Filzen und der irre Blick

Noch immer übe ich fleißig das Filzen, es entstand daher in den letzten Wochen noch ein wenig Meeresgetier. Ich stelle allerdings immer wieder fest, dass meine Viecher nicht besonders lebensecht aussehen, außerdem habe ich noch ein arges Problem mit Gesichtern. Soll heißen, sie gucken alle irgendwie komisch 🙂 Besonders Kraken geraten mir merkwürdig, was daran liegen mag, dass Kraken auch ohne mein Zutun schon sehr merkwürdig aussehen. Ich habe meine Exemplare erst mal ins Regal gestellt und werde die Köpfchen nochmal etwas nacharbeiten, wenn mir eine Idee kommt, was da helfen könnte.

Da ist es auch ganz egal, ob ich sie mit Frisur ausstatte oder ihnen eine Knollennase verpasse – sie gucken nicht seriöser. Und dann filze und filze ich fröhlich vor mich hin und mache es manchmal immer schlimmer. So wie in diesem Fall, in dem es mir einfach nicht gelang, zwei gleich große Augen zu sticheln – also habe ich sie irgendwann ganz ungleich gemacht.

Besser gelang mir da die Qualle, was wahrscheinlich daran liegt, dass Quallen eigentlich gar keine richtigen Augen haben und man da kein Schönheitsideal im Kopf hat. Meine guckt unschuldig bis dümmlich und ich glaube, dass das dem Charakter einer handelsüblichen Qualle durchaus entspricht.

Am liebsten filze ich aber Fische. Die haben nicht unanständig viele Beine, es gibt sie in unzähligen Ausformungen und Farben und auch die Gesichter sind in der Regel nicht besonders filigran. Hier haben wir einen vierzipfeligen Grünschwanzflosser:

Ich bin also von Perfektion noch sehr weit entfernt. Spaß macht es aber immer noch. Daher werde ich emsig weiter üben, noch ein paar Fischlein basteln und mich dann, wenn die Filznadel eher dass tut, was ich mir vorstelle, mal zu den etwas realistischeren Darstellungen übergehen. Noch genieße ich mein heiteres Kunterbunt, und ich habe mich auch erst sechs Mal gestochen.

Kulturgut

Dieses kleine Geschichtchen habe ich eigentlich mal für einen Wettbewerb geschrieben, der den schönen Titel „Wir kommen in Frieden“ trug. Und dann habe ich völlig vergessen, ihn auch einzureichen. Nun gut, also soll er hier zu Ehren kommen 😊

Kulturgut

Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Es war hauptsächlich einem Apfelstrudel zu verdanken, dass die kleine Gruppe der Menschen, die die Tsunami- Katastrophe im Norden Deutschlands überlebt hatte, Asyl auf dem Planeten Artis bekam. Die Artiden waren zunächst wenig begeistert von der Menschengruppe, die, größtenteils gekleidet in langweilige dunkle Kleidung, mit lautem Knall auf Artis angekommen waren.

Der Gemeinderat einer kleinen Küstenstadt hatte soeben die Sonderausstellung „Von der Seefahrt zur Raumfahrt“ im Gemeindesaal besichtigt, als unvermutet eine riesige Wasserlawine über den Ort hereingebrochen war. Man hatte in einer von Schülern gebauten Rakete Schutz gesucht. Per Knopfdruck angetrieben von einem Kerosinmotor, hob die Maschine taumelnd ab. Am verblüfftesten davon war wohl Helma Bramel, eine Putzfrau, die in der Kapsel Staub gewischt hatte. Irgendwann war die Raumkapsel auf Artis in einen Teich gefallen.

Der einzige Grund, warum die Artiden den Flüchtlingstrupp nicht sofort wieder auf den eigenen Planeten zurückschickten, war die ramponierte Raumkapsel. Niemand wusste genau, wie man dieses Ding eigentlich flog, und Kerosin gab es auf Artis auch nicht. So durften die zwölf Gestrandeten vorerst bleiben, obwohl sie das einzige Kriterium für Asyl auf Artis offenbar nicht erfüllten: Neu aufgenommene Individuen mussten der hochentwickelten Bevölkerung einen kulturellen Vorteil oder zumindest technologische Neuerungen mitbringen. Dieses war bei diesen leicht debil anmutenden Kreaturen, die seit Jahren nicht davon abließen, den eigenen Planeten zu zerstören, nicht zu erwarten.

