Der Schatz in der Pflanze

Diese kleine Geschichte ist in Teilen basiert auf einer Aufgabe im Workshop (Ihr findet einen Schatz in eurer Topfpflanze), der andere Teil ist autobiographisch. Ich habe nämlich mal versucht, Sukkulenten zu züchten – mit den unten beschriebenen Erfolgen.

Der Schatz in der Pflanze

Die blöde Sukkulente will schon wieder eingehen. Seit zwei Jahren bemühe ich mich darum, Sukkulenten zu züchten. Heraus kommt immer nur ein tabakähnlicher Bröselkram. Doch immer, wenn ich mich gerade dazu durchgerungen habe, das Elend zu entsorgen, kommen wieder einige grüne Triebe und ich gebe der Sache nochmal eine Chance. Es ist doch verrückt: Diese Dinger wachsen auf Steinen und in Wüsten, wuchern in Gärten und Kübeln. Nur bei mir passt ihnen irgendetwas nicht und sie verweigern die Zusammenarbeit. Aber jetzt ist Schluss! Ich werde das jetzt weg und kaufe mir morgen ein Alpenveilchen.

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Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Mit Schwung kippe ich den Inhalt meines grünen Blumentopfes in den Mülleimer. Als ich den gerade zuhauen will, sehe ich inmitten der brauen Erde etwas glitzern. Ich tauche hinab ins Universum meines Hausmülls – wie gut, dass ich das nicht in die Biotonne geschmissen habe. Meine Finger finden in all dem Gekrümel etwas Festes und zu meiner großen Überraschung ziehe ich einen goldenen Ring mit allerhand Blingbling daran aus dem Müll. So ein richtig dickes Teil wie aus den Kronjuwelen der Lisbeth Battenberg, nur in dreckig.

Fassungslos betrachte ich meinen Fund. Ist das der Grund, warum meine Sukkulentenzucht gescheitert ist? Und noch viel wichtiger, wie kommt der Ring in meinen Blumentopf? Will mir jemand etwas sagen? Hat etwa der komische Vogel, den ich vor zwei Jahren aus einer Jazzbar abgeschleppt habe, irgendwelche ernst-romantischen Absichten mir gegenüber gehabt? Zeitlich käme das mit der Sukkulentenpflanzung in etwa hin. Aber nein, der Typ hatte nie im Leben einen Ring in der Tasche, der war total pleite und so romantisch wie eine Salatgurke gewesen.

Was dann? Lebte auf meiner Fensterbank ein Zwerg, der aus mir Aschenputtel unbedingt eine Prinzessin machen wollte? Hatte der mit seiner winzigen Schaufel … Nein, den weiteren Gedanken verbiete ich mir. Ich bin zweifellos eine schlechte Gärtnerin, aber deshalb doch nicht völlig verblödet.

Ich wasche das Schmuckstück in meiner Spüle. Vorsichtig löse ich den Dreck aus den Fassungen der Edelsteine. In meinen Ohren höre ich die Stimme der Expertin von „Bares für Rares“ – die mit dem komischen Namen. „Müsste dringend gereinigt werden.“ Ach ne, nicht möglich, darauf wäre ich gar nicht gekommen. Ich schiebe meine Gleitsichtbrille zurecht und schalte das Licht über dem Herd ein, um das Schmuckstück genauer zu untersuchen. Ein dicker blauer Glitzerstein in der Mitte, kleinere helle Steinchen drumherum. „Hoch aufgebaut“, tönt die Expertin in meinem Kopf. Ich suche nach einer Punze und finde stattdessen eine Gravur: Ilona und Wilfried. Na toll, von mir steht da mal wieder nichts. Ohne Zweifel, irgendwer, wahrscheinlich diese Ilona, hat diesen Ring verloren. Wie er in meine Blumenerde gekommen ist, erschließt sich mir zwar nicht, aber das geht mich auch nichts an.

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Bild von Pexels

Nach ein wenig Grübelei entschließe ich mich zur Ehrlichkeit. Der Ring gehört mir nicht und Ilona vermisst ihn vielleicht. Ich mache Fotos für Social Media – wer vermisst diesen Ring? Bitte teilen, teilen, teilen! Dann bringe ich ihn zum Fundamt. Wenn Ilona oder Wilfried sich melden, sollen sie ihn sich dort abholen. Und wenn sich keiner meldet, gehört er ganz offiziell mir. Dann gehe ich damit zu „Bares für Rares“ und erzähle dort von meinem Unglück mit den Sukkulenten. Wer weiß, vielleicht hat da ja jemand einen Tipp für mich.

Späte Gerechtigkeit

Der alte Klamottenladen hat geschlossen. Endlich, denkt Tanja, als sie die Straße ihres Heimatortes entlangläuft. In diesem Geschäft hat es schon seit mindestens 10 Jahren nichts Modernes mehr gegeben, es hat sie immer gewundert, wie dieser Saftladen überleben konnte.

Sie lässt ihren Blick über die heruntergekommene Fassade des Hauses schweifen, bemerkt das verblichene alte Schild und die dreckigen Fenster. Armselig sieht das aus, schmuddelig und aus der Zeit gefallen.

