Covid und das große Müde …

Zwei Monate Blogpause – das gab es seit 2013 noch nie bei mir! Aber wie es eben so geht: Manchmal geht einfach nix.

Da fuhr ich doch Anfang Oktober frohgemut in den Urlaub an die Ostsee. Das Wetter war prächtig, meine Laune war es auch.

Leere Strandkörbe im Herbstlicht

Unterwegs nach Niendorf

Ich hatte ein hübsches kleines Hotel direkt am Timmendorfer Strand gebucht, hüpfte jeden Morgen früh aus dem Bett, frühstückte ausgiebig im fast leeren Frückstücksraum und stiefelte dann los. Es war noch so warm, dass man den ganzen Tag draußen sein konnte – angenehm zu Zeiten einer noch immer herummarodierenden Pandemie. Durch die viele Bewegung – ich ging auch jeden Abend noch schwimmen – fühlte ich mich fit und jung, gerade so, als sei ich höchstens 49.

Blick auf die Ostsee. Im Vordergrund allerhand Grünzeug.

Irgendwo auf der Promenade

So verging meine Woche viel zu schnell. Schon am Freitag war ich etwas wehmütig, so dachte ich zumindest, und konnte mich nicht mehr so recht motivieren. Das Schwimmen habe ich geschwänzt. Am Samstag fand ich meinen Koffer zu schwer und im Zug begann ich zu husten. Zuhause machte ich einen Covid-Test und der zeigte sofort – nach 30 Sekunden – einen dicken roten Strich. Fehlte nur noch, dass er geklingelt hätte. Hallo Corona, mein Name ist Meike.

Wie zu erwarten, war ich die beiden Wochen danach ziemlich im Eimer, auch wenn es alles in allem sicherlich ein milder Verlauf war. Aber diese Müdigkeit! Ich glaube, ich habe in meinem Erwachsenenleben noch nie so viel geschlafen.

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Eule im Vogelpark Niendorf. Ich habe bessere Fotos gemacht dort, aber dieses erscheint mir hier passend.

Inzwischen habe ich mich einigermaßen berappelt, aber zum Schreiben fehlte mir bislang jegliche Lust und Inspiration. Also habe ich Pause gemacht und mich mal wieder an die Verarbeitung meiner Wollberge gemacht. Socken, Tücher, dit und dat – all das wanderte letzte Woche in einem großen Karton an das Charity-Projekt, bei dem ich mitmache. Auch diese kleinen Gesellen hier, die den heutigen Post versöhnlich abschließen sollen:

gestrickte Schnecken und Trompetenschnüffler

Die Guten kommen wieder

Noch einmal etwas Märchenhaftes. Irgendwie habe ich es ja immer mit dem Tod. Dieses Mal begegnet er uns in Gestalt einer jungen Frau – denn wer sagt, dass Tode immer große, gruselige Kuttenträger sein müssen?

Die Guten kommen wieder

Es war einmal eine alte Frau mit Namen Elise. Die hatte vor fünf Jahren ihren Mann verloren und trauerte noch immer. Jeden Tag ging sie zum Friedhof und setzte sich auf die kleine Bank gegenüber dem Grab, um ihm nah zu sein. Eines Tages setzte sich eine junge Frau zu ihr. „Ich hoffe, ich störe Sie nicht?“, fragte sie und Elise schüttelte den Kopf. „Nein, ganz und gar nicht. Ich bin nur hier, weil ich sonst nichts zu tun habe und auf diese Weise meinem Hans nah sein kann.“ Die Frau nickte verständnisvoll. „Ja, das kann ich gut nachvollziehen, Ich finde auch, dass Friedhöfe etwas besonders Magisches haben. Eine Kraft, die einen auftanken lässt. Es gibt eigentlich nur einen Ort, der noch stärkere Kräfte hat, und das sind Spielplätze.“ Elise lächelte, schüttelte aber gleichzeitig den Kopf. „Spielplätze? Da war ich nur sehr selten mal. Mein Mann und ich hatten leider keine Kinder.“ Die junge Frau berührte die Ältere ganz kurz am Arm. „Ich weiß“, sagte sie, „ich kenne Ihre Geschichte.“ Überrascht sah Elise sie an. „Sie wissen Bescheid über uns? Wie denn das?“ Die junge Frau zuckte leicht die Achseln. „Nur das, was sich herumspricht. Dass Sie Ihren Johannes schon als Kind kennengelernt haben, Sie einander liebten, aber aus familiären Gründen nicht heiraten durften, beide zuerst unglückliche Ehen mit anderen Partner hatten und sich dann wieder getroffen haben. Ich finde es so wunderschön, dass Sie ihr Glück doch noch gefunden haben.“ Elise sah versonnen vor sich hin. „Ja, das stimmt alles. Erstaunlich, was die Leute so über einen wissen. Man kann sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, wie sehr die Familien uns damals unter Druck gesetzt haben, die Finger voneinander zu lassen. Zuerst waren wir nicht stark genug. Aber dann, nach diesem ungeheuren Zufall, der uns wieder zusammenbrachte, konnte uns nichts mehr trennen. Bis auf der Tod, natürlich.“ Beide schwiegen eine Weile.

