Komische Gewohnheiten: Nach dem Googlen zum Sterben hinlegen

Diese Gewohnheit beobachte ich immer mal wieder bei mir. Ich weiß aber, dass ich mit der Marotte nicht allein bin, und nehme sie deshalb hier mit auf.

Komische Gewohnheiten: Schon mal zum Sterben hinlegen

Wie schon hin und wieder einmal erwähnt, leide ich des Öfteren unter lebensbedrohlicher Hypochondrie. Nicht nur, dass ich weiß, dass meine Lebenserwartung aufgrund meines Lebenswandels gemindert ist. Nein, ich suche auch aktiv nach weiteren Risikofaktoren in meinem Leben, um deren Folgen dann intensiv auszuleben. So lese ich zum Beispiel die Packungsbeilagen aller Medikamente sehr aufmerksam, damit ich sämtliche Nebenwirkungen richtig zuordnen kann, sobald sie beginnen. Selbstverständlich bekomme ich die auch immer fast alle. Sogar das Zucken der Oberlippe, das irgendwo einmal als äußerst selten angegeben wurde, beschäftigte mich tagelang. Da ich eine grundsätzlich robuste Konstitution besitze, überlebe ich zumeist, fühle mich aber in meinem Wohlbefinden manchmal eingeschränkt.

Aufgrund der Überzeugung, dass Ärzte etwas Schlimmes finden, sobald man um die Ecke kommt, meide ich den Besuch bei einem Mediziner, so gut es geht. Unglücklicherweise brauche ich hin und wieder ein Rezept, sodass ich mich doch in eine Praxis hineinschleichen muss, aber wann immer es geht, schnappe ich nur das wichtige Zettelchen und eile wieder hinaus. Im Falle von tatsächlich auftretenden Beschwerden bevorzuge ich Doktor Google.

Und so passierte es mir kürzlich, dass ich mich nicht wohl fühlte. Eigentlich ging es mir schon länger nicht ganz richtig gut, aber die Symptome waren diffus. Irgendwann raffte ich mich auf und tippte meine Malaisen bei Google ein, um festzustellen, was ich alles Schlimmes habe. Das erste, was auftauchte, war „Herzinsuffizienz“. Heiliges Kanonenrohr!

Ich fühlte nach meinem Puls und betastete meinen Brustkorb: Alles noch da. Und doch war da die Gewissheit, dass ich wohl in Kürze verbleichen würde. In einer Mischung aus Resignation und würdevollem Trotz legte ich mich auf mein Sofa und wartete auf den Tod. Er würde kommen, in Kürze schon, und ich wollte dem alten Schnitter seinen Job nicht unnötig erschweren. Der macht schließlich auch nur seine Arbeit. Und da ich nie im Bett sterben wollte, wurde halt das Sofa der Ort meiner Wahl.

TodesengelDa lag ich also, und wartete ab.

Die Sache zog sich hin.

Irgendwann machte ich den Fernseher an. Es steht ja nirgends, dass man sich beim Sterben langweilen muss. Ich guckte ein wenig. Dann machte ich ein Nickerchen.

Schließlich bremste eine ganz gewöhnliche körperliche Regung meinen Willen zur Mitarbeit beim problemlosen Hinscheiden: Ich musste mal auf’s Klo. Leicht genervt rappelte ich mich wieder hoch. Also ehrlich, eine gewisse Pünktlichkeit kann man doch auch von Gevatter Tod erwarten, oder etwa nicht?

Ich erledigte zügig meine Geschäfte, denn auf keinen Fall wollte ich mit runtergelassenen Hosen im Bad niedergestreckt werden. Und dann kam ich zurück zum Sofa. Der Laptop war noch an. Ich aktivierte ihn wieder, um mein Todesurteil nochmal zu betrachten, und las ein wenig weiter. Vielleicht stand ich ja gar nicht kurz vor dem Herztod, sondern würde wegen etwas anderem mein kleines Leben aushauchen. Und tatsächlich, es gab noch ein paar Dinge zur Auswahl. Und wieder dachte ich sowas wie ‚Ach du grüne Neune!‘, als ich etwas las, das mir bekannt vorkam. Ich schluckte und beschloss, dass sich ein Arztbesuch vielleicht doch noch lohnen könnte. Denn es gibt Sachen, die will man nicht haben, an denen stirbt man aber nicht. Nicht mal ich …

Und so war ich tatsächlich innerhalb von einer Woche bei zwei Medizinern, die mir eine im Grunde recht gute Gesundheit bestätigten. Pillen gab es trotzdem, und zwar welche ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Der Sensenmann wird sich noch eine Weile gedulden müssen, es sei denn, ich renne vor einen Bus oder so. Das hat er nun davon, dass er die Gelegenheit, als ich bereit zum Abflug auf meinem Sofa lag, nicht beim Schopf ergriffen hat.