Wäre es ein anderes Geschäft, würde es Tanja vielleicht ein wenig leid darum tun. Eigentlich mag sie kleine Läden und sie läuft auch nicht jeder Mode hinterher. Auch hängt sie an ihrem alten Dorf und möchte eigentlich keinen Leerstand direkt hier am Marktplatz. Doch dieses alte Textilgeschäft mochte sie noch nie. Auch nicht, als es noch gut lief und das erste Haus am Platze war. Denn der Inhaber war schon immer unglaublich arrogant gewesen. Er hatte geglaubt, dass dieser kleine Dorfladen ihn über den Rest der Einheimischen erhob und ihn zum Patriarchen des Dorfes machte.

„Ich weiß nicht, ob wir hier etwas für Sie haben“, hatte er zu Tanjas Mutter gesagt, die mit ihr an der Hand den Laden betreten hatte. „Wir haben hier eher hochwertige Ware.“ Und die Mutter hatte diese Unverschämtheit hingenommen, geschluckt und den Laden wieder verlassen. Denn Teures konnten sie sich selten leisten, sie gehörten zu den kleinen Leuten. Das hatte Tanjas Mutter ihr damals erklärt, und die hatte ihre Jugend damit verbracht, diesen Laden zu hassen und dem Inhaber nachts Müll in den Garten zu schmeißen. Das hatte er sich redlich verdient, genau wie den langsamen Niedergang seines Geschäftes in den letzten Jahren.

Tanja wirft einen letzten Blick auf das „zu vermieten“-Schild in der Tür und lächelte. Sie ist zufrieden.

Kraft

Ich habe vor einer Weile einen kleinen Workshop gemacht, in dem es um Tiere ging. Sicht auf das Tier, Sicht des Tieres auf den Menschen – solche Perspektivwechsel machen immer viel Spaß. Die Schreibaufgabe, die wir dieses Mal in Blitzgeschwindigkeit – ich glaube, es waren 20 Minuten – bearbeiten sollten, hatte mit den Bildern in der berühmten Höhle von Lascaux zu tun: Welchen Blick hatte wohl der Maler, der vor vielen Jahren die Tiere auf den Stein malte? Was hat er gedacht, während er dort malte?

Vorbemerkung: Ich habe keine Ahnung von Höhlenmalerei oder den Menschen, die in dieser Zeit lebten. Kann sein, dass dieser Gedankengang völliger Käse ist. Dann sei es so.

Kraft!

Kraft. Was ich ausdrücken muss, ist pure Kraft. Wie mache ich das sichtbar? Schwarz ist zu dunkel, Ocker zu hell. Ihre Kraft muss leuchten.

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Bild aus den Wikipedia Commons, Prof saxx, gemeinfrei

Sie sind so viel stärker als wir. Schon ein halb ausgewachsenes Tier rennt unsereinen einfach so über den Haufen, einer von uns alleine kann es mit keinem von ihnen aufnehmen. Eigentlich ist es eine Schande, dass wir sie töten. Aber wir können nicht anders. Denn wir sind schwach und brauchen ihre Kraft.

Wenn sie in der Herde laufen, bebt der Boden und der Staub über der Steppe verfinstert den Himmel. Ich weiß noch, wie viel Angst ich als Kind hatte, als ich das erste Mal eine Herde rennender Büffel sah und hörte. Meine Mutter nahm mich hoch, damit ich mich sicher fühlen und besser sehen konnte. Sie erklärte mir, dass wir nur durch die Kraft dieser Tiere leben würden, denn ihr Fleisch hält uns am Leben und ihre Haut schützt uns und hält uns warm. Kein Jäger kann so viele kleine Tiere fangen, dass es die Büffel ersetzt. In dem Jahr nach dem großen Steinschlag, nachdem die Herde ausblieb, haben viele von uns den Winter nicht überlebt und wir mussten uns eine neue Höhle suchen. Diese Höhle. Hier haben wir es bislang gut gehabt, es gibt Wasser, die Frauen finden Beeren, die Kinder sind sicher und es gibt genug, was wir jagen können. Kleine Tiere und große Tiere. Und genügend Büffel ziehen auf ihrer Wanderung an uns vorbei. Wohin sie wohl gehen?

Niemand weiß, woher die Büffel kommen und wohin sie ziehen. Niemand, der ihnen folgte, kam jemals zurück. Sie verschwanden, so wie der weiße Büffel, den unser Urahn einst sah, im Nebel verschwand und nie mehr gesehen wurde. Vielleicht sind sie gestorben, die jungen Männer, die auszogen, um zu sehen, wohin die Büffel gehen. Oder sie haben andere Orte gefunden, an denen sie leben wollten, so wir auch wir nach unserer langen Wanderung diesen Ort gefunden haben. Es soll viele Menschen geben hier auf der Erde, vielleicht so viele wie die Fische im Teich oder Büffel in einer Herde. Man weiß nicht, wie viele es sind. Niemand kann sie zählen, auch wenn man weiß, dass sie da sind. Wir haben auf unserer Wanderung ihre Spuren gesehen und ein paar von ihnen getroffen. Es ist gut, Menschen zu treffen, aber es ist nicht gut, wenn zu viele an einem Ort leben.

