Manchmal vermisse ich Herrn D.

Wie schon des Öfteren erwähnt, gehe ich gerne schwimmen. Das ist schon immer so, als Kind verbrachte ich im Sommer fast meine gesamte Freizeit im Rasteder Freibad. Das war damals schon schön, mit einem Schwimmerbecken mit 50-Meter-Bahn, einem separaten Sprungbecken sowie natürlich Nichtschwimmer- und Planschbecken. Es hatte ein großzügiges Gelände mit Liegewiesen, Platz zum Ballspielen und einen Kiosk, vor dem ich Stunden mit der Entscheidung zubrachte, ob ich meine 50 Pfennig lieber für ein Himmi Jimmi und zwei Gummischlangen oder für ein Perli Pop ausgeben wollte – in letzterem Fall mussten die Schlangen entfallen.

In diesem Schwimmbad war ich im Schwimmverein aktiv, und als kleines Kind hatte ich dort meinen Schwimmkurs, den ich stolz und erfolgreich mit dem Seepferdchen abschloss. Außerdem stürzte ich mich am gleichen Tag todesmutig vom Dreimeterbrett, was vom Schwimmmeister mit einem Eis belohnt wurde. Und dieser Schwimmmeister war Herr D..

Herr D. war eine Persönlichkeit. Jeder im Ort kannte und respektierte ihn. Noch Jahre nach seiner Verrentung schallte es überall „Hallo, Herr D.!“, wenn er auf seinem Fahrrad herumfuhr. Er war bekannt und beliebt, obwohl er immer furchtbar streng gewesen war. Gerade diese bademeisterliche Strenge wünsche ich mir jetzt manchmal, wenn ich in Frankfurt schwimmen gehe, neben mir die zahlreichen Nichtschwimmer fast im Schwimmerbecken ersaufen und von allen Seiten pubertierende Jugendlichen ins Wasser springen, wo sie das gerade nicht tun sollten. Inzwischen weiß ich nämlich, wie gefährlich so etwas werden kann, und verstehe, warum unser alter Bademeister oft so knurrig war.

Denn Herr D. war fast alleine. Er betreute das riesige Bad damals als verantwortlicher Schwimmmeister, nur unterstützt von einigen wenigen Leuten von der DRLG. Die waren gewiss eine große Hilfe, aber die Verantwortung ruhte auf Herrn D.. Heute kann ich mir vorstellen, wie anstrengend es gewesen sein muss, an heißen Sommertagen die Augen überall gleichzeitig zu haben und zu verhindern, dass es zu Unfällen kommen konnte. Es ist ihm weitgehend geglückt, das von ihm betreute Bad galt als sicher und war immer gut in Schuss.

Um dieses Ziel zu erreichen, war eine gewisse Strenge gerade an den langen warmen Sommertagen nötig. Herr D. zeigte sich hier wenig diplomatisch, Verwarnungen wurden meistens via Lautsprecher quer durch das Bad gedonnert: „Wenn dieser Qutasch im Sprungbecken nicht aufhört, wird die Anlage gesperrt und ihr geht alle nach Hause!“ So etwas war keine leere Drohung: Herr D. hatte die Macht und das wurde von niemandem angezweifelt. Wenn also der Ruf: „Hinni Mustermann hat eine Woche Badeverbot!“, durch das Bad schallte, sah man den Übeltäter kurze Zeit später mit hochrotem Kopf aus dem Bad flitzen – gerade, dass man ihm noch die Zeit ließ, seine Sachen zusammenzuraffen.Freibad Rastede, Schwimmerbecken

Auch ich wurde manchmal verwarnt, aber weniger wegen gefährlichen Unfugs in den Becken als vielmehr wegen pubertärem Mädchenquatsch in den Umkleiden. An kühleren Tagen saßen wir hier gerne herum, im nassen Badeanzug und in unsere fast genauso nassen Handtücher gewickelt. Es wurde gegackert, auf den Bänken herumgeturnt und herumgerannt, bis die erste ausrutschte, hinknallte und ein Pflaster brauchte. Wenn der Unsinn überhandnahm, brüllte Herr D. von der Tür aus in die Umkleide hinein, und er wusste immer genau, wer dort gerade Blödsinn machte: „Meike und Lieselotte, ihr zieht euch jetzt an und kommt da raus! Hier ist kein Spielplatz, und ihr holt euch was weg in den nassen Sachen!“ Ja, gut, er hatte ja recht. Trotzdem fand ich das blöd.

