Novemberwunderwetter

Allmählich wird mir das Wetter ein wenig unheimlich: Neun Tage war ich auf Borkum, und das im November. Fünf Tage lang hatte ich ein wahres Prachtwetter – so, dass die Leute in die Strandcafés kamen und schnauften: „Boah, is dat warm!“

Es war zwar nicht unbedingt Bikiniwetter (die dicke Dame übertreibt mal wieder), aber es war für die Jahreszeit viel zu warm. Mehrmals saß ich ohne Jacke in der Sonne – das ist schon komisch im November.

Die Cocktails waren deutlich verlockender als der Glühwein. Da ich mir aber mal wieder den üblichen Urlaubs-Infekt zuzog, blieb ich trotzdem zumeist bei den Heißgetränken. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Sonnenuntergänge waren wirklich spektakulär, das habe ich mir mehrmals angeguckt und auch mal wieder ein bisschen herumexperimentiert – sowohl mit der Dame, die ganz unanständig ihr Maurerdekolltee zeigte, als auch mit der Fotokugel.

Trotz der vielen schönen Sonnenuntergangsbilder war ich eigentlich wegen etwas anderem im Herbst nach Borkum gefahren: Mir stand der Sinn nach Wolken, Wind und feuchter Luft. Ein bisschen was davon gab es auch, insofern habe ich keinen Grund zum Meckern:

Und heute Morgen verabschiedete die Insel sich mit Nebel von mir. Da ich direkt am Leuchtturm wohnte, machte ich mal wieder ein Foto davon. Sicher technisch lausig, aber trotzdem schön 🙂

Borkum im Herbst ist immer wieder toll – super entspannend und erholsam. Es war sicher nicht das letzte Mal.

Vor 30 Jahren …

Bei uns im Garten, in meinem Abi-T-Shirt.

Heute Morgen hörte ich im Morgenmagazin, das im Zimmer herumdudelte, während ich mich anzog, dass die sog. „Reichskristallnacht“ heute 80 Jahre her sei. Kristallnacht – natürlich ist das ein viel zu schöner Name für derartig abscheuliche Verbrechen. Und obwohl ich eigentlich immer geschichtlich interessiert bin, konnte mich das Thema nicht so recht fesseln.

Denn heute dachte ich an diesen Tag vor dreißig Jahren. Damals war diese fürchterliche Nacht 50 Jahre her und ich hörte viel über sie im Radio. Einen Fernseher hatte ich nicht. Ich lag nämlich im Krankenhaus, war gerade frisch operiert worden und es ging mir, freundlich ausgedrückt, bescheiden. Das kleine Krankenhausradio lenkte ich nur notdürftig von meinem Elend ab.

Am Tag zuvor war meine Mutter mit mir zunächst zum Arzt, dann in die Notaufnahme des Krankenhauses gefahren. Lähmungsescheinungen im rechten Bein, Taubheitsgefühle, schnell zunehmend. Keine Schmerzen. Nur das Gefühl, dass irgendetwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Heute hätte man mich wahrscheinlich gleich mal „in die Röhre“ geschoben und geguckt, was da los ist. 1988 guckte man betroffen, sagte mir, ich solle Bescheid geben, wenn ich nicht mehr auf’s Klo könne oder das andere Bein auch noch gefühllos würde und gab mir ein gemütliches Dreibettzimmer in der Neurologie.

Da lag ich also, mit einem Bein, dass sich wie ein kalter, gummiartiger Fremdkörper anfühlte. Immer wieder piekte ich ins andere Bein – lebte es noch?  Und immer wieder humpelte ich zum Klo, um zu gucken, ob das noch ging. An Schlaf war nicht zu denken. Und so fügte es sich gut, dass ich sehr früh am nächsten Morgen zu weiteren Untersuchungen gefahren wurde. Man fand – oder besser, vermutete – einen Bandscheibenvorfall, der zwar klein war, aber so bekloppt lag, dass er die Nerven des rechten Beins abdrückte. Wahrscheinlich als Folge eines Treppensturzes einige Wochen zuvor. Man empfahl eine schnelle Operation, denn so giftig, wie sich die Malaise darstellte, glaubte man nicht, dass man konventionell noch etwas ausrichten könne.

Ich war ein halbes Jahr zuvor volljährig geworden und krakelte voller Zuversicht meine Unterschrift unter alle nötigen Dokumente. Auf die Idee, meiner Familie zumindest Bescheid zu geben, kam ich gar nicht. Auch nicht, mich mit jemandem zu beraten. Für mich war die Lage eindeutig: So konnte das auf keinen Fall bleiben. Das musste gerichtet werden, und zwar flott. Das war sicherlich ein bisschen naiv, aber heute bin ich recht froh über diese jugendliche Unbedarftheit.