Wir haben es gut hier, wo wir jetzt sind. Das verdanken wir den Büffeln. Sie geben uns die Kraft zum Leben und ihr Fernbleiben, damals in diesem schicksalhaften Jahr, zeigte uns, dass wir uns bewegen mussten. Fort von dort, wo unsere Kinder hungerten, hin zu einem besseren Ort. Unser Stamm ist gewachsen in den letzten Jahren. Die Kinder sind gesund und andere Stämme verbinden sich gerne mit uns. Zwei junge Frauen sind im letzten Jahr zu uns gekommen, und eine unserer Töchter fand einen guten Mann, dem sie in seine Höhle folgte. Bald werden neue Kinder geboren werden. Die Büffel werden über sie wachen, auch meine Büffel, die ich hier an die Wände bringe. Meine Farben spiegeln ihre Kraft, ihre Wärme, all das, was sie für uns sind. Sie sind unser Totem, denn wir sind der Stamm des Büffels.

Borkum – meine Seeleninsel

Schon oft habe ich mich gefragt, welche der von mir so gerne besuchten Inseln eigentlich meine Lieblingsinsel ist. Ich denke, es ist Borkum. Und deshalb war ich besonders glücklich über die Woche, die ich kürzlich mit meiner lieben Schwester dort verbringen konnte. Für mich war es eine Wiederholung und für sie auch – aber nur bedingt. Sie war zwei Mal dort, das letzte Mal allerdings schon vor 45 Jahren. Ja, da hat sich einiges geändert.

Dünen-Gif

Wir reisten mitten in der Woche an und konnten uns gleich über ein bisschen Sonne freuen. Überhaupt war das Wetter die ganze Zeit über gut: morgens oft noch bedeckt, aber dann immer sonniger. Da die Wetter-App unserer Handys total versagte und das an keinem Tag so vorhersagte, holten wir uns gleich am ersten Tag einen krassen Sonnenbrand in unseren schönen Gesichtern. Die Sonnencreme lag derweil sicher aufgehoben im Hotel.

Türme auf Borkum, Panorama

Meine Schwester und ich wohnten wieder einmal in einem Hotel direkt am neuen Leuchtturm. Dort hatten wir zuletzt 1977 zusammen mit unseren Eltern gewohnt. Es gab viele Erinnerungen, die sich bei mir natürlich mit den Erinnerungen an Urlaube aus neuerer Zeit mischten. Meine Schwester dachte oft zurück an die vielen Kinder, mit denen wir dort gespielt hatten. Ich erinnerte mich an Mini Milk und Berry – unser damaliges Nachtisch-Eis.

Anfang des Urlaubs hatten wir viele Pläne: Inselrundfahrt, Heimatmuseum, vielleicht Aquarium. Doch dann machte das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung, denn wir waren an jedem Tag einfach nur draußen. Mal liefen wir durch die Dünen, dann wieder schlenderten wir auf der Promenade von Bank zu Bank. Beide sind wir so veranlagt, dass wir keine große Action brauchen für einen schönen Urlaub. Es reicht uns, auf’s Meer zu gucken. Und die Sonnenuntergänge lassen bei gutem Wetter ja bekanntlich keine Wünsche offen. 

Sonnenuntergang auf Borkum

Bei Blick von der Promenade auf die Nordsee offenbarte sich, wie schnell sich die Insellandschaft manchmal verändert: Die Sandbank, auf der bei niedrigem Wasser immer ein paar Seehunde chillen, ist in den letzten Jahren sichtbar näher gekommen. Früher fuhr man mit dem Boot dahin, Anfang der 2000er Jahre war es eine längere Wanderung und inzwischen ist es ganz nah, so dass man vom Strand aus sehen kann, wie die Tiere hin- und herrobben. Manchmal schwimmt auch einer ganz nah ran und guckt rüber. Ob wir für die Tiere wohl genauso interessant sind wie sie für uns? Ob sie sowas denken wie „Oh, wie niedlich“, wenn ein kleines Kind am Strand herumspielt?

Das Borkumer Wildlife war dieses Mal friedlich: Da es nur wenige Möwen gab, hat mich ausnahmsweise mal keine ankekackt. Das ziehe ich ja sonst magisch an. Der einzige Fasan, den wir sahen, zeigte sich kamerascheu, aber die unzähligen Karnickel hoppelten fröhlich überall herum. Ich kann verstehen, dass die Borkumer sie nicht lieben, sind sie doch aufgrund ihrer reinen Anzahl inzwischen zur Plage geworden und unterhöhlen alles munter mit ihren Gängen und Kinderstuben. Doch ich habe mich immer gefreut, sie zu sehen. Selbst aus unserem Frühstücksraum heraus sah mal es fröhlich hoppeln. Leider habe ich vor lauter Niedlichkeit vergessen, welche zu fotografieren. Stattdessen knipste ich wieder einmal Blüten.