 

Nachbemerkung: Ich muss übrigens gestehen, dass es mich erleichterte, über dieses Thema mit einer Freundin sprechen zu können, die bei sich an manchen Tagen ein ähnliches Verhalten beobachtet. So stand sie einmal des Nachts auf, überzeugt davon, in den nächsten Stunden dahinzuscheiden, und zog sich ein „ordentliches“ Nachthemd an. Denn in einem alten verwaschenen Ding wollte sie nicht tot aufgefunden werden. Verständlich, oder?

Komische Gewohnheiten: Klodeckel-Präferenzen

KinderkloIch weiß, dass es kaum etwas Profaneres gibt als die Klappe, die dafür gedacht ist, eine Toilette abzudecken. Ein absolut unspektakulärer Gegenstand – nicht der Rede wert. Und doch gibt es dazu Allerhand zu sagen.

Man stelle sich dieses Szenario einmal vor: Eine Frau, nennen wir sie „M.“, geht mit einer Freundin ins Kino. Soweit, so gewöhnlich. Die Frauen gehen zuerst etwas essen, dann soll in aller Ruhe ein Film geguckt werden. Und bevor die Vorstellung losgeht, möchte M. auf die Toilette gehen. Der Weg zum Klo ist einfach: Gleich hinten im Kinosaal ist die Tür „für Mädchen“. Doch es ist dringend, und der Einlass verzögert sich. Dann, endlich – rein! M. drückt der Freundin die Handtasche in den Arm, „Hier, halt mal fest, ich muss schnell ums Eck!“, und stürzt durch das Kino. Da, die rettende Tür, rein ins erste Kabinchen. Da ist es irgendwie eklig, hier lieber nicht, da war doch noch eines frei. Wieder raus, nächste Tür rein, mit Schwung die Jacke vom Leib reißen und an den Haken damit. Hose runter – hoffentlich klemmt der Reißverschluss nicht! Nein, er geht auf, alles gut, Hintern in Position schieben, niedersinken, losslassen – aaahhh … äääähhh? Oh?! AAAAHHH!!!

Der Deckel ist zu.

In wilder Panik wieder aufspringen, nach hinten greifen, den Deckel aufreißen, sich derweil ganz gepflegt ans eigene Hosenbein pieseln – der Ablauf ist in diesem Moment vorprogrammiert und nicht mehr aufzuhalten. So ein Siff! Aber wer zur Hölle macht im Kino den Lokusdeckel zu?

Es ist nämlich so: In öffentlichen Toiletten erwarte ich immer, dass der Deckel offen ist. Ob diese Erwartung allgemeingültig ist, kann ich nicht sagen, ich habe dazu keine Studien durchgeführt. Aber die Beobachtung und langjährige Erfahrung zeigen, dass öffentliche Kloschüsseln eigentlich immer mit offenem Deckel herumstehen, also scheint dieses Vorgehen gesellschaftlich anerkannt zu sein.

Bei mir zuhause ist es allerdings anders: Da ist die Toilette immer zu, es sei denn, ich sitze drauf, putze es gerade oder habe Besuch, der das anders handhabt. „Dann kann man dem Haus bis in die Gedärme gucken“, pflegte mein Vater immer zu sagen, wenn wir als Kinder vergessen hatten, die Klappe herunterzulassen. Das war bei uns zuhause streng verpönt. Der Deckel musste zu, da gab es keine Diskussion. Und das ist ja auch viel praktischer: In meinem kleinen Badezimmer nutze ich den Toilettendeckel immer mal wieder, um Kram darauf abzulegen, Handtücher zum Beispiel, oder Unterwäsche. Oder ich stelle meinen Fuß darauf ab, wenn ich mich eincreme – das wäre mit offenem Deckel auch eher doof.