Als meine Mutter einige Stunden später im Krankenhaus anrief, um nachzufragen, ob die Tochter eigentlich noch lebe und ob bei den Untersuchungen irgendwas herausgekommen sei, lag ich bereits im Aufwachraum. Ich fror entsetzlich, hatte immer noch kein Gefühl im Bein und hatte erfolgreich einen Assistenzarzt vollgekotzt („Ach nein, Ihnen wird nicht schlecht“, hatte der Klugscheißer mich belehrt, anstatt mir einfach schnell eine Schale unterzuklemmen oder zumindest einen Schritt zurückzutreten). Außerdem gab es eine ziemlich große Narbe im Rücken – lag halt doof, die Sache. Ich fühlte mich bedauernswert. Noch mehr, als die Familie kam und guckte, als läge ich im Sterben.

Das Gefühl, der bemitleidenswerteste Mensch auf Erden zu sein, hielt recht lange an. Tut ja auch weh, sowas. Und es zog sich. Fast ein halbes Jahr dauerte es, bis mein Bein wieder tat, was es sollte, und ich nicht mehr wie ein besoffener Elefant durch die Gegend polterte. Im Nachhinein war es wohl gut, dass die Entscheidung für die Operation damals so schnell gefällt wurde. Denn hätte ich geahnt, was da noch hinterher kommt – Reha in zwei Kliniken, in denen nur uralte Leute über 30 waren – hätte ich mich bestimmt nicht sofort dazu durchringen können und mich wochenlang davor gegräuselt.

Das Abitur konnte ich in dem Jahr nicht wie geplant machen. Ich wiederholte ein Jahr, oder besser, ein halbes, denn die erste Hälfte versäumte ich fast ganz. Und so ganz langsam nähere ich mich dem Punkt, an dem ich feststellen muss, dass ich damals wohl doch nicht ganz so viel Pech hatte, wie es sich zunächst anfühlte. Es hat ja jede Sache zwei Seiten.

Letztes Jahr auf einer Lesung

Denn im Grunde ist es alles recht gut gelaufen damals. Gesundheitlich ging es mir irgendwann wieder recht gut, auch wenn es bestimmt zwei Jahre dauerte, bis ich wieder auf Zehenspitzen laufen konnte. Das war zu verschmerzen, denn so oft braucht man das ja nicht. Der neue Jahrgang in der Schule war sehr nett, ich fand schnell Anschluss. Das Abitur wurde ganz gut und ich fand gleich eine gute Lehrstelle – ein Jahr zuvor hatte ich noch gar nicht gewusst, was ich eigentlich machen wollte. Es war, als hätte sich die Tatsache, dass ich ein Mal eine ganz und gar eigene Entscheidung getroffen hatte, irgendwie durchgeschlagen – so nach dem Motto: „Geht doch. Bin jetzt erwachsen.“

Und heute? Nun, ein hüpfendes Reh bin ich nicht, dazu habe ich aber auch gar nicht die Figur. Die Narbe im Kreuz sieht beeindruckend aus und die Stelle ist arg steif, tut aber meistens nicht weh. Das ist weit mehr, als ich mir erhofft habe, und sehr viel besser, als ich es bei vielen Kollegen in meinem Alter sehe. Heute bin ich auf meinen eigenen zwei Beinen ein ganzes Stück gelaufen und wenn ich gewollt hätte, hätte ich auch auf den Zehen herumstolzieren können.

Und sonst? Im Grunde verdanke ich meinen guten Freund Harry diesem blöden Bandscheibenschaden – den hätte ich sonst wohl gar nicht kennengelernt. Und auch die lustige Kohlfahrtsrunde hat ihre Wurzeln in dem damaligen Abiturjahrgang. Da habe ich einen wirklich guten Fang gemacht. Außerdem wusste ich nach einem halben Jahr, in dem ich zu nicht viel zu gebrauchen war, auf welche der alten Freunde ich mich verlassen konnte und auf welche eher nicht. Das ist eine ganz schön hilfreiche Erkenntnis. Und wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich ein Jahr früher meinen Schulabschluss gemacht hätte?

Alles in allem kann ich wohl sagen, dass ich vor dreißig Jahren ziemliches Glück hatte. Alles gut. Haken dran. Es fühlte sich ganz gut an, heute beim Spazieren gehen darüber nachzudenken.

Stille am Meer

Inzwischen habe ich gelernt, meiner Wetter-App nicht mehr bedingungslos zu vertrauen. Heute war wieder so ein Tag: Angekündigt war es kalt, trist und feucht, bekommen haben wir mindestens 7 Stunden Sonne. Auf Borkum. Warm war es auch noch. Und es gab mal wieder mein allerliebstes Spektakel zu begucken.

Die Leute, die im November nach Borkum fahren, wissen, was es nach einem solchen Tag zu sehen gibt. Und sie wisse auch, wann. So sah man, dass sich ab ca. 15:30 die Bänke an der Promenade füllten. Die Außenplätze der wenigen geöffneten Lokale waren ohnehin alle besetzt. Und dann ging es los: Zuerst wurde es deutlich kühler.