Friedhof

„Wie war er denn?“ fragte die junge Frau schließlich und Elises Lächeln machte ihr altes, faltiges Gesicht jung und wunderschön. „Er war einzigartig. Warmherzig und zuverlässig, außerdem ein echter Schlingel, auch im Alter noch. Sein spitzbübisches Grinsen hat sich nie verändert. Er hatte noch so viel von dem Schulbuben an sich, der mich getröstet hat, als ich an meinem ersten Schultag Angst hatte und weinte. Er war ja sechs Jahre älter als ich. Trotzdem bemutterte er mich ein bisschen, auch wenn die anderen Jungen über ihn lachten und ihn eine Glucke nannten. Er hatte einfach ein gutes Herz.“ „Das klingt schön, wie Sie über ihn sprechen“, sagte die junge Frau. „Trotzdem denke ich, dass Sie den Tipp mit dem Spielplatz einmal versuchen sollten. Er ist gleich bei Ihnen in der Nähe, wenn Sie durch den kleinen Park laufen.“ Elise versprach, es sich zu überlegen. Sie saßen noch ein wenig beieinander, bevor die junge Frau sich verabschiedete und irgendwo zwischen den blühend bepflanzten Gräbern verschwand.

Der nächste Tag brachte strahlendes Frühsommerwetter. Elise war früh fertig mit ihrer Hausarbeit und beschloss, von dem Gang zum Friedhof tatsächlich einmal durch den Park zu schlendern und nach dem Spielplatz zu sehen. Als sie sich ihm näherte, sah sie die junge Frau auf einer Bank sitzen und den Kindern beim Spielen zusehen. Aus einer Laune heraus kaufte sie am Kiosk zwei Eis am Stiel und ging auf die Bank zu. „Da sind Sie ja wieder“, rief die junge Frau erfreut und bedankte sich für das Eis. „Das ist ja nett von Ihnen!“ Gemeinsam aßen sie und beobachteten das Gewimmel auf dem Spielplatz. Es waren mindestens ein Dutzend Kinder, stellte Elise fest, und gemeinsam lachten sie ein paar Mal laut auf, wenn eines der ganz Kleinen drollig über den Rasen kugelte. Als ein kleiner Junge sich nicht die Rutsche hinunter traute und ein etwas Größerer ihm gut zuredete, jubelten sie beide laut, als der Kleine sich irgendwann mutig abstieß und unten in der Sandgrube landete. „Das hätte mein Hans auch gemacht“, bemerkte Elise mit Blick auf den größeren Jungen, der etwa fünf Jahre alt war und mit den anderen Kindern friedlich spielte. Ab und zu lachte er laut oder warf den auf der Bank sitzenden Frauen ein spitzbübisches Lächeln zu. „Er ist wie Hans“, durchfuhr es sie und sie sah zur Seite zu ihrer Bekannten. Die nickte nur. „Ja“, sagte sie. „So funktioniert das. Die Guten kommen wieder.“ Elise war so erschüttert, dass sie nur noch Augen für den Jungen hatte. Sie bemerkte nicht einmal, dass die Frau neben ihr einfach verschwand.

Elise ging von nun an fast jeden Tag auf den Spielplatz. Sie erfuhr, dass der kleine Junge Johannes hieß und ein echter Lausbub war – manchmal frech, aber nie böse. Er half den Kleineren und schützte einen Igel vor den Angriffen eines Pudels. Und wenn er lächelte, sah Elise ein anderes, älteres Gesicht vor sich: faltig, aber doch jungenhaft.

