Komische Gewohnheiten – Wasser trinken

An diesem Beitrag ist meine Cousine Inga „schuld“: Sie war es, die mich vor Jahren auf diesen Phänomen aufmerksam machte. Und seitdem fällt es mir auf: in der Straßenbahn, auf öffentlichen Plätzen, in Konzerten und im Kino. Eigentlich überall. Und ich frage mich, wozu das gut ist. Vielleicht einfach nur eine Übersprungshandlung?

Komische Gewohnheiten 9 – Winzige Schlucke Wasser trinken

Eines vorab: Man hat mir ja schon mangelnde Gendergerechtigkeit vorgeworfen und behauptet, ich würde mit meinen komischen Gewohnheiten eher auf den Männern herumhacken. Dieses Mal nicht: Denn diese für mich komische Gewohnheit ist weiblich, ich habe so etwas noch niemals bei einem Mann beobachtet. Worum geht es also?

In den letzten Jahren wurde bekannt, dass es über die Maßen wichtig ist, ausreichend zu trinken. Sonst versagen die Nieren, die Haut wird schrumpelig und der Verstand verdörrt. Ohne Zweifel, da ist was dran. Seitdem werden friedlich spielende Kleinkindern von ihren Müttern geradezu mit Nuckelbechern verfolgt, und viele junge Frauen tun ohne eine 1,5l-Plastikflasche, die gut sichtbar außen am Rucksack angebracht ist, keinen Schritt mehr aus dem Haus. So weit, so gut – ich muss die Buddel ja nicht schleppen. Sonderbar finde ich nur, wie viele dieser Mädels ihre Wasserflaschen nutzen.

Vorab als Erläuterung, wie ich eine Wasserflasche nutze, damit meine Leser mein Befremden verstehen: Ich trinke auch Wasser – viel und gerne. Im Büro fülle ich ein großes Glas und trinke das aus. Nicht immer sofort, aber recht zügig. Zuhause geht es rustikaler zu, da trinke ich gleich aus der Flasche. Schluck, schluck, schluck … (rülps) – halb leer. Aus reiner Neugier und zur Vorbereitung dieses Artikels beobachtete ich auch meine Kollegen: So geht zum Beispiel Herr Dr. K. viele Male täglich zum Wasserspender und holt sich dort einen Becher des kühlen Nasses. Er wird sich damit nicht die Füße waschen. Also gehe ich davon aus, dass er es trinkt – und zwar alles. Einschenken, austrinken. Ich weiß nicht, ob das die allgemein übliche Form des Wassertrinkens ist, nehme es aber an.

Viele der Mädchen mit den außen am Rucksack angebrachten Wasserflaschen machen das anders: Sie halten ihre Flasche in der Hand, wenn sie sich mit anderen unterhalten. Nicht oft, sondern immer. Die ganze Zeit. Und alle zwei Minuten drehen sie die Flasche demonstrativ auf, trinken ein winziges Schlückchen und verschließen die Flasche dann mit großem Kraftaufwand wieder. Sie drehen sie so fest zu, dass in den nächsten hundert Jahren garantiert nichts auslaufen kann – nur, um sie kurze Zeit später wieder zu öffnen, zu nippen und zuzudrehen. Am Ende eines langen Tages haben sie so tatsächlich eine Espressotassenmenge an lebenswichtigem Wasser geschafft und wahrscheinlich Schwielen an den Händen vom Auf- und Zudrehen. Mit Flüssigkeitsversorgung hat das nichts zu tun, aber womit dann? Geltungssucht? Unwahrscheinlich, berühmt wird man durch Wassernippen nicht. Langeweile? Schon eher. Handy vergessen? Man weiß es nicht. Letztendlich geht es mich natürlich auch nichts an. Trotzdem muss ich irgendwann mal einige dieser Wassertrinkerinnen befragen, was sie da eigentlich tun und warum. Wahrscheinlich wissen sie es selber nicht und müssen auf diese doofe Frage erst mal einen heben. Prost Wasser!v

5 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten – Wasser trinken

  1. Obwohl es mir schwerfällt, versuche ich einen ernsthaften Kommentar zu geben:
    Diese Nuckel-Trink-Erscheinung beruht auf diversen Tatsachen.
    1.) Ein Großteil der weiblichen Bevölkerung hat es immer noch nicht gelernt aus der Flasche so zu trinken, dass dieser Festsaug-Effekt nicht entsteht. Folge ist, dass dieser Teil die orale Entnahme von Flüssigkeiten aus Flaschen durch Nuckeln vollzieht. Wird wie in solchen Fällen innerhalb der Flasche ein Vakuum erzeugt, gestaltet sich die Entnahme schwierig und kann nur in kleinen Schlucken erfolgen. Statt nun mehrmals diesen Nuckel-Vorgang hintereinander zu wiederholen, wird der Vorgang nicht direkt wiederholt, sondern die Prozedur Flasche zudrehen, wegstellen, wieder greifen, Flasche öffnen, nuckeln,…. in kurzen Zeitabständen wiederholt.
    2.) Grunsätzlich zu diskutieren ist die Notwendigkeit der ständigen Flüssigkeitsaufnahme. Einerseits folgen wir allgemeinen Empfehlungen, gesund zu leben, unseren Flüssigkeitshaushalt besser zu kontrollieren, andererseits besteht bei einem großen Teil der Bevölkerung mit einem Ernährungszustand, der auf starkes Untergewicht hinweist (überwiegend Personen weiblichen Geschlechts, wobei ich mich über die verschiedenen Formen der Anorexie hier gar nicht auslassen möchte), eine tatsächliche Notwendigkeit ständiger Flüssigkeitsaufnahme, da – verbunden mit dem Untergewicht – oftmals ein Zustand vorhanden ist, der nahe dem der Dehydrierung ist, die in solchen Fällen selbstverständlich zu vermeiden ist.
    3.) Im übrigen betrachte ich das Phänomen, ständig trinken zu müssen, als eine reine Hysterie. Unter normalen Umständen – und in denen leben wir in unseren Breitengraden und bei unseren „normalen“ Ess- und Trinkgewohnheiten, ist es durchaus möglich und gesundheitlich nicht schädlich über einen längeren Zeitraum (1-3 Stunden) sowohl ohne Essen und auch ohne Trinken auszukommen (nachts sogar länger).

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    • Bitte an Meike, fehlende Buchstaben zu ergänzen, überflüssige zu löschen. Entschuldigung für die vielen Fehler, ich habe wohl zu lange nicht mehr an der Wasserflasche gehangen.

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  2. Ich hoffe, ich konnte das Problem in deinem Sinne lösen 🙂

    Danke für deinen ernsthaften Kommentar. Bei Punkt 3 stimme ich dir unumwunden zu, zu Punkt 2 kann ich nicht viel sagen, da fehlt mir das Fachwisen. Aber Punkt 1… naja, ich weiß ja nicht. Bei uns in der Grundschule wurde früher der Pausenkakao in kleinen Flaschen verkauft und alle, Jungs und Mädchen, haben den direkt aus der Flasche getrunken, ohne zu nuckeln. Es kann natürlich sein, dass diese Fähigkeiten in den 70er Jahren noch verbreiteter waren. Aber wenn ich mir einige Freundinnen so angucke – Mönsch, was die für einen Zug an der Bieflasche haben!

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  3. Ja, Meike, du und du mit deinem Umgang….. ihr könnt das! Aber schau sonst mal in die Runde, wie da gezutscht wird. Sieht teilweise übel aus, dass ich dann empfehlen möchte, doch lieber aus einem Glas zu trinken.

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