Besuch auf der lit.Cologne

Ein lieber Freund hat mir zu Weihnachten ein „Event“ geschenkt: Ein Besuch bei ihm in Bonn, inclusive einer Veranstaltung auf der lit.Cologne, die in diesem Jahr zwischen dem 12. und 22. März stattfand. Und wenn wir schon einmal dabei waren, haben wir gleich noch zwei Veranstaltungen dazu gebucht.

Besuch auf der lit.Cologne – ein subjektiver Bericht

lit.Cologne 1

Festivaltasche lit.Cologne 2014, Vorderseite

An Weihnachten habe ich mich sehr über meine Einladung zur lit.Cologne gefreut: Denn zum einen probiere ich immer gerne etwas Neues aus, zum anderen bin ich Kulturschnepfe aus Überzeugung. Dass die Erkundigung dieses Kölner Literaturfestes auch noch mit meinem besten Freund stattfinden sollte, machte die Sache noch besser.

Zunächst aber musste ich mir einmal über dieses Festival informieren. Ein Blick auf die Webseite der lit.Cologne erklärt schon mal einiges: Das Festival fand in diesem Jahr zu 14 Mal statt, befasst sich thematisch mit allen Bereichen der Literatur, möchte Autoren, Künstler und Leser zusammenbringen und wird größtenteils von Sponsoren finanziert. Preise wurden auch schon gewonnen – so weit, so gut. Aber was findet da genau statt?

„Mit bis zu 175 Veranstaltungen und einem eigenen Programm für Kinder (lit.kid.COLOGNE) ist die lit.COLOGNE eines der größten Literaturfestivals in Europa. Die Veranstaltungen finden statt in Theatern und Spielorten im gesamten Kölner Stadtgebiet.“

175 Veranstaltungen – ha, das klang vielversprechend. Geschenkt bekommen hatte ich ein „Werkstattgespräch mit Clemens Meyer“ und ein Blick ins Programm zeigte mir, dass es am gleichen – letzten – Wochenende des diesjährigen Lesefestes noch allerlei andere tolle Veranstaltungen gab. Leider war einiges schon ausverkauft, wir besorgten uns jedoch noch Karten für eine Lesung von Jussi Adler Olsen mit Peter Lohmeyer sowie für eine Veranstaltung mit Judith Holofernes, die sich um die Entstehung von Songtexten drehen sollte. Die bunte Vielfalt, die die lit.Cologne offensichtlich bietet, sagte mir sehr zu. Wenn nun auch noch die Veranstaltungen etwas taugten, würde das Wochenende ein voller Erfolg werden.

Am Freitag ging es also los. Als Erstes stand das „Werkstattgespräch mit Clemens Meyer“ im Brunosaal auf dem Programm, Moderator war der Literaturwissenschaftler Christian Schärf. Werkstattgespräch – was ist denn wohl eigentlich ein Werkstattgespräch? Ich dachte an einen Dialog, ein Gespräch zwischen dem Autor sowie dem Moderator, der sich um die Entstehung eines Romans gehen würde. Vielleicht erfuhr man etwas über Recherche, über den Prozess der Figurengestaltung oder die persönlichen Motive des Autors, dessen neuestes Werk „Im Stein“ sich mit dem Thema Prostitution beschäftigt. Ich war gespannt.

Die Veranstaltung erwies sich als sehr unterhaltsam, wenn sie auch ganz anders war, als ich, der Rest des Publikums und wohl auch der Moderator sich das gedacht hatte: Denn Clemens Meyer, der während der Vorstellung seiner Person und seines Buches durch Christian Schärf noch auf seinem Stuhl herumrutschte so als wolle er sich am liebsten unsichtbar machen, erwies sich als großer Meister des intellektuellen Monologs. Die Versuche des Moderators, ab und zu eine Frage, eine Anmerkung oder auch nur ein „Ach was?“ einzuwerfen, hatten etwas Verzweifeltes und seine Körperhaltung – mal eine Hand, mal beide Hände im Gesicht – sprach Bände. Und der Autor sprach -durchaus interessant, wenn auch arg weitschweifig, von seinen Intentionen, Gedanken, Absichten, Figuren und allem, was einem so einfallen konnte. Sein Wortschwall hatte etwas unfreiwillig Komisches, sodass das Publikum immer heiterer reagierte und deshalb getadelt wurde – vom Meister selber, der den Drang der Menschheit zum Heiteren im Allgemeinen und speziell in diesem Moment als unpassend empfand. Wenn er diese Kritik an seinem Publikum ernst meinte, hat ihm das nichts genützt, denn der Fröhlichkeit der Massen konnte er damit keinen Einhalt gebieten.