Die Neuankömmlinge zogen sich zunächst ratlos in die ihnen zur Verfügung gestellten Behausung zurück und verharrten in Schockstarre. Alle, bis auf Helma Bramel. Der lag das Nichtstun nicht. Sie hatte die Obstbäume im Garten entdeckt und bat darum, ein paar der reifen Früchte ernten zu dürfen. Das wurde ihr bewilligt, und so erfreute sie ihre Mitreisenden mit Apfelstrudel, Pflaumentarte, Apfel-Mandelkuchen und Walnuss-Hefezopf. Wunderbare Gerüche wehten durch die Fenster und umgarnten neugierig schnuppernde Nasen. Nach und nach fanden sich Artiden, die gerne auf ein paar Worte und ein Stück Kuchen hereinkamen. Gemeinsam zu essen schafft Freundschaft und Vertrauen, gemeinsam zu kochen bringt Spaß.

Irgendwann ließen die ersten Gäste sich die Rezepte der köstlichen Gebäcke geben. Ein Freund und Förderer der Erdenmenschen sprach sich dafür aus, die Backkunst von Helma Bramel als Kulturgut anzuerkennen. Außerdem sei doch die bunte Kittelschürze, die sie bei ihrer Ankunft getragen hatte, ein außerordentlich schönes und praktisches Gewand, das nachahmenswert sei. Beidem wurde zugestimmt. Jedoch mussten die Flüchtlinge sich verpflichten, die Gesetze von Artis zu achten, sich weiterzubilden und keine Erfindungen zu verbreiten, die dem Planeten schaden könnten. So wurde man sich einig und lebte glücklich und zufrieden miteinander.

Unerreichbar

„Ach Marko, bitte! Jetzt lass es doch einfach mal klingeln!“ Genervt sah Lisa, wie ihr Freund schon wieder das Handy aus der Tasche fingerte und hektisch telefonierte. Es war mindestens das fünfte Mal heute und auch gestern schon hatte er mehr mit seinen Kollegen als mit ihr gesprochen.

Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

„Verkaufen, verkaufen!“, kreischte Lisa und äffte dabei Markos wichtigen Gesichtsausdruck nach. Der drehte ihr verärgert den Rücken zu und sprach noch etwas lauter als zuvor. Er wirkte angespannt und ruderte sinnlos mit den Armen. Lisa verstand die ganze Aufregung nicht. Es war ja nicht so, dass es in Markos Job um Leben und Tod ging: Er war Steuerberater, doch die ganz großen Fische waren bislang an seinem Netz vorbei geschwommen. Auch war nicht die Zeit für den Jahresabschluss.

„Was soll denn das?“, maulte Marko seine Freundin an, als er endlich fertig war. „Warum machst du dich über mich lustig?“ Lisa hatte eher eine Entschuldigung von ihm erwartet, ganz bestimmt aber keine Vorwürfe.

„Da fragst du noch? Ich hatte mich so auf diese Woche gefreut. Aber zuerst kommen wir einen ganzen Tag später los und jetzt telefonierst du alle Nase lang. So habe ich mir das nicht vorgestellt mit unserem ersten gemeinsamen Urlaub.“

Marko stöhnte. „Ach Lisa, bitte, jetzt sei doch nicht gleich eingeschnappt. in meinem Job ist es wichtig, immer verfügbar zu sein.“

Lisa rollte die Augen. „Jetzt mach dich doch nicht lächerlich, Marko. Du tust ja gerade so, als ginge es bei dir um die Rettung des Weltfriedens und nicht um die Buchhaltung der Bäckerei Biesemann!“

Marko wirkte gekränkt. „Das verstehst du nicht“, meinte er. „Ich kann in meinem Job nicht einfach zum Feierabend alles fallen lassen, bei mir geht es im Kopf immer weiter.“

Lisa grinste sarkastisch. „Das ist dann aber ein Problem deines Kopfes, nicht deines Jobs. Vielleicht sollte ich da mal Hand anlegen?“ Lisa war Gehirnchirurgin.

Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Marko trottete beleidigt neben ihr her. Venedig schien für ihn heute nur aus Buchhaltung und Taubenscheiße zu bestehen – das sagte zumindest sein Gesichtsausdruck.

Lisa versuchte es nochmal: „Bitte, Marko, versteh mich doch. Meine Arbeit ist auch anstrengend und es ist für mich auch nicht leicht, frei zu bekommen. Ich möchte diese kostbare Zeit nutzen, um mich zu erholen und Zeit mit dir zu verbringen.“

Marko sah sie verbittert an. „Jaja, du willst dich erholen. Dann erhole dich doch. Du willst Zeit mit mir – bitte, hier bin ich. Du wolltest nach Venedig – ja, schön, hier sind wir. Guck dich um, überall Venedig. Was willst du denn noch?“

„Ein bisschen Spaß vielleicht? Gute Gespräche, ein paar nette Worte vielleicht sogar, ein bisschen Kultur? Vielleicht sogar hemmungslosen Sex?“

Marko stöhnte. „Jetzt hör mir doch auf mit Sex! Glaubst du, ich kann mit dir schlafen, wenn in der Firma gerade die Wagner an mir vorbeizieht?“

Lisa nickte. Sowas hatte sie sich fast gedacht. „soso, die Andrea Wagner also. Kriegt sie gerade die besseren Mandanten ab? Ist das der Grund, warum du dich so unsäglich aufführst? Konkurrenz, und dann noch von einer Frau?“

Marko sah aus, als wollte er Lisa in den Canale Grande schubsen. „Ach, was weißt du schon!“ Sein Handy klingelte.

„Wenn du rangehst, ist es aus mit uns“, sagte Lisa leise.

„Tschüss!“, fauchte Marko und drehte sich um.

Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Sechs Stunden später saß Lisa auf der Terrasse des Hotels, in dem sie sich eingemietet hatte. Sie sah es gar nicht ein, den lag ersehnten Urlaub jetzt abzubrechen. Venedig konnte sie auch allein erobern. Und sie fühlte sich wohl in ihrer Haut. Sie hatte sehr gut gegessen und trank gerade das zweite Glas Rotwein. Noch war der Gedanke, plötzlich Single zu sein, ein bisschen unwirklich. Doch es fühlte sich gut an. „Besser allein, als schlecht begleitet“, hatte ihr Großvater immer gesagt.

Als ihr Handy klingelte und Markos Name auf dem Display erschien, ging sie nicht ran.

Heute vor 90 Jahren …

… wurde mein Papa geboren. Er war der Sohn von Hedwig Margarethe und Carl Anton.

Er war der große Bruder der Zwillinge Magda Anna und Hans Dietrich.

Er lernte Schmied, war mit Leib und Seele Lokführer und betrieb im Nebenberuf einen Feuerlöscher-Kundendienst. Wenn er bastelte, wurde es sehr, sehr laut.

Er heiratete, wurde einige Jahre später Witwer, fand die Frau im roten Kleid und wagte es noch einmal.

Er wurde Vater zweier Töchter (links meine wunderbare Schwester).

Er hat für sein Leben gerne Quatsch gemacht und viel gelacht …

…sogar, wenn es gar nicht so viel zu lachen gab. Doch als Großvater gab er nochmal alles.

Und das war seine Lebenseinstellung:

Vor 18 Jahren war sein Weg zuende. Doch er hat uns viel mitgegeben. Unter anderem wunderbare Erinnerungen.