Auch kulinarisch kamen wir übrigens voll auf unsere Kosten: Wir hatten Halbpension gebucht, die in diesem Famiulienhotel solide, aber nicht aufregend ist. Wir gönnten uns aber jeden Tag eine Zwischenmahlzeit. Zumeist war die süß, denn es gibt auf der Insel unzählige Möglichkeiten, gut zu kaffeesieren und sich fest-flüssig zu versorgen. Der gelbe Schnaps namens Fasanenbrause schmeckte mir, meine Schwester fand ihn allerdings grauslich. Am allermeisten haben uns jedoch die Fischbrötchen von Hinnis Milchbar beeindruckt. Wir probierten Matjes (ich) sowie Bismarck und Krabbe (meine Schwester). Wir kamen bei allen drei Varianten zu dem Schluss: Besser geht’s nicht! (muss ich jetzt wohl „Werbung“ über diesen Post schreiben? 😉 )

Schön ausgedrückt – Wir und Sie

Lange ist’s her, doch heute gibt es mal wieder ein paar Gedanken zur Sprache. Wir und Sie – das sind zwei kurze Wörter mit sehr großer Macht.

Wir und Sie

„Wie können wir das zulassen?“, fragt der betroffen dreinblickende Schauspieler, der in einem TV-Spot um Spenden bettelt. „Wir brauchen eine einsatzbereite Bundeswehr“, sagt der bierbäuchige Stammtischler, der selber viel zu alt ist, um sich in eine Uniform zu zwängen und in irgendeinem Land durch die Wüste zu rennen. „Wir können uns einen höheren Mindestlohn nicht leisten“, behauptet der Lobbyist, der selber noch nie mit weniger als dem fünffachen des Mindestlohns auskommen musste. Wir, das schafft Nähe, das macht gleich. Zumindest soll es das.

Das genaue Gegenteil des kumpelhaften „Wir“ ist das Distanz schaffende „Sie“, umgangssprachlich gerne verkürzt auf „se“. „Da hinten ham‘ se eingebrochen“, oder auch „den Müll schmeißen se ja doch immer neben die Tonnen“. „Se“, das sind die Schlimmen, die Unanständigen. Die, mit denen „wir“ auf keinen Fall in einen Topf geworfen werden wollen. „Se“, das sind „die“, also die anderen, die außen vor dem „wir“ stehen.

„Und dann wollen se alle nicht arbeiten“, sagen die, die ganz genau wissen, wie die so ticken, die anderen, die nicht dazugehören. Es ist ein einfaches Spiel, das da gespielt wird von den Aufrechten, von denen mit dem guten Blick und der Menschenkenntnis: Die da draußen, die sind nicht wie wir. Die spielen bei uns nicht mit.

Heute vor 80 Jahren

… wurde meine Mutter Ursel geboren. Sie war die Tochter von Gerhard Friedrich und Erna sowie die große Schwester von Claus und Rita.

Familie am Weihnachtsbaum

Weihnachten mit der Familie, etwa 1956

Als Kriegskind verbrachte sie die ersten Jahre nur mit ihrer Mutter. Die Zeiten waren schwierig,  aber meine Oma Erna war eine echte Löwin und brachte ihr Kind allen Widrigkeiten zum Trotz durch.

Die Mädchenjahre verbrachte Ursel zum großen Teil in der Schloßstraße in Rastede, und zwar in der Wohnung, in der ich später so oft meine Großeltern besucht habe. Anfangs wohnte die Familie beengt in zwei kleinen Zimmern in der unteren Etage, konnte später aber oben zwei Zimmer und einen großen Dachboden dazu mieten. Um in die oberen Zimmer zu gelangen, musste man lange über eine Außentreppe gehen – das hat mich als Kind total fasziniert.

In der Teenagerzeit engagierte meine Mutter sich sehr in der neuapostolischen Kirche. Dort hatte sie auch Gelegenheit, Geige spielen zu lernen. Mit 14 musste sie von der Schule abgehen, obwohl ihr aufgrund von Krankheit – sie hatte eine angeborene Hüftfehlstellung – zwei Jahre fehlten. Sie begann zunächst als Kindermädchen und Haushaltshilfe zu arbeiten und besuchte nebenher eine Haushaltsschule. Später arbeitete sie in einer Fabrik, die Einlagesohlen für Schuhe herstellte.

Mädchenchor mit Geigerin

Und dann ging meine Mutter in einem roten Kleid auf eine Hochzeit, wo sie meinen Vater kennenlernten. Es funkte nicht sofort, aber durch Zufall trafen sie sich wieder, mochten sich und wollten zusammen in den Urlaub fahren. „Das gehört sich nicht!“, fand meine Oma Erna, und so wurde zuerst geheiratet. Viele Jahre später fragte ich meine Mutter, wie sie es denn gefunden hätte, wenn ich mit 22 einen 12 Jahre älteren Witwer hätte heiraten wollen, den ich erst ein paar Wochen kenne. „Verrückt“, antwortete sie.

Auf Hochzeitsreise reisten meine Eltern nach Freilassing, wo sie Boot und Bergbahn fuhren, wanderten und mein Vater meiner Mutter das Schwimmen beibrachte.