Auch heute machen die „Kids“ noch Quatsch in den Umkleidekabinen. Als erwachsenem Badegast ist mir das furchtbar lästig und ich wünsche mir manchmal einen Herrn D., der sowas unterbindet. Ich wünsche mir jemanden, der konsequent die Nichtschwimmer aus dem Schwimmerbecken jagt und die Kinder mit den Schwimmflügeln aus dem Wellenbecken verbannt – auch wenn deren Eltern meutern, weil es langweilig ist, immer nur im Nichtschwimmerbereich herumzustehen. Sollen sie ihren Kindern halt Schwimmen beibringen. Lange Rede, kurzer Sinn: Manchmal vermisse ich Herrn D.. Das soll übrigens nicht heißen, dass die Leute in den türkisfarbenen T-Shirts der Frankfurter Bäderbetriebe keine gute Arbeit leisten. Ich finde nur, sie sind manchmal fast zu nett zu den allzu risikofreudigen oder unbelehrbaren Badegästen.

Nachtrag: In meiner Urlaubswoche war ich mit meiner Schwester mal wieder im Rasteder Freibad. Es fühlt sich für mich immer noch an wie das gelobte Land. Im Nichtschwimmerbecken fand ein Schwimmkurs statt und wenig später wurde „im Tiefen“ irgendein Schwimmabzeichen abgenommen. Ich würde sagen, da ist Hoffnung – auch wenn keiner durch den Lautsprecher gemeckert hat.

Fundstücke 38: Mein Renteneintritt

Heute bei der Arbeit musste ich ein Ticket eröffnen – das klingt ja moderner als ein Formular ausfüllen. Dabei wollte man meine Kostenstelle wissen. Jaaaa, die Kostenstelle – natürlich wusste ich die nicht. Aber irgendwo musste die ja zu finden sein – schließlich haben wir allerhand ausgeklügelte Computersysteme. SAP und so. Ich suchte also herum und fand so allerhand. Irgenwo auch die Kostenstelle. Aber spannender fand ich dieses hier:

Renteneintritt 9999Nun weiß ich ja, dass meine Generation nicht mehr viel aus dem Rententopf zu erwarten hat, aber ganz so dramatisch hatte ich mir das doch nicht vorgestellt. So mit 75 Jahren hätte ich schon gedacht, mich endlich zurückziehen zu können – das wäre so in 2045. Oder Frührente mit 70?

Die Pessimistin in mir dachte: ‚Ich glaube, das schaffe ich nicht – am besten, ich lege mich gleich zum Sterben hin!‘

Die Optimistin in mir dachte: ‚Die halten mich echt für unersetzlich, ich pack’s jetzt so richtig an!‘

Für was die Realistin in mir sich entscheiden wird, weiß ich noch nicht. Aber nicht für 9999. Und auch nicht für 2045 – das könnt ihr vergessen!

Burg Eltz

Am letzten Tag unseres Moseltrips besuchten wir die Burg Eltz. Darauf hatte ich mich ganz besonders gefreut – noch imposanteres Altgemäuer gibt es wohl kaum. Wir hatten gehört (und auch unser gesunder Menschenverstand flüsterte uns solches ein), dass es am Sonntag besonders voll dort sein sollte und starteten deshalb pünktlich. In unserem Übernachtungsort Müden war die Burg bereits ausgeschildert und eine sehr nette Dame aus dem Hotel gab uns noch einige Tipps, wie wir am besten den großen Parkplatz mit Pendelbusverkehr erreichen würden.

Wir parkten für zwei Euro und beschlossen, die etwa 1300 Meter zur Burg zu Fuß zu gehen. Die meiste Zeit ging es bergab durch den Wald. Und gerade, als ich dachte: ‚Nun wird es aber Zeit, dass das Ding mal auftaucht‘, lag sie vor uns. Beeindruckend, gut erhalten und einfach schön. Auf ihre Geschichte gehe ich hier nicht ein, das kann Wikipedia deutlich besser als ich.

