Wortspiele 2.0

Heute gibt es wieder einmal einen Gastbeitrag von Maike Ruprecht. Maike beobachtet ihre Arbeitswelt in einem Labor schart und beschreibt sie genau – und da ihre saubere Arbeitswelt von meiner überkandidelten Marketingwelt extrem abweicht, finde ich ihre Kolumnen immer besonders spannend. Heute geht es um

Neues aus der Reihe „Spaß mit Katalogen“

Manche professionellen Produktbeizeichnungen sind wahre Perlen der Katalogpoesie. So klangvoll und von so bildhafter Schönheit, dass es geradezu verwerflich ist, sie ein unbeachtetes Dasein zwischen Katalogseiten führen zu lassen.

Hier meine Favoriten des letzten Jahres:

Welch wunderbarer Verkaufschlager wäre bespielsweise die Bestätigungssäule?

Man montiert sie neben seinen Pipetten und bei wie auch immer gearteten Zweifeln an Ausgang, Sinn oder Interpretation von Experimenten, Vorträgen oder Publikationen spendet sie auf Knopfdruck mit wohlmodulierter Stimme Trost und Zuversicht. So wie der Spiegel bei Schneewittchen das Ego der Königin streichelte. „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier“. Großartiger Gedanke. Der ursprüngliche Bestätigungsauftrag der silarylenbestückten Kapillarsäule liegt übrigens irgendwo in der Umwelt- und Spurenanalytik.

Weniger verbreitet, aber nicht minder schön, die Hufnagelprägung.

Ein Begriff, der meines Erachtens in einem Katalog über Hufschmiede, Cowboys und Pferdeflüsterer heimsuchende Krankheiten weit besser aufgehoben wäre, denn als schnöde Bezeichnung eines speziellen Prägemusters für Lagenzellstoff.

Der nun folgende Begriff ist nichts für zartbesaitete Gemüter, beschwört er doch sehr unangenehme Bilder von malträtierten, ja, gemarterten Kranken herauf. Ohne jeden Zweifel fällt er unter jene Begriffe, die man ausschließlich in fachkundige Hände geben sollte, das Einstichthermometer. Ein im Grunde vollkommen harmloses Utensil zur Temperaturmessung in flüssigen, pulvrigen oder plastischen Stoffen.

Zum Schluss den allerschönsten Begriff, entdeckt in der Abteilung Kaltlichtquellen. Die Schwanenhals-Ummantelung bezeichnet ursprünglich die Verkleidung lichtleitender Glasfaserkabel, oder einfacher ausgedrückt biegsamer Lampenarme, die u.a. an Lichtquellen montiert werden können und ein bisschen an Insektenfühler erinnern.

Schwanenhals-Ummantelung. Dieser wunderschöne Begriff birgt ungeahntes Potential. Man stelle sich vor, der Wissenschaftler eröffnet das Rendezvous mit den galanten Worten :“Darf ich Ihnen Ihre Schwanenhals-Ummantelung abnehmen, meine Liebe?“. Worauf die Dame ihm ihren Schal aushändigt, entzückt von seiner Eloquenz.

Stöbert man weiter im Katalog dräut jedoch großes Unheil. Dort finden wir die Zeile: „Schwanenhälse können beliebig zurecht gebogen werden“. Grausame Bilder von Schwänen mit verknoteten Hälsen drängen sich vor mein geistiges Auge, ganz zu Schweigen vom Schicksal unzähliger junger Damen. Und was geschieht erst, wenn der laborjargonunkundige Katalogleser die nächste Ballettaufführung besucht? Arme Odette! Ein derart grausiges Ableben hat Tschaikowsky für seinen Superschwan bestimmt nicht vorgesehen.

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