Ursel wurde Mutter zweier Töchter: 1966 wurde meine wunderbare Schwester Ilka geboren, 1970 folgte ich. Man beachte: Das Bild mit der Familie im Wasser entstand im August 1970 auf Borkum. Da war ich schon da, aber ich durfte nicht mit! Die haben mich einfach bei Oma und Tante Rita gelassen! Da hatte ich es bestimmt gut, aber eifersüchtig bin ich doch! 😉

Immer, wenn ich darüber nachdenke, fällt mir auf, was für eine gute Ehe meine Eltern führten. Die haben sich auch mal gestritten, wegen irgendwelchem Kleinkram wie „Sollte man wirklich ein Gerüst basierend auf einer 40 Jahre alten Schranktür bauen und da noch eine Trittleiter draufstellen?“ oder „Isst man Bohnensuppe mit dem Löffel oder einer Gabel?“, aber sie waren doch immer rücksichtsvoll und einander zugewand.

Mein Vater starb 2002 an Krebs. Da war meine Mutter ebenfalls schon sehr hinfällig, ihre Multiple Sklerose machte sie zunehmend unbeweglich. Ihre letzten Jahre verbrachte sie in einer kleinen Einliegerwohnung bei meiner Schwester, wo sie von Ilka und ihrer Familie liebevoll umsorgt wurde. Ich fuhr hin, so oft ich konnte. In Frankfurt besuchte sie mich mit meiner Schwester tatsächlich auch zwei Mal, bereits im Rollstuhl sitzend. Das war immer etwas abenteuerlich, denn meine kleine Wohnung war dafür nicht wirklich geeignet.  Dort, wo ich jetzt wohne, ginge das besser, aber diese Wohnung konnte sie leider nur noch auf Bildern ansehen.

Über den Dächern von Frankfurt

Im Oktober 2014 war Uschis Weg zuende. Was bleibt, sind viele schöne Erinnerungen. Die Leidenschaft für’s Handarbeiten wurde mir von ihr und Oma Erna vererbt, und ich habe die beste Schwester der Welt (hier zu sehen 1976).

Zwei fremde Leben

Vor zwei Wochen hatte ich ein Erlebnis, das gleichzeitig schön, aber auch merkwürdig und irgendwie verstörend war: Ein Freund von mir hatte gemeinsam mit seiner Mutter ein Haus geerbt. Es hatte zwei hochbetagten Leuten gehört, die vor einigen Jahren verstorben waren. Dieses Haus wurde nun verkauft, und zwar so, wie es war – unrenoviert und mit Inhalt. Die Käufer hatten kein Interesse an den vielen Sachen im Haus, sodass der Freund uns vorschlug, mal durchzugehen und zu gucken, ob wir etwas haben möchten. Wäre ja gut, denn dann würde nicht alles weggeschmissen. Schön, dachte ich, das ist ja wie ein „Flohmarkt für umsonst“. Ich freute mich darauf und überlegte, dass ich vielleicht eine schöne Kaffeekanne gut gebrauchen könnte.

Zu fünft betraten wir also das fremde Haus. Ich glaube, wir Gäste waren alle ein bisschen aufgeregt, denn obwohl wir die früheren Bewohner nicht kannten und es keinerlei emotionale Bindung an das Haus und dessen Inhalt gab, hatten wir doch das Gefühl, in zwei fremde Leben einzudringen. Dementsprechend verhalten begannen wir, uns umzusehen. Zögernd wurden erste Schranktüren geöffnet. Alle hatten wir mal gelernt, dass man bei fremden Leuten nicht in die Schränke glotzt – das musste man erst mal loswerden. Wir teilten uns auf – zu dritt sahen wir uns unten um, die Herren begannen aus irgendeinem Grund mit dem Dachboden. Anfangs spähten wir immer gemeinsam in jeden Schrank, erst langsam begannen wir, auch Sachen herauszunehmen und genauer anzugucken. Jeder suchte sich eine Ecke auf einem Tisch, um das Häufchen der „will ich haben“-Sachen dort abzulegen.

Was wir fanden, war in erster Linie Geschirr. Kaffeeservice, Teeservice, Gläser – ich glaube, die Hausbewohner hätten eine Kaffeetafel für 60 Personen ausrichten können, ohne irgendwo Geschirr auszuleihen. Schnell fand ich eine hübsche Kaffeekanne. Und dann noch eine. Und noch eine. Eine Freundin nahm eine Teekanne – auch zu dem Set gab es eine hübsche Kaffeekanne. Ich zeigte ihr eine andere Teekanne – auch die fand sie schön. Unsere Stapel wuchsen. Ein schöner Kuchenteller mit Rosenmuster – hinreißend altmodisch. Eine gut dazu passende Tortenplatte – ganz entzückend. Die andere Freundin fand ebenfalls einen Tortenteller – hübsch gemustert in einem sonnigen Gelb.