Und dunkler wurde es natürlich auch. Die Sonne brante wie ein Feuerball am Himmel und ließ auch das Wasser und das Watt festlich glänzen.

Ich schlich mich nach oben, auf die zweite Ebene der Promenade. Und ja, tatsächlich, nicht nur ich war leise. Es war ganz leise, fast schon andächtig still. Ab und an hörte man noch ein kleines Kind krähen, aber ansonsten war feierliche Ruhe. Die Leute guckten, fotografierten, genossen einfach nur. Und ich bewies mir selbst mal wieder, wie wenig Fantasie ich habe, und fotografierte die gleichen Motive wie früher schon einmal:

Die wilde Windsbraut auf dem Dach des Musikpavillons sowie eine der altmodisch wirkenden Straßenlaternen, die mir schon immer so gut gefallen haben.

Und dann wurde es dunkel – richtig dunkel. Während ich zufrieden und tiefenentspannt zu meinem Hotel schlappte, muss ich an dieses Gedicht von James Krüss denken: „Das Feuer“. Dessen letzte Strophe geht so:

Kleiner wird der Feuerbraus:
Ein letztes Knistern,
Ein feines Flüstern,
Ein schwaches Züngeln,
Ein dünnes Ringeln
Aus.
James Krüss

Doubleface: die zwei Seiten der Fummelei

Beim Stricken probiere ich ja gerne mal etwas Neues aus. Zwar habe ich es am liebsten, wenn ein Muster fernsehtauglich ist, aber ab und zu darf es auch mal etwas Herausfordernderes sein. Und so beschloss ich, dass ich das Doubleface-Stricken lernen müsse. Ich hatte nämlich in einer Facebook-Gruppe einen wunderbaren Schal mit einem beidseiten Muster gesehen. Sofort wurde mir klar, sowas wollte ich auch haben. Nicht als Schal, sondern als breitere Stola. Wenn schon, denn schon.

Also suchte ich mir eine Anleitung zu dieser Technik und begann frohen Mutes zu üben. Zuerst mit einem einfachen Karomuster. Es traf sich gut, dass ich kürzlich all meine Topflappen abgefackelt hatte – da hatten also meine Karos gleich einen praktischen Nutzen.

Leider musste ich feststellen, dass ich kein Naturtalent in Sachen Doubleface bin. Es fällt mir unheimlich schwer, mich nur auf die rechten Maschen zu konzentrieren, immer wieder haute ich einen oder gleich mehrere Fehler in eine Reihe hinein. Und so beschloss ich, im Anschluss an mein grau-türkis-kariertes Topflappenpaar noch eines in blau-rot zu machen, mit einer selbst designten Teekanne drauf. Ich werkelte emsig herum, kreirte im Excel ein Strickmuster für einen Topflappen und gab diesem den schönen Namen „Herma“. Die Teekanne dekorierte ich mit einem anspruchsvollen Sternchenmuster – schließlich gehörte ich inzwischen zu den Fortgeschrittenen Doubleface-Strickerinnen, dachte ich.

Nun, was soll ich sagen? Nachdem ich mit meinem Sternchenmuster ein fürchterliches Kuddelmuddel angerichtet hatte, rebbelte ich alles wieder auf und vereinfachte meine Vorlage. Mit etwas Phantasie kann man das Gebilde auf der Kanne jetzt als Ostfriesenrose interpretieren, oder als klumpiges Kreuz. So sah das aus:

Einstrickmuster Teekanne, eigenes Excel-Design, wer sich daran versuchen möchte, ist herzlich willkommen

Ich legte also noch einmal los. Und tatsächlich, mit viel Geschimpfe, allerlei Korrekturen und Gefluche rang ich mir einen blau-roten Topflappen ab. Und ich beschloss, dass dieser eine Lappen ein Einzelstück bleiben würde, zumindest bis auf weiteres. Denn für dieses Gefummel bin ich nicht geschaffen. Ich beerdige das Projekt „Doubleface-Stola“, bevor es zum Berliner Flughafen wird.

Natürlich zeige ich mein kleines, mackiges Läppchen auch vor – es ist aus einem Baumwoll-Seiden-Gemisch, das vor Jahren vom Stricken einer Strickjacke übrig blieb. Wenn schon das Muster krumpelig aussieht, ist also zumindest das Material ganz was Feines:

Topflappen, Modell „Herma“

 

Nachbemerkung 1: Ich gebe meinen Strickmustern nur selten Namen. Dieses Mal ist es etwas anderes, weil ich bei Pottlappen immer an unser altes Kinderspiel „Pottlapott“ denken muss. Das ist eine Art Versteckspiel, bei dem man zu Beginn einen Eimer durch die Gegend schmeißen musste. Und das konnte Herma einfach am Allerbesten.