Da wir vormittags unterwegs waren, wurden wir noch nicht von Touristenmassen bedrängt. Wir investierten 10 Euro (ein fairer Preis für eine Burgführung und den Besuch der Schatzkammer) und begaben uns zum Sammelplatz der Führungswilligen. Schon wenige Minuten später wurden wir von einer Frau Rau abgeholt und es ging los. Leider durfte man im Inneren nicht fotografieren, was ich mal wieder schade, wenn auch verständlich fand. Diesen uralten Sachen hätte ein ständiges Blitzlichtgewitter gewiss nicht gutgetan.

Burg Eltz

Die Führung war gut. Es gab ein gesundes Maß an Information und Fragen durften auch gestellt werden. So erfuhren wir zum Beispiel, dass es im Burggebäude damals schon 20 recht moderne Toiletten gab – teilweise mit Wasserspülung. Auch, wenn es von unten teilweise so aussah: Die Geschäfte fielen nicht direkt auf das Dach darunter, sondern es gab Rohrleitungen und Sammelbecken – wie beruhigend. Und wir erfuhren viel über die Familien von Eltz, die es geschafft haben, ihre Burg über Generationen hinweg aus den meisten Fehden herauszuhalten – weshalb sie auch heil blieb. Und obwohl die Familie in drei unterschiedliche Zweige aufgeteilt wurde, hielt man auch untereinander Frieden: Man teilte nur wenige repräsentative Räume, wohnte in unterschiedlichen Flügeln und besuchte sich nur auf Einladung – so klug sollten auch andere Familien sein.

Burg Eltz

Wir besichtigten sowohl Schlaf- und Wohnräume als auch einige Wirtschaftsräume, zum Beispiel eine Küche mit recht modern wirkender Spüle. Was mich grauste waren überall die engen und steilen Treppen – da mit einem Wassereimer in der Hand oder gar einem Serviertablett herumzukraxeln war bestimmt nicht so ein Vergnügen, zumal in langen Röcken. Auch waren viele Treppenhäuser und Türstürze enorm niedrig, so dass ich mit meinen 1,73 schon oft geduckt herumlaufen musste. Frau Rau wies uns ganz fürsorglich immer wieder darauf hin, so dass unser Grüppchen unbeschadet durch die Burg kam.

Burg Eltz

Nachdem wir den zu besichtigenden Teil der Burg gesehen hatten – nicht alle Teile sind zugänglich, denn einiges wird noch als Zweitwohnsitz der Familie von Eltz genutzt – sahen wir uns noch die Schatzkammer an. Die dort ausgestellten Waffen fand ich nur mäßig spannend, das ist einfach nicht meine Sache. Der Schmuck und das Geschirr interessierten mich schon eher. Einiges wirkte erstaunlich modern, zum Beispiel ein Set kunterbunter Mokkatassen. Die würde ich mir wohl heute auch noch in die Vitrine stellen. Auch ein Herren(!)ring mit auswechselbaren Steinen gefiel mir gut – natürlich nur, weil er so unglaublich praktisch war.

Nur auf eines haben wir bei unserer Burgtour verzichtet: Auf den ansonsten obligatorischen Einkehrschwung in einen der beiden Biergärten. Dort war es voll und irgendwie schlecht organisiert – es dauerte ewig, wenn man ein Getränk ergattern wollte. Wir entschieden uns dagegen, ließen uns für weitere zwei Euro mit dem Pendelbus zurück zu unserem Auto bringen und fuhren zurück zur schönen Mosel. Dort fanden wir im kleinen Örtchen Hatzenport ein Café, in dem wir gemütlich draußen saßen und der Kaffee gebracht wurde. Eine gute Alternative!

An der Mosel: Bernkastel-Kues, Zell und Cochem

Nach unserem Start an der Saar und der Übernachtung im tief im Wald versteckten Hotel in Wasserliesch ging es weiter mit unserem Moseltrip. Den zweiten Tag begannen wir mit einem kleinen Einkauf: Likör vom roten Weinbergpfirsich musste es sein, direkt beim Winzer gekauft. Den hatten wir am Vorabend probiert und fanden ihn grandios.

