Clematis

Im Laufe des Sommers sind sie mir immer wieder begegnet – die vielfältigen Clematis. Ich mag diese Blumen ausgesprochen gerne und gehe immer ganz nah ran.

Das Innenleben ist mal sortiert und mal, wie in diesem Falle, ein durcheinander. Auf jeden Fall ist es immer einen zweiten Blick wert. Der Rest dieser lila Clematis wurde leider schon ein wenig schrumpelig.

Das nächste Prachtexemplar wuchs in Erichs tollem Garten, in dem er mir im Juni eine ausführliche Führung gab. Die riesige Fläche ist so bepflanzt, dass wirklich zu jeder Jahreszeit irgendwo etwas zu sehen ist – toll!

Clematis

Auch in reinem weiß ist mir diese Blume in diesem Jahr schon begegenet – in einem Garten in Meitze, in dem es leider viel zu oft regnet.

Und dieses Innenleben sieht fast aus wie eine kleine Taschenlampe – die Mitte hat einen winzigen Scheinwerfer.

Und die letzte Schönheit habe ich im letzten Jahr schon einmal gezeigt, im Anschluss an unseren Besuch im Park der Gärten. Ich nehme sie nochmal mit auf, weil sie mir einfach zu gut gefällt und weil sie hier gut passt.

Ein Hoch auf gute Nachbarschaft

Kürzlich hat jemand, der sich als Politiker bezeichnet, über Nachbarschaft geredet – oder vielmehr darüber, wen man sich als Nachbarn wünscht oder auch nicht. Das hat mich dazu gebracht, mal über meine – gute – Nachbarschaft nachzudenken.

Ich wohne in so einer Art kleinem Hochhaus, 40 Parteien verteilen sich auf insgesamt acht Flure. Überall hat es also fünf Wohnungen übersichtlich zusammen. Ich muss gestehen, dass ich nicht alle meine Nachbarn namentlich kenne, sondern sie oft nur durch Beschreiben unterscheiden kann: die mit dem Baby aus dem ersten Stock, die Dame mit den Gehstöcken, der Opa von dem Baby (der wohnt im fünften Stock und hat eine kranke Frau) und die mit dem fiesen Hund (der dürfte gerne ausziehen). Andere kennt man, weil man öfters einen Schwatz hält oder weil man auf einem Flur wohnt.

Blick von meinem Balkon durch meine nagelneue Fotokugel – ein Versuch. Weitere werden folgen.

Und da nähern wir uns dem, was dem Herrn, der sich als Politiker bezeichnet und glaubt, für eine Mehrheit zu sprechen, so eingefallen ist: Dass nämlich „die Leute“ jemanden mit kunterbuntem Migrationshintergrund nicht als Nachbarn haben möchten. Das mag es sicherlich geben, wahrscheinlich auf dem Land, wo kaum Ausländer sind, noch mehr als hier bei uns in der Großstadt. Sehe ich mir aber meine Nachbarschaft an, stelle ich fest, dass das, was die Leute angeblich keinesfalls wollen, bei uns schon Realität ist: Wir leben in einem Vielnationenhaus. Bei mir auf dem Flur sieht das so aus: Die alte Dame, die meinen Schlüssel hat und meine Post verwaltet, wenn ich im Urlaub bin, ist Deutsche, wurde aber dort geboren, wo heute wieder Polen ist. Die Leute daneben – übrigens unser Hausmeisterpaar – sind Griechen. Rechts neben mir wohnen ein junger Russe mit seltsamem Namen, den ich mir nie merken kann, mit seiner Freundin, und auf der anderen Seite haben wir Sladja aus Serbien, mit der ich öfters mal Kaffee trinke, und ihren Sohn David. Das passt für mich wunderbar so. In den anderen Stockwerken sieht es genauso bunt und vielfältig aus. Auch die unvermeidliche Studenten-WG und das Schwulenpaar fehlen bei uns im Haus nicht. Konflikte, die über kleine Nicklichkeiten wie „am Donnerstag hat dein Besuch auf meinem Parkplatz gestanden“ hinausgehen, wären mir bislang nicht untergekommen. Ich habe auch den Eindruck, dass die Leute zu den kleinen dunkelhäutigen Kindern genau so nett sind wie zu dem niedlichen Blondkopf.

