Klein-Meikes Leseschätze – Susanne Barden

Ich bin schon wieder krankgeschrieben – 2020 scheint ein Seuchenjahr zu werden. Zum Glück habe ich es dieses Mal etwas früher gemerkt, dass in meinem Körper etwas vor sich hin köchelt, sodass die Kraft immerhin für Kinderbücher ausreicht.

Dieses Mal möchte ich eine kleine Reihe empfehlen. Aus den ursprünglich sieben Folgen wurden für die gängigsten deutschen Ausgaben drei dicke Bände gemacht, die meine Schwester irgendwann um 1980 herum bekam. Es gab aber auch die Ausgabe mit sieben Bänden zu kaufen. Ich habe mir die dickeren Bücher viele Jahre später bei Ebay gekauft, damit ich immer mal wieder reingucken kann. Es geht um

Susanne Barden, von Helen Dore Boylston 

Darum geht es: Die zwischen 1936 und 1952 in den USA erschienene Reihe um die junge Susanne Barden beschreibt den Weg einer jungen Frau, die in den 20er Jahren ihr Elternhaus verlässt, um Krankenschwester zu werden. Im ersten der drei Doppelbände geht es um ihre Ausbildungszeit in einem großen Lehrkrankenhaus: Zunächst ist sie Probeschwester, ständig in der Angst etwas falsch zu machen und noch auf der Suche nach Freundinnen, die sich aber schnell finden. Gemeinsam mit Kit und Connie wird sie reguläre Lernschwestern und durchläuft all die verschiedenen Stationen ihrer Ausbildung von der Ambulanz über den Operationssaal bis hin zur Säuglingspflege. Natürlich findet sich auch ein netter junger Assistenzarzt, der sich für sie interessiert.

Im zweiten Doppelband findet Susanne ihre wahre berufliche Bestimmung und wird ambulante Krankenpflegerin. In der New Yorker Henry-Street-Stiftung wird sie ausgebildet, um dann nach allerlei Irrungen und Wirrungen zu ihrem Verlobten aus’s Land zu ziehen und dort als ländliche Fürsorgeschwester zu arbeiten.

Im dritten Band, der die drei letzten Folge der Originalserie enthält, wechselt Susanne die Rollen mehrmals: Sie ist Leiterin einer kleinen Schwesternschule auf dem Land, bekommt dann mehrere Kinder und nimmt quasi einige Jahre Elternzeit und kehrt dann in den normalen Alltag einer Krankenschwester auf Station zurück.

Das ist das Besondere: Obwohl die Bücher in den 20er und 30er Jahren spielen, kamen sie mir niemals altmodisch vor. Natürlich beinhalteten auch sie noch das traditionelle Frauenbild – so gibt es zum Beispiel keine Ärztinnen, sondern nur Krankenschwestern, und die meisten verheirateten Frauen hören schnell auf zu arbeiten. Doch die Figur der Susanne strebt immer nach Unabhängigkeit, danach, sich möglichst umfassend auszubilden und immer mehr zu lernen. Sie will ihre gute Ausbildung auch nicht dadurch „verschenken“, dass sie schnell heiratet und Hausfrau wird. Sie bedauert mehrfach, dass die Fähigkeiten von Frauen so oftmals nicht richtig genutzt werden.

Die Serie ist meines Erachtens sehr realistisch. Weder sind Susanne und ihre Freundinnen Mauerblümchen, noch sind sie, bei aller Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Ausbildung vorantreiben, Streberinnen. Auch zwischen Susanne und ihrem Mann Bill gibt es ab und zu Phasen, in der sie um ihre Beziehung kämpfen müssen. Ihre Kinder sind nicht immer wohlerzogen und ihre Bekannten keine Musterbürger. Ihnen wird nichts geschenkt, doch es ist der Grundtenor der Bücher, dass man lieber anpackt und etwas ändert, anstatt lange zu klagen.

Das gibt es noch:  Über eine Sache habe ich mich schon als Kind immer wieder amüsiert, denn sie kommt bei Kinder- und Jugendbüchern immer mal wieder vor: Die Namen wurden übersetzt. Susanne Barden heißt eigentlich Sue Barton, und ihr Mann heißt ganz bestimmt nicht Wilhelm, sondern William. Warum konnte man das nicht einfach so lassen? Merkwürdig, aber auch nicht wirklich störend.

