Fundstücke 65 – Fakten über das Sterben

Kürzlich sah ich auf einem kleinen Markt in Köln diese freundliche Warnung, die an einem Stand mit Lederwaren hing:

Ganz abgesehen davon, dass es ein Jammer ist, dass solche Schilder überhaupt nötig sind, finde ich diese Botschaft sehr logisch. Denn wer da klaut, stirbt. Und wer da nicht klaut, auch. Irgendwann auf jeden Fall.

Graubrot

Manchmal löst ein Bild etwas in einem aus – ein Gefühl oder eine Erinnerung. Bei mir war es kürzlich das Regal in einer norddeutschen Bäckerei, dass beides in mir bewirkte: Eine Erinnerung an meine Kindheit und ein glückliches Gefühl. Denn in der Bäckerei gab es Graubrot – Massen von Graubrot. So wie früher bei uns.

Aus irgendeinem Grund hatte meine Mutter früher einen Hang zu dieser unspektakulären Speise. Graubrot war bei uns, sogar noch vor den Kartoffeln, das Nahrungsmittel Nummer eins. Morgens und abends gab es Brot. Größtenteils mit Wurst oder Käse, aber auch mit Marmelade und Nutella. Manchmal gab es als Ergänzung Schwarzbrot oder Toast, immer gab es Graubrot. Jeden Tag. Die Brotmahlzeiten habe ich als Kind nie hinterfragt und mache es jetzt zuhause ähnlich – ich liebe Brot. Doch eines gibt es jetzt bei mir nie: simples Graubrot.

Es ging so in etwas mit zehn Jahren los, dass mir das öde Zeug zum Hals raushing. Ich begann zu nörgeln, fragte nach Dreikornbrot, ganz verwegen auch mal nach Fünfkorn – welch Revolution. Wenn ich lange genug genölt hatte, wurde mal eines dieser modernen Brote gekauft und wenn das aufgegessen war, gab es wieder … jaaa, genau, richtig – Graubrot! Also aß ich verstärkt Schwarzbrot und nörgelte erfolglos weiter. Erst in späteren Jahren begannen meine Eltern, andere Brote auszuprobieren, und da meine Schwester in einer Bäckerei arbeitet, wurde meine Mutter irgendwann richtiggehend mutig. Da war ich aber längst zuhause ausgezogen.

Die Bäckerei mit dem vielen Graubrot löste in mir also diese Erinnerung aus – an unzählige Frühstücke und Abendbrote zuhause in der Küche. Ich hörte wieder unser Radio dudeln – Radio Bremen 1 Hansawelle, sah die Aufschnittdose mit der alten Wurstgabel, das Käsemesser, den Brotbehälter von Tupperware. Ich erinnerte mich an unsere Brotbrettchen und an die Bretter in Form von Tomate und Paprika, die als Dekoration immer an der Küchenwand hingen. Und ich hatte den Geschmack von trockenem Graubrot im Mund.

Gerade die Erinnerung an diesen Geschmack war es, der das Glücksgefühl in mir beflügelte: Denn zum einen hatte ich eine gute Kindheit mit einer wunderbaren Familie, vielen gemeinsamen Mahlzeiten und Tischgesprächen. Und zum anderen kann ich mir inzwischen mein Brot selber aussuchen. Heute hatte ich den Rest einer Kornecke – mit ganz vielen Körnern und Karotten. Was es morgen gibt, weiß ich noch nicht – auf jeden Fall kein Graubrot.

Schön ausgedrückt: Hummel, Hummel!