Mosel bei Bernkastel-Kues

Weiter ging es über das Örtchen Neumagen-Drohn, wo wir ein bisschen herumliefen und kaffeesierten (hier gab es sowohl grandiosen Käsekuchen als auch die Warnung vor den Ganzkörperwaschungen). Auffällig waren in dieser Gegend immer wieder zwei Dinge: Die wirklich kräftig sprießende, wenn nicht sogar wuchernde Natur und die liebevolle Pflege, die man den kleinen Orten an der Mosel offenbar angedeihen lässt. Alles war sauber und aufgeräumt, hübsch hergerichtet und sorgfältig bepflanzt.

Bernkastel-Kues vom Schiff aus

Wir kamen nach Bernkastel-Kues. Dieser kleine Ort war uns im Reiseführer aufgefallen, weil man dort schifffahren konnte – und sowas gefällt uns beiden immer sehr gut. Wir machten also eine gut einstündige Tour bei schönem Wetter und ich fing einen kleinen Sonnenbrand auf meiner hohen Stirn, den ich aber gut verkraftete.

Apotheke, Bernkastel-Kues

Die kleine Innenstadt mit ihren schmalen Gassen und den vielen Fachwerkhäusern gefiel uns gut. Natürlich waren wir dort nicht allein, es gab einige Touristen, aber das hielt sich im Rahmen und war nicht unangenehm. Auch hier fielen uns die vielen liebevollen kleinen Details auf: die hübsch gestrichenen Fensterläden, die Blumenkästen und das viele alte Gemäuer.

Fachwerk Bernkastel-Kues

Natürlich fahren wir nicht an die Mosel, ohne ein bisschen Wein zu probieren. Weinstuben, Straußwirtschaften und Verkostungsangebote gab es an jeder Ecke. Allerdings war das Wetter so gut, dass wir die Abende lieber draußen verbrachten. Wir ließen also die Weinstuben zugunsten lauschiger Terrassen links liegen.

Zell war unser zweiter Übernachtungsort. Im kleinen Hotel Ratskeller direkt in der Fußgängerzone hatten wir gebucht. Die Zimmer waren günstig und hübsch, einziger Verdruss waren die vier Stockwerke, die man die Koffer hochschleppen musste. Dafür war die Lage besonders gut – es waren nur wenige Schritte bis zur Mosel und dem nächsten Weinstand. Dort wurde zu 80er-Jahre-Musik die lokale Weißweinsorte „Schwarze Katz“ ausgeschenkt, der mir „in trocken“ sehr gut schmeckte.

Weinberg bei Zell, Rebsorte „Schwarze Katz“

Auch aßen wir wieder bodenständig-gut in einem Lokal direkt an der Mosel. Und wir besuchten die Weinkirmes in Zell. Die war gemütlich und obwohl wir niemanden kannten, fanden wir flott Anschluss: Die netten Jungs an der Theke bestanden darauf, dass wir einige Male den uns schon bekannten Likör verkosteten. Gemischt mit der schwarzen Katz half das, den rundum gelungenen Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Am nächsten Tag ging es weiter in Richtung Cochem. Eines vorab: Mit dieser kleinen Stadt taten wir uns schwer. Es gab dort einen enormen Touristenauftrieb, der mich stark an das Gedränge in Rüdesheim erinnerte. Es wurde geschubst und geschoben und wenn ich ganz ehrlich sein soll, ging mir das Ganze in kürzester Zeit auf die Nerven. Gewiss lag das auch mit daran, dass Samstag war, aber irgendwie fehlte dieser Stadt auch der liebevolle Charme, der die anderen Orte ausgezeichnet hatte. Wir grämten uns ein wenig, denn um Cochem zu besuchen, hatten wir unterwegs ein paar sehr hübsche Orte links liegen lassen.