Die Bände heißen in der zusammengefassten Version:

  • Susanne Barden – Hinaus ins Leben
  • Susanne Barden – Weite Wege
  • Susanne Barden – Reifen und Wirken

Die Masken fallen

Eine ganz kleine Geschichte, die letztes Jahr am Faschingsdienstag entstand und nun ja zeitlich ganz gut passt. Dazu noch ein frommer Wunsch: Mögen alle Suchenden für sich den passenden oliver oder die passende Olivia finden – ganz wie es beliebt!

Die Masken fallen

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Sie hatten miteinander gelacht. Sie hatten miteinander getrunken. Sie hatten einander geküsst und sich auf der noch warmen Motorhaube eines großen Mercedes geliebt. Und nun, im Morgengrauen des Aschermittwochs, zeigten sie einander ihr wahres Gesicht.

Olivia, die eigentlich eine aschblonde Kurzhaarfrisur trug, nahm die lange goldblonde Lockenperücke ab und ersetzte die verspiegelte Sonnenbrille durch ihre nüchterne Fielmann-Brille mit dem silberfarbenen Metallgestell. Jetzt konnte sie Enrique endlich richtig sehen. „Ich heiße Erich“, sagte Enrique und nahm die Pferdeschwanzfrisur, den Schnurrbart und die Maske des Zorro verlegen lächelnd ab. Das fahle Licht der aufgehenden Sonne ließ seine Glatze samtig glänzen. „Und ich heiße Oliver“, sagte Olivia und grinste leicht scheu. Erich grinste zurück, und dann lachten sie beide und fanden es richtig. Alles war richtig: der Abend, das Bier, der Mercedes und die kalte Parkbank, auf der sie nun saßen.

Prinzessin sein

Im Schreibworkshop gab es mal wieder eine ganz kleine Übung zum Thema „Ein anderer sein“. Für diese Lockerungs-Übungen ist immer nur ganz wenig Zeit, weshalb ich in der Regel mit der allerersten Idee drauflosschreibe, die mir durch’s Gehirn fährt. So wurde es dieses Mal … „Prinzessin sein“!

Und da es ja auch noch auf Karneval zugeht, passt es sogar in die Jahreszeit 🙂

Prinzessin sein

Krone, Wasserfarben

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Ich bin die Prinzessin auf dem schwarzen Pferd. Die, auf die alle Männer warten – das Gegenstück zum Prinzen auf dem weißen Pferd.

Ich reite durch die Stadt in pummeliger Eleganz. Am Strand oder in einem riesigen Park wäre sicherlich noch eleganter, aber das Ganze nützt ja nichts, wenn mich keiner sieht. Der Palmengarten wäre vielleicht noch eine Alternative, aber da sind Pferde sicher nicht erlaubt und eine Oma mit Rollator möchte ich auch nicht umreiten.

Ich trabe also gemächlich auf dem Römer herum, sehr zur Freude der vielen dort ausgesetzten Japaner, die mich als deutsches Kulturgut erkennen und unzählige Bilder von mir und meinem Rappen machen. Das royale Winken klappt schon ganz gut, nur manchmal, wenn es wackelt, brauche ich diese Hand, um meine Krone festzuhalten. Die Krone ist ein Herrenmodell, schwer und massiv, denn diese lächerlich kleinen Prinzessinnen-Krönchen passen nicht auf meinen großen Kopf mit dem dramatisch herabwallenden Haar. Immerhin ist ordentlich Glitzer dran. Die englische Königin hat mehrere Kronen, habe ich kürzlich in einer Dokumentation gesehen. Das brauche ich nicht, für den Alltag reicht eine Pudelmütze. Heute aber ist Krönchen-Tag.

Ich zweige ab und reite den Main entlang. Vor dem kleinen Bistro, in dem es die tollen Nachtischteller gibt, sitzen jede Menge Leute und bewundern mich. Zurecht natürlich, diese hoheitliche Erscheinung muss mir erst einmal einer nachmachen. Ob es meinem Nimbus wohl abträglich ist, wenn ich absteige und so einen Dessertteller bestelle? Egal – ich in eine Prinzessin. Ich darf das.

