Mädelszeit

Dieser Text wurde inspiriert von diesem Wochenende, das ich in Hamburg bei meiner Freundin Roswitha verbrachte. Und doch handelt er nicht nur von diesem Wochenende, sondern von Frauen unter Frauen im Allgemeinen und Speziellen. Und von Männern, aber das nur am Rande. Denn die waren an diesem Wochenende nicht dran, es war

Mädelszeit

Adventskranz

Das hat mich begeistert: Die Adventsdekoration im Levantehaus

Die meisten Frauen werden das kennen: Aktivitäten ausschließlich mit Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts, die unweigerlich in viel Gelächter – oder auch Gegacker – ausarten. Oder auch lange Nächte mit Freundinnen, Wein und tief gehenden Frauengesprächen. Wie man das dann nennt – ob Frauenabend, Mädelsrunde oder Weiberwochenende – ist dabei total egal. Das erwähne ich nur, weil mir vor Jahren einmal eine Bekannte bei mir beschwerte, weil ich „Mädelsabend“ gesagt hatte. Es rege sie furchtbar auf, sagte sie, wenn gestandene Frauen sich selbst als Mädel bezeichnen würden und offensichtlich nicht realisiert hätten, dass sie erwachsen seien. Ich nahm diese Kritik damals zur Kenntnis, allerdings ohne meinen Sprachgebrauch zu verändern oder mich ebenfalls aufzuregen – gibt deutlich wichtigere Säcke Reis, die ich wieder aufstellen würde.

Wichtig ist mir nicht die Bezeichnung oder der Rahmen, in dem diese weiblichen Aktivitäten stattfinden. Ob Essen gehen, Shoppingtour oder eine gemütliche Teestunde im heimischen Wohnzimmer ist total egal. Wichtig ist nur, dass keine Männer dabei anwesend sind. Was so diskriminierend klingt, hat einen rein sachlichen, von jedem zu beobachtenden Grund: Abende nur unter Frauen verlaufen ganz anders, als wenn Männer dabei sind. Denn Männer sind anders. Frauen auch, aber das ist ja normal. Ist bei einer geplanten Weiberrunde nur ein einziger Kerl dabei, ist es vorbei mit der entspannten Weiblichkeit, dem fröhlichen Hühnerhofgehabe und den ungebremsten Begeisterungsstürmen, sei es über Babys, Handtaschen oder den gut proportionierten Oberkellner. Männer wirken in einer Frauenrunde, die als rein weibliche Aktivität geplant waren, stören, ohne dass sie selbst etwas dafürkönnten. Ich behaupte es noch einmal: Sie sind anders – das ist einfach so und meistens ein Glück.

Ich will versuchen, einige Beispiele für die männliche Andersartigkeit zu bringen. Da wäre zum Beispiel die gute alte Handtasche: Die meisten Frauen haben davon ein bis zwanzig Stück, legen Dinge hinein und tragen diese mit sich herum. Wichtige Dinge natürlich, die einen Zweck haben, wenn nicht sogar unentbehrlich sind. In meiner Tasche ist unter anderem ein Kamm oder eine Bürste, weil ich mich manchmal unterwegs kämmen möchte. Zum Beispiel auf Shoppingtouren, wenn ich nach dem Pullianprobieren nicht mit statisch aufgeladenen, zu Berge stehenden Haaren durch die Gegend stolpern will. Logisch, oder? So ein Kamm ist ein wichtiges Werkzeug für einen stil-, wenn nicht sogar würdevollen Auftritt. Mein Kollege Thomas hingegen zeigte sich in diesem Sommer von meinem mitgeführten Frisierutensil äußerst befremdet: „Wozu brauchst du einen Kamm? Man kämmt sich doch morgens.“ Auch eine vorsichtshalber mitgenommene Kopfschmerztablette ist für ihn unnützer Ballast, denn wann hat man schon Kopfschmerzen? Anscheinend hat er keine, nicht mal aus Trotz.