Ich fasse also zusammen: Öffentliche Bedürfnisanstalt – Deckel bitte auf. Privates Klöchen – Deckel bitte zu. Kann sein, dass das pingelig ist, aber so habe ich es am liebsten. 🙂

Fundstücke 55: Danke für den Hinweis

Hier möchte ich den fleißigen Bodenbeschriftern aus Wismar einmal für diesen nützlichen Hinweis bedanken – nicht auszudenken, wenn ich das auf meinem Fahrradl nicht bemerkt hätte!

Wismar – schön ist zu wenig

Aus einer Laune heraus entschloss ich mich nach meinem verkränkelten Ostsee-Urlaub im Herbst, einige Wochen später nochmal loszujuckeln, und zwar nach Wismar. Natürlich ist der Januar nicht der ideale Reisemonat, aber ich wollte einfach ein paar Tage meine Ruhe haben und entspannen – ohne Rotznase und Husten.

Das Wetter war während der ganzen Woche winterlich grau, doch gerade am Sonntag spendierte der Januar einige kurze Sonnenstunden. Die nutzte ich zu einem Ausflug an den alten Hafen.

Ich gönnte mir eine Hafenrundfahrt, bei der man mit dem Ticket gleich einen Glühwein miterwarb, und schlürfte sogar noch einen zweiten. Denn kalt war es an diesem klaren Sonntag – wie gut, dass ich meine Pudelmütze dabei hatte.

Auch am nächsten Tag war noch Mützenwetter und ich nutzte die leidlich hellen Stunden dafür, die kleine Stadt zu erkunden. Wismar ist Unesco Weltkulturerbe – warum, sieht man sofort, wenn man sich der Innenstadt nähert. Altes Gemäuer an jeder Ecke, größtenteils sehr gut erhalten.

Die vielen alten Häuschen ließen mich immer wieder von meinem Fahrrad steigen, damit ich in Ruhe gucken konnte – den nächsten Tag bin ich gleich zu Fuß gegangen. Der alte Markt und die vielen kleinen Seitenstraßen, all das ist wirklich schön.

Auch in einige Kirchen hat es mich verschlagen. In einer gibt es ein interessantes Konzept: Hinten gibt es eine Sitzecke, in der man Tee trinken kann – gegen eine moderate Spende. Auch einen Platz, an dem kleine Kinder spielen können, gibt es hier. Dem Anschein nach kommen hier Menschen ganz informell zu einem Schwatz zusammen, trinken einen Tee und gehen wieder. Für mich ist das eine gute Idee, um Menschen an die Kirche zu binden – zumindest besser, als manch andere Idee, von der man schon hörte.Wismar, am Markt

Auch das kleine Museum sah ich mir an. Es befindet sich ebenfalls in einem dieser alten Häuser und es wird gut erklärt, wie diese kleinen Häuschen früher bewohnt wurden. Denn hier wurde nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet und gelagert – schließlich wurden über die Hanse große Mengen an Waren umgeschlagen.

Und immer wieder kam man zurück an den Marktplatz – ob man wollte oder nicht. Denn interessanterweise war Google Maps mit dem Wismarer Markt irgendwie überfordert – selbst, wenn man mitten aus dem Platz stand, sagte die Navigationshelferin noch: „Gehen Sie Richtung Markt“. Mein kleiner Faltplan, den man mir im Hotel ausgehändigt hatte, wurde also durchaus benutzt.

Und auch zu tun gibt es noch allerhand in Wismar: Zwar ist ein großer Teil der Innenstadt super in Schuss, doch hier und da findet man auch renovierungsbedürftige Fassaden. Fast schon beruhigend – Perfektion schadet in meinen Augen eher, als das es etwas nützt.

Gegen Abend konnte ich über einen kleinen Schleichweg zu meinem Hotel zurückgehen. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Altstadt, und zwar über die „Kultweide“, wenn ich den Stadtplan richtig verstanden habe.

Fazit: Da auch mein Wellness-Hotel an der Therme mir ausgesprochen gut gefallen hat, war dies nicht mein letzter Aufenthalt in Wismar. Es ist einfach schön da – sogar im Winter.

Fundstücke 54: Jedem seine Straße

Straßennamen sind oft nicht besonders spannend: Goethe, Bach, Wagner oder Schiller – verdiente Menschen bekommen eine Straße. Rosen, Tulpen, Nelken auch, ebenso wie Lerchen, Amseln und Meisen. Ich wuchs im Pantinenweg auf, das ist nicht so häufig. Richtig schöne Straßennamen begegneten mir aber in Wismar: Hier bekommt scheinbar jedes Mitglied der Gesellschaft seine Straße, auch wenn es sich nicht so besonderer Beliebtheit erfreut. Los ging es mit der

Das kann man verstehen, schließlich kann so einen Sarg früher oder später jeder gebrauchen und dieses Handwerk ist gewiss genau so ehrenwert wie der Maurer, der Schmied oder der Melker. In sofern haben die Sargmacher ihre Straße ganz bestimmt verdient.