Neue Filzexperimente

Nachdem ich hier schon ein paar Mal Taschen aus Strickfilz gepostet habe, wird es Zeit für ein paar neue Filzexperimente: Mir ist nämlich in diesem doofen Internet kürzlich das Nadelfilzen untergekommen. Da nimmt man ein paar Klumpen Wolle, piekst mit einer Nadel darin herum, bis sie in Form kommt, bezieht das ganze schön bunt und – fump – hat man eine lebensgroße naturgetreue Schleiereule auf der Schulter sitzen. Oder einen entzückenden Hundewelpen nebst Hütte in Streichholzschachtelgröße. Oder einen fantasievollen Drachen, der einem jedem, der ihn sieht, ein ehrfurchtsvolles „Oooohhhh“ entlockt. Das sollte angeblich ganz einfach sein, sodass ich beschloss, mal wieder mein Können zu erweitern, etwas Neues zu lernen und irgendwelche Männeken zu basteln. Ich machte mich also ans Einkaufen (WOLLE!!!) und überlegte, was ich denn alles wunderbares Filzen wollte. Phönix, ja, klar, inclusive Feuer und Ei, außerdem einmal das ganze Tierleben von Brehm.

Nun sind ja meine handwerklichen Fähigkeiten eher begrenzt, weshalb ich dachte: „Erst mal vorsichtig anfangen“. Ist ja auch ’ne Nadel dabei, soll heißen, man kann sich pieken. Also lieber nichts ganz Kleines. Aber auch nichts ganz Großes – das überfordert mich. Ich beschloss also, ein Mobilé für ein Babyzimmer herzustellen – heitere Unterwasserwelt. Letzten Sonntag ging es frisch ans Werk. Ich stocherte also optimistisch in meiner naturfarbenen Wolle herum und formte einen Fisch, den ich mit filigranem Schuppenwerk überzog:

Nun ja – eine Sardine ist zweifellos eleganter gestaltet. Aber ich wollte ja auch keinen keinen Dosenfisch erschaffen, sondern einen exotischen Schleierschwanz. Denn schon bei diesem ersten Stichelwerk fiel mir auf, dass schöne Gesichter wohl nicht zu meinen Stärken gehören, das Tier musste also mit dem anderen Ende punkten.

Na gut, das geht ja schon mal. Aber das Mobilé soll mindestens sechs Seebewohner haben, außerdem eine stolze Nixe in der Mitte. Also musste der verregnete Feiertag ebenfalls zum Werkeln herhalten. Eine Schildkröte sollte es werden – schließlich besaß ich als Grundschulkind ebenfalls Wasserschildkröten und weiß genau, wie die aussehen. Sie haben innen ein Skelett und obendrauf eine struppige Frisur (die von dem merkwürdigen Blick ablenken soll):

Der Panzer bekam einen schönen grünen Überzug mit einem mosaikartigen Schildpattmuster. Das Tier guckt nicht klug, aber freundlich, und wird sich inmitten eines heiteren Schwarms von Fischen sicherlich gut machen.

Ich bin erst mal ganz zufrieden mit meinen ersten Filzversuchen, auch wenn „naturgetreu“ natürlich was anderes ist. Ich habe mich nicht erstochen (nur zwei Mal fast), man kann die Sachen erkennen und es macht wirklich viel Spaß. Die Kunst kommt vielleicht später noch, und wenn nicht, belasse ich es beim Spaß.

Heute wurde ich allerdings in einer Filzgruppe auf Facebook von einer mir unbekannten Dame darauf hingewiesen, dass man an ein Mobilé nichts hängen dürfe, das nicht wirklich fliegen kann. Denn, so meinte sie, sonst würde man die Kinder unterbewusst zur Unwahrheit erziehen. Ich nahme das zur Kenntnis, beschloss, dass die Gute einen Kleinen an der Zwiebel hat und diskutierte das nicht weiter 😉

Nachtrag: Ich habe den Schildkröterich übrigens „Sascha“ getauft.

Die kleine Wolke

Im Schreibworkshop bekommen wir zur Inspiration immer mal wieder irgendwelche Bilder, die wir als Grundlage für unsere Mini-Geschichten benutzen sollen. Dieses Mal war es ein dunkles Bild mit Wasser, einem kleinen Boot und einer dicken Regenwolke. Na, da lässt sich doch was draus machen – denn auch Wolken haben Gefühle!

Leider habe ich das Original-Gemälde nicht mehr wiedergefunden, so dass es dieses Mal ein Ersatzbild tun muss.

