Schön ausgedrückt – die Hosen runterlassen

Mein Arbeitsjahr 2015 begann eigenartig: Kaum hatte ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt und den Computer hochgefahren, klingelte das Telefon – ich hatte noch nicht mal einen Kaffee. Dran war ein lieber Kollege aus der Technik, der ein frohes neues Jahr wünschte und mir dann mitteilte, dass er „die Hosen runterlassen“ wolle. Natürlich kenne ich diesen Begriff und wusste, was er mir damit sagen wollte. Trotzdem konnte ich es nicht verhindern, dass das Kopfkino loslief, ich den guten Mann unbehost vor mir sah und danach den Rest des Tages wechselnd mit einem roten Kopf und Anfällen von eingebildeter Blindheit zu kämpfen hatte. Und das war mir Anlass genug, um einmal über diese schöne Redensart nachzudenken.

Wenn man den Begriff googlet, stellt man fest, dass ich nicht die Einzige bin, die sich darüber bislang Gedanken gemacht hat. In etlichen Foren wird darüber sinniert, wo der Ausdruck eigentlich her kommt, allerdings ohne wirkliches Ergebnis. Was er bedeutet, ist eigentlich jedem klar: Der Redensarten-Index erklärt „die Hosen runterlassen“ mit: „die Wahrheit sagen; etwas gestehen / bekennen“. Und der Duden bezeichnet den Ausdruck als salopp und mit der Bedeutung: „etwas bisher Verschwiegenes preisgeben, die Wahrheit bekennen“. Auch der Ausruf „Hosen runter“ wird als Aufforderung, die Karten aufzudecken, genannt. Allerdings widmet der Duden diesen Redensarten keine eigene Überschrift, sondern integriert sie in die Beschreibung des Wortes „Hose“. Und hier wird es nun richtig interessant, obwohl es im wahren Leben doch kaum so etwas Langweiliges gibt wie die Hose:

Eine Hose ist a: ein „Kleidungsstück, das den Körper von der Taille an abwärts und jedes der Beine ganz oder teilweise bedeckt“ und bezeichnet b: „Schlüpfer, Unterhose“. Dazu kommt noch allerhand Tierisches, was mich in diesem Zusammenhang nicht interessiert.

Unterhosen

Bild „3 tote Unterhosen“ zur Verfügung gestellt von Otto Wenninger / http://www.pixelio.de

Schön finde ich aber den guten alten „Schlüpfer“, diesen Begriff habe ich schon lange nicht mehr gehört. Da gibt es modernere, erwachsenere Ausdrücke: Gehe ich zum Beispiel auf die Seite eines bekannten Textilienversenders aus Hamburg, finde ich im Bereich Wäsche natürlich auch Unterhosen. Die heißen aber nicht mehr so, und schon gar nicht „Schlüpfer“. Vielmehr finde ich dort Slips, Strings und Panties – bei den Damen. Woanders gucke ich ja normalerweise nicht. Der guten Ordnung halber (schließlich bin ich dem Kollegen das schuldig) gucke ich auch noch bei den Herren. Und da, tatsächlich, finde ich ein deutlich breiteres Sortiment an Buxen als bei den Frauen! Das gibt es in der Mode eigentlich kaum, sonst kommen die Männer immer deutlich schlechter weg! Ich finde bei Otto Boxershorts, Hipster, Schlüpfer, Slips & Strings sowie lange Unterhosen.

Was der Kollege nun genau runterlassen wollte, ob nur die Jeans oder auch sein bevorzugtes Wäschestück, hinterfrage ich lieber mal nicht, das will ich gar nicht wissen. Er wollte etwas beichten (für das ER gar nichts konnte, nebenbei bemerkt) und ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, so wie es wohl den meisten nicht wohl wäre bei der Idee, untenrum nackend in der Öffentlichkeit herumzustehen (die vielen Sonderlinge, die gerade das immer wieder auf meinen Blog führt, nun mal außen vor gelassen). So erklärt sich die Herkunft des Begriffs wahrscheinlich auf ganz einfache Weise.

Auf jeden Fall hat mir dieser Ausdruck viel Spaß gemacht, auch wenn ich in Alte-Damen-Manier vom eigentlichen Thema abgekommen bin. Ich danke daher Guenter für die Inspiration und bin froh, dass ich auch in diesem Fall mal wieder sagen konnte: „Das macht Sustain!“

2 Kommentare zu “Schön ausgedrückt – die Hosen runterlassen

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