Deutlich fraglicher finde ich diese Straßenbenamung:

Nun gibt es in einer handelsüblichen Stadt wahrscheinlich mehr Diebe als Sargmacher oder gar Herzchirurgen oder Heilerziehungspfleger, trotzdem finde ich es grenzwertig, diese Berufsgruppe mit einer eigenen Straße zu ehren. Eigentlich sollte das nicht mal eine Gasse geben.

Und dieses hier hielt ich schlicht für einen Scherz, aber es ist wohl ernst gemeint:

Zugegeben, diese kleine Straße ist kein Pracht-Boulevard und auch keine belebte Hauptstraße, aber es gibt oder gab sie wirklich. Über ihre ursprüngliche Bedeutung gibt es diverse Theorien. Sicher ist nur, dass hiermit keine perversen Lüstlinge geehrt werden sollten. Und heutzutage scheint sich der eine oder andere Wismarer mit dem Namen ein wenig schwer zu tun.

 

Nachbemerkung: Eine „Krachmacherstraße“ habe ich leider noch nicht gefunden.

Fundstücke 53: Chef sein

Bild „Starker Trinker“ zur Verfügung gestellt von Rike, http://www.pixelio.de

Dieses Fundstück war mal wieder ein eher Akustisches: Ich saß in einem Restaurant, am Nachbartisch saßen ein Vater und sein etwa vierjähriger Sohn. Der Kleine langweilte sich, hampelte herum und nörgelte.

Vater: „Sohn, nun setz dich mal ordentlich hin. Unser Essen kommt gleich.“

Sohn: hampelt und nörgelt weiter.

Vater: „Nun benimm dich mal. Wer ist hier der Chef?“

Sohn: „Mama!“

Vater: „Wenn Mama nicht da ist, bin ich der Chef.“

Sohn: ist nicht überzeugt. „Ich will auch mal Chef sein.“

Vater: „Um Chef zu sein, muss man ein bisschen größer sein. Irgendwann wirst du auch mal der Chef.“

Sohn: guckt unglücklich, ist sichtbar unzufrieden.

Vater, versöhnlich: „Sag doch mal, wenn du mal Chef bist: Was willst du dann denn machen?“

Sohn, entschlossen: „DANN TRINKE ICH DEINE COLA!“

Kuscheliges Fünfecktuch aus Restewolle

Restwolle, WollresteDie dicke Wolle aus dem geerbten Wollsack neigt sich dem Ende zu. Noch drin waren sechs Sorten, die jeweils allene für nichts reichen wollten. Vier davon habe ich nun zu einem Fünfecktuch verstrickt: Eine blau-lila Fransenwolle, eine grau-rosa-blaue und eine blau-türkise Acrylwolle sowie eine kratzige, schwarz-weiße Schurwollmischung. Obwohl laut Manschette ganz unterschiedliche Nadelstärken verwendet werden sollten, habe ich nach Sicht- und Anfasstest beschlossen, dass die Garnsorten zueinander passen würden, auch wenn ich sie alle in Nadelstärke 5 verstricke. Ganz offensichtlich hatte ich damit Recht – die angegebene Nadelstärke 9 für das grau-rosa-blaue Gespinst war schlicht Quatsch.

Wieder entschied ich mich für ein Fünfecktuch – schließlich habe ich die bisher gestrickten Tücher immer verschenkt und möchte selber auch gerne eines haben. Da die Wolle extrem zottelig war, habe ich ohne jedes Muster gestrickt – einfach nur rechte Maschen. Im Grunde ist das einfach und schnell gemacht.

Hier noch einmal kurz, wie die Form zustande kommt: Man schlägt 12 Maschen an und strickt eine Rückreihe. Dabei teilt man die Maschen mit drei Maschentrennern in vier mal drei Maschen auf. Ab der nächsten Reihe nimmt man in jeder Hinreihe acht Maschen zu: Am Reihenanfang und Ende sowie rechts und links der Maschentrenner. Ob man dies mit einem Umschlag macht oder mit einer herausgestrickten Masche, ist zum einen Geschmacksache, zum anderen kommt es auch auf die verwendete Wolle an: Bei glatter Wolle machen die Umschläge eine hübsche Lochreihe, bei Fransenwolle sehen sie eher nach Fallmaschen aus.