Kürzlich fiel mir dieser alte Schlachtruf der Hamburger wieder ein: „Hummel, Hummel!“ brüllte mein Vater, wenn wir mit dem Zug bei meiner Tante in Hamburg ankamen, und „Mors, Mors!“ lautete die Antwort. Schon als kleines Kind habe ich darüber nachgedacht, was das eigentlich bedeuten soll. Natürlch weiß ich, was ein Mors ist – das ist schlicht die plattdeutsche Bezeichnung für ein Hinterteil. Weiter verfolgt habe ich das aber nicht. Erst am letzten Wochenende fiel mir diese Frage wieder ein, und zwar aufgrund dieses Fotos aus dem Palmengarten:

Pfingstrose mit Hummel

Und so habe ich die allwissende Wikipedia befragt und die Auskunft bekommen, dass dieser sog. „Hamburger Gruß“ auf Johann Wilhelm Bentz, genannt Hans Hummel, zurückging. Dieser war wohl ein eher mürrischer Geselle und wurde häufig von Kindern gefoppt, die ihm „Hummel, Hummel!“ hinterherriefen. Seine Antwort „Mors, Mors“ würde heute wohl so viel wie „Am Arsch, ey!“ bedeuten. Der „Hamburger Gruß“ ist heute nicht mehr gebräuchlich, an ihm erkennt man den bemühten Touristen. Der normale Hamburger grüßt anständig mit „Moin“ – womit auch sonst?

Hans Hummel hatte übrigens den schweren Beruf des Wasserträgers, war in seinen letzten Jahren arbeitslos und starb 1854 verarmt mit 67 Jahren. Er lebt jedoch in zahlreichen Denkmälern weiter, außerdem existieren 100 bemalte Skulpturen von ihm, die 2006 zugunsten von Obdachlosen versteigert wurden. Wenn ich das lese, würde ich mir wünschen, dass die Hamburger ihm zu Lebzeiten genauso viel Respekt entgegengebracht hätten wie nach seinem Tod.

Schöne Pfingsten 2019

Auch in diesem Jahr habe ich zu Pfingsten ein paar Pfingstrosen für euch – diese prächtigen Exemplare fand ich im Palmengarten.

Es gibt seit einigen Jahren tatsächlich einen Pfingstrosengarten dort im Palmengarten, wo es verschiedenste Arten dieser wunderbaren Blumen gibt. Einge Sorten waren schon fast verblüht, andere kamen gerade so richtig in Schwung.

Pfingstrose Lachs

Natürlich ist der Palmengarten nicht nur wegen der Pfingstrosen zu dieser Jahreszeit einen Besuch wert, aber sie sie sind schon ein echtes Hightlight für mich. Einige weitere Aufnahmen kommen in den nächsten Tagen – bin halt eine Blumenknipserin.

Und wer von meinen Frankfurter Lesern dieser Tage noch Zeit und Muße hat, der möge einfach mal selber gucken gehen. Ein Bummel durch einen botanischen Garten ist doch eine schöne Art, einen Feiertag zu verbringen.

Lebendiges Frankfurt

Aus irgendeinem Grunde hat mein geliebtes Frankfurt innerhalb Deutschlands den Ruf, dass es hier nur Banken und einen Flughafen gibt. Bekomme ich Besuch, der erstmals für länger in der Stadt ist, bemerke ich immer großes Erstaunen darüber, dass es hier an vielen Stellen doch sehr grün ist. Ich weiß, wovon ich rede – wohne ich doch hier in Oberrade quasi eingeklemmt zwischen Käuterfeldern und Stadtwald.

Brombeerblüte mit Pinselkäfer

Nachdem es letztes Wochenende so unerwartet warm geworden war, bummelte ich mit meiner Freundin Kerstin durch die Felder hinunter zum Main – natürlich zur Aufnahme einer kleinen, bescheidenen Mahlzeit. Hier fanden wir allerhand Lebendiges aus Flora und Fauna. Eine meiner Lieblingsblumen ist schon immer der rote Mohn. Ich bin froh, dass er derzeit wieder überall ausgesät wird und hoffe, dass das hilft und er wieder Fuß fasst.

Mohnblume mit Kapseln

Sicherlich gibt es in Frankfurt auch die tristen, zubetonierten Ecken – wer einmal in Sossenheim war, weiß, was ich meine. Hier unterhalb des Maines gibt es aber wirklich nichts zu meckern. Sogar Fliegen, mit denen meine Kindheit so überreichlich gesegnet war, gibt es hier.