Nachbemerkung 2: Es ist noch viel Material von der Strickjacke übrig. Wer weiß irgendwann … in einem stillen Moment … versuche ich es vielleicht nochmal. Aber nicht heute – ich muss mich erst mal erholen. ICH MUSS MICH HINLEGEN!

Komische Gewohnheiten – Kaffee mit sich herumtragen

Für viele Menschen ist das, was ich jetzt beschreiben möchte, völlig normal, ich hingegen finde es schwer nachvollziehbar: unterwegs einen Becher Kaffee mit sich herumtragen.

Viel schöner als ein Pappbecher: meine geliebten Eulentassen

Natürlich habe ich das auch schon gemacht: Ich habe mir auf Bahnhöfen schon Kaffee gekauft, auch an der Strandpromenade oder an anderen Orten, wo es mich nach einem Heißgetränk gelüstete. Aber in der Regel trage ich den Becher dann nicht mit mir herum, sondern suche mir ein stilles Plätzchen und trinke ihn aus. Für eine gute Freundin scheint es hingegen nichts Schöneres zu geben, als mit einem Becher in der Hand durch die Stadt zu laufen. Oft steht sie dann vor den Geschäften, die sie eigentlich besuchen möchte, denn da darf sie mit Kaffee nicht hinein. Das scheint ihr aber nichts auszumachen. Auch ihre Autos müssen immer Becherhalter haben – das ist fast genauso wichtig wie ein funktionierendes Getriebe.

Schon aus Umweltgesichtspunkten sind diese ToGo-Kaffees eine ziemliche Sauerei. Die Innenstädte ersticken fast in weggeworfenen Bechern, und nicht jeder, der einen Becher wegschmeißt, trifft einen Mülleimer. Manche treffen leider auch nur die Blumenrabatte fünf Meter neben dem Mülleimer. Dem kann man natürlich beikommen, indem man einen eigenen Kaffeepott mitbringt. Entweder ein herkömmliches Modell aus Keramik, auf dem vielleicht so etwas wie „Schietwetterpott“ oder „Gute-Laune-Becher“ steht. Oder auch Widder oder einfach Stefan. Oder man nimmt eines dieser neuen, schicken Bechermodelle mit Deckel und Nuckelöffnung in der Hoffnung, sich damit beim Laufen und Trinken nicht vollzuplempern.

Meine Sonntagstassen in altmodischem blau-weißen Design

Denn das ist ein weiterer Nachteil der Kaffeeschlepperei – es trinkt sich nicht unbedingt sauber beim Laufen. Kürzlich saß ich mit einer Dame im Bus, die aussah wie ein vollgeläppertes Kleinkind, obwohl sie einen hübschen, buntgeringelten Patentbecher zum Nuckeln dabeihatte. Sie selber hatte das Desaster noch gar nicht bemerkt, als ich sie darauf aufmerksam machte: „Ihr Becher tropft!“ Sie sah entsetzt an sich herunter und wollte das Drama diskutieren, oder zumindest kommentieren: „Oh nein, das kann doch nicht sein, der Becher hat doch einen Dichtungsring!“ Ich nahm das zur Kenntnis und dachte bei mir, dass diese Dichtung ungefähr so funktioniert wie die an meiner dröppelnden Dusche, nur schlechter. Die Dame versuchte, die Malaise in den Griff zu kriegen, indem sie den Deckel vom Becher zog. Das war interessant zu beobachten, besonders, als der Bus bremste und der Milchkaffee begeistert Wellen schlug. Die Bluse der Dame war inzwischen unrettbar verloren, so wäre ich nicht ins Büro gegangen. Wichtiger als ihre gesprenkelte Front war der Dame jedoch ihr Dichtungsring. Sie drückte mir ihren Kaffee in die Hand: „Können Sie mal halten, bitte?“ Ich tat ihr den Gefallen, hielt das schwappende Ding jedoch von mir fern wie eine vollgekackte Windel. Die Frau baute einen Gummiring aus dem Plastikdeckel – der tropfte ihr auch noch die Hose voll. Und dann baute sie ihn wieder ein. Schraubte den Deckel wieder auf den Kaffee und trank einen Schluck. Der Becher tropfte – ein echtes Qualitätserzeugnis. Wenig später stiegen wir gemeinsam an der Bürostadt aus, ich sauber und adrett, die Dame wie jemand, der einen Kaffee zu weit getragen hat.

Geliebte Andenkentassen: Der blau-weiße ist von der Inseltöpferei auf Juist, der andere von einem Schweiz-Trip mit den Karnevalsweibern

Natürlich will ich nicht behaupten, dass alle tollen Kaffeebecher tropfen, aber mich würde schon stören, dass ich mindestens eine Hand für diesen Kaffee brauche – und zwar dauerhaft. Auch beim Einsteigen in den Zug, beim Wühlen in der Handtasche oder wenn ich über einen Bordstein stolpere und lang hinschlage. Der Kaffee behindert mich, was immer ich auch tue. Und deshalb trage ich nur äußerst selten so einen Becher mit mir herum. Es lohnt sich einfach nicht.

