Der Riese erwacht

Monatelang, wenn nicht sogar jahrelang, beobachtete ich den Fortgang der Bauarbeiten an dem Gebäude, das zukünftig die neue Europäische Zentralbank beherbergen soll. Den Rohbau hochzuziehen, ging erstaunlich schnell. Und dann wurde verglast. Und verglast. Und verglast … Wahrscheinlich wurden auch noch jede Menge andere Arbeiten parallel erledigt: Innenausbauten, Kabel legen, Klöchen für die Mitarbeiter einbauen. Doch das Verglasen war das für mich sichtbare Zeichen, dass langsam, aber sicher, weiterhin etwas voran ging. Denn ich kann die EZB sehen: Aus meinem Schlafzimmerfenster, außerdem aus der Straßenbahn und, Woche für Woche, ganz von nahem, wenn ich zu meinen Kursen in der Sonnemannstraße gehe.

Monatelang wirkte das neue EZB-Gebäude wie ein schlafendes Monster, dass sich wie ein dunkler Klotz gegen den Himmel abzeichnete. Allerdings konnte man bereits sehen, dass die großen, verglasten Flächen einmal interessante Lichtspiele erlauben würden. Und am letzten Montag war es plötzlich soweit: Der Einzug der Mitarbeiter in das neue Gebäude hat Anfang November begonnen. Aus unzähligen erleuchteten Fenstern strahlte die EZB mich an, als ich gegen 19 Uhr zum VHS-Gebäude lief.  Die tausend Augen der Banker – so manchem mag das gruselig vorkommen. War es nicht der schaurige Doktor Mabuse, der vor vielen Jahren über 1000 Augen verfügte und damit irgendwelches Unheil anrichtete?

Ich habe derartige Vorbehalte nicht, denn ich mag diesen neuen Teil der Frankfurter Skyline. Das glänzende EZB-Gebäude ist für mich ein Symbol für Frankfurts Vielfalt. Immer wieder stolpert man in dieser Stadt über Gegensätze: aus neu und alt, schwarz und weiß, arm und reich oder traditionell und mondän. Diese Kontraste schmiegen sich geradezu aneinander – so wie dieser altmodische Lastkran sich an die EZB anzulehnen scheint.

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