Dessertteller im Bistro am Main – verschnabuliert letztes Jahr im Oktober

Klein-Meikes Leseschätze – Der Brief für den König

Kürzlich habe ich einen kurzen Beitrag über mein Leseverhalten als Kind geschrieben und dachte, dass ich eigentlich mal meine alten Lieblingsbücher vorstellen könnte. Einige von denen werden immer noch aufgelegt, andere sind wahrscheinlich inzwischen hoffnungslos veraltet, politisch unkorrekt und wären für heutige Kinder höchst merkwürdig. Das macht aber nix – ich poste die trotzdem 😊

Den Anfang macht …

Der Brief für den König von Tonke Dragt

Dieser wunderbare Abenteuerroman der niederländischen Schriftstellerin Tonke Dragt erschien schon 1962. Ich bekam ihn etwa 1979 oder 1980 das erste Mal zu lesen, und zwar als eine Leihgabe meiner Sandkastenfreundin Anne. Später bekam ich es selbst, was gut war, denn Anne war inzwischen mit ihrer Familie weggezogen.

Darum geht es: Der junge Schildknappe Tiuri will Ritter werden. Nur noch eine Nachwache gilt es zu bestehen, dann soll er den Ritterschlag empfangen. Doch dann erreicht ihn ein Hilferuf und er entscheidet sich gegen die Ritterwürde und dafür, zu helfen.

Der Auftrag führt ihn durch Wälder. über Berge und Flüsse. Anfangs ist er allein, doch er bekommt Hilfe und findet einen guten Freund. Und gegen alle Widerstände gelingt es ihm, das geheime Schriftstück, den Brief für den König, zuzustellen – auf etwas unorthodoxe Weise zwar, aber doch so, dass er schlimmes Unheil verhindern kann.

Das ist das Besondere: Das Buch ist unglaublich spannend. Der Protagonist ist sympathisch, man fiebert von Anfang an mit. Als Kind bin ich richtiggehend eingetaucht in die Geschichte und habe mir überlegt, was ich an Tiuris Stelle getan hätte. Sogar jetzt noch habe ich Spaß an der Geschichte und bin immer wieder überrascht über die vielen Wendungen.

Das gibt es noch:  Das Buch wurde 2008 sehr werkgetreu verfilmt. Ich mochte das Buch zwar lieber, fand den Film aber recht ordentlich.

Mit „Der wilde Wald“ erschien eine Fortsetzung des Romans, die ebenfalls spannend ist. Mit dem ersten Band konnte dieser zweite meiner Meinung nach aber nicht so recht mithalten.

Und auch heute noch ist das Buch aktuell: Auf Amazon ist eine neue Ausgabe angekündigt, die im März 2020 erscheint. Vielleicht ist das ja was für eure Kinder oder Enkelinnen …

Nominiert!

Ach, ihr Lieben, es ist so aufregend! Ich wurde für einen Preis nominiert! Und zwar für einen, von dem ich noch nie zuvor gehört habe. Soeben erreichte mich nämlich das hier:

Liebe Meike,
der Titel deines Buches „Die Glorifizierung des Bandsalats“ hat es auf die Longlist für den „Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2019“ geschafft! 😀
Vielleicht möchte deine Fangemeinde sich gerne an der Abstimmung zu diesem Preis beteiligen:
Der Gewinner/Die Gewinnerin wird eine Trophäe sowie einen Überraschungs-Sachpreis erhalten. Die feierliche Auszeichnung soll im Rahmen der Leipziger Buchmesse am 14.03.20 um 17h in Halle 4, Forum Literatur, Stand F100 erfolgen.
Ich drücke die Daumen!
Wer mich also gerne unterstützen oder einfach nur die komischen Buchtitel angucken möchte – bitte, gerne, nur zu 🙂
Und dass ich mich nun den Rest des Tages angemessen wichtig fühlen werde, ist klar, oder?

Die Bücher und ich

Da ich im Moment weniger Zeit im Internet verbringe, habe ich wieder mehr Muße zum Lesen. Und so habe ich mich einer Sache hingegeben, die ich schon jahrelang nicht mehr gemacht habe: Ich habe alte Kinder- und Jugendbücher gelesen. Dem werde ich sicherlich nochmal ein oder mehrere eigene Beiträge widmen. Auf jeden Fall kam mir jedoch eine Schreibworkshops-Aufgabe gerade recht, bei der es sich um Dinge drehte, die irgendwie mit meinem Leben zu tun haben. Ich wählte für diese „Warmschreibe-Übung“ das Thema Lesen.