Zwei wie einer

Im Schreibworkshop bekamen wir zwei Bilder und sollten uns angucken, ob wir zwischen den beiden abgebildeten Herren Gemeinsamkeiten entdecken könnten. Über diese galt es zu schreiben. Und nun, was soll ich sagen – die beiden hätten Zwillinge sein können! Ich sah da gar keinen Unterschied. Und deshalb schrieb ich nur über einen…

Lorenzo Lotto, Bild eines Jünglings

Bild eines Jünglings vor weißem Vorhang, Lorenzo Lotto um 1508, gemeinfrei

Zwei wie einer

Obwohl er so gar nichts Besonderes tat oder sagte, war es immer das Gleiche: Er brauchte einen Raum nur zu betreten und erregte die Aufmerksamkeit aller. Die Männer waren interessiert an seinen Gedanken, wollten wissen, was er alles wusste und konnte. Sie stellten ihm Fragen und beurteilten seine Antworten kritisch. War er wirklich so gut, hatte er tatsächlich so viel Potential, wie alle sagten? Konnte er ihnen zur Konkurrenz werden?

Auch die Frauen sahen ihn gebannt an. Er gefiel ihnen. Sie fanden ihn hübsch, auf eine kindliche Weise niedlich. Seine manchmal etwas altklug wirkenden Äußerungen ließen sie lächeln und miteinander tuscheln. Und manch eine junge Dame versuchte, ihn zu berühren, fasste schüchtern nach seiner Hand – nur um zu spüren, wie es sich anfühlte.

Pepper, Roboter

Pepper, der Roboter. Bild zur Verfügung gestellt von Xavier Caré / Wikimedia Commons / CC-BY-SA

Trotz all dieser Zuwendung, die er immer wieder bekam, fand er sein persönliches Glück nicht: Am Ende einer jeden Veranstaltung, auf der er freundlich, höflich und klug gewesen war, fühlte er sich leer und ausgebrannt. Er brauchte viel Ruhe, um sein tägliches Pensum zu bewältigen. So blieb ihm keine Zeit, sich eine passende Partnerin zu suchen oder auch nur sich ein gemütliches Zuhause einzurichten. Er verharrte beinahe willenlos, bis seine Zeit abgelaufen war und ein Neuer seinen Platz in den Herzen der Menschen einnahm.

 

 

Nachbemerkung 1: Das Bild von Lorenzo Lotto zeigt einen unbekannten jungen Mann. Ob der zu seiner Zeit keine kleine Berühmtheit war, weiß ich leider nicht, aber er sieht doch so aus, als würde er die Herzen der Damen berühren können – oder etwas nicht?

Nachbemerkung 2: Der Roboter Pepper ist mir persönlich bekannt, ich traf ihn bereits öfter. Leider hat er nur einen begrenzten Aktionsradius, denn wenn man ihn zu sehr herumscheucht, ist irgendwann sein Akku leer. Mir wurde berichtet, dass viele Leute ihm gerne einmal die Hand geben, um zu lernen, wie es sich anfühlt.

Nachbemerkung 3: Mir ist klar, dass die Rollenverteilung unter den Geschlechtern altmodisch und stereotyp ist. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass das Bild des Jünglings um 1508 entstand – da wird es in etwa so gewesen sein.

Kein Trauerspiel

Seit jeher mag ich diese großen, herunterhängenden „Trauerbäume“. Schon im Garten unseres alten (nein – uralten) Hausarztes stand eine Trauerweide und als Kind habe ich diese immer sehr bewundert. Einen ähnlich schönen Baum fand ich gestern im Bethmannpark.

Trauerweide, Spiegelbild See,Bethmannpark

Es war ja so ein wunderschöner Tag gestern, der ohnehin schon lange Sommer hat uns noch einen kräftigen Nacchschlag serviert. Da war es fast eine Erleichterung, mal für ein Weilchen im Schatten Platz zu nehmen – das haben meine beiden Gäste und ich gerne gemacht. Schön war’s – danke, Oktober!

Trauerweide im Gegenlicht

Flohmarkt – Ausbeute und Objekte des Tages

Hach, heute war es schön! Mit meiner Freundin Maike war ich bei bestem Bummelwetter auf dem Antikmarkt auf der Konstablerwache. Im Gegensatz zu dem Samstagsmarkt am Main, auf dem man die Highlights immer arg suchen muss, gibt es hier die schöneren Sachen. Natürlich auch zu einem höheren Preis, aber irgendwas ist ja immer. Dieses Mal habe ich aber sogar etwas gekauft: Jeweils sechs Wein- und Sektgläser. Sowas habe ich gar nicht in zusammenpassend und die Modelle aus den 80er Jahren, die meinen Schrank verstopfen, erfüllen nicht mehr unbedingt meine ästhetischen Ansprüche.