Schallplatte, abgebildet Wim, Wum und Wendelin

alte Bekannte – solche Platten hatte meine Oma auch

Vieles versetzte uns mit Schwung zurück in die 70er und 80er Jahre. Erstaunlicherweise war Etliches original verpackt und offensichtlich nie benutzt worden – elektrische Bratenmesser, Brotmesser mit Scheibendickeneinsteller (mindestens zwei), etwa 15 Brotkörbe. Auch Anderes gab es in so großer Zahl, dass wir es kaum fassen konnten – was macht man denn mit mindestens 100 Untersetzern in dekorativen Schachteln? Und wie viele Spülbürsten verbraucht man Zeit eines Lebens? Warum bevorratet man so etwas? Das gute Tafelsilber lag bunt gemischt mit billigstem Besteck, wie es auf Kaffeefahrten verteilt wird, in der Lade. Ganze Bestecksets waren noch original verpackt – teils hochwertig, teils aus scharfkantigem gepresstem Blech. Zierliche Mokkasets, wie unbenutzt, und Gläser aus verschiedenen Dekaden – alles war so überreichlich vorhanden, dass man gar nicht wusste, wo man hingucken sollte. Denn im ersten und zweiten Stock ging es ähnlich weiter: von allem viel, oft so gut wie neu. Selbst im zweiten Stock fand ich noch einen Geschirrschrank, den ich aber nur kurz öffnete und dann aufgab – zu unübersichtlich war die darin aufgestapelte Masse.

Auch Andenken gab es, die wir nur ansahen, wenn sie uns direkt vor die Finger fielen. So lag auf einem Tisch eine Kinokarte aus dem Jahr 1960. Woanders sahen wir eine Postkarte, die auf 1943 datiert war. Foto- und Andenkenalben gab es ebenfalls, aber die sahen wir kaum an – das Gefühl, zu tief in die Privatsphäre fremder Menschen einzudringen, war dabei zu stark.

Am meisten beeindruckte mich jedoch die Küche: Denn hier sah man, wie das Paar, abseits von Sammelwut und Vorratsdenken, gelebt hat. Und das war anscheinend bescheiden. In den Küchenschränken befand sich einfaches, viel benutztes Geschirr. Angeschlagene Kaffeebecher und Senfgläser für die kalten Getränke. Das in den Wohnzimmerschränken war offensichtlich „für gut“ gewesen und geschont worden. Ähnlich kenne ich das von meinen Verwandten, die auch alle „das gute Geschirr“ in den Wohnzimmerschränken gehabt hatten.

alte Küche mit Blumen an den Fliesen und HähnchengrillNachdem wir unsere geplanten zwei Stunden durch das Haus gegangen waren, sichteten wir die gesammelten Werke auf den Wohnzimmertischen. Ich stellte drei Viertel wieder zurück, und so machten es auch die anderen. Nicht, weil es nicht schön gewesen wäre, sondern weil wir es nicht brauchten. Weil auch unsere Schränke schon voll genug sind und wir nicht in der Masse ertrinken wollen, wie es diesen beiden alten Menschen anscheinend passiert ist. Ich nahm eine Kaffeekanne und noch ein paar Sachen, ließ aber die Tortenteller zurück – ich habe zwei, und nie habe ich mehr als zwei Kuchen, die ich gleichzeitig anbieten müsste. Auch zwei Spülbürsten – originalverpackt – nahm ich mit. Doch ich widerstand dem Nähkasten und der Schachtel mit den vielen Rollen Nähgarn in Rottönen – so viele Knöpfe kann ich gar nicht basteln. Auch meine Freunde wählten jeweils nur einige Sachen, sodass wir später zu viert mit all unseren Schätzen in ein kleines Auto passten.

Dieser Nachmittag hat mich sehr beschäftigt und bewegt. Es war doch etwas ganz anderes als ein normaler Flohmarkt. Ich glaube, so tief war ich noch nie im Leben zweier völlig Fremder. Und ich hoffe, dass noch einige der im Haus angehäuften Sachen einen Abnehmer finden. Vielleicht kann ein Sozialkaufhaus noch etwas gebrauchen, oder die neuen Besitzer haben Spaß daran, einiges auf dem Flohmarkt oder bei Ebay zu verkaufen. Aber es ist schwierig – die Mengen im Haus sind so groß und unübersichtlich, noch dazu ist es teilweise so voll, dass man sich kaum bewegen kann. Wenn man das sortieren will, braucht man wirklich Zeit.

Laffeekanne mit blauem Muster und Saftkaraffe

Ein Teil meiner Ausbeute

Nachtrag: Ich wüsste gerne, wie es einmal sein wird, wenn mein Haushalt aufgelöst wird. Ob es mein Neffe sein wird, der durch die Wohnung streift und sich darüber wundert, was die Tante alles angesammelt hat? Oder gebe ich selber mal alles weg, um in ein Zimmerchen in einem Altenheim zu ziehen? Es ist wohl zu früh, darüber nachzudenken, aber nicht zu früh, um mal wieder auszusortieren – wehret den Anfängen!

Nachtrag 2: Ja, ich weiß, auch ich habe zu viel von allem. Besonders Bastelsachen und Wolle reichern sich bei mir an. Aber ich habe meinen Gelüsten nachgegeben und dem Freund, der uns eingeladen hat, am Tag nach der Hausbegehung eine Nachricht geschrieben: Ob er mir wohl doch noch das Nähkörbchen und die Schachtel mit den Garnrollen sichern könnte? Er kann! 🙂

Ihr größter Wunsch

Ein Märchen sollten wir schreiben im Schreibworkshop. Darin sollte einer unserer eigenen Glücksmomente vorkommen. Nun denn – ist klar, dass meine Prinzessin nicht ganz dürre ist, oder?

