Fernsehen für Helden

Fernseher, WalkerIch plage mich mal wieder mit einem Infekt herum: Die Nase läuft, die Augen tränen – fast könnte man meinen, ich litte unter einem Männerschnupfen. Wenn ich in diesem beklagenswerten Zustand bin, gibt es nur eines, das mich trösten kann, und das ist stundenlanges – ach was, tagelanges! Fernsehen. Denn das gehört zum Kranksein dazu: Wenn es richtig ernst wird, muss das Krankenlager direkt vor dem Fernseher aufgebaut werden. Das war schon so, als ich noch ein Kind war: War man malade, durfte man tagsüber Fernsehen gucken. Es kam damals zwar tagsüber nicht viel, aber das wenige, das kam, durfte man gucken. Damals war das gerade vormittags eine wilde Mischung aus Rappelkiste und Bundestagsdebatten – bei näherer Betrachtung hat das durchaus Gemeinsamkeiten. Heute gibt es 24 Stunden am Tag Programm und man kann wählen. Wenn ich krank bin, mag ich Zoosendungen und Heldenfernsehen. Denn da gewinnen immer die Guten und ich lerne, dass auch ich diese heimtückischen kleinen Viren besiegen werde, die mich gerade zu Boden zwingen. Ich muss es nur wollen!

Knight Rider FernseherDer Sender „RTL Nitro“ ist für mich bei Erkältungen das beste Medikament seit der Erfindung von Aspirin. Klar positioniert auf Männer, wirbt Nitro mit dem Slogan „Fernsehen für Helden“. Den ganzen Tag werden alte Serien gesendet, da ist vielleicht verflossener Kram dabei! Mich interessieren dabei nicht diese billigen Comedyserien mit der Lachmaschine, die immer schreit: „Das war witzig!“, und auch den bei Männern anscheinend beliebten Charlie Sheen brauche ich für nix. Nein, wenn ich krank bin, will ich, dass das bedingungslos Gute das plumpe Böse besiegt. Bei meinen bevorzugten Serien lernt man schon im Vorspann, um was es geht: „ER KOMMT – KNIGHT RIDER – EIN MANN UND SEIN AUTO KÄMPFEN GEGEN DAS UNRECHT!“, das sind Worte wie Hammerschläge, so etwas baut mich auf. Dazu noch diese wilden 80er-Jahre-Klamotten, die meine Laune heben, Erinnerungen wecken und machen, dass ich mich geborgen fühle und weiß, dass mir jetzt nichts mehr passieren kann. Zumal gerade diese Serie in einigen Punkten überraschen heutig wirkt: Der etwas dümmliche Michael spricht unterwegs immer mit seiner Armbanduhr, wenn er Kontakt zu dem ihm intellektuell weit überlegenen Auto aufnehmen will. Sollte er dort tatsächlich einen Prototypen der Apple IWatch getestet haben? Unmöglich ist ja nichts bei den Amis.

Gleich im Anschluss dann MacGyver: Der blonde Daniel Düsentrieb, der seine Fähigkeiten und sein Schweizer Taschenmesser in den Dienst irgendeiner wohltätigen Organisation gestellt hat, deren Namen ich vergessen habe, ist einer der Helden meiner Jugend. In den waren wir alle ein bisschen verknallt. Inzwischen ist der Schauspieler 65 und sieht auch so aus, aber dieses Wissen verdränge ich erfolgreich, wenn ich sonntags die alte Serie gucke und ihn schon wieder sooo niedlich finde.

Kojak FernseherAuch unter der Woche ist das Programm grippekompartibel: Kojak, Matlock, Die Straßen von San Francisco – nach und nach werden all diese alten Serien durchgeorgelt, die schon meine Eltern begeistert haben. Vieles von dem sehe ich zum ersten Mal, denn als sie früher liefen, war ich noch klein und durfte so was nicht gucken. Schon gar nicht, wenn es nach 20 Uhr lief. Auch jetzt kann ich das ja nur selten ansehen, denn zum Glück bin ich nicht so oft krank und gehe tagsüber arbeiten. Wahrscheinlich würde es mir schnell zum Halse raushängen, wenn ich das öfter genießen müsste. Aber ab und zu, mit schnupfenverquollenem Gehirn, tut mir das gut. Hilfreich ist auch, dass die meisten der Serien so einfach gestrickt sind, dass man nicht mal hinschauen muss. Es reicht völlig, wenn man die tränenden Augen ausruhen lässt und sich die Heldendialoge einfach nur anhört. Ratzfatz, zack und bumm – Ranger Walker sorgt für Ordnung auf seinem Kiez und rettet die Kinder. Da stört es auch nicht, wenn man zwischendurch mal einschläft. Dann führt halt gefühlt der greise Anwalt Matlock auf seine gewohnt langweilige Weise die Fälle zu Ende, die andere angefangen haben. Passt schon, alles gut. Wenn es doch nur immer so einfach wäre …

11 Kommentare zu “Fernsehen für Helden

  1. Also, der Herr Schulte hat sich besonders über die diversen Dokumentationen mit unnützen technisch kleinteiligem Wissen gefreut, die morgens laufen. Und wir mussten die ganze Shogun Box gucken!

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  2. Kochsendungen! Die machen es einem heimelig gemütlich. SIXX für Wiederholungen mit lauter adretten Damen (die nicht stören) und netten Herren (die ggf. leicht anregende Wirkung haben können) und ein bisschen Märchen für große Mädchen.
    PRO7 für BigBangTheory. Gerne in Dauerschleife.

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