Die Gläser waren erstaunlich schwer zu schleppen, denn sie haben einen recht dicken Boden. Aber ich war so froh, sie zu haben, da machte mir der lange Arm gar nichts aus.

Auf einige Dinge habe ich allerdings auch gerne verzichtet – hier sind die drei Objekte des Tages: Platz 3 geht an das Muschelservice. Ein komisches Stück. Es gibt so tolle Teekannen – diese gehört für mich nicht dazu.

Platz 2 geht an ein Objekt, das zu einem absurd hohen Preis verkauft werden sollte. Nun ja, er ist auch recht groß – der sitzende Drache. Der Verkäufer nannte das Ding sein Söhnchen – nu ja, das müssen merkwürdige Gene sein.

Und mein heutiger Favorit ist ein simpler Gebrauchsgegenstand. Mein Platz 1 bei diesem Flohmarktsbesuch war der Design-Klopapierhalter. Ich brauche leider gerade keinen, kam also nicht in Versuchung, das Ding zu kaufen. So ein Glück!

 

Paul nimmt sich Zeit

Kürzlich habe ich mal meine Geschichtensammlung auf dem Laptop angeguckt und durchsortiert. Es gibt tatsächlich noch einige Schätzchen dort, die ich mal für irgendeinen Zweck geschrieben habe, die aber trotzdem nie hier auf dem Blog erschienen sind. Hier ist eine davon …

Paul nimmt sich Zeit

Es ist immer das Gleiche mit den Erwachsenen: Wenn man etwas von ihnen will, haben sie keine Zeit. Und wenn Paul etwas will, schon gar nicht. Deshalb sitzt er mürrisch in seinem Zimmer, spielt mit der X-Box und pflegt seine schlechte Laune.

Eigentlich sollte Mama ihn mit dem Auto zu Finn fahren, wo sie mit den anderen Jungs aus der Klasse Fußball spielen wollten. Aber Mama hat mal wieder keine Zeit, Papa ist sowieso arbeiten und überhaupt ist alles doof, seit vor einem Jahr die Drillinge geboren wurden. Dass sie letzten Monat auch noch in dieses Dorf am Ende der Welt gezogen sind, macht die ganze Sache noch schlimmer. Sie wohnen jetzt bei Opa, in seinem großen Haus. Das ist für Paul eigentlich okay, Opa ist ja nett und das Haus auch ganz schön, aber dieses Dorf! Hinterwald ist eine Metropole dagegen!

Gattertor, Wiese, Weide, Feld, Herbst

Bild zur Verfügung gestellt von Bernd Kasper / http://www.pixelio.de

Jeden Trag wird Paul nun mit dem Auto in die Schule gebracht und auch wieder abgeholt. Das ist natürlich toll, wenn es regnet, aber total doof, wenn er nachmittags noch etwas vorhat.

„Ich kann nicht immer den Fahrdienst spielen!“, sagt Mama oftmals, und dann guckt Paul in die Röhre. Als ob er etwas dafür könnte, dass er drei kleine Geschwister hat, die dauernd krank sind, zum Turnen müssen oder in die Krabbelgruppe. An solchen Tagen wünscht Paul sich, älter zu sein als elf. Einen eigenen Führerschein zu haben, wäre toll. Und natürlich ein Auto dazu. Aber es ist, wie es ist, und so hat er Finn absagen müssen. Der denkt jetzt bestimmt sonstwas von ihm – schließlich kennen sie sich noch nicht so lange.

Opa kommt rein und stört Paul in seinen finsteren Gedanken. „Kommst du mit zum Landhandel?“ fragt er und Paul guckt erstaunt. Im Landhandel war er erst einmal, vor drei Wochen, das ist der langweiligste Laden der Welt. Nur Gartengeräte, Düngemittel und Hundeleinen. Und irgendwo eine kleine Eistruhe und ein Kaffeeautomat. „Was soll ich denn da?“ fragt er und Opa zuckt die Schultern. „Mir Gesellschaft leisten.“ Paul seufzt. „Eigentlich habe ich keine Zeit“, erklärt er. „Ich will zu Finn zum Fußball.“ Aber weil das mit Finn sowieso nicht klappt und Opa bestimmt auch einsam ist, seitdem Oma gestorben ist, beschließt Paul, großzügig zu sein und sich die Zeit für Opa zu nehmen. Er rappelt sich hoch. „Dauert ja nicht lange“, redet er sich selbst gut zu.