Ich habe in einfacher Streifenfolge einfach so lange gestrickt, bis die Wolle aufgebraucht war. Das schwarz-weiße Garn diente dabei als farbliche Trennung, denn die Farben passen zwar gut, aber nicht perfekt zueinander, so dass etwas Neutrales zwischen den Streifen hilfreich ist.

Das Tuch erreichte eine stattliche Größe, was mich sehr freut – ich mag es gerne, wenn Tücher groß und kuschelig sind und man nicht immer an ihnen herumzuppeln muss. Zu kleine Tücher rutschen nämlich gerne von den Schultern.

Fünfecktuch, Restetuch, Wollrechte

Diorama in der Schirn

Schirn, Diorama, Pilze

Durch ein kleines Guckloch in der Wand sah man diese Pilze. Magisch, oder?

Auch wenn ich generell mit bildender Kunst nicht besonders viel anfangen kann, gebe ich ihr immer mal wieder eine Chance. Daher war ich heute mit der ewigen Antje mal wieder in der Schirn in Frankfurt, wo noch bis zum 21. Januar die Ausstellung „Diorama“ läuft. Dioramen sind Schaukästen, in denen Szenen oder Welten dargestellt sind. Ein wichtiger Bestandteil sind detailreiche Malereien, die dem Werk Tiefe geben, und auch verschiedene Beleuchtungen helfen, die Illusion zu perfektionieren. Häufig wurden und werden diese Kästen in Museen genutzt, es gibt jedoch auch etliche andere Einsatzmöglichkeiten für die Gemälde und Modelle.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 1 – Dämmerung

Dieses Mal hat mich die Ausstellung in der Schirn nicht enttäuscht, ich war im Gegenteil sehr angetan davon. Das mag daran liegen, dass diese Kunst einen Nutzen hat, als pragmatisch veranlagtem Menschen kommt mir soetwas sehr entgegen. Natürlich gab es auch dieses Mal einen Raum, in dem sonderbare Dinge ausgestellt waren, die für mich alle Vorraussetzungen für eine Abholung als Sperrmüll erfüllten, doch das ist sicher Geschmacksache.

Diorama, Widder

Der Widder ist mein Sternzeichen. Deshalb wunderte ich mich gar nciht, dass dieses Exponat besonders klug guckte.

Vieles wirkte enorm vertraut: Die Kästen mit den Tieren in nachgestellten Lebensräumen (zu empfehlen auch ein kleiner „How-To-Film“ aus den 50er Jahren, in dem der Bau eines Schaukastens mit Teich, Kranichen und Schuhschnabel gezeigt wurde) kennt man aus Museen, einige Kästen erinnerten an Puppenstuben und die altmodischen Guckkästen hatte man auch schon einmal gesehen. Uns faszinierte jedoch bei vielen Exponaten der enorme Detailreichtum.

Mein Lieblingsstück war ein gemalter Vulkanausbruch im Tagesverlauf – mal war die Hafenszenerie sonnendurchflutet, dann begann es angsam zu dämmern, irgendwann dominierte der Vulkan das Geschehen. Und irgendwann ging die Sonne wieder auf, ein Wolf heulte und das Ganze begann von vorn. Kitschig, ja, aber sehr gekonnt umgesetzt und schön.

Die Ausstellung ist nicht riesig – das gibt die kleine Schirn ja auch gar nicht her. Wie immer fand ich diese Sonderausstellung mit 9 Euro zu teuer, so bringt man die Leute sicher nicht dazu, öfter ins Museum zu gehen. Wir machten mal wieder die Billigheimer und gingen mit einem Rabattcoupon für die Hälfte rein. Knapp anderthalb Stunden hielten wir uns auf und waren damit sicherlich mit die Langsamsten. Es gab aber auch wirklich etwas zu gucken.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 2 – jetzt ist es schon dunkel

 

Nachbemerkung: Nach der Ausstellung bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt. Und da bemerkten wir plötzlich überall kleine oder größere Dioramen. Besonders viele waren im Schaufenster einer Konditorei zu sehen, wo es diverse Bäckereiszenen oder Miniatur-Kuchentheken zu sehen gab. Jetzt, da die Dinger einen Namen für mich haben, fallen sie mir scheinbar öfter auf.