Aussichtspunkt Cochem, Blick ins Moseltal

Irgendwann entschieden wir uns, die vollgestopfte Innenstadt zu verlassen und uns entweder die Burg anzusehen oder mit dem Sessellift zum Aussichtspunkt hochzufahren. Der Lift gewann, und nach einer ganzen Weile des Anstehens saßen wir endlich mit baumelnden Beinen im modernen Sessellift. Die Fahrt war schön, aber leider kurz, und auch oben waren wir ganz und gar nicht allein. Die Aussicht auf Mosel und Burg war aber durchaus lohnend.

Blick auf die Burg bei Cochem

Auch sehr schön war an diesem Abend unsere Unterkunft: Wir schliefen in einem Hotel im Ort Müden. Für ganze 44 Euro pro Einzelzimmer (inc. Frühstück!) hatten wir hier Moselblick. Wir beschlossen, auch gleich auf der Hotelterrasse zu essen und den Abend ausklingen zu lassen – besser hätten wir es nicht treffen können! Und weil wir es an dem Abend ruhig angehen ließen, konnten wir am nächsten Tag pünktlich weiterfahren – zur nahen Burg Eltz. Davon beim nächsten Mal mehr.

Gastronomische Zeitreise

Wie schon erwähnt, war ich mit meiner lieben Freundin Antje am vorletzten Wochenende unterwegs: Unser Kurztrip führte uns zunächst an die Saar, denn Antje wohnt derzeit gerade im Saarland. Danach ging es weiter an die Mosel. Es war schön, auch wenn ich früher immer angenommen habe, dass ich meinen ersten Moselurlaub erst weit jenseits der 60 unternehmen würde.

Saarschleife bei Mettlach, fotografiert vom Aussichtspunkt Cloef

Abgesehen von den vielen Eindrücken von teilweise wild wuchernder Natur und sehr altem Gemäuer machten wir eine Beobachtung, die die Gastronomie betraf: Denn die schien hier weit weniger „fancy“ zu sein als bei uns in der Großstadt. Natürlich lag das auch ein wenig an unserer Restaurantauswahl, aber alles in allem gab es weit bodenständigere Lokalitäten als bei uns in Frankfurt. Das betraf sowohl die Ausstattung – in vielen Cafés hingen vor den Fenstern wohl noch die Ado-Gardinen mit der Goldkante – als auch die Dekoration …

Dekoration des Grauens

… und die Speisekarten: Hier gab es zwar auch meinen geliebten Milchkaffee, aber auch Cappuccino mit Sahne sowie das Kännchen Idee-Kaffee mit Dosenmilch im kleinen Gießer Modell „Oma Erna“. Und statt Hirse-Risotto mit veganem Joghurt-Topping an Rucola gab es Schweinemedaillon mit Gemüse und Kroketten oder Vesperteller, reduziert auf das Wesentliche – jawoll! Ich gebe zu, dass ich solche einfachen, leckeren Sachen total gerne mag – oft sogar lieber als irgendwelche ausgeklügelten Menüs oder fummelig angerichtete Modegerichte.

Vesperteller, in der Karte zu finden unter „Kleine Gerichte“.

Auch gab es so lange vergessene Dinge wie „Eissplittertorte“ (hier mal ein Rezept – klingt toll! Über den Kaloriengehalt bitte einfach nicht nachdenken!): Die habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gehabt, doch schon beim ersten Reinpieken in die gefrorene Sahne-Schokolade-Baiser-Masse kamen die Erinnerungen zurück. Piek, knirsch, brösel, schmelz … Mir war nicht klar, dass ich das vermisst hatte, doch ich feierte ein freudiges Wiedersehen. Kombiniert mit einem Kännchen Kaffee war diese Torte an diesem Sommernachmittag genau das, was ich wollte.

Wasserfall Saarburg, Marktplatz Saarburg

Wasserfall in Saarburg

Natürlich haben wir auf unserem Ausflug nicht nur gegessen und getrunken, sondern auch viel angesehen – ganz entspannt natürlich, mit ausreichend Gelegenheiten zum Shoppen, Fotografieren und Gucken. Gut gefallen hat es uns in Saarburg, wo es einen richtigen Wasserfall direkt am Marktplatz gibt. Die gleichnamige Burg war zu Fuß zu erreichen und an unserem ersten Reisetag eine gute Einstimmung auf die vielen alten Gebäude, die in den nächsten Tagen noch folgen würden. Den im Reiseführer ausgelobten „atemberaubenden Blick“ ins Saartal konnten wir allerdings nicht so recht nachvollziehen – da habe ich anderswo schon schöner auf Plattenbauten geguckt.

