Schön ausgedrückt – die diskreten Namen der Toilette

Der eine oder andere wird mir vielleicht unterstellen, irgendwie auf dieses Thema fixiert zu sein, doch es ist wirklich Zufall, dass relativ kurz nach dem Beitrag über das „draußen pinkeln“ nun das „drinnen pinkeln“ dran ist. Denn jeder benutzt sie, doch sie wird gerne totgeschwiegen: die Toilette, umgangssprachlich auch Klo genannt. Darüber habe ich noch nie so nachgedacht wie nach einem Geschäftstermin Anfang dieses Monats.

Wegweiser zur Toilette

Wegweiser auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt: Hier werden Babys gewickelt und Männer pieseln auf den Boden.

Der Anstoß für meine Überlegungen war ein ganz simpler: Ich stand mal wieder tierisch auf der Leitung. Wir hatten eine Kollegin aus der Schweiz zu Besuch, mit der wir Englisch sprachen. Gleich nach ihrer Ankunft verkündete sie: „I have to wash my hands.“ Ich dachte, dass sie sich nach der Anreise etwas schmuddelig fühlt – ein Gefühl, dass ich nach längeren Fahrten auch immer habe – und zeigte ihr den Waschraum. Zwei Stunden später ging sie schon wieder zum Hände waschen. Und dann nochmal – obwohl wir einfach nur gesprochen und gar nicht im Matsch gewühlt hatten. Ich war verwirrt und musterte die Hände der Kollegin. Die waren sauber und gepflegt, zeigten aber keinerlei Spuren eines Waschzwangs. Und endlich dämmerte es mir, dass die Kollegin nicht nur zum Hände waschen ging, sondern sich gleichzeitig auch noch das Näschen gepudert und die Lippen nachgezogen hatte. Sie war also einfach mal ums Eck gegangen, für kleine Mädchen, wenn nicht gar für Tigermädchen. Oder auch einfach nur mal „wohin“.

Ich erinnerte mich an einen Praktikanten, der vor einer Weile wegen seiner lautstarken Hilfsbereitschaft von uns belächelt wurde. Es wurde eine Kollegin gesucht, die Platznachbarin sagte: „Sie ist gerade nicht am Platz, kommt aber gleich wieder.“ Der Praktikant rief von hinten: „Die is auf’m Klo!“ Allgemeines Kichern war die Folge. Der junge Mann verteidigte sich verwundert: „Das stimmt, ich habe sie da gerade reingehen sehen. Die muss gleich fertig sein.“ Er hatte natürlich recht, die Gesuchte tauchte unmittelbar danach wieder auf – offensichtlich war sie fertig geworden. Trotzdem sorgte die kleine Indiskretion für ein amüsiertes Lächeln bei allen, die in der Öffentlichkeit lieber auf 17 gehen als zur Toilette.

Besonders gut gefiel mir der Name, den eine ältere Kollegin immer für eine Toilettenpause verwendete: Sie sagte, sie besuche das Spiegelkabinett. Das klingt glänzend, festlich und einfach schön. Deutlich schöner als das großväterliche „Ich muss kurz austreten“, mit dem sowohl mein Opa als auch Kollege Axel mich früher verwirrten. Als Opa das damals sagte, verstand ich nicht, wo er genau hintreten wollte. Und als Axel es sagte, konnte ich nicht glauben, dass jemand diesen altbackschen Begriff tatsächlich noch verwendet. Den kennt übrigens auch der Duden und übersetzt „austreten müssen“ mit: „einen Raum verlassen, um seine Notdurft zu verrichten“. Hätte mein Opa mir das früher so gesagt, hätte ich wohl auch nicht mehr verstanden.

Gewiss gibt es noch unzählige Namen für das stille Örtchen, die mir hier nicht eingefallen sind. Wer mag, darf seinen Favoriten oder auch regionale oder dialektale Spezialausdrücke gerne in einen Kommentar schreiben, um die Sammlung zu vervollständigen.

8 Kommentare zu “Schön ausgedrückt – die diskreten Namen der Toilette

  1. Oh wie herrlich. Da gibt es echt so viele Ausdrücke dafür…
    „Ardibbln abgissn“ (sächsisch für Kartoffeln abgießen)… sagte mein Opa immer.
    „den kleinen Freund melken/ betrachten/ kneten“… höre ich bei der (männlichen) Jugend.
    „um die Ecke verschwinden“… ist mein liebster Ausdruck.

    Kommt dann demnächst ein Artikel darüber, wie man diskret aufs größere Geschäft hinweisen kann? Da gibts ja auch so gewisse Bezeichnungen *kicher*

    LG von TAC

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  2. Normalerweise verlinke ich ja nicht zu Don Alphonso, aber da es sich um ein Kernthema dieses Blogs handelt, mach ich eine Ausnahme 😉

    Die CSU will ja nicht mehr, dass man daheim ausländisch spricht, also sind Alternativen zur französischen Toilette gesucht – gar nicht so einfach:

    http://blogs.faz.net/stuetzen/2014/12/09/vom-potschamperl-zur-brunzkachel-deutsch-mit-der-csu-4789/

    Wer hätte solche Worte auf FAZ.net vermutet?

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