Die 12 Geschworenen

Im Rahmen meiner Filmguckrunde, die sich in unregelmäßigen Abständen zum „Bildungsfernsehen“ trifft, sehen wir uns ganz unterschiedliche Filme an. Dabei vermeiden wir das Mittelmaß: Die Filme, die wir uns aussuchen, sind entweder richtig gut oder grottenschlecht, oder auch irgendwie speziell. Alles hat seine Berechtigung, und der Kaffeeklatsch, der unabdingbar dazu gehört, rundet die Sache immer sehr schön ab. Kürzlich sahen wir einen meiner Lieblingsfilme:

Die 12 Geschworenen

Die 12 GeschworenenEines vorab: Es gibt von diesem Stoff mehrere Verfilmungen. Wir sahen die Version von 1957, die im Jahr darauf diverse Auszeichnungen gewann, darunter den Oscar für den besten Film, die beste Regie und das beste adaptierte Drehbuch.

Darum geht es:

Ein amerikanischer Mordprozess: angeklagt ist ein junger Mann, der seinen Vater umgebracht haben soll. Der Prozess ist schon fast zuende, die Geschworenen ziehen sich ins Geschworenenzimmer zurück, um über Schuld oder Nichtschuld zu beraten. Es ist Hochsommer, im Raum ist es brüllend warm, die meisten der ausschließlich männlichen Geschworenen möchten nur eines: Schnellstmöglich nach Hause. Also wird ohne große Beratung abgestimmt, schuldig oder nicht schuldig? 11 der Männer sind für schuldig, nur einer stimmt dagegen. Und das nicht, wie er selber einräumt, weil er von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt ist, sondern weil er sich die Zeit nehmen möchte, alle vorgelegten Beweise noch einmal ausgiebig zu würdigen. Gleiches verlangt er auch von den anderen Männern, denn seiner Meinung nach ist es fahrlässig, innerhalb weniger Minuten eine Entscheidung zu treffen, die in einem Todesurteil enden würde.

Es entwickelt sich ein spannendes Hin und Her mit vielen Diskussionen, gegenseitigen Anschuldigungen und Frontenbildung. Beweise werden widerlegt oder zumindest angezweifelt, Motive in Frage gestellt. Dabei geht es irgendwann nicht mehr um das Motiv des Angeklagte, sondern auch um das, was die Zeugen oder die Jurymitglieder antreiben könnte.

Das ist das Besondere:

Der Film entwickelt eine starke Dynamik und ist unglaublich spannend. Das ist insofern ungewöhnlich, als das im Grunde nicht viel passiert. Die ganze Handlung findet in dem kleinen Geschworenenzimmer statt, keine Actionszenen, keine Verfolgungen, keinerlei andere Bestandteile, die einen derartigen Film sonst kennzeichnen. Er lebt von der Darstellungskraft der sehr gut ausgewählten Schauspieler und dem hervorragenden Drehbuch.

Allerdings bietet der Film keine einfachen Lösungen an. Schuld oder Unschuld, das wird hier nicht entschieden. Es geht um Vorurteile, Vorverurteilung und Diskriminierung. Und auch darum, dass ein vollstrecktes Todesurteil keine Revision zulässt. Es wird über einen Menschen gesprochen, der es, auch wenn alles gegen ihn spricht, verdient hat, dass man sich Zeit für ihn nimmt.

Was gibt es sonst noch:

Auch dieser Film ist für mich eine spannende Zeitreise. Diese etwas verstaubt wirkenden Herren mit ihren Hüten und Krawatten, die förmliche Art, wie sie miteinander umgehen – das alles wirkt sehr weit weg. Und doch ist es gerade mal 60 Jahre her.

Fernsehgedanken 2 – Frauenleben

Abschlusszeugnis Haushaltungsschule

Das Puddingdiplom meiner Mutter

Wie schon erwähnt, kamen mir beim Dauerfernsehen in den letzten Tagen einige Gedanken, die ich erst mal sortieren musste. Es geht darum, wie sich das Leben an sich und für Frauen im Besonderen seit meiner Kindheit verändert hat. Solche Serien, wie wir sie um Weihnachten herum geguckt haben, zeigen ja auch immer ein kleines Stück gesellschaftliche Realität, so kitschig und plüschig die Handlung auch sein mag.

