Komische Gewohnheiten – Mitklatschen

Jetzt kann man sie wieder im Fernsehen sehen, auf Karnevalsveranstaltungen, mit lustigen Hüten auf dem Kopf und voller guter Laune: die Mitklatscher.

Komische Gewohnheiten 5 – Mitklatschen

Ich muss gestehen, dass ich faul bin: Wenn ich auf einem Konzert bin, stehe oder sitze ich gerne herum, ohne dem Künstler auf der Bühne durch rhythmisches Mitklatschen zu helfen, den Takt zu halten. Ich finde nämlich, dass das nicht meine Aufgabe ist. Außerdem klingt dieses Dauergeklatsche doof und fördert den Hörgenuss keinesfalls. Das ist zumindest meine These.

Immer wieder stelle ich fest, dass ich mit dieser Ansicht relativ allein dastehe. Das monotone „Patsch-Patsch-Patsch“ scheint in Deutschland zum guten Ton zu gehören. Und das nicht nur bei den hemdsärmeligen und eher volkstümlichen Konzerten des Juister Shantychores, sondern auch bei Rockkonzerten, Schlagermusik oder Jazzdarbietungen. Oft braucht es nur wenige Sekunden, und der Saal klatscht bis zur Unkenntlichkeit der Musik. Und wenn ich mit meinem Mütterken eine „volkstümliche“ Fernsehshow angucke und die Kamera über das begeistert tobende … ähhh, klatschende … Publikum schwenkt, zieht sich mein Magen manchmal vor lauter Grusel manchmal ein wenig zusammen.

Besonders interessant finde ich, dass es bei vielen Veranstaltungen – zum Beispiel auch beim Kabarett – immer einige wenige ganz Fleißige im Publikum gibt, die nicht nur besonders eifrig klatschen, sondern auch laut und hektisch lachen, sobald etwas auch nur annähernd Lustiges den Saal durchstreift. Gerne rufen sie dem Künstler etwas zu, um ihre enge Verbundenheit zu ihm zu bekunden. Komischerweise sitzen diese Fleißlinge oft hinter mir und prusten mir ins Ohr, noch bevor die herannahende Pointe sich ganz entfalten kann. Bislang habe ich niemanden deswegen angeranzt und bin entsprechend stolz auf mich.

Trotz meiner Abneigung gegen das rhythmische Mitklatschen bin ich eine fleißige Applausgeberin – am Ende eines Titels, zur Pause und, ganz besonders, zum Ende einer gelungenen Veranstaltung. Schließlich möchte der Künstler seinen Beifall entgegennehmen und soll ihn auch reichlich bekommen: Ehre, wem Ehre gebührt.

11 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten – Mitklatschen

  1. Manche Künstler lieben es, andere – wie Reinhard Mey – macht es nervös. Wenn dann ein englischer Popstar seine Fans in einem Konzert in Deutschland zum Schunkeln auffordert, fühle ich mich ver……!

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  2. Ich denke, die Dunkelziffer derer im Publikum, die den Takt eh untaktmäßig klatschen ist enorm hoch. Da denke ich mir jedes Mal, ähnlich wie Du, „Oh der arme Künstler dort oben, hoffentlich kann er da drüber stehen.“ Stell mir vor, ich stehe dort oben und gleich rechts neben mir in der ersten Reihe sitzt solch ein extremst- Taktdanebenlautklatscher und der dringt mir ins Ohr und ich werde den nicht los!!! Horrorszenario!
    Deshalb bin auch ich lieber still, denn ich habe kein hundertprozentiges Taktgefühl für Dauerklatscherei!

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  3. Hallo Meike, schön von Dir zu lesen! 🙂
    Guuuut, also dann oute ich mich hier jetzt mal als „Mitklatscherin“. Sei es auf Kindergarten- oder Straßenfesten, auf Konzerten (hier mein ich jetzt natürlich nix Klassisches, gelle 😉 ) oder … ach, egal bei welcher Darbietung auch immer: ich klatsche, ich pfeife Beifall, ich gröle, ich tanze… alles. Hinstehen (oder sitzen) und just listen… nöööö – nix für mich *duckweg*
    Und am Ende britzeln die Handflächen 😉
    Liebe Grüße und einen schöööööönen Sams- und Sonntag!
    Herzlich!
    Birtta

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