Faszination Frankfurt

Es ist eine komische Stadt, in der ich lebe: Sie hat einen erstaunlich schlechten Ruf und hat doch so unglaublich viel zu bieten.

Faszination Frankfurt

Gestern bin ich über eine Mainbrücke gefahren. Das ist an sich nichts Besonderes, das tut man in Frankfurt ständig. Doch obwohl ich in meinen 10 Jahren in Frankfurt nun schon Hunderte von Malen über den Main gefahren bin, mache ich immer noch einen lange Hals, um einen ausführlichen Blick auf die Skyline, die Schiffe und den Dom zu werfen. Denn dieser Blick ist einfach schön. Und gestern, beleuchtet von der zaghaften Frühlingssonne, war die Stadt besonders schön.

Skyline Frankfurt

Als ich 2003 nach Frankfurt zog, tat ich das emotionslos und ohne jegliche Erwartungen. Eine neue Stadt, gut, schauen wir uns das einmal an. Ich wusste nicht viel über diese Stadt: Nur dass es hier mehr Banker als echte Menschen gibt, man auf allem grüne Soße isst und Apfelwein aus Bembeln trinkt, war mir bekannt – schließlich hat man ja als Kind den „Blauen Bock“ mit Heinz Schenk gucken müssen. Ach ja, und dass die Drogentoten sich in den Straßen stapeln hatte ich auch gehört. Der Frankfurt vorauseilende Ruf war damals in der Tat nicht der Beste.

Um so Erstaunlicher ist es für mich immer noch, wie wohl man sich hier in dieser Stadt fühlen kann. „Leben und leben lassen“ scheint für viele hier die Devise zu sein. Anders kann das Zusammenleben hier aber auch gar nicht funktionieren.  Es mischen sich hier so unterschiedliche Personengruppen, dass es ohne ein gutes Maß an Toleranz einfach nicht geht.

Gestern also bin ich über den Main gefahren. Ich bin durch die Innenstadt geschlendert, die wie immer, wenn sich ein paar Sonnenstrahlen zeigen, vor Menschen nur so wimmelte. Obwohl es kalt war, waren die Außenplätze der Pavillons auf der Zeil gut besetzt. Und ich setzte mich dazu, drehte mein winterblasses Gesicht in die Sonne, schlürfte fröstelnd einen Milchkaffee aus einer unpraktischen henkellosen Tasse und behielt dabei meine Tasche immer gut im Auge. Denn auch das ist Frankfurt: Alles, was nicht gut befestigt und von einem gewissen Wert ist, verschwindet zuverlässig in kürzester Zeit. Das ist praktisch, wenn man ein altes Fahrrad entsorgen möchte, aber lästig, wenn man seinen Geldbeutel gerne behalten will. Da heißt es aufpassen, sonst wird es teuer.

Gestern wurde ich jedoch nicht beklaut. Ich hatte einen wunderbaren Abend mit einer lieben Freundin und genoss ein wenig von dem umfangreichen Kulturprogramm, das Frankfurt zu bieten hat. Wenn man daran interessiert ist, kann man hier jeden Abend etwas wirklich Schönes unternehmen: Theater, Kabarett, Konzerte, Lesungen, das Angebot ist unglaublich vielfältig. Auch für den kleineren Geldbeutel ist oft etwas dabei und man kann erstaunliche Abende erleben, wenn man sich auch mal auf eine der vielen kleinen Bühnen einlässt.

Dieses Mal beschlossen wir den Abend mit einigen geistigen Getränken. Genau genommen waren es ein paar mehr. Und deshalb war ich ganz entspannt und protestierte nicht, als der Taxifahrer einen eigenartigen Weg wählte, um mich nach Hause zu fahren. Er fuhr ein ganzes Stück am Main entlang, was eigentlich nicht nötig ist, mir aber gefiel. Wieder machte ich einen langen Hals, wieder sah ich auf die Skyline, die Schiffe und den Dom. Frankfurt bei Nacht – das muss man einfach gesehen haben.

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