Bei uns klappt das mit dem Multikulti also soweit sehr gut. Das mag daran liegen, dass bei uns bei den Ausländern keine Nation wirklich „die Überhand“ hat, es gibt keine Frontenbildung, sondern eher ein vorsichtiges Interesse aneinander. Das ist sicherlich anders, wenn größere Gruppen ständig zusammenglucken, auch wenn ich das aus deren Sicht verstehen kann: Die gleiche Sprache, Kultur und ähnliche Erfahrungen schaffen ein schönes warmes Gefühl, dass auch ich wohl nicht würde missen wollen, wenn ich – vielleicht ohne es zu wollen – fernab meiner Heimat leben müsste. Auch hat es sich mit der Zusammensetzung im Haus einfach so ergeben, ohne Einmischung von außen.

In Frankfurt sind inzwischen so viele Ausländer, dass mir das kaum noch auffällt, wenn jemand „fremd“ aussieht. In der norddeutschen Tiefebene, wo ich öfters unterwegs bin, ist das deutlich anders, ich glaube, die einzige Ausländerin, die mein Neffe während der Grundschulzeit kennenlernte, war ein Mädchen aus Holland. Das erinnert mich sehr an meine Kindheit, auch wir hatten nur eine einzige Türkin in der Klasse. Die wohnte zum Glück in meiner Nachbarschaft, sodass ich sie und ihre Familie recht gut kennenlernen konnte. Es gab aber damals noch Kinder, die nicht mit der Türkin spielen durften und auch „das Türkenhaus“ nicht betreten durften (was bedeutete, dass sie auch mit den anderen Kindern in diesem Haus nicht spielen durften). Ich hoffe, dass diese Zeiten auch dort inzwischen vorbei sind, würde meine Hand aber nicht dafür ins Feuer legen. Oftmals fürchtet man ja gerade das, was man nicht kennt. Ich habe als Kind sehr davon profitiert, oft im „Türkenhaus“ gewesen zu sein. Der Bruder meiner Freundin hat mich sogar so beeindruckt, dass ich meine Puppe unbedingt „Achmed“ nennen wollte (davon an dieser Stelle mehr).

Alles in allem war und bin ich also zumeist sehr zufrieden mit meiner Nachbarschaft. Sollten irgendwelche Fußballnationalspieler bei uns einziehen wollen, wäre das für mich auch okay, solange sie nicht herumlärmen und keinen Schmutz hineinbringen. Das ist hier nämlich ein ehrenwertes Haus.

 

Nachtrag: Während ich hier am Werkeln war, hat es bei mir geklopft. Zwei meiner Nachbarinnen standen draußen und machten mich darauf aufmerksam, dass mein Schlüssel draußen hing – den habe ich gestern bei dem Versuch, trotz Platzregen möglichst wenig Nässe mit in die Wohnung zu schleppen, glatt aus den Augen verloren. Nun hängt er wieder sicher am Haken.

Nein, ich habe nichts gekauft!

Es scheint tatsächlich ein Ereignis gewesen zu sein: Der Amazon Prime Day. Bei der Arbeit wurde darüber gesprochen, im Büro, der Kantine. „Und, hast du schon was gekauft?“, hieß es dann, oder auch: „Wirst du dir denn heute was gönnen?“ Auch heute noch, fast eine Woche später, war der Sonderangebotstag Gesprächsstoff beim Essen, denn eine Freundin hatte zugeschlagen, für sich und die Schwester, die bald Geburtstag hat. Für jede wird es einen Ebook-Reader geben. So einen Schönen, mit Hintergrundbeleuchtung.

Sparheim, überfluss, Konsumverzicht

Es war ein Versuch – zumindest an diesem einen Tag hat es funktioniert. Bild zur Verfügung gestellt von Rainer Sturm / http://www.pixelio.de

Gerade diese Ebook-Reader hätten mich fast schwach werden lassen. Und dabei hatte ich doch fest vor, an diesem massiv beworbenen Tag nichts zu kaufen, denn ICH BRAUCHE NICHTS! Das ist natürlich eine kühne Aussage, irgendwas kann man schließlich immer gebrauchen, aber ich will mir abgewöhnen, so viel über meinen Bedarf hinaus einzukaufen. Ich habe reichlich von allem: Kleidung, Handtaschen, Schreibutensilien oder gar Unterhaltungselektronik – ich bin sehr gut ausgestattet. Der Laden mit dem großen A – und damit meine ich nicht Aldi – schafft es doch immer wieder, in mir Bedürfnisse zu wecken, obwohl objektiv gesehen kein Bedarf da ist. So wie bei diesen Ebook-Readern – denen mit der Hintergrundbeleuchtung.