Die kleine Wolke

Endlich, endlich, endlich, dachte die kleine Wolke, während sie eifrig Tropfen um Tropfen aus der schwülen Sommerluft zog. Endlich durfte sie auch einmal regnen. „Schönwetter“, hatte ihr Arbeitsplan geheißen, die vollen zwei Wochen schon, in denen sie hier bislang angestellt war. „Schönwetter“, das hieß, dass sie dazu verdammt gewesen war, als albernes schneeweißes Schäfchenwölkchen über einen knallblauen Himmel zu schweben. „Schäfchenwölkchen“, schon diese doppelte Verniedlichung ließ ahnen, wie demütigend dieser Job für jemanden wie sie war. Schließlich war sie eine voll ausgebildete Wolke, hatte eine Zusatzqualifikation als Unwetterwolke, war geübt im Gewittern und konnte sich drohend verdunkeln bis hin zu stahlgrau mit schwefelgelbem Einschlag. Und dann sowas: Schönwetter!

Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Jetzt jedoch hatte diese Narretei ein Ende. Die Parole „Hitzegewitter“ war ausgegeben worden und gierig hatte die kleine Wolke alles Nasse zusammengerafft, das sie greifen konnte. „Wenn du nicht bald anfängst zu tröpfeln, wirst du platzen“, meinte Heidelinde, eine dicke, träge Wolke mit Hang zum ausuferndem Kumulus. Die kleine Wolke hatte darüber nur gelächelt: Sie war ja noch jung und dicht, ihr Schließmuskel funktionierte einwandfrei. Und sie hatte Lust auf ein bisschen Spaß.

Dann endlich sah sie ihre Chance kommen: Ein kleines Boot auf einem Teich, mit ein paar Sommerfrischlern darin. Zwei Männer, zwei Frauen. Die Männer ruderten hastig. Ohne Zweifel, sie hofften, dass sie es noch vor dem drohenden Wolkenbruch bis ans Ufer schaffen würden. Doch die kleine Wolke dachte gar nicht daran, sie entkommen zu lassen. „Sommerfrischler“, schon allein dieser Begriff schrie doch nach einer Erfrischung. Sie lachte, als sie die Schleusen öffnete. Platsch! machte es – alles auf ein Mal. In jugendlichem Ungestüm hatte die kleine Wolke das Boot zum Kentern gebracht, seine Insassen paddelten aufgeregt schreiend herum. Und das, musste die kleine Wolke zugeben, war ihr doch ein wenig peinlich.

Klein-Meikes Leseschätze – Zöpfe unterm Cowboyhut

Dieses wunderbare Buch gehörte eigentlich meiner Schwester, ich habe es aber unzählige Male ausgeliehen und gelesen. Vor einigen Jahren fand ich es bei ebay und habe seitdem endlich ein eigenes Exemplar – was für ein Glück!

Zöpfe unterm Cowboyhut, von Marjorie Filley Stover

Darum geht es: In der Geschichte geht es um Emma-Jane Burke, die im 19 Jahrhundert gemeinsam mit ihrer Familie von Texas nach Illinois zieht. Auf die Reise gehen neben Emma-Jane ihre Mutter, der schwer kranke Vater, etliche jüngere Geschwister und 81 Longhorns. Diese Rinder sind in Texas nicht viel wert, könnten aber in Illinois deutlich gewinnbringender verkauft werden, weshalb es für die Familie so wichtig ist, sie mitzunehmen.

Emma-Jane ist bis zum Aufbruch ein ganz normales 13-jähriges Mädchen, das es kaum erwarten kann, endlich lange Röcke und das Haar aufgesteckt tragen zu dürfen. Als sie von der Krankheit des Vaters erfährt, beschließt sie, alles zu tun, um die Familie zu unterstützen. Durch den Tod des Vaters muss sie über sich hinauswachsen und die Führung des Trecks übernehmen – eine Aufgabe, die ihr außer ihr selbst wohl niemand zutraut.

Doch Emma-Jane ist zäh und gewitzt. Sie findet Hilfe, und wo man sie ihr nicht freiwillig gewährt, setzt sie sich durch wilde Entschlossenheit durch. Und so schafft sie es, Rinder und Familie glücklich ans Ziel zu bringen.