Die Bücher und ich

Irgendwie war es nie genug: Schon als Kind war ich eine begeisterte Leseratte, fraß mich durch ganze Bücherberge. Ich war zunächst nicht besonders wählerisch, meine Interessen waren wenig speziell. Ob Kinderkrimi, Märchen oder Pferdebuch, ich las sie alle und fieberte mit.

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Ich war einer der fünf Freunde, ging mit Dolly ins Internat, rettete mit Britta ein Pferd und lernte Krankenschwester mit Susanne. Die Bücher erweiterten meinen Horizont.

Alle paar Wochen ging ich Mittwoch nachmittags in unsere kleine Gemeindebücherei. Das waren immer Festtage, denn wenn ich den Stapel an ausgelesenen Büchern zurückgegeben hatte, durfte ich mir so viele Bände aussuchen, wie ich haben wollte. Was für ein ungeheurer Luxus, was für eine große, bunte Welt tat sich mir hier auf!

Wenn ich meinen Leseschatz im Rucksack oder Fahrradkorb nach Hause geschleppt hatte, verschwand ich damit in mein kleines Kinderzimmer, kuschelte mich auf’s Bett und begann zu lesen. Oft etwas ganz Neues, genauso oft aber auch etwas schon Bekanntes, dass mich beim ersten Lesen so begeistert hatte, dass ich es unbedingt nochmal erleben wollte. Die Abenteuer der roten Zora, von Kalle Blomquist oder Grischka mit seinem Bären verloren niemals ihren Reiz, und das haben sie bis heute nicht.

Einige der alten Freunde aus der Bücherei habe ich mir als Erwachsene selber gekauft. Ebay sei Dank muss man ja auch auf Bücher, die heutzutage nicht mehr aufgelegt werden, nur solange verzichten, bis man sie dort findet. Und wenn man sie dann noch einmal liest, diese wunderbaren Schätze, dann ist alles wieder da: die Gemütlichkeit des kleinen Zimmers, die Geborgenheit, die Freude darüber, Zeit zu haben, und diese schönen, bunten Welten , in die ich eintauchen und etwas erleben kann.

Kohlfahrtszeit ist Regenzeit

Es ist ja schon verrückt, dass man solch eine norddeutsche Kulturveranstaltung wie die traditionelle Kohlfahrt immer gerade in der kalten Jahreszeit machen muss. Allerdings hatten wir bislang – und das sind über 30 Jahre – erst selten richtige Regenkohlfahrten. Nun, der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht …

Angekündigt waren ein paar Schauer. Gut, damit kann man leben. Ausgerüstet mit guten Jacken, Schirmen und festem Schuhwerk macht einem echten Kohlfahrer so ein kleiner Schauer nichts aus. Aber was tut man, wenn aus den vereinzelten Schauern ein stundenlanges Gepladder wird? Nun, man macht … das Gleiche wie sonst auch. Laufen, trinken und komische Spiele spielen. Außerdem haben wir in diesem Jahr die Schirmkröte erfunden, eine Mensch- und Materialformation, bei der man sich zusammendrängelt (die Kleinen in die Mitte) und mithilfe der Schirme so viel Schutz wie möglich aufbaut, damit der Schnaps nicht mehr als nötig verwässert.

Geboßelt wurde natürlich auch, das gehört bei uns ja dazu. Das verlief dieses Mal recht unspektakulär, keiner fiel in den Graben, und auch die Kugel war nie zu matschig, weil man sie immer in einer Pfütze waschen konnte. Wir hatten jedoch das Glück, beim Suchen nach der Kugel mit dem Kraber in einem Graben  einen wohl mal vom Winde verwehten Herrenhut zu finden – ein erstaunlich gut erhaltenes Stück, das von Ute in einer klaren Pfütze gewaschen wurde und dann zum „Trocknen“ auf dem Bollerwagen befestigt wurde. Der Hut würde später am Tag noch richtig zu Ehren kommen.