Praktisch sind sie ja schon, diese beleuchteten Reader. Aber ich brauche keinen, denn ich habe einen. Ich besitze einen Kindle einer längst vergangenen Generation – und der ist unglücklicherweise unverwüstlich und noch voll funktionsfähig. Nicht mal das Display ist zerkratzt. Nur die Hintergrundbeleuchtung fehlt. Aber das werde ich wohl überleben, ich habe eine Lampe und es gibt keinen Grund, ein völlig intaktes Gerät, dass ich ohnehin gar nicht soooo oft benutze, zu entsorgen, nur um ein anderes zu kaufen. So ein Quatsch!

Nein, ich brauche keinen Paperwhite. Das wäre ja noch schöner. Erst mal muss ich die ganzen ungelesenen Papierbücher und die vielen Zeitschriften abarbeiten, und die vielen Bücher auf dem alten Kindle. Dann sehen wir mal weiter. Ich könnte natürlich auch ein Tablett kaufen, dachte ich am Amazon-alles-billig-Tag, und stöberte herum. Die meisten Displays waren mir zu klein, man wird ja nicht jünger und schon bei meinem Laptop habe ich auf gute Sicht geachtet. Überhaupt – der Laptop – der ist fast neu. Und das Netbook ist noch in Ordnung. Ich brauche kein Tablett, ich brauche etwas mit vernünftiger Tastatur, nicht so ein fettfingerverschmiertes Wischgerät. Schon im Büro liegt mein Tablett vergessen in der Ecke, warum sollte ich noch eines dazulegen?

Ich nahm also das bereits ausgewählte Tablett wieder aus dem Einkaufswagen beim großen A. Dort schien man meinen Widerstand zu spüren und zeigte mir bildschöne Büffelledertaschen. Sowas wollte ich schon immer mal haben. Aber halt – habe ich sowas eventuell schon? Oder zumindest etwas ganz Ähnliches? Ich löschte auch die dunkelrote Büffelledertasche wieder.

Amazon blies jetzt zum letzten Gefecht – ich bekam meine Angel angezeigt. Diese Angel, die ich vor einer Weile nur mehrfach in den Warenkorb gelegt und wieder rausgenommen hatte, um einem Kollegen zu zeigen, wie Onlinewerbung funktioniert. Die Angel verfolgte mich wunschgemäß quer durch das Internet, überall, wo Werbung ausgespielt wurde, sah ich das martialisch anmutende Gerät. Und der Kollege verstand, was ich ihm zeigen wollte. Ich aber hatte niemals vor, so ein doofes Ding zu kaufen – schon gar nicht am Amazon Prime Day. Das große A. hatte verloren.

 

Nachtrag: Ich will gar nicht verhehlen, dass ich eigentlich ein großer Fan von Amazon bin und auch das Prime-Programm nutze.  Das ewige Amazon-Bashing ist meine Sache nicht, damit sollen sich andere vergnügen.

Nachtrag 2: Ich gebe zu, dass ich ganz bewusst nicht diese wunderbare Büffelledertasche als Lehrbeispiel für die Retargeting-Methode gewählt habe. Denn sonst hätte ich wohl verloren – und das schon Wochen vor dem Amazon Primeday.

Sommer in der Blüte

Kürzlich in Brake gab es Gedrängel: Es gab so viele Blüten, doch diese hier war anscheinend die attraktivste. Gleich zwei Bienen schubsten einander dort herum.

Friedlicher ging es ein paar Büten weiter zu, hier konnte sich ein Bienchen ganz allein vergnügen. Wie diese in Norddeutschland sehr verbreiteten Rosen wirklich heißen, weiß ich übrigens gar nicht: Meine Mutter nannte sie Borkum-Rose, im Netz finde ich aber eher Strandrose oder auch Kartoffelrose. Auf jeden Fall ist es eine Hagebuttenart, und sie erinnert mich immer wieder an Urlaub am Meer.

Ist doch wahr!

Mal wieder eine Miniatur aus dem Schreibworkshop. Gegeben war ein Sprichwort aus Frankfurt: „Bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal.“ Diese Weisheit passt gut zu mir und Folgendes kam dabei heraus:

Ist doch wahr!

