Komische Gewohnheiten – Nachjustieren

Vorbemerkung: Ich wurde kürzlich dafür gerügt, dass ich die Gendergerechtigkeit in meinem Blog vermissen lassen und mich teilweise einer politisch unkorrekten Sprache bediene. Diesen Ruf habe ich vernommen und denke darüber nach, mich zu bessern. Ich werde also versuchen, den folgenden Beitrag ohne Hinweis auf irgendwelche Geschlechter zu verfassen. Welche der Beteiligten nun männlich und welche weiblich sein könnten, überlasse ich der Fantasie meiner LeserInnen.

Komische Gewohnheiten 7 – Nachjustieren

Wer kennt das nicht: Man steht vor dem Lift, wartet und starrt das kleine Licht an, welches anzeigt, ob ein Aufzug unterwegs ist oder ob man vielleicht doch besser laufen sollte. In der Regel dauert es nicht allzu lange, bis man einsteigen darf. An manchen Tagen aber scheint etwas zu klemmen und man wartet vergeblich. Dann findet sich eigentlich immer jemand, der noch einmal auf den schon leuchtenden Knopf drückt und dann, wenn irgendwann doch ein Lift kommt, gönnerhaft lächelt und den anderen generös den Vortritt lässt. „Schaut her, ich habe den Lift geholt!“, scheint ein selbstbewusster Gesichtsausdruck zu sagen, und manche dieser erfolgsverwöhnten Personen möchte sich wohl am liebsten den Zauberfinger küssen lassen, der den Aufzugholknopf so professionell bedient hat.

Ähnliches passiert gerne, wenn Kabel in Steckdosen gesteckt werden. In unserer technisch getriebenen Welt passiert es immer öfter, dass Handys, Laptops oder sonstige Gerätschaften irgendwo in der Öffentlichkeit angeschlossen werden müssen. Gerne wird dann noch einmal ein wenig nachgebessert: Ein bisschen auf den Stecker drücken, damit der richtig Kontakt kriegt. Die Kabel zur rechten Seite legen, damit keiner darüber fällt. Oder sie zur linken Seite legen, damit sie nicht im Weg sind. Oder sie glatt streichen, damit sie nicht kaputtgehen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Kabel in ihrer Lage zu korrigieren, probieren Sie es ruhig einmal aus!

Andere Leute beschäftigen sich damit, die von ihren Partnern befüllten Spülmaschinen zu kontrollieren. Der richtige Stand der Teller ist für eine porentiefe Reinigung des Spülgutes schließlich von elementarer Wichtigkeit. Und etwas ordentlicher aufgestellt, verbraucht das Geschirr weniger Platz, so dass man noch eine Teetasse mehr einräumen könnte, wenn denn gerade noch eine schmutzig wäre. Überhaupt bieten Haushaltsgeräte ein weites Feld zum Nachjustieren: In einer Paarbeziehung sah einer der Partner sogar nach, ob der Kaffee „richtig in den Filter reingeschichtet“ worden war – was auch immer man dabei falsch machen können sollte. In jedem Fall wurde der Filter noch einmal ein wenig geschüttelt, was ganz gewiss geholfen hat.

Die Nachjustierer sind manchmal schwierig zufriedenzustellen, aber in der Regel harmlos. Vielen fällt ihr Verhalten nicht einmal auf, sie kommen gar nicht auf den Gedanken, dass der einmal gerufene Aufzug ohne ihr Zutun vielleicht auch gekommen wäre. Also, lassen Sie die Justierer ruhig justieren – wenn es schon nichts nützt, so schadet es in der Regel auch nichts. Oder werfen Sie ihnen ab und zu einen Knochen hin: Verbiegen Sie ein Kabel, drücken Sie betont lässig auf den Knopf einer Ampel oder stellen Sie einen Löffel falsch herum in den Besteckkorb. Und dann lassen Sie die Justierer ihrer Leidenschaft nachgehen. Die Leute freuen sich darüber – ist das nicht schön?

 

6 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten – Nachjustieren

  1. Super geschrieben!!!!
    Ich oute mich als Nachjustierer! 😀
    Wobei meine Familie das benutzte Geschirr immer auf die Spülmaschine abstellt. 😉

    LG Moni

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