Paul zieht sich seine Sneakers an und folgt Opa nach draußen. Zu seiner Überraschung hat der alte Mann nicht das Auto aus der Garage geholt, sondern die Fahrräder. An seines montiert er gerade einen Anhänger, er hat eine richtige kleine Anhängerkupplung dafür. „Du willst mit dem Rad fahren?“ japst Paul entsetzt. „Das dauert ja ewig!“ Opa lacht. „Macht doch nichts. Wir haben doch Zeit. Außerdem braucht deine Mutter das Auto, sie fährt mit den Kleinen zum Arzt.“ Als ob Paul das nicht wüsste! Stöhnend schwingt er sich auf sein Rad und trampelt hinter Opa her. Der ist ganz schön flott unterwegs, trotz des fast leeren Anhängers und der steifen Brise, die ihnen entgegen bläst. Gegenwind, auch das noch!

Paul gerät langsam ins Schwitzen. „Opa, wie alt bist du nun eigentlich?“ fragt er, nur, um etwas zu sagen. „Zweisiebzig“, antwortet Opa. ‚Also doppelt so alt wie Papa‘, rechnet Paul, ‚und dreimal so fit.‘ „Du bist ganz schön schnell für dein Alter“, räumt er ein und bemüht sich, mit dem alten Mann mitzuhalten. Der nickt und fährt etwas langsamer. „Ja, ich bin mit einer guten Gesundheit gesegnet und sehr dankbar dafür. Aber ich tue auch einiges, damit das so bleibt: Viel Radfahren und Gartenarbeit – das hält fit.“ Paul gibt ihm recht. Ja, Bewegung ist gut, das versteht er sofort. Deshalb spielt er ja so gerne Fußball.

„Aber dass du auch bei diesem Wind mit dem Rad zum Landhandel fährst, Opa … Hättest du da nicht einfach morgen hinfahren können? Oder brauchst du so dringend irgendwas?“ Opa lacht. „Nein, so dringend ist das nicht, ich will nur einen Sack Torf holen. Aber ich hatte Lust, es heute zu tun. Außerdem ist es viel gesünder, zu radeln. Für die Umwelt ist es auch besser. Und das Wetter ist prima.“ Paul ächzt hörbar. Tolles Wetter: Sturm in die falsche Richtung und vielleicht fünfzehn Grad. Und dann die Umwelt! Immer diese blöde Umwelt! Er weiß gar nicht, was die Leute immer haben mit ihrer Umwelt: Das Wasser, das hier aus dem Hahn kommt, ist klar, das Gras ist grün, die Bäume auch, und durch die Luft kann man ordnungsgemäß hindurchsehen. Alles schick und so, wie es sein soll. Er weist Opa darauf hin und der nickt verständnisvoll. „Ja, das stimmt schon, Paul. Aber weißt du auch, warum das so ist?“ Paul guckt nur fragend und Opa erklärt es ihm: „Es ist so, weil es Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass wir nicht im Schmutz versinken. Inzwischen gibt es Gesetze, die verbieten, dass Fabriken ihren Dreck ungefiltert in die Luft pusten oder ihr Abwasser einfach ins Meer leiten. Rohstoffe werden seit Jahren wiederverwendet und wer dabei erwischt wird, wie er seinen Müll in den Wald schmeißt, wird bestraft. Früher galt sowas als Kavaliersdelikt, viele haben ihren Abfall einfach aus dem Autofenster geschmissen. Es ist schon viel sauberer hier als noch vor dreißig Jahren, aber es geht noch besser. Und jeder kann mithelfen!“ Paul tut so, als hätte er Opa verstanden, rollt aber innerlich mit den Augen. Dass alte Leute immer aus allem eine Oper machen müssen! Wahrscheinlich haben sie einfach zu viel Zeit!

An einer Wegkreuzung hält Opa an. Paul wundert sich darüber, denn hier ist nichts Spannendes. Nur grüne Wiesen und ein paar Stoppelfelder. Der alte Mann steigt vom Rad und nimmt das schmale Päckchen aus dem Anhänger, das er kurz vor der Abfahrt dort hinein gelegt hat. „Komm“, sagt er ruhig und stapft vor Paul her zu einem Gattertor. Er schwingt sich darüber hinweg und springt in die Weide, auf der immerhin keine Kühe mehr stehen. „Was willst du denn hier?“, fragt Paul verblüfft und klettert ebenfalls über das Gatter. „Drachen steigen lassen“, erklärt Opa. „Darauf freue ich mich, seitdem ihr bei mir eingezogen seid.“ Er öffnet das Päckchen und zu Pauls Freude kommt ein ganz moderner Lenkdrachen zum Vorschein, bunt und mit einem langen Schweif. So einen hat Paul sich schon immer gewünscht. In der Stadt hatte er nur keinen Platz, ihn steigen zu lassen. Gemeinsam mit Opa ist der Drachen schnell zusammengebaut.

