Lass die Hunde los!

Vor einer Weile gab es im Schreibworkshop das Thema „Loslassen“. Dazu gab es natürlich verschiedenste Übungen, bei denen mal mehr, mal minder Brauchbares herausgekommen ist. Hier ist die Geschichte von Castor und Pollux:

Lass die Hunde los!

zwei Kleinpudel weiß

zwei Kleinpudel weiß, Vinny und Wesley vom Elfenberg, Bild zur Verfügung gestellt von H. Heuer in den Wikipedia Commons

„Lass die Hunde los!“, befahl Horst und Heinz löste die Leinen. „Fass!“, rief er und zeigte auf den Eindringling. Castor und Pollux, die beiden kleinen Pudel mit königlichem Stammbaum, sahen sich fragend an. „Fass!“, das hatte noch nie jemand zu ihnen gesagt. Und der Eindringling, ein übergewichtiges Zwerghuhn mit Hinkefuß, sah für sie nicht so verlockend aus, dass sie dafür ihren nicht vorhandenen Jagdinstinkt aktiviert hätten. Sie waren es schlicht nicht gewohnt, ihre Nahrung selbst zu besorgen. Für sie gab es stets appetitlich angerichtetes Dosenfutter mit einem Blatt Basilikum oben drauf, alternativ einem Sträußchen Petersilie. Nur ein Mal hatte Herrchen versucht, dem aktuellen Trend des Barfens zu folgen und hatte ihnen rohes Fleisch vorgesetzt: ganz frischen Pansen. Castor hatte sich bei dessen Geruch spontan auf die Auslegeware übergeben und Pollux fraß auch heute noch nicht wieder aus diesem verseuchten Napf. Seitdem waren beide Hunde schwer traumatisiert und gingen nicht mehr alleine in die Küche.

„Fass!“, versuchte nun auch Horst sein Glück und zeigte nochmals auf das gackernde Huhn. Das zögerte nicht lange, ging zum Angriff über und zwickte Pollux in die runde Hundenase. Der jaulte, und Castor heulte vor Schreck gleich mit.

„Nee, Heinz, dat wird nix. Dat kann’ste vergessen.“

Frustriert zerriss er die Einladung des örtlichen Jagdvereins zur Rebhuhnjagd mit anschließendem Buffet. Diese Veranstaltung war jedes Jahr der Höhepunkt des örtlichen Landlebens, bei dem der Sekt in Strömen floss und massenweise Delikatessen gereicht wurden. Man brauchte dafür nur einen Jagdschein, eine Flinte und einen gut ausgebildeten Jagdhund.

 

5 Kommentare zu “Lass die Hunde los!

  1. Das erinnert mich an eine kleine Szene: Unser Kalle mit vollausgebildetem Jagdinstinkt pflegte seine Nase in höchster Erregung gegen den Meerschweinchenstall zu pressen. Und Merle, Rosie und Romeo, unsere Stallbewohner leckten ihm im Vorbeilaufen drüber. 🙂

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