Desigual-Tasche

Meine neue Handtasche

Schon die Handtasche an sich brachte meinen guten Freund Harry ins Grübeln. Er warf einen irritierten Blick auf das knallrote Prachtstück, dass ich mir ausgesucht hatte, und fragte: „Willst du die kaufen? Aber du hast doch ‘ne Handtasche?!“ Ja, natürlich, aber doch nicht so eine! Freundin Roswitha hingegen riet mir energisch zu der dezent-bunten Desigual-Tasche, die ich seit gestern mein Eigen nenne: „Oh ja, die ist toll. Die passt auch zu dir, die solltest du nehmen.“ Deshalb sind Shopping-Touren mit Roswitha auch deutlich erfolgreicher als mit Harry. Und mit jemandem wie Thomas, so sehr ich ihn sonst schätze, würde ich gar nicht erst losziehen – so was hat doch keinen Sinn!

Rechtzeitig zur Aschenbrödel-Saison: Ringschuh, Geschenk von Roswitha

Wochenenden, die man nur unter Frauen verbringt, sind zumeist gekennzeichnet durch die allgemeine Bereitschaft, bei jedem Anlass in helles, manchmal hysterisch klingendes Gelächter auszubrechen. In Zügen sind Frauengruppen manchmal eine rechte Geißel, wegen des Lärms, den sie verbreiten, sowie des vielen Platzes, den sie mit ihren ganzen Taschen und Tüten oftmals brauchen. Mit ein Grund für das Gegacker sind sicher die typischen geistigen Getränke, die zu einem Mädelswochenende irgendwie dazugehören: Prosecco, Sekt, Aperol Spritz oder Hugo. Das ist alles irgendwie auf Weinbasis, und im Wein ist nicht nur Wahrheit, sondern auch Frohsinn. Zumindest bei mir: Wein beschwingt mich und macht mich fröhlich-geschwätzig. Von Bier dagegen werde ich müde und irgendwie ein bisschen … naja … weniger geistreich. Man könnte auch sagen, blöd. Sitzen Männerrunden im Zug, fahren die oft zum Fußball und trinken Bier. Sie sind auch laut, aber anders – schon wieder.

So manch einer mag sich – oder mich – nun fragen, wo ich mit diesem Beitrag eigentlich hin will. Keine Sorge, ich habe nicht vor, die Geschlechtertrennung in Deutschland zu propagieren. Ich bin sehr gerne mit Männern zusammen, kann mit ihnen Spaß haben, gute Gespräche führen, ernst sein. Aber sie sind anders als Frauen, und das ist nicht nur normal, sondern gut so. Es gibt Gelegenheiten, da genieße ich sie, und es gibt Gelegenheiten, da kann ich sie nicht gebrauchen.

Ich brauche es, ab und zu mal ungehemmt weiblich herumzuhühnern. Ich mag es einfach, in einem Laden zehn Oberteile anzuprobieren, mich darin bewundern oder auslachen zu lassen und am Ende eines, zwei, drei oder auch keines zu kaufen. Ich mag es, ab und zu mal ausgiebig im Sopran zu gackern – und dann wieder im gemischten Chor. Und, ganz ehrlich, manchmal wüsste ich wirklich gerne, was in den reinen Bass- und Tenorgruppen so ausgeheckt wird. Erfahren werde ich das wohl nie. Denn da habe ich nichts zu suchen und halte mich raus.

Eingang zu einem der vielen Hamburger Weihnachtsmärkte

9 Kommentare zu “Mädelszeit

  1. Mädelszeit – scheint ne verdammt komplizierte Sache zu sein. Komplizierter als Männerabend: Kasten Bier, paar Bratwürste auf’m Grill. Trinken, Essen, einvernehmliches Schweigen. Mehr braucht’s dazu nicht. Weder Kamm noch Shopping.

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