Saarburg

Am zweiten Reisetag kamen wir dann tatsächlich an der Mosel an – Fotos und Gedanken dazu gibt es beim nächsten Mal.

Fundstücke 37: der versteckte Hund

Diesen charmanten kleinen Hund trafen wir gestern beim Markt im Hof: Obwohl es nicht über die Maßen warm war, versteckte er sich im Schatten und kuschelte sich immer wieder tief ins kühle Efeu. Das war so niedlich, dass alle Besucher sein Herrchen auf den kleinen Kerl ansprachen – der wirkte schon ein wenig irritiert und vielleicht auch etwas eifersüchtig. Hätte er sich mal auch so in die Büsche geschlagen – dann hätten wir ihn vielleicht auch niedlich gefunden …

Markt im Hof

Heute haben die ewige Antje und ich etwas Neues ausprobiert: In der Frankfurter Wallstraße gibt es an jedem Samstag den „Markt im Hof“. Hier gibt es einiges an kulinarischen Köstlichkeiten zu probieren. Unter anderem gibt es einen richtig guten, liebevoll eingeschenkten Kaffee – damit kann man mich ja immer glücklich machen.

Kaffe, Cappuccino

Ich hatte die Muster „Tulpe“ und „vielblättriges Gewächs“, denn ich musste mir einen Zweiten holen. Dafür habe ich auf diese riesigen Butterstullen verzichtet, die viele Leute um uns herum verzehrten. Die waren mit Pastrami belegt – was das genau ist, musste ich erst mal googlen. So nach Sicht hätte ich es für eine Art Roastbeef gehalten, es ist aber geräuchertes Rindfleisch. Außerdem gab es verschiedene exotische Gerichte, z. B. vietnamesisch und koreanisch, sehr schönes Gebäck, handverlesene Pflaumen und lecker aussehende Soßen. Und auch der obligatorische „Food-Truck“, früher genannt „Grillstand“, fehlte nicht.

Für zuhause habe ich mir ein schönes, schweres Körnerbrot mitgenommen. Zugegeben, das war mit 5,70 Euro nicht billig, sieht aber unglaublich gut aus. Und zum Abschluss gab es noch ein bisschen Äppler aus dem Apfelweinkontor. Zwar haben wir keinen Apfelwein mitgenommen, viele der besonderen Sorten in dem kleinen Laden klangen aber sehr gut. Probiert haben wir einen sortenreinen Boskopp-Äppler. Lecker war er, aber einen zweistelligen Betrag würde ich für eine Flasche wohl nicht ausgeben.

Es war schön, bei heiter bis wolkigem Sommerwetter in dem kleinen Innenhof zu sitzen und Einiges zu probieren. Für einen entspannten Samstagvormittag genau das Richtige.

 

Nachtrag: Die Rechtschreibprüfung wollte „Pastrami“ gerade in „Kastrati“ ändern. Ich weiß nicht, ob es das besser gemacht hätte …

Die weibliche Navigationsmethode

Seit vielen Jahren habe ich kein Auto mehr. Und in den Jahren, in denen ich ein Auto hatte, waren das immer mehr oder minder altersschwache Klapperkisten. Ein Montagsmodell war auch mal dabei. Das technisch absolut Tollste, was meine Autos je besaßen, waren elektrische Fensterheber und eine kaputte Wegfahrsperre.

Dementsprechend guckte ich kürzlich ganz dumm, als ein Kollege, bei dem ich mitfahren durfte, plötzlich mit seinem Auto sprach. Ich dachte: „Was brabbelt der denn da herum?“ Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass er dem Navigationsgerät gerade langsam und deutlich unsere Zieladresse mitgeteilt hatte. Zuverlässig führte das Gerät uns durch die Stadt, und daran, dass der Kollege zum Schluss einmal das falsche Links wählte, war es nicht schuld.