Begegnung am Automaten für Heißgetränke:

Teetasse„Was guckst du denn so knurrig?“

„Ach, das willst du gar nicht wissen!“

„Dann würde ich nicht fragen.“

„Auch wieder wahr.“

„Und, was ist los? Hat dich wer geärgert?“

„Ach, das ist doch alles Mist hier.“

„Was ist Mist?“

„Ja, alles! Die Projekte, die Technik, das ganze Durcheinander hier. Da kann man doch nix mit anfangen, das kannst‘e doch alles aus dem Fenster schmeißen.“

„Jo. Pass aber auf, dass’te keinen triffst.“

„Ist doch wahr! Wenn ich mir das hier angucke, eins wie das andere, wo du hinfasst, stinkt es.“

„Jaja, man muss aufpassen, wo man hinlangt.“

„Und diese Software! Da hat keiner mal drüber nachgedacht, und nun wundern sich alle, wenn es kracht.“

„Ja, Krach finde ich auch lästig.“

„Und damit sollst’e dann arbeiten. Damit kannst’e aber nicht arbeiten. Echt, dass kannst’e alles inne Tonne kloppen und den Deckel draufhauen.

„Deckel zu, Affe tot.“

„Das Timing ist auch nicht zu halten, nicht unter diesen Bedingungen! Die ganze Planung ist Schrott. Und das nennt sich dann Projektmanagement …“

„Jaja, das ist wie immer: Das Management ist schuld.“

„Ja, ist doch so. Alles fliegt aus’m Fenster und du sollst es dann wieder einfangen. Kannst’e doch nicht.“

„Ich fange ohnehin nichts ein, mich muss man zum Jagen tragen.“

„Ach, du wieder. Dass du immer so ruhig bleiben kannst …“

„Ach ja, wenn ich mich uffresche, nützt das dann was?“

„Ja, ne, natürlich nicht. Aber du, ganz ehrlich …“

„Was denn?“

„Deine Ruhe regt mich auf!“

„Mich nicht.“

Wer von den beiden Dialogteilnehmern ich bin, überlasse ich der Einschätzung der Leser.

Schön ausgedrückt: aufstuken und jappen

Vor kurzem habe ich mir überlegt, dass ich in diese Kategorie der schönen Ausdrücke auch gerne einige dialektale Begriffe aus meiner Kindheit aufnehmen möchte. Meine Eltern sprachen ja Plattdeutsch und unsere Alltagssprache war mit derartigen Ausdrücken durchzogenes Hochdeutsch. Inzwischen muss ich immer lächeln, wenn sich so etwas bei mir einschleicht und meine Gesprächspartner mich verständnislos angucken, aber man kann halt nicht aus seiner Haut. Und ein paar Mal im Jahr treffe ich alte Freundinnen, die genauso sprechen wie ich – das ist schön.

Ich musste allerdings gleich bei diesem ersten Begriffspaar feststellen, dass es mit der Erklärung dieser Wörter deutlich schwieriger ist, als ich es gewohnt bin. Denn der gelbe Duden, sonst mein Freund in Sachen Begriffsklärung, ist ziemlich ratlos, was Plattdeutsch angeht. Ich habe also auch die Wörterbücher befragt, die Mundartliches anbieten, und wurde fündig, wenn auch nicht so leicht und eindeutig, wie ich mir das erhofft hatte.

Diese beiden Begriffe fielen mir in der netten Runde der alten Freundinnen zu. Es ging – wie bei Frauen häufig – um Mode und um eine wenig vorteilhafte Figur zum Kleider kaufen, denn: „Vorne jappt dat und hinten stukt dat auf!“

jappendes HemdDas Jappen ist noch einfach, direkt übersetzt heißt das so viel wie japsen, mit offenem Mund nach Luft schnappen oder auch gähnen. Das Wort wird verwendet, wenn Hemden, Blusen oder Jacken so stramm sitzen, dass sie spannen und an der Knopfleiste auseinanderklaffen – also nach Luft schnappen. Mein Schwager führt das zur Illustration einmal mit seinem Lieblingshemd vor:

Aufstuken findet zumeist – aber nicht immer – auf der anderen Seite des Körpers statt. Dann sind die Kleidungsstücke zu eng, um über das ausladende Hinterteil zu rutschen, stoßen dort auf und stauchen sich zusammen. Es kann aber auch ein Kragen auf der zu großen Brust aufstuken oder zu enge Hosenbeine auf den Stiefeln. Stuken heißt stauchen, zusammendrücken, in anderen Zusammenhängen aber auch stoßen. Und der Begriff Aufstuken ist eine eigenartige Zusammensetzung aus Hoch- und Plattdeutsch, denn eigentlich müsste es Upstuken heißen. Leider habe ich kein Bild, um das Aufstuken zu illustrieren, denke aber, dass die Vorstellungskraft meiner Leser dafür ausreicht.