Brombeerblüte mit Fliege

Fundstücke 65: Spaß mit Übersetzern

Schwarzstörche, Küken, NestDer folgende Beitrag ist völlig sinnlos. Ich hatte aber selber so viel Spaß mit der automatischen Übersetzungsmaschine www.deepl.com, dass ich euch daran teilhaben lassen möchte.

Deepl habe ich vor einer Weile kennen und schätzen gelernt. Wenn man englischsprachige Texte übersetzen lässt, ist das Ergebnis wirklich sehr brauchbar. Und auch andere Sprachen kann das Tool. Es kann sogar erkennen, um welche Sprache es sich handelt – zumindest behauptet es das.

Zum Hintergrund: Ich bin ja bekennende Tier-Stalkerin. Seit ca. einem Jahr gucke ich immer mal wieder auf die estnische Seite Looduskalender und beobachte allerlei Getier. Im Moment ist mal wieder Brutzeit und ich erfreue mich täglich an Störchen, Adlern, Staren und was auch immer. Einige Texte auf der Seite sind ins Englische oder sogar ins Deutsche übersetzt, andere versuche ich mit Hilfe eines Übersetzers zu erschließen. So auch diesen Text auf der Seite der Schwarzstörche.

Im letzten Jahr bewohnten dieses Nest die Störche Kati und Karl die, soweit ich mich erinnere, vier Küken großzogen. Schon vor einigen Monaten gab es die Meldung, dass Karl, der ein Ortungsgerät trug, auf dem Heimweg zum Nest irgendwo in Syrien verschwunden ist. Nun weiß man natürlich nicht, ob dem Storch etwas zugestoßen ist oder ob schlicht die Batterien seines Gerätes ausgefallen sind – wünschen wir Karl also einfach das Beste.

Für Kati hätte das ein tristes Frühjahr werden können, doch sie tröstete sich kurzerhand mit Karl II. Pragmatisch und erfolgreich, wie es ihre drei munteren Küken beweisen. Das las sich auf dem Google Übersetzer so:

Die Schwarzstorchkamera funktioniert, die Vögel sind da und die Zuschauer machen weiter.

Das LK Forum ist ein Ort, an dem Sie einen Überblick darüber bekommen, was in diesem und in den vergangenen Jahren im Nest passiert ist. Verschiedene Beobachter haben dort ihre Beobachtungen beschrieben, Bilder und Videos hinzugefügt.

Das drei Jahre alte Ortungsgerät Black Stork Karli empfängt keine Daten mehr vom 29. März 2019, als Karl aus dem Libanon nach Syrien kam.

Es gab jedoch einen zweiten Vater (Karl II.), dessen Alter und Geburtsort wir nicht kennen, im Nest, bevor Kati ankam. Aber ein Jahr zuvor war er zum Nest gegangen, aber dann musste er sich zurückziehen, nachdem Karl angekommen war.

Etwas holprig, aber verständlich und schon besser als letztes Jahr.

Ich hatte mein Glück jedoch zunächst mit Deepl versucht – nicht ahnend, dass diese Übersetzungsmaschine Estnisch gar nicht kann. Das Programm werkelt auch ungerührt drauf los und behauptete:

Jede Kamera muss mit einer Kamera ausgestattet sein, aber sie muss konsistent und nach ihren eigenen Anforderungen eingesetzt werden können.

Ich möchte darauf hinweisen, dass in der Vergangenheit große Verwirrung darüber herrschte, wer für die Kameras verantwortlich sein sollte. In der Zwischenzeit konnten wir eine Lösung für das Problem der Situation der älteren Menschen, der älteren Menschen und der Behinderten finden.

Gleichzeitig ist die Notwendigkeit, dass Karli Mitglied des Europäischen Parlaments sein muss, jedoch nicht bis zum 29. März 2019 nachgewiesen worden, als Karl Mitglied der libanesischen Süriasse war.