Ich gehe ja immer gerne mit diesen alten Freunden auf Tour, aber an Tagen wie diesen mag ich meine Leute besonders gerne. Denn trotz des fiesen Wetters war die Laune hervorragend. Keiner mopperte herum, keiner gab den Piesepampel oder musste abgeholt werden. Aus irgendeinem verrückten Grund waren wir sogar länger draußen als sonst, gerade so als könnten wir gar nicht genug bekommen von nassen Füßen und kaputten Schirmen. Der eine oder andere der kleinen Helfer gab nämlich unterwegs den Geist auf – meiner auch. Es ist halt manchmal etwas windig in der norddeutschen Tiefebene …

Und ab und an, ganz selten, hörte es sogar mal auf zu regnen. Immer so für einige Minuten, gerade lange genug, dass wir unsere Schirme zugeklappt und im Bollerwagen verstaut haben. Und dann sah meine klatschnasse Heimat richtig schön aus:

Es war also mal wieder richtig gelungen – allen Wassermassen zum Trotz. Unsere Kohlkönigin hatte die Tour liebevoll organisiert und für den erkrankten Kohlkönig übernahm ein Erstzkönig, der sich den ganzen Nachmittag lautstark immer wieder für irgendwas entschuldigte: „Ich bin hier nur die Aushilfe!“ Ein neues Königspaar wurde auch gefunden und dabei – das muss noch gesagt werden – kam der olle Hut nochmal richtig zur Geltung: Das zweite Strickschwein, früher das Zepter des Königs, ging nämlich verloren, sodass nun der nasse Filzhut als Krönungsutensil herhalten musste. Nun ja – empfindlich darf man bei uns nicht sein, wenn man regieren will 🙂

Zu guter Letzt noch einen großen Dank an Sandra und Harry für die Organisation, Michael für die selbstlose Übernahme des Amten und an Günter und Anita, die uns am Futterstand mit heißen Getränken, Brot, Käse und Wurst versorgten. Was wären wir gewesen ohne euch – nichts weiter als ein Trüppchen begossener Pudel!

Eierkauf 2.0

Endlich geschafft – Feierabend! Und das am Freitag. Die Zeit reicht noch für einen Besuch des Wochenmarktes auf dem Platz am Südbahnhof. Ich will mal wieder was Gutes kochen am Wochenende, also nicht nur Milchreis oder Pfannkuchen, sondern was Richtiges. Essen wie bei Muttern, sozusagen.

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Freudig hüpfe ich aus dem Bus und greife an. Mal gucken, was es so gibt – Fisch vielleicht. Zuerst komme ich aber am Eierstand vorbei, da nehme ich sechs Bio-Eier in der Größe L und versenke die Packung in meinem großen Einkaufsrucksack.

Dann zum Fisch. Das sieht ja immer alles so gut aus, wie es da auf dem weißen, kleingehackten Eis liegt. Alaska-Seelachs – den gab es immer zuhause. Oder Heringe – das war früher ein billiges Essen. Diese Zeiten sind lange vorbei und ich bin unentschlossen. Daher nehme ich nur ein Fischbrötchen für’s Abendessen und schlendere weiter. Am Geflügelstand gibt es Suppenhühner – Huhn im Topf wäre auch mal wieder was. Kurz entschlossen kaufe ich eines. Wahnsinn, was dieses magere kleine Ding kostet. Naja, die Zeiten, in denen Omas Freundin Leni von Loy Suppenhühner in Straußengröße vorbeibrachte, sind halt auch vorbei, in der Stadt gibt es sowas nicht. Dafür passt das Hühnchen auch noch locker in den Rucksack, ebenso wie das Bund Suppengrün, die Möhren und die drei Kohlrabi, die ich noch für meine Suppe kaufe. Jetzt noch eines von den schönen, schweren Bio-Broten und mein Wochenend-Einkauf ist erledigt. Mit etwas Nachdrücken geht sogar der Reißverschluss am Rucksack noch zu.

Ich kaufe noch ein Stück Kuchen. Das geht beim besten Willen nicht mehr in die Tasche, das muss in eines der Einkaufsbeutelchen, die ich immer in der Vordertasche des Rucksacks mit mir herumtrage. Es fühlt sich ein bisschen seifig an, wahrscheinlich muss ich es mal waschen. Jetzt aber schnell in die Bahn und nach Hause, Tee kochen, Kuchen essen.