Christian

Puppe

Angeschmuddelt, nackt und bloß …

Lange hatte ich nicht an ihn gedacht, ihn sogar ganz und gar vergessen. Doch als meine Schwester von einigen Wochen anrief und mir sagte: „Ich habe Christian gefunden!“, wusste ich sofort, wen oder was sie meinte: Meinen Christian, die alte blondgelockte Puppe mit dem roten Anzug.

Ich weiß nicht genau, wie alt ich war, als ich Christian bekam – vielleicht vier oder fünf. Auf jeden Fall war ich noch so klein, dass ich noch keine Schleife binden konnte: Das lernte ich nämlich an dem orangefarbenen Puppen-Strampelanzug, den Oma für Christian gestrickt hatte.

Christian war ein recht modernes Spielzeug, er konnte nämlich Sachen machen, die über das Auf- und Zuklappen seiner blauen Augen hinausging: Drückte man auf seinen Bauch, konnte er lachen oder weinen. Das war laut und funktionierte wohl mit einer Art Zufallsgenerator, denn man wusste beim Bauchdrücken nie, ob man ein schrilles Gelächter oder ein blechernes Geheul bekam. Dieses Getöse führte dazu, dass meine Eltern irgendwann die Batterien nicht mehr wechselten und es sich ausgescheppert hatte. Mir gefiel Christian auch ohne die Geräuschkulisse ausgesprochen gut und ich fragte nie nach einer neuen Batterie. Dass die Alte irgendwann auslief und eine schreckliche Schweinerei verursachte, war Pech und führte dazu, dass Christian ins Krankenhaus und von Mama operiert werden musste. Die beeindruckende Narbe sieht man noch, sie ist aber ehrlich gesagt hübscher als der Reißverschluss, der früher den Puppenrücken zierte.

alte Puppe

Frisch gebadet und im guten Anzug

Woran ich mich nicht erinnere, ist die Kleidung, die mein Puppenkind ursprünglich trug. Unsere Puppen hatten größtenteils selbst gestrickte oder genähte Kleidung, was zum einen daran lag, dass fertige Puppenkleidung teuer war, zum anderen aber auch daran, dass sowohl unsere Mutter als auch die Oma viel Spaß am Puppenkleider herstellen hatten (unsere Billig-Barbie hatte sogar gehäkelte Bikinis).  Was ich aber noch ganz genau weiß ist, wie schwierig es war, für das Puppenkind den richtigen Namen zu finden. Eine Zeitlang wechselte der Name täglich, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Dann hieß der Puppenjunge ein paar Tage lang Achmed wie der Bruder meiner Freundin Mürvet, der mich aus irgendeinem Grund beeindruckt hatte. Meine Mutter fand, dass mein Püppchen Achmed nicht ähnlich sehe – damit hatte sie nicht unrecht. Und so wurde es nach einem endlosen Hin und Her irgendwann der Name Christian, den meine Puppe bekam und behielt.

Als ich nach dem Studium bei meinen Eltern auszog, habe ich nicht alles Spielzeug mitgenommen – das meiste war ohnehin schon weg. Und als meine Eltern das große Haus abgaben, ist einiges bei meiner Schwester gelandet. Als sie einige Kisten für den Flohmarkt sichtete, fiel ihr Christian in die Hände: schmutzig, klebrig und ein wenig heruntergekommen. Sie wusch seinen roten Anzug und das Hemdchen, das wohl in einem früheren Leben ein Damennachthemd gewesen sein mochte, und ich badete ihn in der Spüle, wo er wieder hübsch sauber wurde. Jetzt sitzt er neben Mäxchen, dem Teddy, sowie dem Esel, dem Affen und dem Monchichi in meinem Gästezimmer. Wenn ich ihn sehe, muss ich lächeln, und Gäste müssen wahrscheinlich lachen. Ein bisschen albern ist es zwar, das alte Zeug noch aufzuheben, aber den armen Christian einfach wegzuschmeißen, brachte ich einfach nicht über mich.