Was ist das Besondere? Du kannst alles schaffen, auch wenn du ein Mädchen bist – diese Botschaft vermittelt das Buch sehr klar. Emma-Jane glaubt an sich und hat ein Ziel. Im Epilog erfährt man, dass sie den Rest ihres Lebens genauso weitergemacht hat – entschlossen voran, sich nicht einschränken lassen. So haben sie und ihr späterer Mann es zu einem gewissen Wohlstand gebracht – und das gönnt man diesem tapferen Mädchen nach dem Lesen dieses Buches aus ganzem Herzen.

Was gibt es noch: Die Autorin Marjorie Filley Stover ist eine direkte Nachfahrin Emma-Janes. Sie hat etliche Bücher geschrieben. Trotzdem ist im Netz im Grunde nichts über sie zu finden. Ihre Nachforschungen über Emma-Jane Burke erledigte sie gemeinsam mit ihrem Mann, einem Historiker – zumindest soviel sagt der Klappentext des Buches über sie.

Ich bin Patentante!

Patenurkunde Kobelt-ZooZu Corona-Zeiten werden Großkonzerne mit allen Mitteln vor dem Konkurs bewahrt – eine Maßnahme, die ich in gewissen Grenzen durchaus befürworte. Was leider ziemlich hinten runter fällt, sind „die Kleinen“ – besonders die Kulturtreibenden oder die Vereine. Ich habe hier und da ein wenig gespendet. Besonders angetan hat es mir derzeit der kleine, ehrenamtlich geführte Kobelt-Zoo in Frankfurt. Da gibt es keine Elefanten oder große Exoten, sondern Haustiere, Vögel und allerlei Kleingetier. Dieser Zoo wird oft von Kindergartengruppen besucht, oder auch von Leuten, die es nicht so dicke haben, denn der Eintritt ist kostenfrei und der Zoo finanziert sich nur durch Spenden. Ich habe auch dorthin einen kleinen Betrag überwiesen.

Zusätzlich habe ich zwei Patenschaften übernommen: Eine für ein Schaf, eine weitere für einen Ara. Nun bin ich also Patentrante und freue mich ganz kindlich über die beiden Patenurkunden, die mir zugeschickt wurden. Meine Freundin Maike wurde ebenfalls Patin, sie unterstützt den Lebensweg einer Anakonda sowie eines Karpaten-Uhu. Sollte noch jemand Lust auf eine Tierpatenschaft haben: Es gibt sicherlich weiterhin Finanzbedarf, und es sind auch noch Tiere „im Topf“. Für recht kleines Geld kann man hier schon mithelfen – das ist sicher auch für Kinder ganz schön.

Ausgeflogen!

Corona sei Dank haben sich die Meisen auf meinem Balkon nicht nur an meine Anwesenheit gewöhnt. Ich hatte auch das Glück, dass ich den Ausflug der Meisenküken beobachten konnte. Eines am Donnerstag Abend, zwei am Freitag. Ob es noch mehr waren, weiß ich leider nicht. Eventuell habe ich welche verpasst.

Das Donnerstags-Vögelchen fiel mir auf, weil es sich eine ganze Weile an meinem Insektenschutz festklammerte, bevor es sich todesmutig vom Balkon stürzte. Immerhin vom sechsten Stock aus – hoffentlich hat es sich nicht weh getan.

Vöglein Nummer zwei purzelte aus dem Kasten, segelte besoffen direkt an meinem Fenster vorbei, flatterte auf meine Fensterbank und guckte mich durch die Scheibe hindurch neugierig an. Ich glotzte natürlich zurück. Die Fotos sind leider unscharf, ich mochte nicht so nah rangehen. Außerdem sind die Scheiben dreckig.

Gerade, als ich mich von meiner Verblüffung erholt und die Handykamera vernünftig im Anschlag hatte, drehte es sich um und guckte woanders hin – so wird das nichts mit der Topmodelkarriere. Dann flatterte es davon, ditschte ein, zwei Mal an die Balkonbrüstung, überwand diese schließlich und verschwand.