Die Bahn ist pickepacke voll, ich muss meine Taschen auf den Schoß nehmen, damit neben mir jemand sitzen kann. Irgendwas ist am Bein feucht, wahrscheinlich habe ich meinen Rucksack auf dem Markt irgendwo in eine Pfütze gestellt. Guter Dinge schleppe ich meine Einkäufe heim und mache mich daran, auszupacken. Was dabei komisch ist: Der Rucksack hinterlässt auf der Arbeitsplatte so eine komische, seifige Spur. Am Brot ist nix, aber das Suppengemüse ist auch seifig. Als ich die glibberige Tüte mit dem Suppenhuhn herausziehe, hängt daran eine Eierschale – heiliger Bimbam! Da habe ich doch glatt beim Einschlichten meines Einkaufs und dem gewaltsamen Schließen des Reißverschlusses meine Eier ganz vergessen! Vier Bio-Eier der Größe L haben sich aus der zerstörten Packung geschlichen und ihren gesamten Inhalt in den Bodensatz meines Rucksackes erbrochen. Ich ziehe einen triefenden Regenschirm heraus – wenn ich mir den jetzt versehentlich in den Leib ramme, habe ich wohl einen Eierstich. Taschentücher, Kassenbons, Hustenbonbons, aber zum Glück nicht mein Geldbeutel: Der ist in der Jackentasche.. Unten im Sack glibbert ungerührt eine Eiermasse herum, gewürzt mit Papierfetzchen, Sand und allerlei Unrat.

Ich untersuche meine Jacke – na klar, der Rücken ist , vollgeeiert. Wahrscheinlich habe ich auf dem Weg nach Hause eine Schneckenschleimspur hinter mir hergezogen, die einem Zoologen Rätsel aufgeben würde. Was für eine Schweinerei!

Ich berge die beiden verbliebenen Eichen, tüte mein Huhn sauber um und stopfe den Rucksack, die Jacke und das Einkaufsbeutelchen in die Waschmaschine. Der Schirm darf duschen – eieiei. Trotz dieses Ungemachs muss ich lachen – wie kann man nur so schusselig sein. Kuchen und Tee schmecken trotzdem und aus dem Huhn wird am Samstag eine feine Suppe. Und die beiden letzten Eier – die Überlebenden des großen Schussels – werden am Sonntag besonders feierlich gekocht.

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Nachtrag: Sollte sich jemand über den Titel wundern – Eierkauf 2.0: Es gab vor einigen Jahren schon mal einen Eierkauf. Damals blieb aber alles heil …

Alle Jahre wieder …

Die Aufgabe im Schreibworkshop war, über eine besondere Essenseinladung zu schreiben. Und ja, was soll ich sagen – man schreibt ja am liebsten über was Bekanntes 😊 Alle Personen sind jedoch erfunden.

Alle Jahre wieder

Es war mal wieder soweit: Die Majestäten hatten geladen und das Volk war gekommen. Schon im Oktober hatten die hochwohlgeborene Königin Monika die Zweite sowie König Kai-Uwe zum Vierten zur jährlichen Kohlfahrt aufgerufen, anzutreten am 14. Tage des Monats Februar anno 20XX, und zwar pünktlich zum zweiten Glockenschlage an der Kirche zu Niederdingensdorf.

Und so trafen sie sich, in warmer Kleidung und mit festen Schuhen, versammelten sich um den wie immer gut gefüllten Bollerwagen und begrüßten stürmisch jeden Neuankömmling. Als auch Hanno und Silke, traditionell die Letzten, endlich eingetroffen waren, hatten die anderen schon zwei Schnäpse intus und waren bester Laune. Zum Anwärmen noch schnell einmal anstoßen, im Gläschen Korn oder was Buntes, und los ging der Marsch durch die norddeutsche Tiefebene.

Hier machten wir im Jahr 2016 Rast. Ob diese Ecke schon immer so heißt oder ob der Name der sympathischen Figur aus Büttenwader entlehnt ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, Brakelmann aka Jan Fedder hat diese Widmung verdient.

Hanno zog gemeinsam mit Arnd den Wagen. Dabei wurde geplaudert: Beruf, Kinder, Haus, und was machte die neue Gartenhütte? Dahinter Silke, Monika und Ulf, die sich darüber unterhielten, was für ein Gedöns es doch inzwischen war, wenn die Kinder auf das Gymnasium gehen sollten. Das war doch früher alles einfacher, fanden sie, als sie damals zur Schule gingen. Dieses Damals war inzwischen über 30 Jahre her.

