Fluch und Segen der offenen Bücherschränke

Jeder, der gerne liest, kennt das Problem: Bücher, die nicht ausgeliehen, sondern gekauft wurden, sind ausgelesen und müssen irgendwo hin. Anfangs freut man sich über den ständig wachsenden Bücherbestand und füllt begeistert ein Regal. Dann muss ein Neues her, und noch eines. Man stellt doppelreihig und stapelt, was immer auf die Bretter geht. Spätestens, wenn man das Glück hat, diesen ganzen Segen in Kartons zu packen und damit umzuziehen, stellt so mancher seine Sammelleidenschaft infrage. Und wenn man einmal ehrlich ist, muss auch nicht jedes Buch unbedingt aufgehoben werden. Zum einen, weil einem nicht jedes Buch gefällt und zum anderen, weil man nicht jeden Krimi, bei dem man weiß, wer der Mörder war, noch einmal lesen möchte. Das Aufheben um jeden Preis ist also nicht unbedingt sinnvoll.

Natürlich kann man gebrauchte Bücher auch verschenken oder verkaufen – neben dem klassischen Flohmarkt fallen mir da spontan eBay, Amazon oder Booklooker als mögliche Plattformen ein. Wer dazu auch keine Lust hat, hat inzwischen in vielen Städten die Möglichkeit, seine gebrauchten Bücher in Bücherschränke zu stellen – allen Lesebegeisterten zur freien Verfügung.

offener Bücherschrank

offener Bücherschrank vor unserer Kantine

Inzwischen bin ich ein großer Fan dieser Bücherschränke, die man in Frankfurt an vielen öffentlichen Plätzen findet: an Marktplätzen, Straßenbahnhaltestellen oder vor der Volkshochschule. Auch private Initiativen stellen inzwischen Bücherschränke auf: So gibt es inzwischen auch einen improvisierten Schrank in meinem bevorzugten Freibad in Hausen, bei dem man einigen Büchern durchaus schon ansieht, dass sie mit feuchten Fingern durchgeblättert wurden. Und auch mein Arbeitgeber hat einen Schrank aufgestellt – die Verführung lauert auf mich nun täglich auf dem Weg in die Kantine.

Denn das ist der Haken an der Sache: Man kann in den Bücherschrank ja nicht nur hineinstellen, sondern auch aus ihm herausnehmen. Das bringt mich regelmäßig in Schwierigkeiten, denn EIGENTLICH wollte ich meinen Buchbestand ja verringern. Dass ich kürzlich vom Eisdielenbesuch am Lokalbahnhof eine dicke Schwarte eines meiner Lieblingsautoren mit heimschleppte („Die Kinder von Torremolinos“ von James A. Michener), ist für dieses Vorhaben wenig hilfreich, ebenso wie das merkwürdige Werk von Wolf Haas, das mir kürzlich in meinen Einkaufskorb fiel, als ich eigentlich doch nur auf dem Wochenmarkt war. Eins rein, eins raus – so war das nicht gedacht. Trotzdem macht mir die Stöberei in den Schränken viel Spaß – und den komischen Haas kann ich ja auch wieder hineinstellen.

offener Bücherschrank

Bücherschrank am Oberräder Dalles

5 Kommentare zu “Fluch und Segen der offenen Bücherschränke

  1. Eigentlich bin ich ein Reinsteller. Der Inhalt der Bücherschränke, die in meiner Nähe stehen, besteht jedoch zum größten Teil aus Büchern, die wirklich keiner mehr haben will (außer meinen selbstverständlich) 😉 . Büchern, mit denen offensichtlich keiner das heimische Bücherregal schmücken will. Und das ist schade. So ein Bücherschrank muss auch gepflegt werden. Und dazu habe ich mich kürzlich entschlossen. Ich „zensiere“ durch Entsorgen. Schaffe Platz für neue Bücher – und die kommen in großen Mengen. Und dann entsorge ich, mache Platz. Bis wieder Altpapier in Buchform abgeladen wird…….Nennt mich Sisyphos!

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    • Ja, das mit der Pflege ist wichtig. Schön, dass du dich dazu entschlossen hast, Philipp. Muss man das offiziell anmelden, dass man „Schrankpfleger“ wird?
      Bislang klappt das in Frankfurt recht gut, zumindest bei den „offiziellen“ Schränken, in die ich öfter reingucke. Es ist aber auch lustig, was die Leute manchmal reinstellen: In den Schrank vor der Kantine hatte einer seine Bücher aus dem Studium gestellt. Problem: Der hat gewiss deutlich vor mir studiert. Also Uralt-Lavendel. Dabei kann man gerade diese BWL-Bücher wunderbar weiterbenutzen: Meine „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“ hatte gerade die richtige Höhe, um jahrelang mein Schlafzimmerfenster aufzuhalten.

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