Was vom Tage übrig blieb

Ein Weilchen musste ich überlegen, welches der vielen Lieblingsbücher die ich habe, hier bei meinen Empfehlungen den Anfang machen darf. Die Wahl fiel auf:

„Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro

Der Roman „Was vom Tage übrig blieb“ erschien im Jahr 1989 unter dem Originaltitel „The Remains of the Day“ und wurde im gleichen Jahr mit dem Booker Prize ausgezeichnet.

Darum geht es:

Der Butler Stevens, der sein ganzes Leben seiner Arbeit und dem Dienst an seinen Lordschaften gewidmet hat, bekommt unerwartet frei. Sogar ein Auto hat er zur Verfügung. Er ist es nicht gewohnt, Urlaub zu machen und Zeit für sich zu haben, er hat im Grunde kein Privatleben. Zögernd beschließt er, nach Cornwall zu fahren und seiner früheren Kollegin, der Hausdame Miss Kenton, einen Besuch abzustatten. Mit ihr verband ihn eine vorsichtige Liebe, der er jedoch niemals nachgegeben hat, da ihm das als nicht passend und nicht mit seinen Pflichten vereinbar erschien.

Während der Fahrt nach Cornwall lässt Stevens sein Leben Revue passieren und erinnert sich an viele Gelegenheiten, an denen er sich zurückgenommen hat und immer nur der Butler war. Er konnte sich nicht einmal die Zeit nehmen, seinen sterbenden Vater zu verabschieden. Jetzt ist er alt und es ist nicht viel, was er noch vom Leben erwarten kann. Seine Gedanken kreisen um Miss Kenton und die vergebenen Chancen. Lässt sich hier vielleicht noch etwas retten?

Das ist das Besondere:

Der Roman ist sprachlich sehr schön, weich und elegant, was natürlich auch an der gelungenen Übersetzung von Herrmann Stiehl liegt. Beim ersten Lesen hatte ich den Eindruck, als wäre die Geschichte tatsächlich von einem sehr alten Mann erzählt worden, so einfühlsam und nachvollziehbar wird die Geschichte geschildert. Dass der Autor bei Erscheinen des Romans gerade einmal 35 Jahre alt war, hätte ich nicht erwartet. Die Story an sich hat mich mitgenommen, mehr als einmal hätte ich den steifen Butler schütteln mögen. Eine berührende Geschichte vor einem dichten Hintergrund.

Was gibt es noch?

1993 wurde das Buch erfolgreich verfilmt. Regie führte James Ivory, die Rolle des spröden Butlers übernahm Anthony Hopkins, die der verliebten Hausdame Emma Thompson.  Obwohl der Film sehr gelobt wurde, habe ich es nie gewagt, ihn anzusehen. Ich fürchte ein bisschen, dass er dem Buch nicht gerecht werden kann, obwohl das mit hoher Wahrscheinlichkeit ungerecht ist.

Was vom Tage übrig blieb

4 Kommentare zu “Was vom Tage übrig blieb

  1. Nein, gar nicht rührselig. Und du kannst dir ruhig die Verfilmung antun. Sehr schön. Aber ich bin ja Emma Thompson-Fan, da muss ich das wohl sagen. Eine sehr schöne Beschreibung des Buches. Irgendwie ein Abgesang auf das Dienstbotenzeitalter.

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