Vor allem ist Kati das einzige Land der Welt mit einer besseren Zukunft (Karl II.), und ich glaube nicht, dass dies der richtige Zeitpunkt dafür ist. Ich möchte sagen, dass es meiner Meinung nach eine gute Sache ist, dass wir eine gute Vorstellung davon haben, was in Karli passiert.

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator

Grundsätzlich gefiel mir an dieser Interpretation, dass endlich eine Lösung für die Probleme Älterer und Behinderter gefunden wurde. Auch das Karl offensichtlich Karriere gemacht hat und seinen Platz im europäischen Parlament anscheinend gegen einen in der libanesischen Süriasse getauscht hat, ließ mich erfreut lächeln, wenngleich mir das Internet nicht erklären konnte, was eine Süriasse eigentlich ist.

Ich gestehe, dass der Text mich zutiefst verwirrte, und ich sah genauer hin. Das sei Niederländisch, sagte Deepl über den estnischen Text.

Das erweckte natürlich den Spieltrieb in mir und ich probierte ein wenig herum. Estnisch und niederländisch, das funktioniert offensichtlich nicht, aber was ist mit Russisch? Manuell umstellen, ausprobieren. Nix. Oder zumindest nichts Lesbares. Aber Polnisch, das gab zumindest zwei perfekt übersetzte Absätze. Ich zitiere:

In jeder Hinsicht möchte ich dem Berichterstatter für seine ausgezeichnete Arbeit danken. Tatsächlich ist es oft so, dass die Dichtung beschädigt oder beschädigt wurde, oder dass sie beschädigt wurde, oder dass sie beschädigt wurde, oder dass sie beschädigt wurde, oder dass sie beschädigt wurde oder verloren ging, oder dass sie beschädigt wurde oder verloren ging.

Es war ein Pessimist und emailliert von Kati Saabumist oder einer gleichnamigen Frau (Karl II.), einer Frau aus eigenem Antrieb. Ich möchte dem Berichterstatter für seine ausgezeichnete Arbeit danken, und ich möchte ihm für seine ausgezeichnete Arbeit danken.

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator

So geht also Polnisch. Und ich weiß jetzt endlich, dass die Störchin Kati eine Frau aus eigenem Antrieb ist. Und ich habe verstanden, was mit den Reden von Edmund Stoiber damals immer schief gegangen ist.

Anita 2: Der nette Nachbar

Hier nun also der zweite Teil der Anita-Geschichte. Manchmal ist es ja sehr interessant, auch die Gegenseite zu befragen.

Anita 2: Der nette Nachbar

Türkranz mit EngelClaudia war außer sich. Sie nannte mich geschmacklos und gemein und ich wusste zunächst gar nicht, wovon sie eigentlich sprach. Erst als sie wieder zur Tür hinausrannte, dort den scheußlichen Türkranz abriss und ihn mir vor die Füße warf, sah ich den Engel. Eine kleine, erhängte Figur, die meiner süßen Claudia verblüffend ähnlichsah. Sie hatte sogar das gleiche Kleid an wie das, das Claudia im Sommer so gerne trug.

Ich wusste sofort, wer dieses garstige Teil an meine Tür gehängt hatte: Anita war es gewesen. Seit Wochen stellte sie mir nach, stalkte mich, verlangte nach Zuneigung. Als ob man jemanden mögen könnte, der einen so übel bedrängt. Sie machte mir ständig Vorwürfe und redete schlecht über meine Freundin. Ich habe versucht, sie anzuzeigen, aber bei der Polizei hat man mir nicht geglaubt. Es ist ja auch absurd: Ein Mann von 22, der von einer 55-jährigen Frau verfolgt wird, die nicht seine Mutter ist: Sowas ist verrückt.