Mir hat diese Veranstaltung auch oder gerade wegen ihrer Skurrilität viel Spaß gemacht, und erfahren habe ich auch etwas: Herr Meyer wollte nämlich keine Dokumentation schreiben, sondern einen Roman. Das hat er gesagt. Nur hat er dafür deutlich mehr Worte gebraucht.

Unsere zweite Veranstaltung konnten wir nur durch etwas Glück buchen, denn der Abendtermin im Theater am Tanzbrunnen war sofort ausverkauft und es gab einen Zusatztermin am Nachmittag. „Jussi Adler-Olsen und Peter Lohmeyer begegnen dem Teufel in Menschengestalt“ lautete der Titel, moderiert wurde von der Journalistin Margarete von Schwarzkopf. Es wurde gelesen, gefragt, geantwortet und viele gelacht. Die drei Menschen auf der Bühne waren augenscheinlich ein eingespieltes Team, sodass aus dieser Lesung eine wirklich gelungene Show wurde. Besonders beleuchtet wurde unter anderem die Frage, wieso der Autor Jussi Adler-Olsen seine Besteller-Krimis mit Humor würzt. Die Antwort darauf lautete, dass Menschen durch Humor besser zu erreichen seien als durch einen erhobenen Zeigefinger, und sie erschien mir so einleuchtend wie glaubwürdig.

lit.Cologne 2

Festivaltasche mit einer etwas pessimistischen Weltsicht von Sven Regener

Den Abschluss „unserer“ ersten lit.Cologne bildete eine Veranstaltung auf einem Rheinschiff, dem „Literaturschiff“. Diese Location war an sich nicht schlecht, aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich das auf- und abschippern nicht unbedingt gebraucht, dieses Benzin hätte man sich sparen können. Denn die Zuschauer bzw. –hörer konzentrierten sich zum allergrößten Teil auf „Judith Holofernes führt ein leichtes Schwert: Lyrics – die Kunst des Songwritings“. Neben der Frontfrau der derzeit leider pausierenden Band „Wir sind Helden“ saß der ehemalige MTV-Moderator Ingo Schmoll auf der Bühne. Diese Kombination funktionierte überraschend gut: Es ergab sich eine lebhafte, interessante Diskussion, in die etliche Liedtexte der Ausnahmetexterin Judith Holofernes gut eingebettet waren. Der ständige Wechsel zwischen Textlesung, Musik und Gespräch war interessant, die Hauptperson Judith Holofernes war gut vorbereitet und gab sich bestechend natürlich und bodenständig. Sehr oft fielen Begriffe wie „Handwerk“, „Übung“ und „Arbeitszimmer“, sodass die romantische Vorstellung vom Songtexter, der leise summend auf einer Blumenwiese liegt und fast von den vom Himmel fallenden Liedzeilen erschlagen wird, sich bei jedem Zuhörer verflüchtigen musste.

Mein Fazit zu meinem ersten lit.Cologne-Besuch fällt rundum positiv aus. Drei völlig unterschiedliche Veranstaltungen, die in meinen Augen alle kurzweilig und interessant waren – wenn die Qualität aller Veranstaltungen so gut war, hat das Kölner Literaturfestival ein beeindruckendes Niveau. Auch wenn das Vergnügen nicht ganz billig ist – für drei Veranstaltungen investierten wir rund 50 Euro – war das sicherlich nicht meine letzte lit.Cologne. Und das nicht nur, weil es so schöne grüne Taschen zum Mitnehmen gab.

Mein Dank geht an Harry für dieses schöne Weihnachtsgeschenk und die Idee, uns dieses Jahr mal zur lit.Cologne zu führen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s