Da, eine Ecke! An Ecken wurde pflichtgemäß und traditionell angehalten und einer getrunken. Vielleicht auch zwei, schließlich war es noch früh am Tag, wie Andi erklärte, der einschenkte. Und dann bildeten sie Mannschaften, denn es sollte geboßelt werden. Die Roten sollten gegen die Blauen spielen – erste Kampfansagen flogen über den Feldweg hin und her.

Keiner von ihnen war des Boßelns wirklich mächtig. Sie rollten die schweren Kugeln einfach nach Gutdünken durch die Gegend und machten die mangelnden Fähigkeiten durch viel Geschrei wett. Am Ende einer jeden Runde bekamen die Gewinner einen Schnaps. Die Verlierer natürlich auch, schließlich sollte keiner traurig sein.

Weiter ging es, Strecke schaffen. Schließlich sollte man spätestens um sieben am Lokal sein, um Grünkohl mit Kassler und Pinkel zu essen. Das Königspaar wurde schon etwas nervös, heute waren die Untertanen wirklich langsam unterwegs. Da nützte es auch nichts, dass eine längere gerade Strecke vor ihnen lag, denn für derartige Notsituationen hatte Christoph ihnen schon vor Jahren eine künstliche Ecke gebaut. Die konnte man überall aufstellen und den Eckenschnaps einfordern. Das taten sie ausgiebig.

Ein weiteres Spiel stand an: Teebeutelweitwurf. Dabei tat sich wie immer der lange Simon hervor, denn der Beutel musste mit dem Mund geworfen werden und dabei ist jemand, der zwei Meter vier groß ist, einfach im Vorteil. Ein Sonderschnaps ging jedoch an Hanno, der es fertiggebracht hatte, seinen Beutel über die Schulter nach hinten zu werfen und so seine Mannschaft um den schon sicher geglaubten Sieg brachte.

Grünkohlteller – hier in der Frankfurter Kantinen-Version. Naja – geht so. Besser als nix.

Auch das wenig später durchgeführte Besenwerfen verlor Hannos Team deutlich, was vor allem daran lag, dass Monika den langen Simon, den besten Werfer der Blauen, mit dem Besen ins Gemächt traf. Sie holte ihn durch einen unkoordinierten Rückstoß mit dem Wurfgerät tatsächlich von den Füßen. Simon wurde mit Hilfe von rotem Genever wiederbelebt und die Blauen kurzerhand zum Sieger dieser Runde erklärt.

Es wurde allmählich dunkel, die Gruppe lief endlich etwas schneller. Das war immer so, irgendwann rannte die Gruppe beinahe, gerade so wie Pferde, die den Stall witterten. Schließlich wurde es auch kalt und der Gedanke an warme Suppe lockte. Doch ein Spiel gab es noch, die Gurkenstaffel, die war doch immer so lustig! Im Licht einer Straßenlaterne hoppelten sie also um zwei leere Kornbuddeln, der Bankdirektor fiel dabei über die Zahnärztin in eine Pfütze und Marion platzte während der Übergabe des Gemüses an Bernd die Hose. Was für eine Gaudi!

Weiterlaufen, weiterlaufen – fast konnten sie das Essen schon riechen. Doch dann klingelte Silkes Handy. Es war Hanno. Der war nach der Gurkenstaffel mal kurz im Gebüsch gewesen und dann versehentlich hinter einer falschen Kohlfahrtsgruppe hergelaufen – immer dem Blinklicht am Bollerwagen hinterher. Nun stand er dort, mit 17 Leuten, die er nicht kannte, die ihn aber kameradschaftlich aufgenommen und mit Schnaps versorgt hatten. Man schickte also eine Delegation los, ausgerüstet mit einer Taschenlampe und zwei Flaschen Hochprozentigem, um Freundschaft zu schließen, den Verschollenen auszulösen und heimzuholen. Der Rest der Gruppe trank derweil Reste aus Flaschen und sprach über die ernsten Dinge des Lebens.