Als der nächste Frühling kam, fühlte Elise, dass ihre Kräfte rapide schwanden. Sie war müde und antriebslos. Eines Tages kam sie morgens kaum aus dem Bett. „Was ist das denn?“, wunderte sie sich und dachte „Geht so Sterben?“ Sie wehrte sich nicht groß gegen den Gedanken, denn mit 85 Jahren zu sterben fand sie nicht schlimm. Und so erledigte sie mühsam alles, was noch zu tun war, leerte ein letztes Mal die Mülleimer, fegte raus und wischte kurz durch die Waschbecken. Dann zog sie sich etwas Bequemes an und legte sich auf das Sofa. Im Sessel neben ihr saß die junge Frau, die sie schon kannte. „Da sind Sie ja wieder“, sagte dieses Mal Elise und die Frau zwinkerte ihr zu. „Ja, da bin ich. Und dieses Mal habe ich Ihnen etwas mitgebracht.“ Sie zog eine große Glaskugel hervor und hielt sie Elise direkt vor das Gesicht. Die sah hinein. Man sah ein junges Paar über einen Parkplatz laufen, er mit schnellen, aufgeregten Trippelschritten, sie mühsam und gebückt, die Hände an den Bauch gepresst. „Die Guten kommen wieder“, sagte die junge Frau und nickte Elise aufmunternd zu. „Ein paar Stunden wird es wohl noch dauern, aber sehr schwer wird diese junge Mutter es nicht haben.“ Beruhigt legte Elise sich in ihr Kissen, zog die Wolldecke hoch bis zum Kinn und entspannte sich. Atmen, immer nur Atmen, mehr gab es nicht zu tun. Und irgendwann brauchte es auch das nicht mehr.

„Atmen, atmen, Sie schaffen das!“ Und ja, mit einer letzten Kraftanstrengung der jungen Schwangeren war es endlich geschafft. Noch war sie erschöpft, und ihr Mann war der Ohnmacht näher, als er es sich je hatte träumen lassen. Doch dann blickten sie gemeinsam glücklich auf ihre lang ersehnte Tochter, die klein, warm und verschrumpelt auf den Bauch der Mutter gelegt worden war. Sie nannten sie Ella.

Die Überraschung

Manchmal macht es Spaß, aus einem Set von fünf vorgegebenen Worten eine Geschichte zu schreiben. Unsere Grundlage lautete: Fenster, Stolz, Gold, Kellner, unbeeindruckt

Die Überraschung

Unbeeindruckt vom Schneegestöber sah Ulrike mit leerem Blick aus dem Fenster. Sie hätte genauso gut eine Betonwand oder eine Vogelspinne anstarren können, so weit weg war sie mit ihren Gedanken. In ihrem Kopf kreisten immer noch die Geschehnisse des gestrigen Abends: Das schöne Restaurant, die festliche Kleidung, der Kellner, der ihr galant den Mantel abgenommen hatte. Und natürlich Peter, der ihr ganz gentlemanlike den Arm geboten und sie zu ihrem Tisch geführt hatte. Dabei hatte er sie angesehen mit diesem besonderen Blick, einer Mischung aus Stolz und Liebe. Wenn dieser Blick sie traf, fühlte sie sich immer als etwas ganz Besonderes.

Sie war aufgeregt gewesen. Etwas Wichtiges lag in der Luft, das spürte sie. Ob er sie endlich fragen würde, ob sie ihn heiraten wollte? Schließlich wohnten sie jetzt schon drei Jahre zusammen. Die Art, wie er sie ansah, verhieß etwas Gutes, so schaute er immer, wenn er eine Überraschung für sie hatte. Oder wenn er etwas ausgefressen hat, flüsterte der ewige Zweifler in ihrem Ohr. Doch sie schob ihn beiseite – heute nicht. Heute würde es passieren, das spürte sie. Ob er dabei auf die Knie gehen würde? Fast schon spürte sie einen imaginären Ring aus kühlem Gold an ihrem Finger – Weißgold mit einem glitzernden Stein.

