Der Jäger

Mal wieder eine kleine Übung aus dem Schreibworkshop: Man bekommt ein Wort und soll in wenigen Minuten etwas daraus machen. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Dieses Mal konnte ich mit dem Wort, dass uns als Inspiration dienen sollte, gar nichts anfangen, so dass ich meiner Fantasie freien Lauf lassen konnte, ohne mich durch Fakten zu belasten. Ich habe die fremde Vokabel allerdings später durch den zoologisch richtigen Begriff ersetzt 🙂

Der Jäger

Der Jäger überprüfte seine Ausrüstung. Es war wichtig, dass er alles griffbereit hatte, wenn er auf den Triturus traf. Denn auch wenn der Jäger erfahren und mutig war, so wusste er doch, dass er sich auf ein äußerst gefährliches Unterfangen einließ. Einen Triturus zu jagen, noch dazu allein, war schon ein Risiko. Ihn aber lebend fangen zu wollen, es am Ende vielleicht sogar mit mehreren aufzunehmen, das kam beinahe einem Himmelfahrtskommando gleich.

Die Ausrüstung war komplett. Der Jäger hatte seine Machete im Gürtel, eine Pistole hing daneben. Ein langer Dolch steckte im Stiefel, ein zweiter hing an einer Kordel um seinen Hals. Natürlich in einem soliden ledernen Futteral, damit er sich während des Kampfes nicht selbst verletzte. Da er den Triturus nach Möglichkeit in einem Stück mitbringen wollte, verzichtete er auf Maschinengewehr und Panzerfaust und nahm statt dessen ein großes Netz und einen Eimer mit. Außerdem den Rucksack mit Proviant für drei Tage – also neun Dosen Ravioli und ein Paket Zwieback. Zu trinken brauchte er nichts: Wasser würde es unterwegs mehr als genug geben, lebte das gefährliche Untier doch bevorzugt in feuchten Gebieten. Der Jäger straffte sich, umarmte seine Frau ein letztes Mal und ging in den Wald, gefolgt von den fragenden Blicken seiner Familie und der Nachbarn.

Er blieb lange fort. Am Donnerstag Vormittag hielten die Nachbarn die Spannung nicht mehr aus. Sie fragten den kleinen Kevin, ob er etwas vom Jäger gehört hatte.

„Er ist noch im Wald und sucht nach dem Triturus!“

„Was ist denn ein Triturus?“, fragte Anneliese, die Dümmste und zugleich Neugierigste der Straße.

„Man nennt ihn auch Teichmolch“, erklärte Kevin. „Papa will welche für unseren Gartenteich. Im letzten Jahr hat er Froschkaulquappen reingesetzt, aber die sind alle abgehauen, sobald sie Beine hatten.“

 

Tümpel bei Moorhausen

Das Jagdrevier

Schlussbemerkung: Vor etlichen Jahren versuchten wir, den Gartenteich meines lieben Onkels Andreas zu besiedeln. Wir fingen ein paar Kaulquappen – ich durfte sogar die tropfende Tüte durch den Wald tragen. Es war wie in der Geschichte: Sobald die Untiere Beine hatten, hoppelten sie nach Hause. Einige Molche hingegen sind Andreas‘ kleinem Gartenteich jedoch schon seit Jahren treu.

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