Viertel vor sieben trafen sie endlich im Lokal ein: müde, kalt, schmutzig und zufrieden begannen die, die noch essen konnten, mit der Suppe. Die anderen schliefen oder bevölkerten die Sanitäranlagen. Kohl und Nachtisch wurden ebenfalls verputzt, es wurde noch ein wenig geredet und die meisten tranken Wasser. Dann wurde gemäß der geheimen Riten ein neues Kohlkönigspaar gekrönt. Morgen würde den meisten von ihnen schlecht sein und sie würden sich einig sein: Schön war’s, wie immer.

Die Insignien der Macht – hier: die der Kohlkönigin

Spielsalat zum neuen Jahr

Manchmal machen wir im Schreibworkshop eine Übung, die den schönen Namen „Quickie“ trägt. Dabei gibt es ein Thema und extrem wenig Zeit. Meistens kommt dementsprechend nix dabei heraus. Diese komisch kleine 3-Minuten-Sache aber wurde zumindest fertig. Das Thema lautete: Überall ist anders. Und heraus kam der „Fernsehsalat“.

Natürlich gibt es auch einen Grund, warum ich dieses winzige Stück zum Jahresanfang poste: Wir haben an Silvester mal wieder unser Lieblingsspiel gespielt, „Time’s up“ oder zu Deutsch „Sag’s mir“. Das Spielprinzip ist einfach: Es gibt Zweierteams, die miteinander spielen. In der Originalversion geht es entweder um Filme/Serien oder berühmte Persönlichkeiten – von Alexander dem Großen über Albert Schweizer bis hin zu Helene Fischer. In der ersten Runde werden die gesuchten Begriffe beschrieben – mit so vielen Worten, wie es eben braucht, oder bis die Zeit um ist. In der zweiten Runde wird das gleiche Kartenset verwendet, es darf jedoch nur noch ein Wort benutzt sowie einmal geraten werden. Und in der dritten Runde wird pantomimisch beschrieben – was bei Begriffen wie „Der Doktor und das liebe Vieh“ schon mal schwierig werden kann. Auf jeden Fall ist es eine Riesengaudi und wir frönen der Sache schon einige Jahre.

Da lag aber auch genau unser Problem: Der große Spaß führte zu einem gewissen Frust, weil wir die meisten Karten schon mehrmals gespielt haben. Erweiterungssets gibt es nicht. Wir haben also aus der Not eine Tugend gemacht und uns eigene Karten gebastelt – in fünf Kategorien: Film/Serien, Persönlichkeit, Lieder, Buchtitel und Sehenswürdigkeiten/regionale Spezialitäten. In jugendlichem Übermut haben wir dann alle Karten durcheinandergerührt – man kann sie aber noch an den Farben erkennen. Und, was soll ich sagen – diese Variante ist noch viel besser und beschäftigte uns die ganze Nacht.

Auch hier kam es zu eigenartigen Salaten: aus Juliane Werdings pathetischer „Nacht voll Schatten“ wurde sehr umgangssprachlich „Voll der Nachtschatten“, der pantomimisch mit einer Tomate beschrieben wurde. Der Maler Bob Ross fusionierte mit dem Sänger und Moderator Ross Antony und wurde zu Ross Bob. Und ein Mitspieler las die Karte in der Eile falsch, beschrieb lang und breit Begrenzungsmauern und Parkplätze – und keiner kam auf „Die Mädels vom Immenhof“, die ihre vielen Ponys zum Glück nicht in einem Innenhof gehalten haben. Viele dieser lustigen Missverständnisse führten mal wieder zu einem Feuerwerk an Spaß.

Und ja, natürlich hatten wir auch hier den großen …

Fernsehsalat

„Dalli Dalli!“, rief Wim Thoelke, bevor er schon mal den Wagen holen ging. Im Fahrzeug wartete Kojak, einen Lolli rauchend und ungeduldig mit den Füßen zappelnd. „Los komm, Wim, alter Falter, wir müssen los, die Straßen von San Francisco brauchen uns!“ Wim gab Gas, überfuhr Wum und Wendelin – versehentlich natürlich – und zog den Hebel, der das Fliwatüt zum Abheben brachte. So waren sie bald flott unterwegs, Kojak und Wim, auf dem Weg ins Taka-Tuka-Land, wo alles gut war und das fesche Fräulein Rottenmeier schon auf sie wartete.

Verspätet ein gutes neues Jahr wünscht Meike!