„Ich habe es getan, Ulli“, hörte sie ihren Freund da sagen. „Ich habe uns was gekauft!“ „Ringe?“, platzte es aus Ulrike heraus und er wirkte verblüfft. „Ringe? Ääähh, ne, keine Ringe. Möchtest du einen? Dann schenke ich dir einen zu Weihnachten, dann weiß ich schon mal was. Aber heute habe ich uns was Besseres gekauft!“ Er hob sein Glas und strahlte sie an. „Was Besseres?“, fragte Ulrike zögernd. „Was denn?“ „Einen Hühnerstall!“, verkündete Peter voller Stolz und so laut, dass einige der anderen Gäste sich nach ihm umdrehten. „Einen Stall mit fünf Hennen. Sowas wollte ich schon immer mal haben. Nach Weihnachten wird er geliefert.“ Ulrike nahm es zur Kenntnis.

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Foto von cottonbro von Pexels

Nicht die Einzige!

Vor vielen Jahren war ich mit meiner Schwester im Deutschen Auswandererhaus – einem wirklich guten, wunderbar gelungenen Museum in Bremerhaven. Das war ein schöner Ausflug damals, doch da ich mich blöd anstellte und kopfüber in das kleine Kino stürzte, waren danach nicht nur Knie und Hüfte, sondern auch mein Selbstbewusstsein arg angeschlagen. Wie kann man nur so dusselig sein, dachte ich. Ist ja auch unangenehm, sich von einigen Herren einer Senioren-Reisegruppe vom Boden aufklauben zu lassen.

Außenfassade Deutsches Auswandererhaus

Diese seelische Blessur wurde im Juni jedoch geheilt. Denn ich war offensichtlich nicht die Einzige, der das passiert ist. Es wirkt vielmehr so, als seien die Leute REIHENWEISE in dieses Kino geplumpst. Als ich mit meiner Freundin Kerstin, die das Museum noch nie besucht hatte, Eintrittskarten kaufte, wurden wir vom netten Kartenverkäufer vorgewarnt: Es sei einige Male passiert, dass Personen die Stufen im Kino übersehen hätten und gestürzt seien, wir sollten bitte aufpassen. Das fand ich ja schon sehr aufschlussreich. Hinzu kommt, dass man das Kino inzwischen nur noch in den Pausen zwischen den Filmen betreten darf – und dann machen die tatsächlich LICHT an da drin. Man konnte die Stufen dieses Mal also sehen. Zu meinem Erstaunen gingen sie nicht steil in die Tiefe, sondern nur sehr flach, was mir damals nicht geholfen hat – ich hatte wohl ordentlich Schwung. Auf jeden Fall liefen wir dieses Mal nicht Gefahr, uns bäuchlings ins Vergnügen zu stürzen, was mich beruhigt hat.

Denkmal "Die Auswanderer" in Bremerhaven

Denkmal „Die Auswanderer“

Das Museum ist übrigens unbedingt auch einen zweiten Besuch wert. Es wurde inzwischen in Teilen überarbeitet. Nicht mit allem konnte ich etwas anfangen, vielleicht war mir auch einfach nur zu warm, um irgendwelchen Debatten zu folgen. Man konnte sich jedoch auch ohne derartig anspruchsvolle Programmpunkte stundenlang im Museum aufhalten, ohne sich zu langweilen.

Ach so, und noch etwas fällt mir ein: Vor acht Jahren war ich nicht ganz sicher, ob das Museum wirklich barrierefrei ist. Inzwischen kann ich das bestätigen: Doch, das ist es. Man muss manchmal etwas rumgucken, bis man den Lift findet, aber es gibt einen Zugang zu allen Ausstellungsteilen.

Flieger und Brummer

Es gab Pflaumenkuchen! Wieder mal bei meiner Freundin Maike, wieder mal auf ihrer wunderschön begrünten Dachterrasse. Maike gärtnert leidenschaftlich gerne und bemüht sich jedes Jahr, ein dauerblühendes Bienenparadies zu gestalten. Und ich ging auch dieses Jahr wieder auf Fotosafari. Wie immer mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ich knipse ja ausschließlich mit dem Handy und nutze die „einfach draufhalten-Technik“, was dazu führt, das ich pro einigermaßen gelungenem Foto mindestens 10 mache, die unscharf, verwackelt oder am Ziel vorbei getroffen sind.