 

Nachtrag: Im Nachhinein betrachtet ist es übrigens gut gewesen, dass ich den Namen Achmed verworfen habe, denn dieser Junge – oder eher der junge Mann – sank ein paar Jahre später deutlich in meiner Achtung. Der hat mich nämlich eines Tages, als ich bei seiner Schwester zum Spielen war, einfach nach Hause geschickt. Zugegebenermaßen wegen groben Unfugs, aber das sah ich damals überhaupt nicht ein! Nicht auszudenken, wenn meine Puppe dann diesen Namen getragen hätte …

Komische Gewohnheiten – unzweckmäßige Badebekleidung tragen

Warnung: Dieser Text ist besonders im letzten Teil nicht unbedingt etwas für Feingeister. Wer Problem mit schwer zu stoppendem Kopfkino hat, sollte nach dem Schwimmer mit der Brille nicht mehr weiterlesen!

Komische Gewohnheiten – unzweckmäßige Badebekleidung tragen

Wie schon diverse Male erwähnt, gehe ich gerne schwimmen – in den letzten zwei Wochen war ich vier Mal in einem Bad. Ich finde diese Paddelei nicht nur entspannend, sondern auch interessant – es gibt immer so viel zu gucken! Und die letzten Badbesuche waren besonders spannend, denn es waren so viele unzweckmäßige Badegewänder unterwegs wie sonst selten.

Wenn ich von unpraktischer oder merkwürdiger Badekleidung schreibe, meine ich nicht das Geschmäcklerische, das es natürlich auch gibt. Ich finde zum Beispiel einen pinkfarbenen Einteiler bei einem Klops wie mir nicht hübsch, aber man wird zumindest nicht übersehen darin, und wenn der Anzug gut passt, soll es mir recht sein. Mir geht es wirklich in erster Linie darum, dass viele Leute im Schwimmbad Sachen tragen, die ihren Zweck nicht erfüllen.

Da sind zum Beispiel die ganzen Jungs, die sonderbare Shorts zum Baden tragen, die an den Beinen kleben und sich außerhalb des Wassers ununterbrochen nach unten bewegen. Rennen diese Jungen herum, müssen sie alle fünf Meter stehen bleiben und an der Hose zerren, um der Welt nicht den nackten Bobbes zu zeigen. Das macht doch keinen Spaß so!

Dann gibt es diese vielen Bikinis, die sicherlich dazu geeignet sind, sich damit in der Sonne herumzuräkeln, deren Ober- und Unterteile sich aber sofort in unterschiedliche Richtungen verabschieden, wenn die Trägerin sich im Wasser schneller als in Zeitlupe bewegt. Ein echtes Highlight war heute die Dame, die statt eines im Nacken festgebundenen Oberteils so eine Art Doppel-Kunststoffschüsselchen trug, in das die Brüste eingefüllt wurden. Ich muss gestehen, dass ich ihr auf den Busen geguckt habe, denn ich versuchte zu verstehen, was es mit diesem Bikini auf sich hat: Dieses Ding hatte keinerlei Träger, stand etwa einen Zentimeter von der Brust ab und klappte dauernd nach unten, was die Trägerin zwang, zur Stabilisierung der rosa Näpfchen stets eine Hand davor zu halten. Sie schwamm einarmig, was sie mit erstaunlicher Eleganz erledigte. Anscheinend trug sie dieses Schüsselgewand nicht zum ersten Mal.

Interessant war auch der junge Mann – rein optisch übrigens Prachtkerl! – der beim Schwimmen krampfhaft den Kopf nach oben reckte und schwamm wie meine Oma. Nun muss nicht jeder gut schwimmen können, ich vermute jedoch, dass dieser wenig sportliche Schwimmstil zum einen mit der kunstvollen Flechtfrisur, zum anderen aber mit der teuer aussehenden Sonnenbrille zu tun hatte, die der Beau auf der Nase trug. Nun mag er natürlich ein Augenproblem haben (Sänger Heino schwimmt wahrscheinlich auch mit Brille), aber komisch sah das trotzdem aus.