Zum Glück konnte ich Claudia beruhigen. Sie kennt Anita ja, weiß, dass die mich verfolgt. Sie hat mich nur ein einziges Mal gefragt: „Hattest du wirklich Sex mit ihr?“ und hat es akzeptiert, dass ich „Nein“ sagte. Anita hingegen hat das nie akzeptiert, ein „Nein“ zählte für sie nicht. Als sie mich das erste Mal anbaggerte, glaubte ich an ein Missverständnis. Als sie mich aber wieder und wieder zu sich einlud, wurde sie mir unheimlich. Ich grüßte sie zwar noch, blieb aber nicht mehr zum Schwatzen stehen. Trotzdem habe ich sie nun am Hals.

Ich denke, ich werde umziehen. Denn diese Frau hat eine Meise, so groß wie ein Schwan, und wirkt dabei nach außen völlig normal. Man wird mir nie glauben, was sie mit uns tut. Und dass sie nicht gefährlich ist, glaube ich nach der Aktion mit dem erhängten Engel nicht mehr.

Anita 1: Weiberabend

Heute mache ich mal etwas, was ich noch nie gemacht habe – einen Mehrteiler 🙂 Na gut, genau genommen sind es zwei Teile. Den zweiten gibt es in den nächsten Tagen. Heute aber lernt ihr erst mal Anita kennen.

Anita 1: Weiberabend

Damenhand, Cocktailglas, Glitzernder RingIch nahm meine Tasche und überprüfte wie immer, ob ich alles dabeihatte: Handy, Geldbörse und Schlüssel, außerdem das kleine blaue Kosmetiktäschchen, in dem ich immer allerhand weibliche Utensilien mit mir herumtrug. Mein „Beischlaftäschchen“ nannte mein Mann das, weil ich in unserer ersten gemeinsamen Nacht ein Kondom daraus hervorgeholt hatte. Kondome hatte ich jetzt nicht mehr darin, wohl aber einen Lippenstift und die kühlende Creme zum Abschwellen der Augenlider.

Wie immer war meine Ausrüstung komplett, ich vergaß selten etwas. Also lief ich los. Etwas hektisch, denn ich komme ungern zu spät. Trotzdem hatten meine Mädels schon Platz genommen und den ersten Sekt bestellt, als ich in das Lokal kam. Zum Glück hatten sie mich nicht vergessen, mein Glas wartete bereits auf mich. Das war gut, denn sonst wäre ich gleich hintendran gewesen. Und so albern, wie wir auf unseren Weiberabenden immer wurden, half ein kleiner Glimmer mir wirklich: Schließlich bin ich eigentlich ein vernünftiger Mensch.

Auch dieses Mal blödelten wir munter herum. Meine Freundin Anita hatte einen Adventskranz, den sie stolz herumzeigte. Es war keiner mit Kerzen, den man auf den Tischstellen sollte, sondern einer zum an die Tür hängen. Wir schwiegen zunächst verblüfft, denn Anita hatte eigentlich einen ausgezeichneten Geschmack. Dieser Türkranz aber war von einer monströsen Hässlichkeit, dekoriert in Orange und Pink, geziert von einem Engel in einem wabernden Spitzengewand.

„Was willst du da denn mit?“ fragte schließlich Vera und schubste den blöde grinsenden Engel angewidert mit einem Finger an.

„Den schenke ich meinem Ex!“ verkündete Anita fröhlich. Wir waren erstaunt – seit wann hatte sie einen „Ex“? Sie war seit fast 25 Jahren geschieden und erwähnte diesen Mann kaum einmal. Sie sah uns die Verwirrung an und klärte uns auf: „Ich hatte Sex mit meinem Nachbarn, dem Netten aus Nummer fünf. Vier Monate lang. Nun hat er eine Neue, die ist viel jünger als ich und sieht aus wie dieses Ding da.“ Sie wackelte kräftig mit dem pausbackigen Engel und nun erst sahen wir es: Die kitschige Figur war nicht etwa vorsichtig in dem Kranz befestigt worden. Man hatte sie mit Paketschnur am Hals aufgehängt.