Das Problem beim Knipsen dieser possierlichen kleinen Viecher ist ja nicht nur meine generelle Langsamkeit. Und nein, auch nicht die kleine Verzögerung, die zwischen meinem hektischen Fingertippen und dem Auslösen der Kamera entsteht. Nein, das Problem liegt häufig in der mangelnden Kooperation meiner Models. Die halten einfach nicht still, und viele gucken mich freiwillig nicht mal mit dem Hintern an. Oftmals verlassen sie einfach die Location, wenn ich abdrücke, und kümmern sich einen Scheiß darum, dass ich sie gerade ganz groß rausbringen will. Dann sieht man auf der Aufnahme bestenfalls noch ein unscharfes Flugobjekt an scharfer Blüte. Oft aber auch nur eine nackte Blüte ohne Insekt – was manchmal natürlich auch ganz schön ist.

Trotz der Widrigkeiten macht mir diese laienhafte Fotojagd immer viel Spaß, wenngleich es manchmal desillusionierend ist, aus der Masse an Fotos hinterher all die vermurksten Bilder auszusortieren. Auch waren mir die vielen Wespen beim Kuchen essen teilweise etwas lästig, besonders das verwirrte Wesen, dass sich im Sturzflug in meine Sahne stürzte. Aber gut, wer das eine will, muss das andere mögen – und wir brauchen diese eifrigen kleinen Tierchen deutlich dringender als sie uns.

Sommerlicher Farbenrausch

So ganz allmählich erwachen meine Lebensgeister wieder – das hat eine ganze Weile gedauert nach der coronabedingten Rückzugs-Starre. Deshalb hatte ich auch viel Freude an den tollen Außenanlagen im Museumsdorf in Cloppenburg. Gemüse- und Bauerngärten, riesige Hortensien und Blumen, Blumen, Blumen. Trotz der Hitze hatte ich Spaß daran, die eine oder andere Blüte zu knipsen.

Es gibt nicht nur Kulturpflanzen im Museumsdorf, auch allerhand Wildkraut gibt es anzugucken. Auf Wiesen und in Pferchen wohnen alte Haustierrassen und ich verliebe mich jedes Mal wieder neu in die Heidschnucken, die mir dieses Mal leider nur den Hintern zudrehten. Dafür hatte ich einige nette Unterhaltungen mit gescheckten Pferden.

Zu meinem großen Erstaunen fand sich heute Morgen gar keine Aufnahme von Phlox. Dabei kam der in fast jedem Garten überreichlich vor. Wir wunderten uns darüber und haben mehrfach darüber gesprochen – aber geknipst habe ich keinen. Schade. Aber gut, dafür gab es allerhand anderes …

Immer, wenn ich derartige Blumen sehe, denke ich, dass Gärtnern ja auch wirklich ein schönes Hobby ist. Wenn ich dann jedoch daran denke, wie ungern ich früher zuhause im Garten gewerkelt habe, verwerfe ich diesen Gedanken wieder. Meine Freundin Maike jedoch, der ich das Bild von der Rosenblüte mit Knospen und blauem Nebengeblümel schickte, fühlte sich davon inspiriert und will diese Farbkombination im nächsten Jahr auf ihrer Dachterrasse umsetzen. Das soll sie mal machen, ich knipse das dann 🙂

Dreieckstuch mit Loch- und Streifenmuster

Ich habe ein neues Lieblings-Tuch-Muster! Einfach und fernsehtauglich, macht es doch was her. Und wenn der etwas fummelige Anfang erst mal überstanden ist, ist es total fix gemacht. Gestrickt habe ich ohne Anleitung, also frei Schnauze. Folglich ist das erste Tuch ein Prototyp, den ich bei Nummer zwei ein bisschen optimiert habe. Hier beim Tuch in Blautönen fand ich den Rand ein bisschen schmal, doch es gefällt mir trotzdem gut. Beim zweiten Tuch habe ich früher mit dem Lochmuster begonnen, so dass mehr Garn für den Rand übrig blieb. Gestricktes Tuch in Blautönen liegt auf meinem verknitterten grünen BettlakenDa immer mal wieder die Frage kommt, wie man etwas gestrickt hat, hier der Versuch einer Kurzanleitung:

  • 6 Maschen anschlagen, eine Reihe mit rechten Maschen stricken, dabei einen Maschenmarkierer zwischen Masche 3 und 4 hängen (Mittelmasche, der Markierer wird bis zum Schluss mitgeführt)
  • In allen folgenden Hin-Reihen wie folgt zunehmen: Beide Randmaschen verdoppeln (2 Maschen aus der Randmasche herausstricken), außerdem die Maschen vor und hinter dem Maschenmarkierer verdoppeln. Auf diese Weise nimmt man pro Hin-Reihe jeweils 4 Maschen zu. In den Rück-Reihen ohne Zunahmen stricken.
  • Zu Beginn wird kraus rechts gestrickt, also Hin- und Rück-Reihe mit rechten Maschen. Dadurch liegt der Rand beim Tuch später glatter.
  • Sobald durch die Zunahmen 30 Maschen auf der Nadel sind, beginnt die einfache Streifenfolge:
  • 4 Reihen glatt rechts (Hinreihe rechte, zurück linke Maschen, insgesamt zwei Mal)
  • 6 Reihen kraus rechts (sechs Reihen nur rechte Maschen)
  • eine Reihe Lochmuster: Rechts stricken, am Rand zuerst die Zunahme, dann eine Masche abstricken, dann ein Umschlag, zwei Maschen rechts zusammenstricken. So weiter bis zur Mittelmasche, hier das Lochmuster mit einmal zusammenstricken beenden, Mittelmasche verdoppeln. Sollte zwischen dem letzten Mal Zusammenstricken und der Mittelmasche noch eine Einzelmasche sein, diese einfach abstricken. Nach dem Maschenmarkierer so fortsetzen, wie auf der anderen Seite aufgehört: Zunahme, evtl. einfache Masche abstricken, zusammenstricken, Umschlag. Fortsetzen bis zum Ende.
  • Die Rückreihe nach dem Lochmuster mit linken Maschen stricken.
  • 4 Reihen glatt rechts
  • 6 Reihen kraus rechts
  • 4 Reihen glatt rechts
  • Lochmuster
  • … fortsetzen, bis das Tuch die gewünschte Größe hat
  • Am Ende einen Rand in kraus rechts stricken. Hierfür genügend Wolle einplanen – die langen Reihen zum Schluss ziehen sich ganz schön hin.
  • Zum Schluss locker abketten. Auch hierfür lieber etwas zuviel als zuwenig Wolle einplanen. gestricktes Tuch in roas-grün-Tönen auf meinem staubigen Parkett

Beide Tücher liegen hier ungewaschen und ungespannt, sie fallen aber auch ohne Spannen sehr schön.

Verwendet habe ich beide Male einen 200 Gramm-Bobbel der Sorte „Dahlia“ von Hobbii. Dieses reine Baumwoll-Garn hat eine tolle Qualität, ist allerdings, wenn man es regulär kauft, alles andere als ein Schnäppchen. Zum Glück kann man bei Hobbii immer sehr gut darauf waren, bis es „Lagerräumungsverkäufe“ gibt, denn dann muss man unter Umständen weniger als die Hälfte ausgeben.

Die Tücher wandern in die Charity-Kiste und gehen demnächste wieder an eine Gruppe, die hessenweit Selbstgemachtes an Organisationen verteilt, die es gebrauchen können. Ich bin optimistisch, dass sich jemand darüber freuen wird.

Reif für’s Museum

Bei aller berechtigten Kritik an den sozialen Medien: Manchmal sind sie zu was gut. Beim Verbreiten von kleinen Informationen zum Beispiel, an die man ohne Internet-Kontakte vielleicht gar nicht rangekommen wäre. So ging es mir vor etwa zwei Wochen, als ich einen Beitrag meiner früheren Schulfreundin Petra auf Facebook sah: Sie berichtete, dass das Museumsdorf in Cloppenburg erweitert worden sei, u. a. um eine Discothek. Da meine Schwester und ich zuletzt vor 7 Jahren in diesem Museum waren, beschlossen wir, mal wieder hinzufahren. Bei brütender Hitze vielleicht eine komische Idee, aber zumindest war es gar nicht voll. Und – was soll ich sagen – es war ein Rückstoß in unsere Jugend.

Dorfdisco "Sonnenstein" in einem Klinkerbau

Dorfdisco, wie ich sie kannte

Die an ihrem alten Standort in Harpstedt abgebaute und ins Museumsdorf versetzte Dorfdisco „Zum Sonnenstein“ erinnerte mich schon von außen an die Lokale, in denen ich meine Jugendabenteuer erlebte. Bei uns war es die „Gaststätte zum Loyerberg“, das „H9“ oder das „Ede Wolf“, und sie sahen dem Sonnenstein innerlich und äußerlich frappierend ähnlich. Klinkerbauten, altmodische Leuchtreklamen, innen dunkle Holztheken, in allen Ecken aufgestapelte Getränkekisten, Tiffanylampen – diese wilde Mischung machte den Discoabend aus. Getrunken wurde bei uns Cola mit Weinbrand, genannt Charly, und in der Happy Hour von 0 bis 1 Uhr kostete ein kleines Glas dieses Gesöffs gerade mal eine Mark. Prost.