Das absolut Gruseligste, was mir in Sachen Badebekleidung jedoch in letzter Zeit unterkam, sah ich am Montag im Freibad Hausen: Es war eine ganz normale Badehose. Allerdings passte sie dem Träger, einem älteren Herrn, nicht so richtig, so dass dauernd irgendwo sein Gemächt heraushing. Mal rechts, mal links, dann irgendwie hinten (ich weiß, das kann man kaum glauben und ich will es auch nicht näher beschreiben). Schon beim Aussteigen aus dem Wasser sah man Einiges blitzen und ich musste grinsen. Erschwerend hinzu kam, dass der Mann sich außerhalb des Beckens nicht etwa still auf ein Bänkchen setzte, sondern die Bank in der Nähe des Beckenrandes nutzte, um urige Leibesübungen zu verrichten. Beine hoch, Beine runter, vor und zurück, Rumpfbeugen, recken und strecken. Immer, wenn ich in diese Richtung schwamm, fühlte ich mich gezwungen, da hinzugucken – mein Blick richtete sich wie durch Magie gelenkt immer wieder auf die bekleidungsmäßige Schwachstelle des Herrn. Ich halte mich nicht für prüde, aber so ein turnendes Altherrengenital, dass aus einer zu großen Badehose schlackert, ist schon ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Leider bin ich auch ohne Brille noch nicht so schwachsichtig, dass mir so etwas nicht auffiele. Zwischendurch fragte ich mich auch, ob er das wohl absichtlich machte – sowas muss man doch merken?! Es wird ja auch exhibitionistisch veranlagte Opis geben. Vielleicht hatte er auch Interesse an einer der badenden älteren Dame – etwa an der mit der Leopardenbadehaube mit dem roten Rüschenrand. Die guckte allerdings genauso verstört wie ich.

Irgendwann ging ein Bademeister zu dem Mann. Aber anstatt ihn richtig anzuziehen oder wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zusammenzustauchen, hielt der nur einen Schwatz mit dem Herrn. Anscheinend kannte man sich. Und ich verließ irgendwann das Bad in einem Zustand zwischen Traumatisierung und infantilem Kichern.

König Fußball – wirb oder stirb!

König Fußball

König Fußball – Bild zur Verfügung gestellt von Rike / http://www.pixelio.de

Der eine oder die andere mag es bemerkt haben: Derzeit läuft mal wieder ein internationales Fußballturnier. Die Spiele finde ich ehrlich gesagt nur mäßig interessant, die kann man gucken, muss es aber nicht. Was mich aber immer wieder schmunzeln lässt ist das viele Tamtam rund um diese Turniere: Gesprächsrunden mit Moderatoren, ehemaligen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und allerlei buntem Beiwerk. Tipprunden, öffentliches Gucken und Fußballgrillen im Garten. Allerhand Zubehör, mit dem man sich ausstatten oder verunstalten kann: Fahnen, Schminke, Zopfspangen, künstliche Zöpfe, Blumenkränze. Alles in schwarz-rot-gelb und alles made aus Plastik. Ich besitze sowas auch, zur WM 2006 investierte ich einen Euro in eine nervtötende Klapperhand, die ich immer dann benutze, wenn ich mit anderen zusammen gucke – nicht, dass man mich überhört.

Was mich aber inzwischen wirklich befremdet, ist die an den Haaren herbeigezogene Werbung, die sich auf dieses Event bezieht. Da ist wirklich keine Story zu dumm, als dass man sie nicht irgendwie werblich umsetzen müsste. Es ging ja schon vor Wochen los, mit den Schultern eines Torwarts, die so viel zu tragen haben, aber bitte doch keine Schuppen. Ja, gut, das kann man sich vielleicht noch erklären – wenn der junge Mann dieses wirklich sehr unangenehme Problem hat und es durch dieses Shampoo in den Griff bekommt, ist das durchaus erfreulich und eine Meldung wert.

Dass Holger, seines Zeichens Koch der National-Elf, bei einer bestimmten Lebensmittel-Kette einkauft, kann man glauben oder auch nicht. Angeblich helfen ihm diese Produkte zu verstehen, wie die EM schmeckt. Was damit gemeint ist, kann man nur erahnen: Rasen, Ball, Männerschweiß oder benutzter Turnschuh? Ich will das lieber nicht wissen und überlasse Holger das Abschmecken.

Einen gemeinsamen Lauf von Jogi und seinen Jungs zu einer bestimmten Bank kann ich mir schon wieder besser vorstellen: Tägliches gemeinsames Abheben des Taschengeldes sowie Auszahlung durch den Trainer – genug für eine Tageszeitung und was Süßes, aber zu wenig um im sündigen Frankreich so richtig einen drauf zu machen. Das finde ich gut, schließlich sind die Herren nicht zum Spaß da.

