Sterben mit Stil

Es gibt so Themen, mit denen beschäftigt man sich nicht so gerne. Zum Beispiel mit dem eigenen Ableben – das ist ja doch eher eine unsichere Sache. Doof ist halt, dass man keinen fragen kann, wie es war. Sowas postet auch keiner auf Facebook, oder wenn doch, dann ist das mit Sicherheit ein Spinner. Das ist im Informationszeitalter eine ungewohnte Situation, und da die Sterberei im Allgemeinen nur einmal vor sich geht, kann man das auch nicht üben. Man sollte also mit Bedacht planen.

Sterben mit Stil

Der große Oscar Wilde hat es richtig gemacht und nicht gekleckert, sondern geklotzt: „Ich sterbe, wie ich gelebt habe: Über meine Verhältnisse.“, soll er gesagt haben. Und Recht hat er, der Oscar: Wenn man schon sterben muss, was ohnehin ein großes Ärgernis ist, dann sollte es zumindest mit Knall und Gedöns sein. Zuhause im Bett den letzten Schnaufer zu tun ist langweilig, das kann jeder. Aber so einen richtig bühnenreifen Abgang unter dem donnernden Applaus des staunenden Publikums, das hat was. Und damit meine ich natürlich nicht den handelsüblichen röchelnden Bühnentod: „Huch, ich sterbe, auch du mein Sohn Brutus!“ Und auch kein hingehauchtes: „Oh Romeo“, beim Niedersacken auf die knackenden Knie.

Oscar Wilde

Oscar Wilde 1882, Bild von Napoleon Sarony, gemeinfrei

Nein, ich meine einen lauten Abgang. Die letzte Arie wird kraftvoll gesungen und während der Verbeugung beginnt die Gitarre: „Stairway to Heaven“ oder „Highway to Hell“, ganz nach Lust und Laune. Und dann, beim fünften Vorhang, einfach vorne überkippen. Ja, so mache ich das. Das hat Stil. Vorher lasse ich mich noch porträtieren, so wie Oscar: Mit halb geschlossenen Lidern und Wasserwelle. Damit die Zeitungen was Gescheites haben zum Abdrucken. Man soll zwar eigentlich nichts auf Äußerlichkeiten geben, aber wenn ich schon unbedingt sterben muss, will ich dabei wenigstens gut aussehen.

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