Kommissar-Stave-Reihe von Cay Rademacher

  1. Da erinnerst du mich an etwas… „Der Trümmermörder“ war das erste Nachkriegsbuch seit langem, das nicht mit der üblichen Moralkeule dahergeschwungen kam, sondern deutlich die Realität der unmittelbaren Nachkriegszeit darstellte. Der Schreibstil war überaus fesselnd. Die anderen muss ich mir auch mal zu Gemüte führen…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s