Ihr größter Wunsch

Es war einmal eine pummelige Prinzessin, die lebte in einem wohlgeordneten Land. Dort war alles gut für sie und sie hatte nicht zu klagen. Sie wohnte in einem Schloss mit Garten, hatte edle Speisen und schöne Kleider. Ein Dutzend Hofdamen waren um sie herum und gaben acht, dass sie sich nicht langweilte. Sie gingen mit ihr spazieren, lasen ihr vor, spielten heitere Spiele mit ihr oder sangen. Ihr heiteres Geplaudere ließ die Tage wie im Flug vergehen.

War die Prinzessin müde, brachte man sie in ihre Kemenate, wo eine Zofe ihr die Kleider abnahm, eine andere ihr den vorgewärmten Schlafanzug brachte und eine dritte ihr die Haare kämmte und unter die Nachmütze schob. Dann sangen die drei Mädchen mit ihren engelsgleichen Stimmen so lange, bis die Prinzessin eingeschlafen war. Der gleiche Gesang war es, der sie morgens weckte.

Die heitere Schar der Hofdamen

An einem Tag im Mai, als die Prinzessin gerade von ihren Damen mit Blumen bekränzt wurde, kam ein altes Weiblein des Weges. Es ging gebeugt und hatte sichtlich zu kämpfen, um einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Prinzessin, die von guter Art war, erhob sich von ihrem Thron und ging zu der alten Frau.

„Kommt mit mir, gute Frau, und ruht euch ein wenig aus“, sagte sie und stützte die Greisin mit ihrem rosigen Arm. Die Hofdamen waren entsetzt: „Aber Prinzessin, lasst doch die Alte. Seht ihr nicht, wie schmutzig sie ist?“ Und sie hat hier in den königlichen Gärten doch gar nichts zu suchen!“

Die freundliche Prinzessin aber hörte nicht auf sie, half der Alten auf ihren eigenen Lehnstuhl und labte sie mit Früchten und Käsewürfeln. Auch einen Kelch mit Zitronenbrause bekam die alte Frau serviert, und weil sie in ihrem fadenscheinigen Gewand fror, legte die Prinzessin ihr ihre eigene rosa Stola um die mageren Schultern.

„Ich danke dir, mein Kind. Du bist ein gutes Mädchen.“ Die Prinzessin lächelte nur und bot der Alten ein warmes Lager für die Nacht an. Das lehnte diese aber ab. „Hab Dank, mein Kind, das ist lieb gemeint. Ich habe aber noch Hund, Katz und Esel in meiner Hütte, um die ich mich kümmern muss. Deshalb will ich gleich weitergehen. Du aber nimm dieses Fläschchen von mir. Es enthält einem Kräutertrank. Wenn du den trinkst, wird dein größter Wunsch in Erfüllung gehen.“ Mit diesen Worten erhob die Greisin sich ächzend, nickte den Umstehenden zu und ging langsam, aber stetig über den königlichen Rasen. Obwohl die Prinzessin ihr mit den Augen folgte, hätte sie nicht sagen können, wohin sie schließlich verschwand.

„Die war ja merkwürdig“, fand eine der Hofdamen und eine andere meinte, dass es ja wohl unmöglich sei, dass so eine alte, schmutzige und stinkende Frau Wünsche erfüllen könnte. „Gießt das Gift lieber weg“, empfahlen sie der Prinzessin und ein Diener kam, um ihr das Fläschchen abzunehmen. Die Prinzessin hielt es jedoch fest in ihrer kleinen Hand. Sie war sehr nachdenklich.

„Wisst ihr was, Mädchen? Ich weiß gar nicht genau, was ich mir wünsche. Ich habe doch alles.“ Da wurden die Hofdamen munter und machten eine Menge Vorschläge: „Ein rosa Kleid!“, rief eine und die nächste „ein großes Diadem mit Brillanten, so groß wie Enteneier“. „Einen Prinzen hoch zu Pferde“, schlug eine vor“, ein andere rief „eine bessere Figur“, und die jüngste zwitscherte „rote Haare wären doch toll!“

Ihr größter Wunsch

Die Prinzessin saß da und betrachtete das Fläschchen. Ihre Hofdamen standen um sie herum und auch die Zofen und Diener liefen herbei, um zu helfen. Alle wollten wie sie beraten und redeten deshalb auf sie ein. Das Fläschchen, klein und unschuldig, schien zu lächeln und die Prinzessin dachte plötzlich: Es wird wissen, was mein größter Wunsch ist.

Sie zog den Stöpsel aus der Flasche, schnupperte kurz und trank dann vertrauensvoll die aromatische Essenz, die nach Kräutern, Mineralien und Beeren schmeckte. Der Hofstaat verfolgte ihr Tun mit ängstlichem Blick. Dann machte es Poff und die Prinzessin verschwand.