Auffällig fand ich, wie sehr sich die gezeigten Frauen noch von den dazuerfundenen Männern in ihr Leben hineinreden lassen mussten – besonders, wenn es ums Arbeiten ging. So wurde die blutjunge Krankenschwester aus der Schwarzwaldklinik, die ihren Liebsten ehelichen wollte, von der Kollegin gefragt: „Arbeitest du weiter?“ Ja, das wollte sie tun, aber allein die Frage würde unsereins heute wohl merkwürdig vorkommen. Warum sollte man aufgrund der Heirat aufhören zu arbeiten? Komische Idee …

Meine Mutter allerdings hat das getan. Sie heiratete mit 22 Jahren und hörte sofort mit der Arbeit auf. Gut, sie hatte nichts gelernt und keinen tollen Job, aber ein paar Taler mehr hätte das junge Paar schon gebrauchen können. Aber es war so üblich – im Bekanntenkreis meiner Eltern arbeitete kaum eine Frau bezahlt und wenn, dann nur geringfügig.

Nicht nur die alte Schwarzwaldklinik transportiert ein heute überkommenes Frauenbild: Auch die Patchworkfamilie in der Serie „Ich heirate eine Familie“ zeigt deutlich, wie es damals zu sein hatte: Die alleinerziehende Mutter Angi bringt sich und die Ihren durch Arbeit in einer Boutique durch, die ihr zur Hälfte gehört. Kaum verheiratet, geht das Genöle des Ehegatten los: Er verdiene doch genug, sie bekomme außerdem Unterhalt für die Kinder – warum sie denn den Anteil an der Boutique nicht verkaufen wolle? Nun, steter Tropfen höhlt den Stein, irgendwann wird Angi Hausfrau. Später steigt sie voll wieder ins Berufsleben ein, als Marketingberaterin, und verdient damit plötzlich mehr als ihr Werner. Natürlich hat sie im Gegenzug weniger Zeit. Die entsprechende Folge trägt den dramatischen Titel „Angi muss sich entscheiden!“. Dass sich auch Werner entscheiden könnte, zurückzustecken und stattdessen mehr Familienarbeit zu leisten, steht nicht zur Debatte. Und wieder gibt die Frau nach.

Ich kann mich gut an diese Gespräche zuhause erinnern: Lerne bügeln, Kind, schließlich musst du später die Hemden deines Mannes bügeln. Nun, natürlich wusste ich damals noch nicht, dass ich später einmal Single sein würde, aber eines war mir immer klar: Wenn ich einen Mann haben würde, der gerne Hemden tragen möchte, würde der schon zusehen müssen, wie er die Dinger geplättet kriegt. Es gab bei uns im Bekannten- und Verwandtenkreis auch durchaus Stimmen, die verlauten ließen, dass das Gymnasium sich für ein Mädchen nicht lohnen würde. Schließlich heiraten Mädchen und bekommen Kinder. Besser wäre für ein Mädchen eine Haushaltungsschule – so eine hat übrigens auch meine Mutter besucht, sie besaß also ein „Puddingdiplom“. Gut, dass ich auf derartige Ratschläge nie gehört habe.

Fächer Haushaltungsschule

Meine Lieblingsfächer: Plätten und Einmachen

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, finde ich, dass sich das Frauenleben und die Wahrnehmung von Frauen in der Gesellschaft sich in den letzten Jahren enorm verändert hat. Natürlich gibt es immer noch gewisse Rollenbilder und gerade in Familien ist es oft so, dass die meiste Arbeit an den Frauen und Müttern hängenbleibt – inzwischen oft zusätzlich zum Beruf. Doch heutzutage haben wir Frauen immerhin die Wahl. Es ist kein Skandal mehr, wenn eine Frau auf dem Bau arbeiten will oder gar mehr verdient als ihr Mann. Es gibt, wenn auch noch nicht ausreichend, Kinderbetreuungsplätze. Und kein Mann darf heutzutage den Arbeitsplatz seiner Frau kündigen. Umgekehrt natürlich auch nicht – das fehlte gerade noch!

Die alten Fernsehserien haben mich in den letzten Wochen oft grinsen lassen. Und doch, irgendwas ist dran an ihnen. Erinnerungen, an alte Traditionen und auch Ängste, denn Hausfrau wollte ICH ganz bestimmt nie werden. Und so empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich mir meinen Lebensweg selber wählen konnte.