Innenaufnahmen aus dem Sonnenstein: Dorf-Disco-Ambiente der 80er Jahre.

In der Disco lief 80er-Jahre-Musik, es standen vertraut aussehende Getränke herum und die in einem Ausgabe-Fenster auf Abholung wartende Currywurst sah genau so appetitlich aus, wie es damals üblich war. Über das Anrichten einer Speise machte man sich dort keine Gedanken, hauptsache warm, fettig und salzig. Guten Appetit!

Beim Betreten der Räumlichkeiten wurde man schon von einem imaginären Türsteher angesprochen: Meine Schwester solle sich dieses Mal gefälligst benehmen, sonst flöge sie raus. Und ich sei besonders scharf gekleidet heute – nun ja. Auch wenn man weiter ging, konnte man Gespräche belauschen: Mal wurde eine Gunda befragt, wo sie denn die gelien Klamotten her habe, dann jammerte ein junger Mann, dass er dringend eine Mitfahrgelegenheit nach Bassum suche. Der Arme, das ist wirklich weit ab vom Schuss. Zum Glück nahm sich jemand seiner an. Es war lustig und authentisch, wir hatten viel Spaß.

Auch einen neuen Laden gibt es, in dem Produkte unserer Kindheit zu kaufen waren, und eine Ausstellung ließ uns ebenfalls in Erinnerungen schwelgen. Das hat Spaß gemacht und war toll, aber dass meine Generation inzwischen reif für’s Museum ist, stimmt mich doch ein bisschen wehmütig.

 

Der Schatz in der Pflanze

Diese kleine Geschichte ist in Teilen basiert auf einer Aufgabe im Workshop (Ihr findet einen Schatz in eurer Topfpflanze), der andere Teil ist autobiographisch. Ich habe nämlich mal versucht, Sukkulenten zu züchten – mit den unten beschriebenen Erfolgen.

Der Schatz in der Pflanze

Die blöde Sukkulente will schon wieder eingehen. Seit zwei Jahren bemühe ich mich darum, Sukkulenten zu züchten. Heraus kommt immer nur ein tabakähnlicher Bröselkram. Doch immer, wenn ich mich gerade dazu durchgerungen habe, das Elend zu entsorgen, kommen wieder einige grüne Triebe und ich gebe der Sache nochmal eine Chance. Es ist doch verrückt: Diese Dinger wachsen auf Steinen und in Wüsten, wuchern in Gärten und Kübeln. Nur bei mir passt ihnen irgendetwas nicht und sie verweigern die Zusammenarbeit. Aber jetzt ist Schluss! Ich werde das jetzt weg und kaufe mir morgen ein Alpenveilchen.

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Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Mit Schwung kippe ich den Inhalt meines grünen Blumentopfes in den Mülleimer. Als ich den gerade zuhauen will, sehe ich inmitten der brauen Erde etwas glitzern. Ich tauche hinab ins Universum meines Hausmülls – wie gut, dass ich das nicht in die Biotonne geschmissen habe. Meine Finger finden in all dem Gekrümel etwas Festes und zu meiner großen Überraschung ziehe ich einen goldenen Ring mit allerhand Blingbling daran aus dem Müll. So ein richtig dickes Teil wie aus den Kronjuwelen der Lisbeth Battenberg, nur in dreckig.

Fassungslos betrachte ich meinen Fund. Ist das der Grund, warum meine Sukkulentenzucht gescheitert ist? Und noch viel wichtiger, wie kommt der Ring in meinen Blumentopf? Will mir jemand etwas sagen? Hat etwa der komische Vogel, den ich vor zwei Jahren aus einer Jazzbar abgeschleppt habe, irgendwelche ernst-romantischen Absichten mir gegenüber gehabt? Zeitlich käme das mit der Sukkulentenpflanzung in etwa hin. Aber nein, der Typ hatte nie im Leben einen Ring in der Tasche, der war total pleite und so romantisch wie eine Salatgurke gewesen.