Sie tauchte auf einer Düne am Strand einer Insel wieder auf. Um sie herum waren kaum Menschen, und die, die da waren, nahmen keinerlei Notiz von ihr. Es gab keine Hofdamen, keine Diener, keine Zofen. In der Ferne sah sie ein kleines reetgedecktes Häuschen und wusste, dass sie dort schlafen konnte und das Nötigste vorfinden würde.

Sie blickte aufs Meer und was sie sah, gefiel ihr. Sie war noch nie an einem Strand gewesen. Dann aber horchte sie auf – einmal, zweimal, dreimal. Die einzigen Stimmen, die sie hörte, waren die der Möwen am Himmel. Es sangen nur der Wind und das Meer. Niemand redete, es gab keine Lieder. Sie setzte sich zurecht und atmete tief aus – Stille. Das war das, was sie sich wünschte, schon immer gewünscht hatte. Heute Abend würde niemand sie bedienen, niemand würde sie in den Schlaf singen. Sie war allein mit ihren Gedanken und genoss es aus vollem Herzen.

Nicht nachgedacht

Mal wieder durfte ich mich in ein Tier verwandeln. Das Problem dieses Mal: ich hatte zu wenig Zeit, um ordentlich darüber nachzudenken, und hadere deshalb mit meiner Entscheidung. Und das aus gutem Grund!

Das Reitschulpferd

Boah, diese dumme Trulla! Sitzt auf mir wie ein Sack Kartoffeln, schwankt wie ein Fähnchen im Wind und beschwert sich noch, dass es ihr nicht geschmeidig genug geht. Ist doch nicht zu fassen – dafür bin ich nicht zum Pferd geworden!

Friesenpferd mit Reiterin

„Ein edles schwarzes Friesenpferd“, hatte ich gesagt, als die Hexe mich nach meinem Verwandlungswunsch gefragt hatte. Wie blöde kann man denn nur sein? Warum hatte ich nicht Zebra gesagt, oder Dülmener Wildpferd? Nein, ich musste mich unbedingt für ein domestiziertes Zuchttier entscheiden. Gut, dass mir nicht Milchkuh als erstes eingefallen ist, oder Legehenne. Jetzt bin ich ein Reittier in einer Reitschule, und auf mir hockt die 17-jährige, hoffnungslos untalentierte Pamela und heult rum. Ich geb‘ der gleich ‘nen Grund zum Heulen!

So, einfach mal angaloppieren. Galloppel, gallopel – und jetzt bremsen. Huch, da liegt sie – so ein Pech aber auch. Der Reitlehrer schimpft, anscheinend hat Pamela was falsch gemacht. Ja, festhalten wäre halt gut gewesen. Er scheucht sie wieder rauf – aufstehen und weitermachen ist seine Devise. Am Zaun streife ich sie ab. Eigentlich ganz lustig. Trotzdem bedaure ich, dass ich mir kein anderes Tier ausgesucht habe. Eine Forelle vielleicht, die fröhlich in einem Teich wohnt und ab und zu die umliegenden Bäche erkundet. Wäre nur doof, wenn man in blau auf irgendeinem Teller landet. Brunnenkröte wäre auch hübsch gewesen, die isst zumindest keiner. Oder ein Vogel, fröhlich flatternd im kalten Wind, da kriegt man was zu sehen. Oder – auch schön – ein Meerschweinchen. Die sind niedlich, kriegen Gurke und dürfen ununterbrochen essen. Das, was sie oben reinstopfen, kacken sie unten wieder aus. Stopfmagen nennt sich das. Das kommt mir ja eigentlich entgegen. Aber ich musste mich ja für einen Pferdemagen entscheiden. Immerhin werde ich regelmäßig gebürstet, wenngleich ich glaube, dass Pamela nach dieser Unterrichtseinheit wenig Lust darauf haben wird. Ob ich sie einmal in das Matschloch im hinteren Teil der Koppel schmeißen sollte? Man muss ja das beste draus machen, aus so einem Pferdeleben. Einfach nochmal angaloppieren … Fliiiieg, Pamela, flieg!

Kleine Trösterlis

Da ich ja derzeit viel stricke, sammeln sich auch viele Reste. Wie immer tun sich die Sockenwollreste in ihrem Aufkommen besonders hervor. Immerhin elf sehr kleine Knäulchen konnte ich kürzlich verwenden: Indem ich sie zu Trompetenschnüfflern verwerkelt habe. 

Trompetenschnüffler

Antreten zum Klassenfoto!

Die Anleitung für diese lustigen Gesellen habe ich auf Ravelry gefunden. Sie werden gerne als Trösterlis für Kinder eingesetzt, beim Arzt, in Krankenhäusern nd so weiter. Sie können nämlich Sorgen wegschnüffeln. Außerdem macht es unheimlich Spaß, sie zu machen. Einer braucht nur etwa 10 Gramm Wolle, uns so entstanden aus elf Wollrestchen insgesamt 15 Schnüffler. Sie gingen gemeinsam mit meinen Spendensocken auf die Reise und ich hoffe, dass jeder von ihnen ein liebevolles Zuhause finden und dort fleißig Sorgen wegschnüffeln wird.