Auch meine Freundin Antje, mit der ich kürzlich an Saar und Mosel war, hat ein Navigationsgerät. Nicht ganz so toll – es redet nur, hört aber nicht zu – aber doch recht gut. Wir taten zugegebenerweise nicht immer das, was es von uns wollte, denn wir wollten gerne am Fluss entlangfahren, was dem Gerät wohl nicht immer behagte. Doch schlussendlich fügte es sich immer unseren Wünschen. Nur nicht im Fall von Wasserliesch.

Wasserliesch ist keine Metropole. Es ist ein kleiner Ort mit viel Wald und Orchideenpfad, in dem das erste Hotel unseres Kurztrips stand. Es ist so klein, dass wir es auf der Karte nicht finden konnten. Und auch das Navi konnte es nicht finden. Es verschluckte sich und schickte uns einen Weinberg hinauf. Abbiegen und rauf und rum und rauf und rum – die Straßen wurden immer kleiner. Irgendwann standen wir vor einer Art steilem landwirtschaftlichem Wirtschaftsweg, auf dessen Mittelstreifen etwa einen halben Meter hoch Gras wuchs. Und wir entschieden uns, da NICHT hochzufahren. Wir verweigertem dem Navi unsere Gefolgschaft und bogen einfach andersrum ab. Das Gerät war empört: „Wenn möglich, bitte wenden! Bitte wenden!“ Wir wendeten nicht, sondern entschieden uns für eine sehr weibliche Methode der Navigation: Wir haben jemanden gefragt.

Ja, tatsächlich: Es stand ein Mann an der Straße, und den haben wir nach dem Weg gefragt. Er war sichtlich amüsiert, denn unser Gefühl hatte uns nicht getäuscht: Nach Wasserliesch ging es nicht über den Weinberg. Der Hauptstraße sollten wir folgen, immer geradeaus, bis nach Oberbillig, und da erst sollten wir abbiegen. Nicht den Berg herauf, sondern in den Wald hinein. Ab dort war unser Hotel dann auch ausgeschildert. Und unser Navigationsgerät hörte auf, mit uns zu schimpfen, und navigierte noch ein wenig. Wir kamen tatsächlich an.

Fundstücke 36: Ganzkörperwaschungen

Ich war ein paar Tage mit der ewigen Antje an der Mosel unterwegs – es war wie immer prima. Fotos gibt es auch, aber nicht mehr heute – nur eines möchte ich euch nicht vorenthalten. Bei diesem Fundstück ist es wie so oft, eigentlich möchte man die Geschichte hinter diesem Zettel wissen. Was ist passiert, das den Gastwirt im „Dorfcafé“ im Örtchen Neumagen-Drohn (wo wir übrigens jeder ein Stück vorzüglichen Käsekuchen mit Heidelbeeren verspachtelten) veranlasste, dieses Schild in der winzigen Damentoilette aufzuhängen? Man weiß es nicht …

Clematis

Im Laufe des Sommers sind sie mir immer wieder begegnet – die vielfältigen Clematis. Ich mag diese Blumen ausgesprochen gerne und gehe immer ganz nah ran.

Das Innenleben ist mal sortiert und mal, wie in diesem Falle, ein durcheinander. Auf jeden Fall ist es immer einen zweiten Blick wert. Der Rest dieser lila Clematis wurde leider schon ein wenig schrumpelig.

Das nächste Prachtexemplar wuchs in Erichs tollem Garten, in dem er mir im Juni eine ausführliche Führung gab. Die riesige Fläche ist so bepflanzt, dass wirklich zu jeder Jahreszeit irgendwo etwas zu sehen ist – toll!

Clematis

Auch in reinem weiß ist mir diese Blume in diesem Jahr schon begegenet – in einem Garten in Meitze, in dem es leider viel zu oft regnet.

Und dieses Innenleben sieht fast aus wie eine kleine Taschenlampe – die Mitte hat einen winzigen Scheinwerfer.

Und die letzte Schönheit habe ich im letzten Jahr schon einmal gezeigt, im Anschluss an unseren Besuch im Park der Gärten. Ich nehme sie nochmal mit auf, weil sie mir einfach zu gut gefällt und weil sie hier gut passt.