Durchaus glaubwürdig ist für mich auch das Waschmittel der Nationalmannschaft: Es wäre ja blöd, wenn ein unbekanntes Waschmittel auf der sensiblen Haut Allergien auslösen würde – und das meine ich ernst, denn damit kenne ich mich aus. Dann könne der M. vielleicht keine Tore schießen, weil er dem S. den Rücken kratzen müsste – das wäre ja blöd. Auch würden unsere Jungs einen schlechten Eindruck machen, wenn die weißen Shirts beim Waschen fleckig blieben. Im Gegensatz zu den Kollegen aus der Schweiz können sie ihre Leiberl ja nicht nach dem Tragen ins Altpapier geben. Ich gehe daher davon aus, dass mindestens zwei Flaschen dieses besonderen Waschmittels im Bus mit nach Frankreich gejuckelt sind.

Das letzte Werbebeispiel aber, das mir einfiel, finde ich völlig absurd. Und dabei lässt es sich so gut an: Junge Fußballer klopfen sich rhythmisch auf das Herz, interagieren mit dem Publikum, alles klopft. Ein magischer Moment. Und ich denke, wie gut es doch ist, dass diese jungen Sportler die Öffentlichkeit auf die Wichtigkeit der Herzgesundheit hinweisen. Gewiss wird dieser Spot unterstützt vom Verband der Kardiologen und dem Gesundheitsministerium. Schön gemacht. Dann heißt es „es lebe die Mannschaft“ – ach ja, um Mannschaftsgeist geht es auch noch – toll. Da beweist mal jemand Sozialkompetenz. Und dann kommen da Autos angefahren. Einfache, schnöde Autos. Ohne jeden Zusammenhang, ohne Herz, ohne Teamgeist. Und ich sitze da, ratlos, und frage mich nur: Was soll das?

Breiter Schal in zwei Farben

Beim Schreiben habe ich es gerade selber gemerkt: Der Titel ist eigentlich irreführend. Denn mein neuer, breiter Schal – Oma hätte sowas wohl „Stola“ genannt – hat deutlich mehr als nur zwei Farben. Das liegt an der schönen Sockenwolle „Lana Grossa Meilenweit“, die einen bunten Farbverlauf hat. Davon wurden rund vier Knäuel verbraucht. Kombiniert wurde die Sockenwolle mit einer wollweißen Restewolle aus dem Fundus, die keinen solch schönen Namen, dafür aber eine feine Zusammensetzung hat: Die Merino-Kaschmir-Mischung habe ich vor vielen Jahren einmal sehr günstig als Konenwolle bei der Hamburger Wollfabrik gekauft. Es wurde Zeit, sie aus ihrer Kiste zu befreien.

Das Einstrickmuster ist denkbar einfach: Glatt rechts, jeweils drei Maschen weiß, drei Maschen bunt werden gestrickt. Nach jeweils zwei Reihen wird das Muster um eine Masche verschoben, sodass kleine Schrägbalken entstehen. Nach 14 Reihen kommen acht Krausrippen in bunt. Danach folgt wieder das Muster, jedoch wird es dieses Mal in die andere Richtung verschoben – zickzack.

Angeschlagen wurden 182 Maschen (inc. der zwei Randmaschen). Für das Muster wurde eine Nadel in Stärke 3 verwendet, für die Krausrippen 2,5.

Das Einstrickmuster von hinten

Die Länge des Schals habe ich ein wenig frei Schnauze bestimmt. Angepeilt hatte ich in etwa 1,80 Meter, inc. der Fransen. Nach dreieinhalb Bommeln Sockenwolle hatte ich knapp 1,70, das erschien mir genug, um meine nicht ganz zarte Figur darin einzuwickeln, zumal diese Schals beim Spannen manchmal noch etwas „wachsen“. Als Fransen pflanzte ich immer zwei Fäden in bunt, einen in weiß zusammen ein – eine Fummelarbeit, die ich nicht unbedingt liebe.

Das Waschen und vor allem Spannen war eine ziemliche Arbeit, denn der Schal war in der Tat ordentlich länger geworden und passte nicht auf meine Gästeliege, die ich sonst immer zum Spannen verwende. So musste tatsächlich mein Bett herhalten – und ich auf dem Sofa schlafen. Außerdem wurden meine Nadeln knapp, denn ich habe viele eingesetzt, um dem Rand des Schals abzugewöhnen, sich nach innen einzurollen – das tun glatt rechts gestrickte Schals gerne.

Stola, Schal, mit Fransen

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meinem Kuschelschal. Am Wochenende bin ich zu einer Gartenparty eingeladen, da werde ich ihn wahrscheinlich einweihen. Mal gucken, ob er schön warm hält.