Vögelchen dreht sich um

Nummer drei schließlich schielte nur kurz aus dem Kasten, schwang sich über die Balkonbrüstung und taumelte dem Leben entgegen – hoffentlich. Nachbars Katze schlich ebenfalls umher, ich hoffe, sie war ordentlich satt.

Seitdem die Fütterungszeit vorbei ist, ist es deutlich ruhiger auf dem Balkon. Meisen und Spatzen leben wieder in freidlicher Ko-Existenz, nachdem der Meiserich in den zwei Tagen vor dem Ausflug wie ein Berserker auf jeden Spatz losging, der sich an den Futterständer wagte. So entschlossen, wie Papa Meise zu Werke ging, hätte er es wohl auch mit einer Krähe aufgenommen.

Jetzt wird wieder friedlich gepickt und emsig gebalzt, so dass ich auf eine zweite Brut hoffe. Und das letzte Foto, unscharf und durch die fleckige Scheibe geknipst wie die anderen auch, zeigt einmal, wie groß so ein ausgeklappter Meisenflügel werden kann. Das war ein Zufallstreffer.

Startende Meise

Musik von Damals – The River

Heute habe ich mich in einer Playlist verloren – in einer schnöden Playlist von Amazon Music. Sowas höre ich gerne, wenn ich in der Küche herumwerkle, denn da habe ich kein Radio und lasse stattdessen das Handy dudeln. „Retro Frühling“ hieß die Zusammenstellung heute, und genau das war enthalten. Bob Dylan, Gordon Lightfood, die Beatles und die Beachboys – alles alte Bekannte, die mich dazu brachten, beim Obst schnippeln fröhlich mitzujodeln. Doch dann kam der Boss.

Ich höre Bruce Springsteen schon immer recht gerne, habe es aber nie soweit gebracht, mir etwas von ihm zu kaufen oder ein Konzert zu besuchen. Ich erinnere mich aber daran, dass wir früher bei unseren Spiele- oder Grillabenden auch oft das Radio anhatten – zum Beispiel die Sendung „Nightrock“ auf Radio ffn. Und irgendwann kam dann immer „The River“., diese alte Balade aus dem Jahr 1980. Das war damals das Lieblingslied eines Freundes, der dann ganz rührselig wurde. Und das wurde ich heute auch. Denn heute – ausgerechnet heute – hätten wir uns eigentlich in der Nähe von Hannover treffen wollen, um den 10. Hochzeitstag eines Paares aus der Kohlfahrtsrunde zu feiern. Gewiss wären auch viele Leute gekommen, die ich nicht kenne, doch ich habe mich auf meine alten Freunde gefreut. Corona sei Dank ist das verschoben worden.

Vernünftig, ja sicher. Aber heute in meiner Küche war mir gar nicht nach vernünftig zumute. Ich sah uns wieder dort sitzen, jung und unbefangen, an manchen Abenden deutlich jenseits von angetrunken. Darauf hätte ich heute auch Lust gehabt – schon am Nachmittag anfangen zu saufen, den Abend gemütlich passieren lassen, irgendwann ein „Croque“ vom Baguetteladen, denn Sushi war damals noch nicht drin. Bier oder Wein, auch hier eher billige Ware, Chips und Schokorosinen. Heute gibt es andere zu schnabulieren. Doch der Ablauf hätte mir heute gefallen. Ich wurde wehmütig. Der Rest der Playlist löste derartige Emotionen nicht aus und das das Kompott köchelte, war ich bereits wieder heiter. Aber es ist schon seltsam, was für starke Emotionen so ein altes Lied auslösen kann.

Ob „The River“ für den alten Freund noch immer solche Bedeutung hat, weiß ich gar nicht. Aber ich weiß, dass ich ihn und die anderen heute gerne gesehen hätte. Eine Feier, bei der es so richtig kracht, das hätte ich gerne mal wieder. Naja – aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wird schon werden.  Heute schickere ich mir alleine einen an. Das tue ich selten, aber ich glaube, heute geht was. Hergen und Kathrin, danke für die Einladung – ich komme, wann immer ihr wieder ruft. Und dieser Wein ist für euch!