Komische Gewohnheiten: Auf den Hund einplappern

Jeder, der mit einem Hund zu tun hat, redet mal mit ihm: „Sitz! Platz! Waldi, komm!“ Oder auch: „Bring den Ball, Lulu, ja feeeeiiiiinnnn!“ Das ist normal und gehört dazu. Komisch wird es für mich, wenn man dem armen Tier lange Gespräche aufzwingt, ohne ihm Gelegenheit zur Antwort zu lassen.

Komische Gewohnheiten 8: Auf den Hund einplappern

Boston Terrier Welpe

Zwei gute Zuhörer: Alex und Coco. Bild von Claudia Incardona

An manchen Tagen denke ich immer noch an Manfred. Unsere Bekanntschaft war nur kurz, trotzdem lässt mich der Gedanke daran lächeln. Es passierte an einem Frühlingsmorgen, ich war unterwegs zur S-Bahn und nahm den Weg durch die Oberräder Felder. Hinter mir hörte ich die aufgeregte Stimme einer Dame: „Manfred! Manfred, jetzt warte doch. Du weißt doch, dass ich nicht so schnell kann. Jetzt renn nicht schon wieder so!“ ‚Oha‘, dachte ich, ‚der Mann nimmt aber nicht besonders viel Rücksicht auf seine Frau.‘ Schon ging es weiter: „Manfred! Guck, wo du hinläufst. Pass auf, da hinten fahren Fahrräder. Nicht, dass dich einer anfährt.“ Aha, ich hatte mich anscheinend geirrt. Ich sah mich um, in der Erwartung, irgendwo einen kleinen, vielleicht vierjährigen Jungen herumhüpfen zu sehen. Manfred, ein Name wie ein Hammerschlag für ein Kind von heute, aber Paul und Karl sind ja auch wieder modern geworden. Warum also nicht Manfred oder Günther? Doch da war kein Kind. Statt dessen preschte mit hängender Zunge ein winziger, gut gelaunter weißer Hund an mir vorbei, raste auf die nächste Pfütze zu und sprang begeistert darin herum. Ohne Zweifel, dem gefiel sein Hundeleben. „Ach Manfred, du altes Ferkel!“ Zoologie war offensichtlich nicht die Stärke der Dame.

Ich gebe ja zu, dass mir dieses doofe Gerede auch schon passiert ist: So entschuldigte ich mich kürzlich wortreich bei einem braunen Jagdhund, der auf dem Flohmarkt plötzlich hinter mir stand und über den ich beim Verlassen eines Standes schlicht stolperte. Ich trat dem armen Kerl zwar nicht feste, aber sicher spürbar in die Seite und versicherte ihm sofort, dass ich das nicht mit Absicht getan hätte und hoffte, dass ich ihm nicht wehgetan hätte. Der Hund guckte etwas beleidigt, verzichtete aber auf eine Erwiderung. Ich war damit zufrieden: besser ein beleidigter Hund als einer, der mich vor Schreck in die Wade beißt. Somit hat mein Gerede seinen Zweck wohl erfüllt.

Ja, tatsächlich, mit Hunden kann man reden. Sie sind Argumenten gegenüber zugänglich. Diese Erkenntnis führt mich zu einem Plan: Wenn ich das nächste Mal den komischen gelblichen Hund aus dem siebten Stock treffe, werde ich ihn bitten, doch nicht andauernd in unseren Lift zu pinkeln. Sollte er gute Gründe für sein Fehlverhalten anbringen können, werde ich ihn ersuchen, die komische Frau in seiner Begleitung zu bitten, die Schweinerei zumindest wieder wegzumachen. Auf das Gespräch freue ich mich schon!

Boston Terrier im Sprung

Was für ein Hundeleben! Bild von Claudia Incardona

5 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten: Auf den Hund einplappern

  1. Zunächst mal Gruß an Claudia. Tolle Fotos, tolle Hunde!
    Ja, sprich nur mit den Hunden, auch mit dem, der in den Fahrstuhl pinkelt. Oftmals tun sie wenigstens so, als ob sie zuhören und verstehen – sehen dich an, halten den Kopf schief, machen einen auf interessiert. Versuch mal, derartige Reaktionen aus deinemLieblingssessel rauszukitzeln!!

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  2. Tja…, wenn ich so mit dem Fahrrad unterwegs bin, wundert es mich immer wieder, daß die Begleitperson des Hundes dem Tier sagt: So, Bello, Du musst jetzt hier rechts gehen, der Radfahrer möchte gleich links vorbeifahren. Bello weiss aber gar nicht so genau, wo rechts und links ist. Dann wird einen halben Meter vor dem Fahrrad noch mal die Seite gewechselt. Der Schrecken im Gesicht der Begleitperson ist dann interressanter als das links und rechts verwechseln von Bello. Völlig unberechenbar ist aber das Verhalten von Menschen, die mit ihrem Smartphone beschäftigt sind. Die Leben meistens in ihrem eigenem „Universum“, da ist „Bello“ berechenbarer :-).

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