Als erstes erholte Vera sich von ihrer Verblüffung. „Mehr Sekt!“ rief sie einem vorbeieilenden Kellner nach.

Musik von damals – Sie sind grün

Kürzlich saßen wir in munterer Runde bei meiner Freundin Maike auf der Terrasse und schwatzen. Ohne, dass ich genau sagen könnte, wo die Erinnerung herkam, fiel mir das Lied „Fahr mit mir den Fluss herunter“ von Knut Kiesewetter ein. Oder auch nicht, denn was mir einfiel war „Sie sind grün!“ Dieses im Jahr 1972 veröffentlichte Lied habe ich als kleines Kind mit großer Begeisterung gesungen, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, um was es da eigentlich ging.

Heute – einen Tag nach einer Europawahl, nach der anscheinend alles anders ist als zuvor – scheint es mir ganz passend zu sein. Denn die Grünen waren gestern die klaren Wahlsieger. Mal gucken, was daraus wird.

Eigentlich aber möchte ich mit diesem Lied noch auf etwas anderes hinweisen: Morgen ist nämlich der „Diversity Day“, ein Tag, den die „Charta der Vielfalt“ ausgerufen hat und der auf die Vielfalt in der Arbeitswelt abzielt. Ob wir so einen Tag wirklich brauchen, weiß ich nicht genau, aber wir brauchen Vielfalt. Wir sind alle verschieden, und das ist gut so. Ich möchte heute gerne mal ganz dick auftragen und Artikel 3 unseres wunderbaren Grundgesetzes zitieren:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Als mir das alte Lied vor zwei Wochen wieder einfiel, habe ich es gleich aus YouTube herausgesucht und meinen Freunden vorgespielt. Die sind alle etwas jünger als ich und auch keine Nordlichter, so dass der norddeutsche Folk- und Jazzsänger Knut Kiesewetter ihnen nichts sagte. Das Lied sorgte für Heiterkeit, es kam aber auch die Frage auf, ob man sowas heute eigentlich noch so sagen dürfte. Ja, das ist in der Tat fraglich. Denn heutzutage sind alte, weiße Männer ja an allem schuld – wie gut, dass ich eine Frau bin. Damals waren die Weißen auch schon schuld, aber da war es sicher anders gemeint. Und weil es mir egal ist, ob meine Musik von damals allen Schreihälsen gefällt, könnt ihr es euch hier einmal anhören.

 

Übrigens, der wunderbare Knut Kiesewetter kommt demnächst nochmal. Dann aber ganz anders 🙂

Musik von damals

Immer mal wieder kommen in mir Erinnerungen hoch: An Musikstücke, die in irgendeiner Phase meines Lebens eine Bedeutung hatten oder die mich eine Weile begleitet haben. Oft sind das uralte Sachen, die ich gehört habe, als ich noch richtig klein war. Teilweise bin ich dann sogar textsicher – die ewige Antje zeigt sich davon immer wieder beeindruckt. Bei uns zuhause dudelte halt damals immer das Radio, es gab Radio Bremen 1 Hansawelle – mit Monika Kluth und Karlheinz Calenberg.

Manchmal aber wundert man sich, wo diese Erinnerungen eigentlich herkommen. Gut, wenn man gerade einen plempernden Eimer entsorgt hat, liegt das Lied „Ein Loch ist im Eimer“ natürlich nahe, aber andere Titel finde ich fast schon befremdlich, wenn sie mich aus den tiefsten Tiefen meines Gehirns überfallen. Und gerade diese skurrilen Dinger sind es, die mich dazu veranlassen, diese neue Rubrik „Musik von damals“ in meinen Blog einzufügen.

Radiorecorder und Plattenspieler

Und weil so eine neue Musik-Rubrik ohne Musik langweilig ist, kommt gleich noch ein weiterer Blog-Beitrag, der diese Rubrik einweihen wird. Passend zur Lage der Nation und so …