Deutungshoheit

Heute war wieder einmal das Schreibgrüppchen beieinander. Unsere liebe Frau Traxler ritt auf einem der derzeit aktuellen Modewort herum und bat uns, darüber doch ein paar Zeilen zu schreiben. Wir hatten rund 10 Minuten Zeit für die

Deutungshoheit

„Jetzt sei doch bitte nicht gleich wieder beleidigt!“ Georg sah Irene vorwurfsvoll an, die seinem Blick auswich und anscheinend mit den Tränen kämpfte. „Ich habe doch gar nichts gegen dein Aussehen gesagt.“

„Nein, natürlich nicht. Du hast nur gesagt, dass ich alt und faltig bin und einen Schildkrötenhals habe.“

Georg stöhnte. „Das ist nicht wahr! Ich habe lediglich bemerkt, dass du es mit dem Abnehmen nicht übertreiben sollst.“

„Ja, genau. Und du hast gesagt, dass mein Gesicht fast in den Falten verschwindet.“

„Ich habe gesagt, dass dein Gesicht immer schmaler wird und fast im Rollkragen deines Pullovers versinkt. Deinen Hals habe ich überhaupt nicht erwähnt. Den sehe ich vor lauter Pullover doch gar nicht.“

Irene warf die Haare zurück. „Hätte ich gewusst, dass du diesen Pullover nicht magst, hätte ich natürlich etwas anderes angezogen. Etwas mit mehr Dekolleté.“

Georg atmete tief durch. „Ich habe nicht gesagt, dass mir der Pullover nicht gefällt. Er ist hübsch.“

„Ach so ist das! Mein Dekolleté willst du also auch nicht sehen. Ist schon klar, ich bin schließlich keine zwanzig mehr. Erst war ich dir zu dick und nun hängt mein Busen. Männer sind so primitiv!“

2 Kommentare zu “Deutungshoheit

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