Drachen, Lenkdrachen

Bild zur Verfügung gestellt von Ralph Karow / http://www.pixelio.de

Zu Pauls Überraschung ist es gar nicht so einfach, den Drachen steigen zu lassen. Er fliegt gut, aber der frische Wind zerrt an ihm und Paul kann ihn kaum festhalten, geschweige denn lenken. Fast fürchtet er, abzuheben. Aber wäre das so schlecht gewesen? Oft hat er sich in den letzten Monaten gewünscht, einfach wegfliegen zu können, fort von seinem unruhigen Zuhause, in dem es nur noch um die Babys geht. Paul sieht zu dem Drachen hoch und verliert sich einen Moment in seinen Gedanken. Ein Windstoß lässt ihn voran stolpern. In dem Moment fühlt er Opa hinter sich. „Hoppla, Kleiner – du bleibst hier!“ Opas Hände legen sich über Pauls und helfen mit, den Drachen zu halten. Schöne Hände hat Opa: groß, fest und warm. Paul bleibt am Boden. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Drachen zum Kreisen zu bringen und ein paar schöne Manöver zu fliegen. Zweimal stürzt er auch ab, bleibt aber heil. Gemeinsam bringen sie ihn wieder zum Fliegen und Paul merkt kaum, wie die Zeit vergeht. Dann mahnt Opa zum Aufbruch. „Wir wollen doch noch einkaufen.“ Paul ist es recht, denn seine Arme sind inzwischen vom Drachenhalten müde und fühlen sich an wie aus Gummi.

Kurze Zeit später kommen sie beim Landhandel an. Opa geht hinein, kommt mit dem Verkäufer heraus und lädt mit ihm gemeinsam einen großen Sack Torf auf den Anhänger. Der Platz reicht so gerade, Opa wird sich auf dem Rückweg sicher arg anstrengen müssen mit dem Gewicht am Rad. Er geht noch einmal in den Laden, um zu bezahlen, und kommt mit einer Eistüte für Paul und einem Kaffee für sich selber wieder heraus. „Komm, da hinten ist eine Bank im Schatten!“ Gemeinsam setzen sie sich nieder. „Weißt du, wovon ich das Eis und den Kaffee bezahlt habe?“ fragt Opa. Paul findet die Frage komisch und antwortet: „Na, von deiner Rente.“ Opa grinst. „Punkt für dich. Du hast natürlich Recht. Aber die 2 Euro hätte es wohl in etwa gekostet, wenn wir mit dem Auto gefahren wären.“ Paul ist nur ein ganz bisschen genervt davon, dass Opa schon wieder von den Segnungen des Radfahrens anfängt. Er denkt trotzdem nach. Jede kleine Fahrt kostet so viel Geld? Das hätte er nicht gedacht. Er weiß, dass Geld bei ihnen knapp ist, seitdem die Drillinge da sind. Anscheinend ist Radfahren doch vorteilhafter als gedacht. Während er an seinem Eis lutscht, lässt er den Gedanken kreisen. Und allmählich reift eine Idee in ihm. Eine Idee, die zu tun hat mit dem Radfahren, der Umwelt, gespartem Geld und … Freiheit!

„Du, Opa, meinst du, dass es zu Finn weiter ist als zum Landhandel?“ Opa überlegt kurz und schüttelt dann den Kopf. „Nein, bestimmt nicht. Das ist eher etwas kürzer.“ Paul wird eifrig. „Dann könnte ich doch künftig mit dem Rad da hinfahren. Und auch mal zur Schule!“ „Klar“, sagt Opa nur und nickt. Paul ist ganz aufgeregt. Dann aber wird er still. „Was ist?“ fragt Opa. „Das erlaubt Mama nie!“ Opa lächelt. „Das lass mal meine Sorge sein“, meint er dann. „Die ersten Male können wir ja zusammen fahren. Und wenn es dunkel ist, kann ich dich abholen. Das kriegen wir schon hin.“ Paul sieht Opa mit großen Augen an. „Das würdest du machen? „Klar.“

Zum ersten Mal seit langer Zeit ist Paul richtig glücklich. Er versteht, dass Opa sich seiner Sache ganz sicher ist und dass sein ruhiges „Klar“ so etwas wie ein richtiges, unbrechbares Versprechen ist. Zufrieden lehnt Paul sich an den alten Mann und knabbert die Reste seiner Eiswaffel.

Wenig später strampeln Opa und Enkel den langen Weg nach Hause. Paul wundert sich darüber, dass sie schon wieder Gegenwind haben. „Der müsste doch jetzt eigentlich von hinten kommen“, stellt er fest und Opa lacht. „Ja, das müsste er wohl. Aber er dreht hier gerne alle paar Stunden. Ich habe mich darüber als Kind auch oft geärgert. Inzwischen nehme ich es einfach hin, denn ich kann es nicht ändern. Unser Wind ist zuverlässig unzuverlässig – gewöhne dich daran.“ Paul nickt ergeben und lächelt ein wenig. Denn ohne den Wind, so lästig er auch sein mag, hätte er heute nicht so viel Spaß gehabt. Es war ein schönes Tag. Wie gut, dass er sich heute für Opa Zeit genommen hat!