Was dann? Lebte auf meiner Fensterbank ein Zwerg, der aus mir Aschenputtel unbedingt eine Prinzessin machen wollte? Hatte der mit seiner winzigen Schaufel … Nein, den weiteren Gedanken verbiete ich mir. Ich bin zweifellos eine schlechte Gärtnerin, aber deshalb doch nicht völlig verblödet.

Ich wasche das Schmuckstück in meiner Spüle. Vorsichtig löse ich den Dreck aus den Fassungen der Edelsteine. In meinen Ohren höre ich die Stimme der Expertin von „Bares für Rares“ – die mit dem komischen Namen. „Müsste dringend gereinigt werden.“ Ach ne, nicht möglich, darauf wäre ich gar nicht gekommen. Ich schiebe meine Gleitsichtbrille zurecht und schalte das Licht über dem Herd ein, um das Schmuckstück genauer zu untersuchen. Ein dicker blauer Glitzerstein in der Mitte, kleinere helle Steinchen drumherum. „Hoch aufgebaut“, tönt die Expertin in meinem Kopf. Ich suche nach einer Punze und finde stattdessen eine Gravur: Ilona und Wilfried. Na toll, von mir steht da mal wieder nichts. Ohne Zweifel, irgendwer, wahrscheinlich diese Ilona, hat diesen Ring verloren. Wie er in meine Blumenerde gekommen ist, erschließt sich mir zwar nicht, aber das geht mich auch nichts an.

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Nach ein wenig Grübelei entschließe ich mich zur Ehrlichkeit. Der Ring gehört mir nicht und Ilona vermisst ihn vielleicht. Ich mache Fotos für Social Media – wer vermisst diesen Ring? Bitte teilen, teilen, teilen! Dann bringe ich ihn zum Fundamt. Wenn Ilona oder Wilfried sich melden, sollen sie ihn sich dort abholen. Und wenn sich keiner meldet, gehört er ganz offiziell mir. Dann gehe ich damit zu „Bares für Rares“ und erzähle dort von meinem Unglück mit den Sukkulenten. Wer weiß, vielleicht hat da ja jemand einen Tipp für mich.

Späte Gerechtigkeit

Der alte Klamottenladen hat geschlossen. Endlich, denkt Tanja, als sie die Straße ihres Heimatortes entlangläuft. In diesem Geschäft hat es schon seit mindestens 10 Jahren nichts Modernes mehr gegeben, es hat sie immer gewundert, wie dieser Saftladen überleben konnte.

Sie lässt ihren Blick über die heruntergekommene Fassade des Hauses schweifen, bemerkt das verblichene alte Schild und die dreckigen Fenster. Armselig sieht das aus, schmuddelig und aus der Zeit gefallen.

Wäre es ein anderes Geschäft, würde es Tanja vielleicht ein wenig leid darum tun. Eigentlich mag sie kleine Läden und sie läuft auch nicht jeder Mode hinterher. Auch hängt sie an ihrem alten Dorf und möchte eigentlich keinen Leerstand direkt hier am Marktplatz. Doch dieses alte Textilgeschäft mochte sie noch nie. Auch nicht, als es noch gut lief und das erste Haus am Platze war. Denn der Inhaber war schon immer unglaublich arrogant gewesen. Er hatte geglaubt, dass dieser kleine Dorfladen ihn über den Rest der Einheimischen erhob und ihn zum Patriarchen des Dorfes machte.

„Ich weiß nicht, ob wir hier etwas für Sie haben“, hatte er zu Tanjas Mutter gesagt, die mit ihr an der Hand den Laden betreten hatte. „Wir haben hier eher hochwertige Ware.“ Und die Mutter hatte diese Unverschämtheit hingenommen, geschluckt und den Laden wieder verlassen. Denn Teures konnten sie sich selten leisten, sie gehörten zu den kleinen Leuten. Das hatte Tanjas Mutter ihr damals erklärt, und die hatte ihre Jugend damit verbracht, diesen Laden zu hassen und dem Inhaber nachts Müll in den Garten zu schmeißen. Das hatte er sich redlich verdient, genau wie den langsamen Niedergang seines Geschäftes in den letzten Jahren.

Tanja wirft einen letzten Blick auf das „zu vermieten“-Schild in der Tür und lächelte. Sie ist zufrieden.